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Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Leitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 119.

Dienstag den 1. August

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Der Spieler am Mississippi.

Von W. G. Simms. *)

E r st e s Kapitel.

Die Erzählung, welche ich in diesen Blättern zu geben gedenke, besteht nur in einer wunderbaren Begebenheit aus dem Leben eines Gränzbewohners, einer jener Thatsachen, die zweifelhaft erscheinen, wenn nicht der Schriftsteller so viel Kunst besitzt, um die Zweifel, die sich dem Leser aufdringen möchten, durch Ueberzeugung der Wahrheit zu beseitigen. Dies also ist die Aufgabe, die ich mir gestellt, wozu ich die Mate­rialiw gesammelt, als ich, ein achtzehnjähriger Knabe, die traurigen und gefährlichen Einöden der Ufer des Mississippi bereis'te.

Großartig, wenn auch wild und einsam, war der Anblick jener grünen Waldgegend, die damals von der Art der An­siedler erst wenig gelichtet worden. Ich reiste durch die große Wildniß von Nazoo, ganz in der Nähe der Choctaw- Krieger. Gewöhnlich ritt ich allein. Zuweilen traf ich einen Wanderer auS dem Osten, der während einiger Tage dieselbe Straße verfolgte. Häufig war meine einzige Begleitung ein finsterer Choctaw oder irgend ein anderer Wilder, der plötzlich auf einem Seitenpfade erschien, und dessen Anblick es oft zweifelhaft ließ, ob er seine Begrüßung mit der Zunge oder dem Tomahawk machen werde.

Es halten sich damals erst wenige Weiße in dieser Gegend niedergelassen und ich ritt oft vierzig bis fünfzig Meilen ohne die Wohnung eines Ansiedlers zu treffen, wo ich dann mein Abendessen und Nachtlager gewöhnlich in der Hütte der Wil­den suchen mußte. Doch machte hievon ein Abend eine Aus­nahme, an dem ich ein besseres Unterkommen fand, und hier soll meine Erzählung beginnen.

Ich hatte endlich die Gränzen der Eingebornen erreicht, und die wilden Gewässer des Mississippi strömten in einiger Entfernung dem Golfe zu. Die Niederlassungen der Weißen

*) AusWigwam und Hütte" Dresden und Leipzig, Arnoldische Buch­handlung.

und schwache Anzeichen der nahenden Zivilisation wurden häu­figer; der Abend nahete; die Sonne verschwand nach und nach im Dufte des Horizonts und meine Seele wurde von jenem Gefühl der Einsamkeit ergriffen, das ein solcher Sonnenunter­gang nicht selten bei einem so jugendlichen Wanderer hervor­bringt. Auch beschäftigte mich die Frage, wo ich diese Nacht mein Lager finden werde. Mein letztes Nachtquartier hatte ich bei einem unfreundlichen weißen Ansiedler gefunden, der entweder wirklich so unwissend war, oder sich nur so stellte, mir gar keine Weisung weiter, hinsichtlich meines nächsten Ruheortes ertheilen zu können.

In dieser zweifelhaften und einigermaßen mißlichen Stim­mung spornte ich mein Pferd zum raschem Vorwärtsschreiten an, schaute nach dem immer mehr verschwindenden Lichte durch die Baumgipfel und warf zuweilen einen flüchtigen Blick zu beiden Seiten, da ich wirklich nicht glaubte, daß meine Straße so sicher wie einsam sey.

Als mich auf diese Weise die Ungewißheit, wohin Mein Haupt diese Nacht zu legen, beunruhigte, bemerkte ich zu mei­ner Rechten eine Lichtung im Walde, eine Art Fahrweg, die mich an jene düstern Pfade meines theuern Carolina -erinnerte, die jederzeit dem Wanderer ein warmes Abendessen und glück­liches Ende seiner Tagesreise versprechen. Durch eine solche Entdeckung erheitert, lenkte ich ohne weitere Bedenklichkeit mei­nen Fuchs in diesen Weg ein und ließ ihn auf's Neue die Hacken fühlen.

Der erfreuliche Ton eines Hornes und die dumpfen Schläge einer Art waren auch bald geeignet, meine Hoffnung zur Ge­wißheit zu erheben, bis mir das Gebrüll einer Kuh und auf­wirbelnder Rauch da Ziel meiner heutigen Wanderschaft als erreicht kund that. In ein Paar Augenblicken befand ich mich vor einer einladenden kleinen Wohnung.

Es war eins jener kleinen Blockhäuser, wie sie in diesen Gegenden gewöhnlich sind, und dieses unterschied sich nur von den meisten und zwar sehr zu seinem Vortheile, durch seine Reinlichkeit und Gemüthlichkeit. Der Raum vor dem Hause war gekehrt, die Bäume beschnitten und der ganze Anblick ge-