Lage natürlich mit sich bringt. Ich dachte mir die Kaputze soeben abgenommen und die Szenen ihrer Gefangenschaft in all ihrer gräßlichen Eintönigkeit vor ihnen aufgerollt.
Im Anfang ist der Mann betäubt. Seine Einsperrung ist eine gräßliche Vision, und sein vergangenes Leben eine Wirklichkeit. Er wirft sich auf sein Bett und überläßt sich der Verzweiflung. Allmählig weckt ihn die unerträgliche Einsamkeit und Nacktheit des Platzes aus seinem Stumpfsinn und wenn der Schieber in seiner Gitterthüre geöffnet wird, bittet er flehentlich um Arbeit. „Gebt mir etwas zu arbeiten, oder ich werde wahnsinnig!"
Man willfahrt ihm und ruckweise macht er sich an das Geschäft, aber jeden Augenblick kommt ihm das brennende Bewußtseyn der Jahre, die er in diesem steinernen Sarge zubrin- gen muß, und eine solch matervolle Erinnerung an diejenigen, ton denen er Nichts mehr sehen und erfahren soll, daß er von seinem Sitze auffährt und beide Hände an seinen in die Höhe gerichteten Kopf gedrückt, in dem kleinen Zimmer auf- und abschreitet und den Geistern Gehör schenkt, die ihn versuchen wollen, sein Hirn an der Wand zu zerschmettern.
Er fällt wieder auf sein Bett und bleibt stöhnend liegen. Auf einmal springt er auf, denn er möchte gern erfahren, ob ein anderer Mann in der Nähe ist, ob sich auf beiden Seiten von ihm eine andere ähnliche Zelle befindet, und er lauscht gierig.
Er vernimmt keinen Ton, aber deß' ungeachtet können andere Gefangene in der Nähe seyn. Er erinnert sich, einmal, als er noch nicht daran dachte, selbst hieh.er zu kommen, gehört zu haben, die Zellen seyen so gut gebaut, daß die Gefangenen einander nicht hören können, wohl aber die Aufwärter sie. Wo ist der nächste Mann rechts oder links? Oder st auf beiden Seiten einer? Wo sitzt er jetzt — mit dem Ge- ichte gegen das Licht? Oder geht er auf und ab? Wie ist »gekleidet? Ist er schon lange hier? Ist er sehr zusammen- zesallen? Ist er sehr blaß und geisterhaft? Denkt er auch M seinen Nachbar?
Kaum zu athmen wagend und horchend während dieses Gedankenganges, beschwört er eine Figur herauf, die ihm den Rücken zugekehrt hat, und denkt sich, sie gehe in der nächsten Zelle auf und ab. Er hat keinen Begriff von dem Gesichte, ist sich aber der dunkeln Gestalt eines Mannes gewiß. In die Zelle auf der andern Seite versetzt er eine andere Figur, btren Gesicht ihm gleichfalls verborgen ist. Tag um Tag und «ft, wenn er mitten in der Nacht erwacht, denkt er an diese Mei Männer, bis er beinahe wahnsinnig ist. Er verwechselt sie nie. Sie bleiben immer, wie er sie zuerst gedacht — rechts un alter Mann, links ein jüngerer, aber ihre verborgenen ^esichtszüge quälen ihn zum Tode und haben etwas Geheim- ^ihvolles für ihn, das ihn zittern macht.
Die gramvollen Tage gehen mit feierlichem Schritte vorüber, wie Leidtragende bei einem Leichenbegängniß, und all
mählig fängt er an zu fühlen, daß die weißen Wände der Zelle etwas Schauerliches haben, daß ihre Farbe grausenhaft ist, daß ihre glatte Oberfläche sein Blut gefrieren macht, daß dort ein abscheulicher Winkel ist, der ihn quält. Jeden Morgen, wenn er erwacht, verbirgt er seinen Kopf unter die Decke und sieht mit Grausen die entsetzliche Oberwand auf ihn her- abblicken. Das gesegnete Tageslicht selbst guckt, ein abscheuliches Phantom, durch die unveränderliche Spalte herein, die das Fenster seines Gefängnisses ist.
In langsamen aber sichern Abstufungen vergrößern sich die Schrecken dieses abscheulichen Winkels, bis sie ihn zu jeder Zeit erfaßt hatten, seine Ruhe angreifen, seine Träume schauer- voll und seine Nächte schrecklich machen. Im Anfang faßte er einen sonderbaren Widerwillen dagegen; es war ihm, als ob sich irgend Etwas von entsprechenver Gestalt in seinem Gehirn erzeugte, was nicht darin seyn sollte und seinen Kopf auf die Folter spannte. Dann fängt er an, dieses Geblde seiner Phantasie zu fürchten, dann davon zu träumen und von Männern, die seinen Namen flüstern und darauf hindeuten. Dann kann er es nicht länger ansehen und eben so wenig ihm den Rücken kehren. Jetzt ist seine Zelle jede Nacht der Lauerwinkel eines Geistes, eines Schattens — eines stillen Etwas, schrecklich anzusehen, ob es Vogel, ob Thier, ob vermummte Menschengestalt, kann er nicht sagen.
(Fortsetzung folgt.)
* Ueber die Verlegung und Reorganisation des landwirthschaftlichen Instituts zu Hof Geisberg.
Vom Abgeordneten L. Born.
Ein Antrag, den ich kürzlich in der Ständekammer auf Verlegung und Reorganisation des landwirthschaftlichen Instituts stellte, hat (in Nro. 98— 101 dieser Blätter) in dem Herrn Dr. Medicus einen Gegner gefunden. Ich würde es vorgezogen haben, die Ansichten dieses Gelehrten, eines Professors der Land Wirth schaft, in öffentlichen Blättern nicht weiter zu verfolgen und hätte die angeführten Gründe gegen meinen Antrag lieber dem Urtheile Anderer, insbesoudere dem meiner Sachgenossen überlassen; aber mein Gegner eröffnet die Darlegung seiner Gegengründe geradezu mit einer Herausforderung; ein Mann des Katheders tritt er als Ritter seiner Wissenschaft und Erfahrungen einem schlichten Landmanne gegenüber siegesbewußt in die Schranken: —er will mit einem friedlichen Landmanne „eine Lanze brechen."
Leute meines Schlags, die ihren Beruf darin finden, statt der Lanze die Sense und den Pflug zu führen, sind, wie der Herr Verfasser richtig voraussetzt, in solchen Kämpfen ungeübt; aber wenn man sie zwingt und übermüthig herausfordert, so ist es doch nicht ihre Art, sich feig zurückzuziehen; sie stellen