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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^ 123» Samstag den S August 18L8.

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Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadl Frankfurt 8 fl. 30 kr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 ff. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die russische Note.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Vom Rhein (Die Auf­regung in Preußen). Stuttgart (Die kommandirten dreiHochs").

-/ Koburg (Protestation des Herzogs gegen einen thüringischen Ge- sanimtstaat). Berlin (Die Cholera). Schleswig-Holstein .(Fortdauernde Waffenruhe. Motive der Einstellung der Unterhandlungen).

Wien (Die Rückkehr des Kaisers). Aus Oesterreich (Die Geldausfuhr).

Frankreich. Paris (Proudhons Antrag).

Großbritannien. London (Die Vorgänge in Irland).

Italien. Vicenza (NeuesSiegeSbülettinder Oesterreicher).Verona

(Vom Kriegsschauplätze),

Sprechsaal für Stadt und Land.

Die russische Note.

(Aus der Wes.-Ztg.)

Das Kreisschreiben des Hrn. von Nesselrode an die russi­schen Gesandten in Deutschland ist mit demselben Geschick ent­worfen, welches die diplomatischen Aktenstücke des Petersburger Kabinetö seit Jahren auszeichnet. Es spricht mit Vorsicht und mit Sicherheit, es bedient sich der mildesten Ausdrücke und läßt nur zuweilen die Macht und den Willen des Selbstherr­schers hervorblicken, wenn es auch gleich hinterher ändeutet, daß damit nicht etwa- gedroht sein solle.

Wir erfahren aus der Note, was man in Deutschland längst wußte, daß nämlich Rußland keinen Angriffskrieg gegen uns beabsichtige. In der That könnte es bei einem solchen nichts, rein gar nichts gewinnen, und da der Kaiser und sein Kabinet davon auf das Innigste überzeugt sind, so kann Groß- tnuth und friedfertige Stimmung, sie nicht eben viel Zwang oder Ueberwindung kosten. Ein Krieg mit Westeuropa, zunächst mit Deutschland, würde Rußland selbst bis in die Tiefe hinein aufregen und manche jetzt schlummernde Kräfte wecken. Er würde die Polen, welche sich in nationaler und noch mehr in kirchlicher Beziehung verletzt fühlen, zum Widerstande aufregen, er würde das noch längst nicht erstorbene Bewußtsein der Klein- Ulssen aufs Neue emporrichten, und durch die erforderlichen Rekrutenaushebungen auch die Großrussen mißmüthig machen. Das Heer am Kaukasus kann nicht vermindert werden, die Dorgänge an der untern Donau machen eine Vermehrung der ^stehenden Truppen nöthig, das Innere darf man nicht völlig von Soldaten entblösen, und gegen Deutschland wird wan einen Invasionskrieg mit 150,000 Mann um so weniger führen wollen, da die Hälfte dieser Truppen allein schon nöthig um die polnischen Provinzen im Zaume zu halten.

Beginnt Rußland den Krieg im Westen, so hat es ihn in gleicher Zeit auch im Südosten, es belebt ihn am Kaukasus, und muß gefaßt seyn, daß der mißvergnügte Theil seiner Unter­tanen, zur Empörung aufgestachelt wird. Zudem hat es seine ülotte in knegöfertigen Zustand zu setzen, und die Eventuali- wten auf welche es sich laut Hrn. v. Nesselrode gefaßt hält, oerschungen große Summen. Den Steuerdruck, schon jetzt auf orn Unterthanen lastend, kann und darf es nicht vermehren, >ne Anleihe von großem Belang möchte unter den obwalten­den Umständen große Schwierigkeit haben, und die eigenen

Finanzen Rußlands scheinen ohnehin nicht in so glänzender Lage zu sein, als man sie uns gern schildern möchte.

In Erwägung aller dieser Umstände haben wir nie daran geglaubt, daß Rußland jetzt Feindseligkeiten gegen Deutschland beabsichtige. Es ist dazu noch nicht vorbereitet. Alle kriegeri­schen Gerüchte, mit denen wir in den letzten Monaten völlig überstürzt wurden, die Masse von frech erlogenen Angaben über Vorgänge an der polnisch-russischen Grenze, sind zumeist von jenen juifs errants der Revolution, den polnischen Pro­pagandisten und ihren unbezahlten oder bezahlten Helfershelfern, planmäßig ausgesprengt worden, um das leichtgläubige Deutsch­land in Spannung zu erhalten. Jene Polen haben nichts mehr zu verlieren, weder Vermögen noch Vaterland; sie sind in verzweifeltster Lage und alle Mittel erscheinen ihnen recht. Wir wollen sie nicht schelten, denn sie sind unglücklich, gleich­viel ob lediglich durch eigene oder auch fremde Schuld. Aber für schmachvoll erklären wir es, daß deutsche Blätter und deutsche Abgeordnete planmäßig oder aus Geistesbe­schränktheit mit diesen Desperados gemeinschaftliche Sache ma­chen. Wir können jetzt keinen Krieg mit Rußland brauchen, wir haben genug im Innern zu thun. Ohne Zweifel würde ein Kampf mit Rußland unsre inneren Fragen weit rascher zur Lösung bnngen, aber in Uebermuth denselben geflissentlich Hervorrufen zu wollen, wäre frevelhaft. Wie gesagt, die polni­schen Abenteurer, welche Himmel und Erde aufbieten, um uns in Krieg mit dem nordischen Nachbar zu verwickeln, ha­ben nichts zu verlieren; sie setzen nichts weiter ein als daS nackte Leben, welches ihnen ohnehin zur Last ist. Aber Deutsch­land ist kein Polen, wir sind ein Kulturvolk, wir haben Ge­werbe' und Handel, die wir nicht leichthin aufs Spiel setzen dürfen und die bei der Nation schwerer ins Gewicht fallen, als luftige Spekulationen, wie sie Hr. Ruge zum Besten gibt, oder schwerfälliger und doch hohler Wortkram, mit welchem uns einige andere Abgeordnete von Frankfurt her über alle Gebühr zu behelligen pflegen.

Wir werden, der polnischen Völker- und Staatenleiche wegen, mit Rußland keinen Krieg anfangen; darüber hat man in Frankfurt entschieden. Wir wahren dafür lieber unser Recht und unsere Interessen in den überelbischen Herzogthümern, und dagegen darf Rußland nichts einwenden. Wenn Hr. v. Nesselrode akzentuirt, daßRußland die Integrität einer nor­dischen Monarchie garantirt" habe, so kann sich dieseGarantie" nicht auf Schleswig und Holstein beziehen, die eben keine dänischen Lande sind, sondern rechtlich so wenig mit Dänemark zu schaffen haben, wie Würtemberg mit Japan, wenn beide so unglücklich wären, vermöge einer Personalunion denselben Monarchen zum Kaiser, respektive König, zu besitzen. Von Dänemark wollen wir Deutschen auch nicht ein Haarbreit Landes; wir erstreben nichts anderes als unsre Landes- und Stammesbrüder vor dänischen (Übergriffen zu schützen. Und deshalb werden wir den Krieg nicht enden, bis wir diese heilige Aufgabe gelöst haben. (Schluß folgt.)

D e n t f ch l a n d.

* Wiesbaden, 4. August. (Ständeve r sa m m l u n g.) Reg.-Komm. Voll Pracht erklärt, daß die Kosten für den Auszug nach Baden' bei der Bundesmilitätkommission geltend gemacht worden seyen, eine Entscheidung aber noch nicht vor- liege.