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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 111. Sonntag den 2« Juli 1848.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 2 fl.,. für d-n Umfang des HerrogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürstenthumS Hessen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Krankfurt S fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 2 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Das Jagdunwesen.

Deutschland. Wiesbaden (Die jüngsten Ereignisse und die Gesell­schaft für Freiheit, Gesetz und Ordnung. Landtagssitzung). AuS dem Nassauischen (Der Abg. Raht. Niederwalluf (Holzdiebstahl und Abwehr durch die Turner). Kassel (Die Bürgerwchr). Stutt­gart (Untersuchung über die Ercesse in Ulm und Kompromittirung hoch­gestellter Personen). Wien (Die Rückkehr deS Reichsverwesers). Prag (Die Stimmung im Lande).

Sprechsaal für Stadt und Land.

** Das Jagdunwefe n

Vom Westerwalde. Obgleich das neue Jagdgesetz nach unseren mehrfältigen Erfahrungen in diesem Felde der Gesetz­gebung schweres Bedenken für das allgemeine Wohl und für dasjenige so vieler Einzelner, besonders Gewerbe- und Acker­bautreibender, in uns erregt hat, so müssen wir doch dem Herrn Abgeordneten Hehn er darin vollkommen Recht geben, daß eine recht baldige Lösung und gesetzliche Feststellung dieser wichtigen Frage dringende Nothwendigkeit ist. Denn daß die Jagd eine der leidenschaftlichsten Vergnügungen der Menschen ist, davon haben wir auch in unserem kleinen Vaterlande seit den Märztagen die ausgedehntesten Beweise und wir konnten Hunderte von Beispielen aufzählen, daß Leute, die von ihrem täglichen Verdienste oder ihrer Händearbeit leben, Werkstätte, Acker und Pflug verlassen haben, um der Jagblust zu stöhnen und die brotlose Familie einstweilen der öffentlichen und pri­vaten Wohlthätigkeit zugewiesen haben.

Unzählige haben die letzten Nothpfennige oder ein werth- volles Hausgeräthe geopfert, um sich eine Flinte, Pulver und Blei anzuschaffen.

Greise Väter und weinende Mütter sahen wir die Felder bebauen , während der Nährvater des Hauses sich einem zeit­raubenden , sich niemals nachhaltig lohnenden Gewerbe hingab, dem der Untergang seines häuslichen Glückes nach unzähligen Beispielen auf dem Fuße folgt.

Welche fürchterliche Folgen die Jagdleidenschaft der arbei­tenden Klasse nach sich zieht, stellte sich in Frankreich vor der Einführung des neuen_ dortigen Jagdgesetzes dadurch deutlich heraus, daß das französische Justizministerium zur Begründung des Gesetzesvorschlags nachgewiesen hat, daß drei Viertheil der auf den Galeeren schmachtenden Sträflinge ihre verbreche-

Laufbahn mit der Jagd begonnen haben, welche in -studdleberei ausartete und endlich in Raub und Mord über- gtng.

gräßliche Thatsache rief dann auch die einhellige nnahme jenes strengen Gesetzes hervor und hat sich, trotz c ^ljun8en der Neuzeit, in unserem Nachbarlande bis diese Stunde unangefochten erhalten.

. solche thatsächliche Erfahrung bei unserem Nachbar- °o^ dem unserigen an Gesittung nicht nachsteht, dürfte . Gesetzgeber zu überzeugen, daß bei unseren Ver- c 111 der Beschränkung der Jagdfreiheit mehr Philau- )rcjue liegt, als in dem Gegentheile.

^st Behauptung, daß mit der Ausrottung deS Wildes «ucy die Wilddieberei aufhöre, ist unrichtig; denn die Aus­

rottung aller Wildgattungen ist besonders in Deutschlands großen Wäldern durch Menschen unmöglich!

Hierfür liefert abermals Frankreich den Beweis, wo es in dem langen Zeitraum von der ersten Revolution bis noch vor wenigen Jahren nicht gelungen ist, sämmtliches Wild auszurotten..

Die freie Jagd ist blos in den Urwäldern möglich und sie wird auch dort ihre gesetzlichen Schranken erhalten müssen, wenn dieselben durch Menschenhände gelichtet seyn werden.

In unserem Vaterlande würde sie tausende, bisher arbeit­samer, glücklicher Menschen in das Unglück und in das Ver­derben stürzen, welche an dem schauderhaften Ziele desselben, den Fluch über Diejenig en aussprechen würde, die ihrer Leidenschaft Spielraum gaben, statt sie gesetzlich zu zügeln und zu beugen.

Deutschland.

^ Wiesbaden, 2h Juli. So hat sich denn endlich daS Gewitter entladen, welches schwer über unserem Lande, beson­ders über unserer Stadt hing, und die Schwüle hat einer klaren Frische Platz gemacht. Mögen die Wolken, die noch hin und wieher den Himmel bedecken, sich nicht mehr zusam­menziehen und verheerende Strahlen aussenden, verheerender, als die der jüngsten Tage; möge diese Zuckung das kritische Wundfieber eines operirten genesenden Körpers seyn!

Die Saat ist gesäet, die bei den Segnungen des Frizens das Glück unseres engeren und des gemeinsamen deutschen Vaterlandes hervorbringen soll, und wenn auch Parteibestre­bungen, die in ihrer Grundlage einen übergroßen Egoismus haben, den Frühling unserer Freiheit anscheinend rauh machen, so gedenken wir doch des Frühlings der Natur, des Lenz­monats, der kalt und naß seyn muß, wenn er Scheune und Faß füllen soll.

Fragen wir, wie es möglich seyn konnte, daß so viele Menschen sich in blinder Aufregung gegen das Gesetz, das doch» die Grundlage wahrer Freiheit ist, auflehnen konnten, so können wir leider nur antworten, daß diese Gesammtheit der Unzufriedenen ein kranker Körper war, dem ein böser Stoff eingeimpft worden, dessen er sich selber nicht bewußt war. Nur mit Mitleiden kann man diese Rohheit betrachten, und es gehört gewiß keine große Gabe von Theilnahme dazu, wenn diese verführten Menschen, wie sie es verdienen, der Milde des Richters empfohlen werden. Und könnte man nicht selbst die Führer dieser Partei krank nennen? Gewiß. Gibt es doch noch jetzt Personen, die in Aufgeblasenheit und in der Ueberschätzung des eigenen Ichs glauben, sie seyen im Stande, dem Volke andere Wohlfahrt zu geben, als die Ka­pazität und der gute Wille der in der Reichsversammlung konzentrirten ruhigen Ueberlegung des Volkes selbst? die sich mit Selbstdünkel an die Spitze von sogenannten demokratischen Vereinen unter falscher Auslegung von Volkssouveränität stellen, und nicht bedenken, daß sie nicht im Stande sind, am seidenen Bändchen einen Löwen zu führen, der nach Blut lechzt? Oder sind etwa diese Scheindemokraten eines guten Erfolges gewiß, dadurch, daß die Führer an den ungebildete­ren Theil deS Polkes appelUren, statt daß dieser an die Ka­pazität und den guten Willen des Gebildeten apxcüiren sollte? Ist d a s Volkssouveränität, welche einzelne Klassen deS Volkes ausschließt, und herrisch einzelne Stände für inkompetent er--