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hört auch die Befreiung von Polen. Rach Aufhebung von Polen würde eine neue Eruption über Europa kom­men, dessen seyen Sie versichert. Ich will, daß die Mini­ster ein neues Völkerrecht anbahnen; jetzt herrscht Anarchie; die alten Verträge gelten nicht mehr, und neue sind noch nicht gemacht. Der Redner beantragt, daß die angenommene Thei­lung, als der endlichen Lösung der europäischen Frage wegen Polens vorgreifend, aufgehoben und ein Kongreß für die Wie­derherstellung Polens im Vereine mit England und Frankreich veranlaßt werde.

Karlsruhe, 22. Juli. Heute wurde die Beschwerdepeti- lion der Heidelberger Studenten wegen Erlaß und auf Zurück­nahme des Verbots des demokratischen Studenten-Vereins Gegenstand der Kammerverhandlung. Die Kommission trug, wie man aus der Karlsr. Zeitung ersieht, sogleich auf Tages­ordnung an, weil die Regierung streng gesetzlich gehandelt habe und das Recht der Selbsterhaltung vom Staatè fordere, daß er sich nicht in seinen letzten Grundlagen angreifen lasse, weßhalb das Vereinsrecht also nur innerhalb der Grenze der konstitutionellen Monarchie auszuüben sey. Dies erregte na­türlich eine längere prinzipielle Debatte, deren Schluß jedoch die An nähme des Kommissionsantrags war, wozu die Kammer noch den Wunsch zu Protokoll fügte, die Regie­rung möge die auf 3 Tage gesetzte Frist für Rückkehr der aus­gewanderten Studenten entsprechend verlängern.

Stuttgart, 23. Juli. (D. Z.) Man erfährt heute hier, daß der König das Theater in der hiesigen Stadt auf die Dauer von 14 Monaten geschloffen hat. Man erinnert sich, daß kürzlich der König auf 200,000 fl. von seiner Zivilliste für künftiges Jahr verzichtet hat. Das Theater war ursprüng­lich Staatsanstalt, später übernahm es gegen einen jährlichen Zusatz von 50,000 fl. zur Zivilliste der König. Der Schlag ist für die Stadt hart, noch viel härter ist die Maßregel für die vielen Familien, von deren Häuptern weit nicht alle durch ihre Kontrakte gegen die natürlich jetzt erfolgende Entlassung geschützt sind.

Berlin, 23. Juli. In der gestrigen Sitzung des kon- Mtut. Kongresses stand die Frage über das Verhält- iiiß der einzelnen deutschen Staaten zur deutschen Nationalver, simmlung in Frankfurt zur Debatte. Nach einer langen und heftigen Debatte wurde mit einer Majorität von 67 Klubbs gegen 20 der Beschluß gefaßt:der Kongreß erkläre, daß er die Beschlüsse der deutschen Nationalversammlung für unbe­dingt verbindlich für alle deutschen Staaten halte." Es wurde dann aber gegen eine Minorität von nur 27 Stimmen der Zusatz angenommen:Der Kongreß hält zugleich die indivi­duelle Entwickelung der einzelnen Staaten und Stämme für dtreinbär mit der Unterwerfung unter die deutsche National­tersammlung." Aus der mit jener Frage verbundenen Dis­kussion über die Form der deutschen Reichsverfassung ging der Beschluß hervor und zwar mit 52 Stimmen gegen 36:der Ingreß erstrebe eine kräftige Einigung Deutschlands unter 'hier gemeinsamen, auf allgemeinster volksthümlicher Grund­ke ruhenden konstitutionell-monarchischen Regierung mit Wahrung der Selbstständigkeit der einzelnen Staaten." Gegen riefen Beschluß protestirte die Minorität, unter der sich na- Mentlich einige Breslauer und die sächsischen Vereine befinden, luf das allerentschiedenste, und sie scheint noch nicht entschlos­sn, ob sie aus dem Kongreß austreten oder mit den andern Klubbs verbunden bleiben will. Die Politische Disharmonie 'srschwand aber in der Freudigkeit, mit der sich alle Depu- ltfc zu dem nach der Sitzung stattfindenden Mittagessen ver­banden.

Das Denunziantenwesen nimmt auf eine maßlose Weise Oberhand. Nicht blos Druckschriften, sondern auch mündliche Äußerungen, die entweder hochgestellte Personen oder Staats- 'khvrden irgendwie berühren, werden bei der Staatsanwalt- lwast größtentheils anonym zur Anzeige gebracht. Die Menge " eingehenden Denunziationen ist so groß, daß es nach dem 'âblizisten" dem jetzigen Staatsanwalt, Hr. Neumann, un* Möglich ist, in der schonungsvollen Weise seiner Vorgänger zu erfahren.

Berlin. Endlich wird die Bildung des Konstablerkorps xUet dem Namen vonSchutzmännern" amtlich angekündigt. ^ Polizeipräsidium theilt mit, daß den Schutzmannschaften c Pflichten und Rechte der exekutiven Polizeibeamten beige- Ä und. Die Mannschaft theilt sich in eine berittene und eine wenttcne. Die unberittene verrichtet unter 4 Hauptleuten, dle 4 Stadtbezirke vertheilt, ihren Dienst bei Tage wie bei '"tcht innerhalb der Stadt, die berittene in deren Umgebung.

Die ganze Mannschaft steht unter dem Kommando eines Ober­sten, Herrn Kaiser.

Wien, 21. Juli. Unsere Nationalgarde hat vergangene Nacht ihre Hand zur Aufhebung des demokratischen Klubs gereicht. Es wurde in dieser Versammlung eben die Republik mit wildem Geschrei angerühmt, als die Garde ein­schritt und die Versammlung aufhob. Der bekannte Jurist Böhm ist unter den Arretirten. Viele Mitglieder dieses KlubS wurden von dem herbeigelaufenen Volke thâtlick gemißhandelt.

' (Brest. Z.)

Wien, 22. Juli. (A. Z.) Ueber die Rückkehr des Kaisers sind die Meinungen noch immer getheilt, und der Umstand, daß die Thronrede nichts davon erwähnte, machte heute einen üblen Eindruck auf der Börse. Die 5proz. Metall?, welche sich heute auf 79% gehoben hatten, gingen um mehr als 3 Prozent zu­rück. Sicherem Vernehmen nach soll der Kaiser am 27. d. Hier ein treffen. Vorgestern ist der interimistische Generaladjutant Sr. Majestät, Hannecart, nach Innsbruck geeilt, um Sr. Maj. die Vorstellung des Ministeriums zur dringenden Rückkehr zu über­reichen.

Donaufürstenthümer.

Die provisorische Regierung in der Walachei hat an den russischen Zar eine Adresse erlassen, er möge die Für- stenihümer seines Protectorats entheben und ihrem Schicksal überlassen, denn sie seyen seiner Herrschaft müde. (Sieb. W.)

Sprechsaal für Stadt und Land.

Wiesbaden, 25. Juli. Der gestrige, zur Feier des Ge­burtstags Sr. Hoheit des Herzogs im Kursaale abgehaltene Ball war einer der besuchtesten der letzten 10 Jahre. Zu bedauern war nur, daß die Damen, mit denen der Restau- rationssaal angefüllt war, durch das Tabaksrauchen, welches einer unserer Landtagsabgeordneten schon beim Beginn des Balls eröffnete, sehr unangenehm belästigt wurden, ohne daß der dabeisitzende Kurhaus-Kommissâr diesem Unfug Einhalt gethan hätte.

Erktärnng.

Es war bei mir von jeher Grundsatz, reine Persönlichkei­ten ganz und gar unberücksichtigt zu lassen. Ich habe daher auch für die persönlichen Angriffe des Herrn Born keine Ant­wort, dagegen dem Publikum nach denselben zweierlei zu er­klären :

1) So schmerzlich es mir fällt, wenn Jemand, der mich kennt, ungünstig von mir denkt, eben so gleichgültig läßt mich das Urtheil derjenigen, die sich ein solches bei mangelnder Be­kanntschaft nach den Eingebungen ihrer Phantasie bilden.

2) An meinem Aussatze brauchte mgn kein Wort zu än­dern, wenn statt des Hrn. Born irgend ein Anderer den fraglichen Antrag gestellt hätte, weil derselbe sich nur mit der Sache beschäftigt, während dagegen derjenige des Hrn. Born zum sehr großen Theile nur gegen meine Person gerichtet ist. Hieraus läßt sich auch wohl unschwer entnehmen, wessen An­sicht vorzugsweise durch innere Gründe unterstützt ist, und wer aus Mangel an solchen zur Füllung der Spalten zu Persön­lichkeiten zu greifen sich bemüßigt sand.

Dieß meine letzte Erklärung, nach welcher ich eS in aller Ruhe den Ständen überlasse zu entscheiden, ob die Ansicht deS Herrn Born oder die meinige die richtige und besser begrün­dete sey. Ueber die Gründe, welche für meine Ansicht sprechen, die Stände aufzuklären, war die einzige Absicht, welche mich bei Abfassung meines Aufsatzes leitete, ganz unbekümmert da­rum, ob die Person des Antragstellers, auf welche Anspielun­gen nicht vorkommen, zufällig Born oder anders beißt.

Wiesbaden, den 26. Juli 1848.

Professor Dr. Medicus.

Erklärung.

Nachdem man sich bereits auf manchen Seiten bemüht hat, die Vorgänge vom 16. Juli verschiedentlich darzu stellen, fühlen auch die Wehrmänner der 3 ersten Kompagnien der hie­sigen Volkswehr sich gedrungen, den Bestand der Sache inso­weit klar und offen darzuthun, als man dies von ehrlichen Augenzeugen und echten Verehrern einer dauerhaften, gesetzli-