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ches dem Umsichgreifen eines ländlichen Proletariats den feste­sten Damm entgegensetzt. DieOrangisten" sind in jenen Ge­genden besonders stark und diese Ritter des protestantischen Monarchismus allein würden bei ihrer oft erprobten Mann­haftigkeit, welche nur zu oft in junkerhafte Brutalität aus­artet, genügeu, um jeden aufrührerischen Versuch tm ersteu

Keime zu ersticken.

(Schluß folgt.)

Laufe August gänzlich davon befreit seyn werden. Die offizielle Angabe dèr Todten erstreckt sich bis heute schon auf 16,000; wohl unterrichtete Leute behaupten aber, die Zahl der Opfer wäre weit über 20,000.

Kein Alter, keine Klasse ist übrigens geschont worden,, selbst schwangere Frauen nicht, wie überhaupt der.Charakter der jetzigen Cholera verschieden von dem von 1831 ist. Düf gesund gebliebenen Leute entgingen dem Einflüsse der Epidemie^

Ueber den

Verlauf der Cholera in Petersburg theilt die Rhein. Zeitung Folgendes mit:Die erste Cholera- Erkrankung ereignete sich am 4. Juni und stieg dann die Zahl der Erkrankten in so fürchterlicher Schnelle, daß man vom 25. bis 28. Juni, wo die Seuche wohl ihr Zenith erreicht hatte, täglich 3000 Erkrankte und 2000 Todte zählte.

In dieser Woche waren auch von Morgens früh 6 Uhr, bis Abend 10 und 11 Uhr, in allen Straßen nichts als Lei­chenbegängnisse zu sehen, die sich überall kreutzten und selbst den gewöhnlichen Gang der Omnibus und anderer öffentlicher Fuhrwerke hinderten.

Da die Cholera hauptsächlich unter den niederen arbeiten­den Klassen wüthete, und zwar mit solchem akutem Charakter in den ersten Wochen, daß der Kranke binnen 4 und 10 Stun­den starb, so tauchte unter ihnen wieder der alte Aberglauben Don Vergiftungen des Wassers und der Lebensmittel auf, der einige Emeuten und Todtschläge unschuldiger Personen nach sich zog, welche aber bald tur$ des Kaisers energisches und persönliches Auftreten und Truppen -Konzentrirungen in der Stadt unterdrückt wurden.

Wohl kann man annehmen, daß St. Petersburg, welches über 500,000 Einwohner zählte, jetzt nur die Hälfte der­selben enthält. Alle Herrschaften und reichern Leute haben sich auf das Land zurückgezogen, und die Arbeiter, Taglöhner u. s. w. sind zu hunderten von ihren Arbeiten weggelaufen, um in ihre Dörfer zurückzukehren, so daß viele Bauten, Fabri­ken, selbst Dampsschiffe wegen Mangel an Leuten stille stehen.

Leider sind die sich flüchtenden Arbeitsleute, meistentheils von der Epidemie ergriffen, unterwegs aller Hilfe entblößt, elendiglich umgekommen, und haben von 60,000 Individuen wohl kaum % ihre Heimath erreicht, wo sie aber demselben Uebel entgegen gingen, da die Cholera ganz Rußland vom Kaukasus bis Finnland ergriffen hat.

Die Heftigkeit und Schnelligkeit, womit sie hauptsächlich hier wüthete, ließ mit Recht vermuthen, daß sie um so weni­ger anhalten würde, und wirklich ist sie jetzt so im Abnehmen, daß nachdem man noch vor 8 Tagen gegen 300 Todte jeden Tag zählte, wir diese Woche etwas über 100 Todte jeden Tag haben. Man glaubt, daß wir, Gott gebe es, bis im

indem sie an Magenbeschwerden, Kopfweh und Blutbeängstü gungen leiden, wie es auch bei mir der Fall ist: seit 4 Wochen bin ich leidend und von einer Mattigkeit in all meinen Glie­dern ergriffen, die mir in meinen Geschäftsobliegenheiten sehr hinderlich ist. Doch hoffe ich bald wieder ganz hergestellt zu seyn, wenn einiger Maßen stabiles gutes Wetter eintritt.

Am Tage haben wir bis 25 und 30° + R Hitze, und Abends nur 8° bis 10° +, welcher schnelle Temperaturwechsel natürlich schädlich seyn muß.

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Miszellen.

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Berlin, 29. Juli. Bei den Berathungen, welche jetzt über die Ab­schaffung der Todesstrafe schweben, wird es für Ihre Leser nicht ohne Interesse sein, einige statistische Nachrichten über die bisher gefällten und vollstreckten Todesurtheile zu erhalten. Nach einer uns vorliegenden, aus authentischen Quellen geschöpften Uebersicht sind in den Jahren 1826 bis 1843, also in einem Zeitraume von 18 Jahren, in der Rheinprovinz 189 Todesurtheile gefällt worden, durchschnittlich also 10 bis 11 TodeSurthcile in jedem Jahre. Davon betrafen 48 Mord, 20 Kindermord, 16 Mordversuche, 14 Todtschlag, 46 Brandstiftungen, 22 Falschmünzerei, 21 Raub und 2 qualifizirte Diebstähle. Von den 189 Todesurtheilen haben nur 6 die Be­stätigung des Königs erhalten, also noch nicht der dreißigste Theil; es kommt demnach in der Rheinprovinz durchschnittlich auf drei Jahre immer nur Eine Hinrichtung. In den übrigen 183 Fällen ist die Todesstrafe in lebenswierige oder zeitige Freiheitsstrafe verwandelt worden. Anders stellt sich die Sache in den nicht rheinischen Provinzen; hier sind in den 18 Jahren im Ganzen 237 Todesurtheile gefällt und davon 94, also mehr als der dritte Theil, be­stätigt worden. Der Gründ dieser Verschiedenheit liegt theils darin, daß das rheinische Strafrecht im Allgemeinen strenger ist und die Todesstrafe auch auf solche Verbrechen androht, bei denen sie, wie z. B. bei bloßen Mord­versuchen, bei Falschmünzerei und qualifizirtem Diebstahle, nach dem Allge­meinen Landrechte nicht Statt findet, theils darin, daß nach dem rheinische« Strafverfahren auf Todesstrafe auch dann erkannt werden kann, wenn sein Geständnis des Verbrechers und keine direkten Beweise seiner Thäterschaft vorliegen, während die Bestätigung der Todesurtheile bisher in Ueberein­stimmung mit den Grundsätzen der Kriminal-Ordnung in der Regel nur bann erfolgte, wenn die Schuld des Verbrechers auf das vollständigste erwiese« worden ist.

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Theater zu Wiesbaden.

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Samstag den 5. August. Neu ein studirt: Freien nach Vor­schrift. Lustspiel in 4 Akten von Dr. C. Töpfer.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.

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