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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 118. Sonntag den 30. Juli 1848.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Grvßherzogthnms und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen VerwaltungSgebieteS 8 fl. 40 fr.Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

An unsere Leser.

Die in den Pfingsttagen d. J. zu Mainz versammelten Abgeordneten deutscher Buchdrucker-Gehülfen haben den Wunsch ausgesprochen:

daß alle Zeitungs-Redaktionen in Deutschland ersucht werden möchten, die Sonntagsarbeit der Presse so viel als möglich auszusetzen, damit die in Zeitungs-Offizinen angestellten Gehülfen die Sonntagsruhe, nach ange­strengter Wochenarbeit, nicht ganz zu entbehren hätten."

In England und den Vereinigten Staaten Nordamerika's, wo die Tagespreffe von größerer Bedeutung ist, als sonst irgendwo, darf Sonntags auch in den Buchdruckereien nicht gearbeitet werden.

Die Mehrzahl der in Norddeutjchland erscheinenden Zeitungen (namentlich in Hamburg, Bremen, Hannover und Berlin) ist von jeher diesem Beispiele gefolgt. Andere Redaktionen haben die Billigkeit des vorerwähnten Wunsches anerkannt und theils die Sonntagsblätter schon eingestellt (wie die badischen und sämmtliche in Stuttgart erscheinenden Zeitungen), theils sich bereit erklärt (wie auch die Frankfurter Blätter), das Gleiche zu thun, wenn die Maßnahme der von den Arbeitern beanspruchten Billigkeit eine gemeinsame würde.

Die unterzeichnete Redaktion erklärt daher in Gemäßheit des Vorstehenden,

daß sie mit Rücksicht auf die Ansprüche des Publikums und der Arbeiter von nun an die Sonntagsarbeit ein­stellen wird, in der Weise jedoch, daß wenn wichtige Nachrichten einlaufen, eine Ertrabeilage auögegeben wer­den soll. Außerdem werden wir durch öftere Vergrößerung der gewöhnlichen Beilage unsere Abonnenten für den Ausfall schadlos zu halten suchen."

_ Die unterzeichnete Redaktion ist überzeugt, daß die Leser der politischen Blätter den Arbeitern der Tagespresse den in Aussicht gestellten Ruhetag gerne zugestehen werden.

Wiesbaden, 29. Juli 1848. Die Redaktion der Raff. Allg. Zeitung.

Uebersicht.

Stimme eines Abgeordneten über die Zeitverschwendung in unserer Kammer.

Der Verein für Freiheit, Gesetz und Ordnung.

Deutschland. Frankfurt (Der PartikularismuS in Preußen. Die Sonntagsruhe der Zeitungen. Dr. I. G. A. Wirth t- Das Montags­kränzchen und die Linke des Reichstags). Stuttgart (Niedrige Brod- preisr. Der Gesundheitszustand. Ulm (Wühlerische Literaten). Eisenach (Die Herzogin von Orleans).»Erfurt (Preußische" Ge­sinnungen). Potsdam (Die preußischen Aussichten über die deutsche Einheit). Schlesien (Verkehrsverhältniß). Posen (Beun­ruhigende Anzeigen). Travemünde (Unruhige Auftritte). Prag (Sympathien für den Swornost).

Dvnaufürsteuthümer. Gallacz (Die türkischen Truppen). Rußland. (Rüstungen auf dem schwarzen Meer).

^prechsaal für Stadt und Land.

Stimme eines Abgeordneten über die Zeit-

Verschwendung in unserer Kammer.

* Wiesbaden, 29. Juli. Die Debatten in der öffentlichen Atzung der Volksabgeordneten am 27. Juli haben für mich zu manchen unangenehmen Betrachtungen geliefert und kann nicht umhin, mich darüber auszusprechen. Ich lasse merft einen Auszug aus dem Reskripte, welches die Debatten veranlaßte, vorausgehen.

Es wird darinnen gesagt, daß von den Behörden in Handhabung der Gesetze ic. nicht die gehörige Energie ent- viaelt und dadurch der Genuß wahrer politischer Freiheit ver- uinmert und anarchischen Bestrebungen Vorschub geleistet werde, ^e Regierung könne cs nur als ihre höchste Aufgabe betrach- n, durch organische Gesetze diejenigen Institutionen auszu- yCn, auf welchen die Garantie der politischen Freiheit be- Rhe. Offenes Anschließen der Behörden und Beamten an

das System des politischen Fortschritts, rege Theilnahme und warmes Interesse für alle Verhandlungen, welche dieses Ziel verfolgen, strengste Pflichterfüllung in Handhabung der Gesetze und Aufrechthaltung der Ordnung werden als Bedingungen deS Fortschritts bezeichnet. Dagegen wird es als eine mit Ehre und Gewissen unvereinbare Handlung angesehen, wenn Staats­beamte sich Bestrebungen anschließen, welche darauf hinaus­gehen, die bestehende Verfassung zu untergraben. Wenn auch nicht, daß solche Handlungsweise als Verbrechen ausgelegt werde, so müsse doch eine richtige Erwägung der mit dem Amte übernommenen Pflichten und des geleisteten Eides zur Ueberzeugung führen, baß die Verfolung eines Systems, wel­ches mit der bestehenden Verfassung und den darauf beruhen­den Pflichten des Staatsbeamten unvereinbar sey, auch wenn keine durch die Gesetze verbotenen Mittel dazu benutzt werden sollten, mit der Stellung eines Staatsbeamten unverträglich wären und sogar die Niederlegung des Amtes zur Ehrensache machten. Sodann werden die Beamten aus die praktische Seite ihres Berufes aufmerksam gemacht und ihre ganze Ver­antwortlichkeit beansprucht rc.

Ueber das Recht oder Unrecht, welches in obigem Regie­rungöreskripte liegt, will ich mich hier nicht aussprechen, denn nachdem hierüber durch Stimmenmehrheit entschieden wurde, daß der davon abgeleitete Antrag in Erörterung gezogen wer­den solle, wird sich das herausstellen. Es sind auch schon lei­der nur der unnützen Worte zuviel darüber verschwendet wor­den. Nur in Bezug auf unsere landständische Wirksamkeit nicht von politischer, sondern von praktischer Seite und auf das Urtheil des Volkes sey cs mir erlaubt, Einiges zu sagen. Ich frage nun, ob es die Kammer vor d er Welt verantworten kann, über eine Sache Stun­den, ja Tage laug zu debattiren, welche nothwendig erst beim Entwurf einer neuen Verfassung zur Sprache kom­men kann? Durch Auffassung solcher unzeitige» Frag«« wird unsere ständische Wirksamkeit nicht gefördert sondern im Gegentheil gehemmt und gelähmt und die Folge wird eine ab