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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JV1. 12L Donnerstag den 3. August 18L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Grvßherzoqthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Krankfurt 8 fl. 30 kr>, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Arnold Ruge.

Ein Wort über die zukünftige Einrichtung der nassauischen .Rezepturen.

Deutschland. Wiesbaden (Aus dem Ständesaale. Die Truppen, welche nach Schleswig ziehen sollen. Die Gehalte der StaatSdiener in unserer Volkskammer. Landtag). AuS Westfahlen (Kartoffelkrank­heit). Hannover (Das Ministerium und die Reichszentralgewalt.) Schleiz (Unruhen). AuS dem Reußischen (Bauernrevolution).

Schleswig (Perfidie der Dänen). Berlin (Der König. Erlaß desselben in Betreff des Reichsverwesers).Wien (Der Banns von Kroa­tien. Der Kaiser wird nicht zurückkehren). Innsbruck (Die Schlacht bei Custozza).

Arnold Ruge

(Aus der Rhein. Ztg.)

Herr Ruge im Rausche seinerWeltanschauung" wünscht, daß die Oesterreicher in Italien aufgerieben werden. Wie sollt? er nicht? Der Charakter, ja die Substanz, dasAn- und für-sich-seyn" des Deutschen ist nach der gedankentiefen Lehre dieses byzantinischen Scholastikers kein anderer als dieNiederträchtigkeit." Er hatte sogar die Stirne, in der deutschen Nationalversammlung zu erklären, daß er seit dem letzten März die deutsche Nation denn doch allergnädigst nicht mehr fürniederträchtig" halte! Und die Versamm­lung hörte ihn ruhig an! Sein großes Herz umfaßt die ganze Menschheit; er berücksichtigt immer nur die Menschheits­idee und um so leichter kann'er in sublimer Selbstverleug­nung sein Vaterland verunglimpfen, wie es seine Schule »erlangt, da es ja, insofern es einVaterland" ist, sich von derWelt," der Menschheit abscheidet. Darum schweift sein Blick weg über das Vaterland hin zu den Slaven, Italienern, Franzosen, deren Rechte wir anerkennen sollen, ehe wir an die unseren denken! Sollte dieser zärtli­chen Sorgfalt für unsere Feinde ein wirklich inneres Rechts­gefühl, die wahre Liebe zu Grunde liegen? Die Bande, die den Menschen an das Vaterland knüpfen, sind gar mannich- fach, sie sind Bande der Liebe, der natürlichen wahrhaft menschlichen Liebe. Zu seiner Liebe zu den Slaven und Ita­lienern dagegen ist Herr Ruge blos gekommen, um seinem "philosophischen" Systeme die Ehre zu lassen. Spricht er für ^ie Italiener im Interesse der Freiheit? Nun, Oesterreich und seine jetzige Regierung, sonst ja immer, wo es gilt Preu­ßen und das übrige Deutschland zu verunglimpfen, der Abgott äußersten Linken, sind gewiß nicht Willens, die lombar- msche Freiheit zu unterdrücken, sondern blos einen ehrenvollen und gerechten Frieden zu erringen.

Als die Franzosen 1823 in Spanien einrückten, um den grausamsten und brutalsten Absolutismus, den unser Jahr­hundert kennt, wieder zu befestigen, ohne irgend einen Vor­wand von Recht, ohne die Ehre ihrer Waffen wiederherstellen zu müssen, ohne zu irgend einem Ansprüche berechtigt zu seyn, und als die damalige Kammeropposition sich aus allen Kräf­ten gegen den Krieg erhob, da rief der edle Foy zürnend aus:Und dennoch muß ich, da der Krieg begon­nen, den Sieg unserer Heere wünschen!"

Cin Wort über die zukünftige Einrich- tung der nassauischen Rezepturen.

Den Rezepturen, auch Renteien genannt, (eine feststehende Bezeichnung ist leider noch nicht angenommen) hat man bis­her in unserem Ländchen nicht in dem Maaße Aufmerksam­keit geschenkt, als es diese Stellen,. welche bis in die gering­sten Fugen des Staatslebens eingreifen, verdienen. Die Gefälle der Landessteuerkasse sowie die der früheren Domänen, waren und sind noch von einem Rentmeister (Rezepturbe­amten) zu erheben. Soviel nun auch diese Einrichtung von manchen Seiten her mit Lob überhäuft wurde, da hier die In­teressen beider Theile von einer und derselben Person gewährt werden können, bei Einnahmen der Gelder hier ab- und dort zugegeben werden kann, so weiß man nur zu gewiß, daß bei fast sämmtlichen Rentmeistern, Räthen und Hofkammerräthen die herzogliche Domäne hauptsächlich berücksichtiget wurde. Die Einnahmen der Landessteuerkasse, die fast nur aus direk­ten und indirekten Steuern bestehen, wozu nur wenige Frucht- gesälle auS sogenannten Regalien kommen, betrachtete man als Nebensachen. Hier Ovaren ja nur wenige Prozente zu beziehen; man mußte sie zum großen Theil den Untererhebern überlas­sen, worüber überdieß die verschiedensten Einrichtungen be­standen.

Auf die großen Fruchtgefälle der Domäne aber, wovon 3°/0 Schwand, Mäusesraß und wie es immerhin genannt wird, gegeben wurden, -da warf man seine Aufmerksamkeit in vollem Maaße hin. Man berathschlagte sich mit Juden und Christen, wann wohl der günstigste Zeitpunkt zum Verkauf jenes Schwundes sey. Man verkaufte einen Theil seines Schwundes an Schuldige, die nicht liefern konnten, und ein wahrer Han­del, wie auf Fruchtmärkten war nichts Ungewöhnliches. Wie sehr dieses dem öffentlichen Ansehen der Rezepturen schadete, ist nur zu bekannt, und wir haben Szenen auf den Bureaux erlebt, die besser in ein Wirthshaus gehört hätten, als in ein vom Staate errichtetes Geschäftszimmer.

Es ist nun hier die Absicht nicht, Vorschläge zur künfti­gen neuen Organisation zu machen, das würde zu weit führen; man könnte aber füglich die Einrichtungen von einem benach­barten Staate, in welchem sich dieselben als praktisch bewährt haben, annehmen, und möge sich hüten, immer mit großem Lehrgelde und steten Abänderungen selbst schaffen zu wollen. Auch will ich nicht in die näheren Details der Domänenver­waltung eingehen, sondern hier nur kur; berühren, daß man den unglückseligen Grundsatz aufgestellt hatte, nur dann aner­kennend zu verfahren, wenn Plus gemacht worden war. Was für Betrachtungen sich hieran knüpfen, wird dem Leser wohl einleuchten. Noch weniger will ich von den ganz im verkehr­testen Sinne gemachten Besetzungen der Rezepturbeamtenstellen sprechen, die oft genug als Sinekuren angesehen wurden (wie weiland die Stellchen bei h. Rechnungskammer) und hierdurch zu den größten Unglücksfällen führten, wie wir der Beispiele genug gehabt haben. Das aber möchte ich mit diesen Zei­len bezwecken, daß bei der künftigen Einrichtung der Einneh< merstellen, wo das herzogliche Vermögen sicher von dem Lan­desvermögen getrennt wird, die Rezepturbeamten des Dtaates keine Procente bezögen, bei deren Bezug immer mehr ode< weniger das Privat-Jnteresse ins Spiel kommt, und das des Staates in den Hintergrund tritt, sondern daß denselben nur Baarsummen als Besoldungen hingewiesen würden, die nicht