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Der einzige Sohn des ehemaligen Gubernialraths v. Staniszewsky zu Wlodzimirz im Königreich Polen, hatte sich bei der polnischen Schilderhebung von 1846 sehr stark bctheiligt, war aber nach Unterdrückung derselben den besonders nach ihm, als Sohn eines russischen Beamten, spähenden Augen der russischen Regierung glücklich entschwunden.

Vor Beginn des posenschen Aufstandes soll sich nun der junge Mann mehrmals in der Nähe seiner Heimach gezeigt und feile Angeber es verrathen haben, daß er sowohl von sei­nem greisen Vater als seiner Schwester in einem nahegelege­nen Walde öfter besucht und von ihnen mit den nöthigen Le­bensbedürfnissen versehen worden sey. Der junge Staniszewski entkam zwar glücklich, allein der greise Vater mußte mit seiner Tochter, nach Ueberstehung einer Körperstrafe von etlichen hundert Hieben, nach Sibirien wandern und sein Vermögen preisgeben.

Ersterem soll es bei seiner Kenntniß der russischen Sprache gelungen seyn, heimlich bis Petersburg-zu kommen und bei dort ansässigen Landsleuten einen sichern Zufluchtsort zu fin­den. Aus der geführten Untersuchung ergibt sich, daß nicht weniger als 1400 entschlossene junge Männer sich allmählig mit Staniszewski verbunden hatten, den Kaiser fortwährend zu beobachten, um ihn bei günstiger Gelegenheit lebend zu fangen und die von ihm so unzählige Mal verfügte Knutenstrafe an ihm selbst in Ausführung zu bringen.

Da sich Mitglieder der höchsten russischen Familien bei diesem Komplotte bctheiligt hatten, so war die Ausführung dieses Attentats gegen den Kaiser, sowie eine, bei der in Petersburg schon längst herrschenden Gährung und Unzufrie­denheit gänzliche Umwälzung der Regierungsform nicht un­wahrscheinlich.. Bei Gelegenheit eines zu veranstaltenden Feuers zur Nachtzeit, wobei der Kaiser, wenn er sich in Petersburg befindet, sich stets mit weniger Begleitung auf den Schauplatz des Unglücks zu begeben pflegt, sollte das Vor­haben ausgeführt werden; zu seinem Glücke wurde dasselbe noch zeitig genug verrathen, aber schon zu spät, um des Rädelsführers Staniszewsky und seiner Hauptmitverschwornen habhast zu werden, die sich bei Jnnewerdung des Verraths augenblicklich flüchteten.

Es sollen über 7000 Personen aus den höchsten Familien dabei kompromittirt, aber nicht hinreichende überführende Be­weise vorhanden seyn, um sie straffällig zu finden. Auf die Einbringung Staniszewski's, der noch einen Brief mit Dro­hungen an den Kaiser gesandt haben soll, ist eine Belohnung von 10,000 Silber-Rubel ausgesetzt.

Irische Zustände.

Daß Irland in diesem Augenblicke abermals am Vorabende einer Rebellion steht, darüber sind in England alle Stimmen

einig; man streitet nur noch über den Charakter deS Vlufru^rg; Derselbe hat ohne Frage eine dreifache Richtung: eine poli­tische, eine nationale und eine sociale, oder, wenn man lieber will, eine agrarische. Das Volk erhebt sich zu glei­cher Zeit für die Republik, für Losreißung von Großbritannien und für den Kampf gegen die großen Grundbesitzer, welche großentheils englischen Ursprungs und protestantischen Glau­bens sind. Auf diese Weise vermischt sich das religiöse Ele­ment mit den übrigen'Motiven des Hasses, welcher sich gegen den alles umfassenden Namen derSassenach", der Monarchi­sten, der Engländer, der Reichen und der Ungläubigen richtet. Das irische Volk erhebt sich abermals und zum wie vielten Male? um die Sünden der Väter an den Kindern heimzu­suchen, welche keine andere Schuld haben, als daß ihre Vor­fahren ein Land eroberten, das in sich verfallen und unglücklich war. Selten haben Eroberungen eine andere Frucht getragen, aber man muß es dem britischen Namen zur Ehre eingestehen, daß Irland vor der englischen Eroberung weit unglücklicher, ärmer und zerrütteter war, als es nach derselben je geworden ist.

Gewiß ist nie eine Regierung mit einem reineren Gewissen und mit allgemeinerer Unterstützung aller verständigen und red­lichen Männer in einen Kampf gegen Aufrührer gegangen, als heutzutage die englische. Auch würde man sich sehr irren, wenn man annähme, ganz Irland erhebe sich gegen diese Re­gierung. Ein gewisser Sinn passiver Unloyalität ist allerdings im Lande sehr weit verbreitet, aber im Allgemeiner sind der Norden und der Westen der Insel von der Ansteckung ziemlich frei geblieben. In Kerry, Clare Connaught, wo noch die katholische Geistlichkeit einen unumschränkten Einfluß ausübt, ist für jetzt kein Ausbruch zu befürchten; die Priester fürchten ebenso sehr wie die Gutsherrn, jenen Geist des Umsturzes, der von Dublin aus mit den radikalsten Pariser Klubbs fra- ternisirte, und sie bieten daher Alles auf, um die Insurrektion von ihren Sprengeln fern zu halten, obwohl eben dort die Wirkungen der leiblichen Noth sich am fühlbarsten gemacht haben.

Hunger und Seuchen haben in den genannten Grafschaf­ten, den rohesten von ganz Irland, am schrecklichsten gewüthet, aber eben don hck das SprichwortHunger macht zahm" seine sonst sehr zweifelhafte Richtigkeit bewährt. Das Volk ist zu sehr heruntergekommen, um an Waffenthaten zu denken, und die Organisation der Klubbs hat daher westlich vom Shannon sehr wenig Fortschritte gemacht. DieGentry," der kleine Landadel, fühlt sich daher inmitten der unglücklichen Be­völkerung völlig sicher.

In noch weit höherem Grade gilt dies von den nördlichen Grafschaften, namentlich von Ulster. Dort wohnt nicht allein eine sehr starke und sehrrespektable" protestantische Bevölke­rung, voll Loyalität und Tapferkeit, sondern dort hat auch seit Jahrhunderten das System der Erbpacht vorgewaltet, wcl-