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und aussöhnen müsse, um ihren Zorn nicht zu reizen. Noch jetzt sind, nicht bloß im Munde des Volkes, die furchtsamen und demuthsvollen Ausrufe gewöhnlich:Gott verzeihe mir's!" Unberufen!" u. s. w., womit man sogar die Erwähnung seiner eigenen Gesundheit gegen strafbare Sicherheit, Ueber# Hebung und Hoffarth zu wahren sucht.

Die christlichen Fürsten, höhere und niedere, pflegten als Ähnlichen Ausdruck der Dankbarkeit und Demuth, in Urkunden bei Erwähnung ihres Namens allerlei Formeln beizufügen, worin sie die ihnen verliehene Würde als ein besonderes Ge­schenk Gottes betrachteten, z. B. divinae largitatis munerc, bonitate divina, divina favente clementia Rex, divina opi- tülante (propitiante, praeveniente, auxiliante, annuente, largiente, concedentc) clementia oder auch kurzweg dei mi- scricordia oder dei gratia, welch letzteres allmählig stehend wurde. Auch mindere Würdenträger, kaiserliche Vasallen und Räthe, bedienten sich dieser Formel. Z. B. heißt es noch in einem Dokumente vom I. 1254: Johannem, dei gratia ad- vocatum in Altstede.

Diese Ausdrücke der Demuth waren begreiflicherweise bei Geistlichen meist noch viel stärker. Der h. Bonsazius nennt in seinem Briefe an den Papst Zacharias vom I. 754 sich selbst als Bischof Exiguus Christi servns licet ul tim ns. Aebte und Aebtissinnen pflegten bei Erwähnung ihres Namens und Amtes allerlei abwechselnde Demuthsformeln zu setzen, wie peccator, indignus, humilis, indignevocatus u. s. w. Der Ausdruck servus servorum dei (Knecht der Knechte Gottes) wurde schon früh, vielleicht zuerst vom Kirchenvater Augusti­nus im 5. Jahrhundert gebraucht, dann willkürlich von allerlei weltlichen unb geistlichen"Herrens einigemal auch vom Pabst Gregor dem Ersten, bis später, nach fester Ausbildung des Kuriakstyles, der päbstliche Stuhl diesen Ausdruck sich aus­schließlich bis auf unsere Tage vorbehielt. So schreiben die katholischen Bischöfe noch jetzt sich: von Gottes und des heil. Stuhles Gnaden, während die Päbste selbst nie, auch nicht in älterer Zeit, von Gottes Gnaden sich nannten.

Daß der anfängliche Gebrauch nur Demuth bezweckte, zeigen auch die Siegel der Kaiser, auf welchen in der Umschrift das dei gratia abwechselnd mit Christe protege u. dgl.; öfters fehlen aber alle solche Formeln. Bei den griechischen Kaisern war die Formel ähnlich, wie bei Leo: Aéöp év Gew D«oâo^. Pipin und Karl der Große schon haben das dei gratia oder vielmehr gratia dei in ihren Urkunden ebenso oft, als es aus­gelassen ist. Ludwig der Fromme brauchte die Forme!: divina repropiliante gratia oder clementia Dei, nach seiner Wieder­einsetzung. Unter den Ottonen hieß sie: divina favente cle­mentia.

Sowohl die allgemeinen Handbücher der Diplomatik des Mittelalters, als besondere Monographien haben die vor­stehenden Angaben längst hinreichend beleuchtet und erwiesen.

Vergl. z. B. das Chrohicon Gotwicense, T. 1. p. 132, 144, 164. C. H. Eckhard introd. in rem diplom. Germ. 2. Auflage. Jena 1753. S. 99, 119. Fr. Geister de Nos dei gratia. 2 Hefte. 2. Aufl. Leipzig 1722. S. Lenz,von Gottes und des h. apostolischen Stuhles Gna­den" aus Magdeburger und anderen Diplomen erläutert. Halle 1748. Aehnliches befindet sich in den Schriften über Titel- und Kanzleistyl, welche Schöne mann in seinem Sy­stem der allgem. Diplom., Bd. 1, S. 197 ff. anführk.

Miszellen.

Worte Napolco n ' s in Saint-Cloud, 24. Jan. 1814.Die Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts wird ihre Fruchte tragen; ich habe die soziale Zerrüttung aufgehalten: sie wird ihren Lauf wieder antreten. Frankreich und ein Theil Italiens waren schon von ihr verschlungen, sie hatte Belgien und Holland ergriffen bedrohte den Rest von Europa, und Nie­mand fand sich, der mit eiserner Faust sich ihrem Fortschreiten entgegenstellte; im Gegentheil, man hätschelte sie man wich vor ihr zurück! Nur in der Furcht vor ihr bestand ihre ganze Kraft: das sah ich auf den ersten Blick. Ich packte das Ungeheuer bei der Kehle, ich hab' cs niedergeworfen, mit Füßen getreten weil ich mich nicht davor fürchtete; aber ich habe es nicht zerstört, es schlummert noch voll Leben. Mit der Zeit hätte ich eS auf immer vernichtet; die Welt würde davon befreit worden sein. . . Wenn ich falle, werden sie daS Wiedererwachen der Anarchie erleben; kennen Sie den Namen, unter welchem sie die Völker verführt? Sie nennt sich Repu­blik! . . . Auch ich war ein Republikaner, ich war es im besten Glauben; aber ich habe kennen gelernt, daß eine Republik nichts ist als ein offenes Feld für alle Ehrgeizigen und auf welchem die schlechten Leidenschaften das Gepräge des Patriotismus annehmen." (Dix ans sous Napoléon.)

Die Bofsische Zeitung enthält folgendes närrisches Eingesandt: Der Oeffentlichkeit muß ich bekannt machen, daß ich in keiner Hinsicht die LWchr gehabt habe, mittels meines Schlüssels im Pompadour den Knaben Kloster- straße Nr. 111 zu verwunden. Auf der Treppe war ich genöthigt, meine Hand zur Abwehrung eines Unglückes zu gebrauchen, so lief der betreffende Knabe im Schlüssel hinein und soll sich verwundet haben. Mein Charakter ist von solcher Beschaffenheit, daß ich kein Würmchen betrüben kann, wie viel weniger eS nicht zu vermuthen ist, daß ich einen Menschen aus böser Abficht verwunden werde. Es hat den Anschein, daß das Gerücht gegen mich nur aus dem Quell der Verleumdung bei meinem Bräutigam geschah.

Rosamund« von Elowstein.

AuS London wird der B.-H. geschrieben: Das Festmahl der deut­sch en Kaufleute in der City soll am 27. d. M. statlfinden. Den Geist, der die Veranstalter desselben beseelt, werden Sie ans dem Programm der Toaste und aus dem Umstande erkennen, daß Fürst Metternich eingelade» werden sollte, was aber in der Voraussetzung, daß er nicht kommen würde, unterblieb. Die festgesetzten Toaste sind: Der Erzherzog Johann; die Königin von England (nicht die englische Nation)! die deutschen Fürsten! die deut­schen Gesandten in London!

Theater zu Wiesbaden.

Samstag den 29. Juli. Die Memoiren des Teufels. Lustspiel in 3 Akten von B. A. Herrmann.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.