nach für unsre Wirthschaft zu verwenden, ohne daß der Vater es erfahre. Vor dem Fremden glaubte ich sicher zu seyn; obgleich mich zuweilen bei dem Gedanken an ihn, eine eigene Angst überfiel. Ich fürchtete, er möchte doch einmal plötzlich erscheinen."
„Ich hatte von reichen Leuten erzählen gehört, die auf sonderbare Weise ihr Geld weggeworfen, oder eine Zuneigung für Arme gleich mir gefaßt. Auch hatte trotz seiner Spielwuth wieder eine eigne Art Ernst in ihm gelegen, so daß mich die Erinnerung an ihn mit einer gewissen Furcht und Besorgniß erfüllte."
„Angestrengte Arbeit ist die beste Arznei für Leib und Seele. Auch ich hatte mich hierdurch nach drei Tagen völlig beruhigt. Ich arbeitete fleißig, dachte dabei nicht viel nach und machte einen kleinen Abstecher von achtzehn Meilen zu einem Rademacher, um einen zweispännigen Wagen zu kaufen, wofür ich fünf und neunzig Dollar bezahlte, was denn einen guten Theil des eingenommenen Geldes verzehrte. So verging die Woche; Sonntag kam und am Montag war ich wieder fleißig bei der Arbeit. Am Abend, von des Tages Last und Hitze ermattet, -freute ich mich, als ich die Sonne sinken sah, legte die Art nieder, ging zu meinem Vater, der auf der Hausflur saß und warf mich dort, zu seinen Füßen, mit offenstehender Jacke, aufgeschlagenen Aermeln, ohne Halstuch und die Schweißtropfen auf der Stirn, auf den Boden nieder."
„Als ich aber nun so ausgestreckt bag, wen erblickte da mein Auge? Der Fremde von neulich kam den Weg herab geritten , der auf unser Haus; zuführte. Ich erkannte ihn beim ersten Blick und mein Herz pochte heftig, denn hinter ihm ritt noch Jemand auf einem braunen Füllen, und obgleich es schon dunkel wurde, erkannte ich doch, daß es ein Frauenzimmer war. Ich sah meinen Vater an und er bemerkte meinen Schreck, doch behielt er keine Zeit, auch nur eine Frage an mich zu richten, denn beide Reiter waren schon zu nahe."
„Trotz meiner Ueberraschung betrachtete ich die Dame doch neugierig. Daß sie eine zierliche Figur hatte, und wie eine Königin auf ihrem Rosse saß, sah ich, das Gesicht war aber verschleiert, und als der alte Mann ihr vom Pferde helfen wollte, beugte sie sich mit einer Würde zu ihm herab, wie eine Ceder vor dem Winde."
(Fortsetzung folgt.)
Des Reichsverwesers zweiter Ginzug in Frankfurt,
Frankfurt, 4. Aug. (O.-P.-A.-Z.) Gestern Nachmittag legten die Hauptstraßen unserer Reichsstadt wiederum ihren festlichen Schmuck an, die deutschen Fahnen wehten von den Fenstern und Giebeln herab und eine unübersehbare Menschen-
maffe wogte in froher und festlicher Stimmung auf dem Römerberg, der neuen Kräme, Zeil, Fahrgasse und jenseits des Mains in Sachsenhausen. Alles war zum feierlichen Empfang des Erzherzogs-Reichöverwesers, seiner Gemahlin, der „ersten deutschen Frau", wie die Wiener sie sinnreich genannt haben, und des Sohnes Beider, des jungen Grafen v. Meran, gerüstet.
Die hochverehrten Reisenden hatten ihren Weg über Aschaffenburg genommen und mußten deßhalb Sachsenhausen passiren. Schon von 5 Uhr Nachmittags an standen dort die Jungfrauen dieses Stadttheils in weißen Kleidern, Eichenkränze in den Haaren, schwarz-roth-goldene Schleifen an der Brust und Blumensträuße in der Hand, in langer Reihe, der sehnlich Erwarteten harrend.
In Frankfurt selbst aber schuf sich unterdeß auch wieder ein Bild, wie am 11. Juli. Alle Fenster bis unter das Dach, alle Ballone, Brunnen, Kutschen u. s. w. mit Schaulustigen besetzt. Vom Kaisersaal her zogen an tausend Jungfrauen in demselben schönen Festschmuck, wie in Sachsenhausen, — weiße Kleider, Eichenkränze und Blumensträuße mit deutschen Schleifen — über die Zeil vor den russischen Hof und stellten sich dort in langer Reihe auf bis vor und in den russischen Hof hinein und die Treppen hinauf bis an die Thüren der bereit gehaltenen Gemächer. Und die ganze Reihe hielt einander verbunden durch lange Gewinde von Eichenlaub. Daß aber die schöne, blühende, lebensfrische Doppelreihe der Jungfrauen nicht von dem Andrang der auf- und niederwogenden Massen von Schaulustigen behelligt werde, bildeten die Schuy- Wehrmänner der zwölf Quartiere eine zweite Reihe, mit Armbinden in den Frankfurtischen Farben und heute zum ersten Male mit schwarzen calabresischen Hüten, von welche über die deutsche Kokarde Federn herabwallten. Das Auge suchte umsonst einen Ruhepunkt in dem Festgepränge.
Indessen ließen die Gefeierten lange auf sich warten. Erst um halb 9 Uhr Abends donnerten und knatterten die Freuden- und Signalschüsse von Oberrad und den Frankfurtischen Landhäusern her, die Herankunft des Erzherzogs und seiner Familie verkündend. Mit klingendem Spiel zog das Musikkorps der genannten Dorfschaft dem Wagen voran. Lauter Jubelruf und Freudenschüsse nahm die Ankommenden am Aschaffenburgerthor in Empfang; der Wagen mußte eine Weile halten. Die Jungfrauen Sachsenhausens begrüßten hier die Gemahlin des Erz- Herzog-Reichsverwesers mit einem schönen Gedicht, welches ein derselben, nachdem sie es gesprochen, der gefeierten Dame, auf Atlas gedruckt, überreichte. Dieser Gabe wurde als ein Andenken an diesen schönen Tag ein Album angefügt, welches auf schwarz- und rothsammtnen, goldbefranzten Kiffen eine andere Jungsrau im Namen ihrer Schwestern der Frau Gräfin von Brandhof übergab.
Und nun schwamm der Wagen langsam weiter durch die festlich bewegte Masse, durch die mit Laubgewinden geschmück-