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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

«M 113» Dienstag den 2S Juli L8L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem beUetrulychkn Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden Ä fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und KurfürslenthumS Hessen, der Laudgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt grausfurt Ä fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes % fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Stimme aus der Provinz.

Deutschland. Wi esbadeln (Eine Staatepkammer beim Reichstage). Diez (Berichtigung). Aus dem Dillthale (DieStimmung im Lande"). Karlsruhe (Die Einkommensteuer). Koblenz (Rhein­preußen alsKaiserland"). Berlin (Der VerfassungSausschuß über die Rechte des Königs. Die Rechte der Minister in der Kammer. Rosen­kranz tritt zurück. Die Freiwillige Anleihe. Die Buchdrucker). Pots­dam (Der König über sein Verhalten gegen den Reichsverweser). Stettin (General Wrangel über den Waffenstillstand). Schleswig- Holstein (Der Waffenstillstand verlängert). M ölln (Reinigung der Regierung). Wien (Der Reichstag. Die Gemahlin des Reichsver- weferS. Preßunfug).

Frankreich. Paris (Rußlands Verhältniß zum römischen Stuhl.) Großbritannien. Dublin (DieStadt unter Zwangsakte. Bewegung). Illyrien. Werschenz (Die illyrischen Insurgenten geschlagen).

Rußland. Petersburg (Die Cholera).

Donaufürstenthümer. Bukarest (Gegenrevolution).

Sprechsaal für Stadt und Land.

** Stimme aus der Provinz

Von der Dill. In der jetzigen ernsten Zeit ist es nicht genug, daß ssch die Wohlgesinnten, Ne die Verwirklichung der errungenen Freiheit redlich wollen, zusammen thun, um als Vereine friedlich ihre Meinung kund zu geben. Das kühne und thatkräftige Auftreten einer Partei, die mit toller Ueber- chätzung ihrer. Wichtigkeit und Grundsätze an dem Gebäude der gesetzlichen Ordnung rüttelt, fordert zu kräftigerem Zusam- wenwirken der Ersteren auf, um endlich einer Bewegung Meister iu werden, die weder in der Wahl der Mittel verlegen ist, zu ihrem Zwecke zu gelangen, noch über den Werth und die Ausführbarkeit ihrer Bestrebungen sich klar zu seyn scheint.

Es kann und darf aber auch nicht verkannt werden, daß unter der Partei, die sich den sog. republikanischen Ideen hin- Ot, es sehr viele Leute gibt, die es aufrichtig und gut mit dem Vaterlande meinen, und diesen muß zur Versöhnung die Hand geboten werden. Der NameRepublikaner"," der ßch mit der edelsten Vaterlandsliebe vereinigen läßt, darf nicht (wenn die Ordnung siegt, was kaum bezweifelt werden kann) als Brandzeichen für Diejenigen dienen, die im Gegensatze zu

Anhängern absolutistischer Grundsätze, die eben auch nicht sind, wenn sie auch gegenwärtig eine Maske vorgenommen haben, eine Regierungsform für die beste halten, die sic der Z°rge zu überheben verspricht, einen beständigen Kampf gegen w letzteren Elemente führen zu müssen.

Die traurigen Vorfälle, deren Schauplatz in den jüngsten Zagen Wiesbaden gewesen ist, haben uns zwar eine beschämende, auch eine trostreiche Lehre gegeben. Sie haben uns gezeigt, das weiche Nachgeben und die Geringschätzung wühlerischer Bestrebungen von Seiten unserer Regierung, deren Auftreten Z.dem letzten Stadium übrigens volle Anerkennung verdient, an.ier schönes Land der wildesten Anarchie preisgegeben haben Mrde, wenn wir noch keine Zentralgewalt gehabt hätten ober nne militärische Macht in der Nähe verfügbar war; sie haben ns aber auch und ganz Deutschland gewiß von den besten mv erhebendsten Eindrücken begleitet gezeigt, daß wir über

Zen hinaus lind, in der wir in dem traurigen Bewußtseyn Jn.Äa' Ä ""sss S«Ai*ksal »iw unsere Zukunft von R zufälligen Erfolg dieser Wühlereien abhängig war Ein chonerer und wohlfeilerer Sieg zur Befestigung ihrer morali-

wäre, fortwährend gegen die Beschlüsse des Reichstages und der Kammer-Majorität, die eine praktische Beseitigung unserer Mißstände aufrichtig will, spreizt, und dadurch den wühlerischen T ~;iiti«ii «Vier morati- Umtrieben in unserem Lande Vorschub leistet, während es * ' : : ti t lui Macht konnte der kaum geborenen Reichs- einzig und allein nur die Ausgabe der Kammer seyn kann,

gewalt nicht gewünscht werden; wenn es auch beklagenswerth ist, daß gerade Nassau es war, das zuerst das Daseyn dieser Gewalt empfinden mußte. Durch diesen ersten wichtigen Akt der Handhaberin nationaler Einheit müssen Alle, die es redlich mit unserem schönen großen Vaterlande meinen, mögen sie auch eine Regierungsform für die beste halten, welche sie wol­len, zu dem klaren Bewußtseyn geführt werden, daß alle Son­derbestrebungen nicht weiter gehen dürfen, als im ord­nungsmäßigen Wege bis zum Reichstage, der das gesetzliche Organ des deutschen Volkes ist, durch den es seinen souveränen Willen verkündigt. Es wäre sehr zu beklagen, wenn die Partei, die gegenwärtig zum Wohle des gesetzlichen Prinzips im Vortheile ist, diesen einseitig ausbeuten und den Verführ­ten und Irrigen keine Thüre offen lassen wollte, durch die sie in bisheriger Verkennung des hohen Auftrags, den der Reichs­tag hat und nunmehr zur Erkenntniß gelangt in die Reihen der wahren Vaterlandsfreunde eintreten können. Diejenigen aber, die wissentlich und mit- verwerflichen Mitteln den Volks­leidenschaften geschmeichelt und eine blinde Menge bethört und zu offenem Aufruhr gereizt, mögen die ganze Strenge deS Gesetzes fühlen. Versöhnung muß unsere Losung seyn , nicht Rache; denn dadurch würden wir uns sehr bald auf die Bahn ver Reaktion gedrängt und der schönsten Früchte des 4. März beraubt sehen, und es thut uns doch vor Allem Frieden und Eintracht noth.

Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, auf die Wichtigkeit zu kommen, die eine lebendigere und sichtbarere Theilnahme unseres Ministerpräsidenten an unserer inneren Entwicklung haben würde; da er nicht allein der eigentliche Bürge des Vertrages vom 4. März, sondern auch der Mann ist, auf den alle Augen gerichtet sind und von dem wir zuerst die wahrhafte Umgestaltung unserer Verwaltungsorgane, die nur jeine sehr unbefriedigende Gewähr für eine feste und strengrechtliche Handhabung der gesetzlichen Ordnung bieten, erwarten können.

Auch ist nunmehr zu hoffen, daß die Disciplin unter un­serem Militär besser aufrecht erhalten und es vor Einflüssen bewahrt gehalten werde, die es in der Stunde der Gefahr mit Mißtrauen betrachten lassen, während es seine Bestimmung ist, als Schutzmauer gegen alle ungesetzlichen Bestrebungen zu die- nen, und den Arm der Gerechtigkeit zu stählen. Möge unser Militär zu der Ueberzeugung kommen, daß es nicht berufen ist, über die Anordnungen der öffentlichen Gewalt vor Unter­stützung derselben zu Gericht zu sitzen, und daß das Land sich um seinetwillen nicht so große Opfer auferlegt, damit es zur Aufrechthaltung der Ordnung nicht verwendet werden kann; denn es würde die unausbleibliche Folge hiervon seyn, daß eine weite Verlegung unserer Truppen von der Reichsgewalt verfügt werden müßte.

Unsere Volkskammer sollte aber auch nicht das Beispiel politischer Entzweiung geben, das sich in ihr so auffallend und rücksichtslos geltend macht und doch nicht die geringste Bedeu­tung hat. Man kann es nur lächerlich finden, wenn ein kleines Häuflein unserer Abgeordneten, das bis jetzt noch keinerlei Beruf dazu beurkundet hat, immer das politische Steckenpferd reitet, sich mit einer Energie, die eines besseren Zweckes würdig