benSfrische und Thatkraft des Staatsorganismus damit zu erkaufen.
Die Zeit fordert Reinigung von den Schlacken, sie fordert Gerechtigkeit gegen Tüchtige und gewiffenhafte StaatSdiener, damit diese nicht in Kummer und Elend verkommen, wo sie ihre Kräfte aufreiben, aber zu viel wahres Selbstgefühl haben, um Jahrzehnte lang um das zu petitioniren (resp, zu betteln), was ihnen von Rechtswegen längst hätte werden sollen.
Frankfurt, 13. Juli. Reichstags-Sitzung zur Fortsetzung der Diskussion über 8. 2 des Entwurfs der Grundrechte. Sprengel von Waren in Mecklenburg hob mehrere Bedenklichkeiten des zwe.ten Minoritätsantrages hervor. Den Einzelnen würden dadurch Vortheile auf Kosten des Reichs und der Gemeinden gegeben werden. Schüler von Jena begründet einen Verbesserungsantrag, dahin lautend: „Kein deutscher Staat darf zwischen feinen Angehörigen und den Angehörigen eines andern deutschen Staates einen Unterschied, bezüglich des bürgerlichen, peinlichen, oder Prozeßrechtes machen." Die bisherigen Unterschiede, wie sie in verschiedenen Gesetzgebungen noch gelten, (und vom Redner durch Beispiele erläutert wurden,) waren sehr drückend für den Verkehr, insbesondere bei dem Durcheinanderlaufen der Gränzen der einzelnen Staaten. Kolb von Speier gibt statistische Vergleichungen der Kultur- und Gewerbsverhältnisse der dies- und überrheinischen Provinzen Bayerns, sowie der Verhältnißzahlen von Verbrechen und Vergehen. Alle diese Vergleichungen sprechen zu Gunsten der Gewerbefreiheit und der Erleichterung der Ansässigmachung. Das Prinzip muß sogleich und definitiv durchgeführt werden. Die Uebergänge, welche die Zweifel und Nachtheile eines Provisoriums haben, taugen nach gemachten Erfahrungen nicht. Der Redner macht einen Verbesserungsvorschlag, nach welchem unter den andern, jedem Deutschen das Recht, Liegenschaften zu erwerben und darüber zu verfügen (Theilbarkeit der Grundstücke), so wie das Recht, jeden Nahrungszweig zu treiben (Gewerbefreiheit) gesichert seyn soll.
Moritz Mo h l erklärt sich für den Mehrheitsantrag des völkerrechtlichen Ausschusses und insbesondere gegen das Verlangen Stahl's, den Gewerbtreibenden die Autonomie in Gewerbesachen zu überlassen. Was würde man sagen, wenn man dem Adel die Bestimmung der Adelsrechte überlassen wollte. Koch von Leipzig will ein allgemeines Gewerbs- und Heimathsgesetz für ganz Deutschland, jedoch ohne Spezialisirung. Löwe von Calde empfiehlt auf das dringendste Gewerbefreiheit und Freizügigkeit. Großartige Mittelpunkte eines Landes, wie ihn Frankreich in Paris hat, heben das Bewußtseyn der Nationalität. Niemand wird für Deutschland bei seinen Nachtheilen diesen Weg wünschen; Eisenbahnen und die Freizügigkeit werden das Gefühl der Gemeinschaftlichkeit heben, welches jetzt nur erst in der Literatur lebte. Warum will man stets präsumiren, daß der Neuanziehende Ansprüche an die Armenkasse machen will. Man soll Leuten den Weg nicht versperren, die an einem Orte sehr nützlich werden können, wäh.end sie an einem andern höchst überflüssig sind. Arbeit ist das größte Kapital. Alle Schätze Perus haben Spanien zu einem Bettlerlande gemacht. Die Arbeitskräfte haben sich in England kon- zentrirt; die Arbeit allein hat England groß gemacht. Der Redner will auch die Assoziation für das Handwerk, damit dieses dem größten Feinde des Handwerks, den Fabriken entgegen trete. Das neue Leben Deutschlands gründe sich auf die Grundlage des freien deutschen Staatsbürgers. (Beifall.) v. Dieskau entwickelt nachstehenden Antrag: „Jeder Deutsche hat das Recht, in jedem deutschen Staate und in jedem deutschen Orte seinen Aufenthalt und Wohnsitz zu nehmen, Liegenschaften zu erwerben, Nahrungszweige zu betreiben und das Gemeindebürgerrecht zu gewinnen." Ost er rath erklärt sich für den Mehrheitsantrag des volkswirthschaftlichen Ausschusses. (Schluß folgt.)
Frankfurt, 14. Juli. (O.-P.-Z.) Gestern nach dem Schlüße der Sitzung vereinigten sich fast alle Mitglieder der Nationalversammlung zu einem verabredeten Mahle in der Mamlust, zu dessen Schlüsse auch Se. kaiserl. Hoh. der Erz- herzog-Reichsverweser erschien. Der König von Württemberg, die Großherzoge von Baden und von Hessen und die Herzoge von Naßau und von Sachsen-Meiningen sind gestern hier eitv getroffen; heute wird der König von Bayern hier erwartet.
Berlin, 10. Juli. Die Truppen, welche jetzt in und um Berlin konzentrirt sind, werden auf 25,000 Mann angegeben. Potsdam ist auffallend mit Militär gefüllt.
Wien, 9. Juli. 4 Uhr Abends. (A. Z.) Doblhoff hat noch kein Ministerium beisammen, und auch, wie man mit Erstaunen erfahrt, vom Erzherzog keine Vollmacht, ein interimistisches zu bilden. Der Erzherzog ist nach Frankfurt gestern sammt Wessenberg abgereist. Wir sind also faktisch ohne Regierung, denn Doblhoff muß vom Erzherzog die Bestätigung der Sm terimsminister einholen. Uebrigens ist die Ruhe musterhaft. Wir Wiener sind an Dinge gewöhnt, daß ein Ministerwechsel nur eine Spielerei für uns ist. Aber die Provinzen? Unsere Ruhe ist die vor dem Sturme.
Rußland.
Aus Petersburg von den ersten Tagen des Juli berichten die Berliner lithographirten Nachrichten vom 10. Juli Folgendes : Auch bei uns hat es einige Tage lang unruhig ausgesehen, obgleich die Unruhen durchaus ohne allen politischen Charakter blieben. In Folge des Umstandes, daß von den in den ersten Tagen nach dem Auftreten der Cholera in die Krankenhäuser Beförderten die Meisten, und zwar sehr schnell, starben, hatte sich unter dem gemeinen Volke der Wahn verbreitet, das Grünzeug auf dem Markte und die Brunnen seyen vergiftet, und die Kranken würden in die Hospitäler gebracht, nur damit sie desto schneller sterben sollten. Der Pöbel sammelte sich auf den Straßen in bedrohlichen Massen, und man sprach allgemein von einem auf den 2. Juli verabredeten Sturm auf die Cholerahospitäler. Sogleich wurden die zum großen Theil in's Sommerlager ausgerückten Garden, etwa 40,000 Mann , zurückberufen , in allen Straßen Wachtpikets ausgestellt und Kanonen aufgefahren und so das Volk von feinem thörichten Verdachte geheilt. Der Kaiser besucht täglich die Stadt und die Krankenhäuser, wo es am gefährlichsten aussieht. Neulich wurde ein unschuldiger Zigarrenmacher auf I dem Markte vom Volk aufgegriffen, weil er Gemüse vergiftet haben sollte. Der Pöbel wollte ihn zerreißen. Es gelang, ihn in das Winterpalais zu retten; indessen soll er am nächsten Tage in Folge der erhaltenen Mißhandlungen gestorben seyn. Den Tag darauf ließ der Kaiser drei der Rädelsführer bei diesem Vorgänge auf demselben Markte in seiner und deS Volkes Gegenwart auspeitschen. Sie wurden überdem lebenslänglich unter die Soldaten gesteckt und der Kaiser drohte in einer an das Volk gerichteten Anrede Denen, die etwas Ähnliches wieder versuchen sollten, mit härtern Strafen.
Frankfurt a. M., den 13. Juli.
Mittags
1 UM
Papier.
Gè —
Oesterreich, 5% Metalliques.....
Z ......
„ 3 % Bankaktien o. D.....
„ 500 ff. Loose........
„ 250 ff. Loose........
Preußen, 50 Thaler Prämienscheine ....
„ 3%% Staatsschuldfcheine â 105 kr. .
Bayern, 3'/a °/0 Obligationen....... Berbacher-Eisenbahn-Aktien..... Würte inborg, 3%% Obligationen . . . . .
„ ' 4% % neue Obligationen . . .
Baden, 3'/, % Obligationen von 1842 .... „ Lotterie-Anl. â 50 ff. bei G. u. S. . .
„ 35 ff. Loose vom Jahr 1845 ....
Darmstadt, 3'/, % Obligationen.....
„ 4 % „ .....
„ 50 ff. Loose........
„ 25 ff. Loose.........
Kur hesse n, Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Actien „ 40 Thlr. Loose bei Rothschild. . .
Nassau, 3'/,"/» Obligationen bei Rothschild . .
„ 25 ff. Loose..........
Frankfurt, 3 % Obligationen.......
„ 3 7,% „ von 1839 : . .
„ 37, „ „ von 1846 . . .
Taunus-Eisenbahn-Acticn â 250 ff. . . . Holland, 27t % Integralen ....... Spanien, 3 7, Innere Schuld.......
„ 5 „ Ardoin incl. 15 Coup.....
Polen, 300 ff. Lotterie-Loose.......
„ 500 ff. „ „ .......
Sardinien, 36 Frcs. Loose bei Gebr. Bethmann D tSconto.......; ; . : . . . .
67% 57 34%
1210
111
747, 887, 77
767, 68 7.
79% 93% 777, 48 263/t
887, 64% 2IV. 377, 257, 82 21% 827, 95 907, 285
46 17%
89 647, 257,
67’/,
34’/, 1200
HO 73'/, 877, 1 75 757, 1 65% ;
78% ; 92% 767, 47 267.
78 877, 1 64 207, ; 36% 25
81 20’/. 1 82 94 89*/.
281 4o% 17%
637, 24% -
fr.
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382
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Gold.
Pistolen......
Pr. Friedrichsd'or. Holl. 10 fl. Stucke Rand-Dncaten. . . 20 Francsstücke . . Engl. SonverainS.
ff.
9
9
10
5
9
12
55
56
5 36 40
2
Silb er.
Gold al Marco .
Laubth., ganze. .
Preuß. Thaler. . 5 Frankenthaler .
Hochhaltig Silber Gering u. mittelst.
24
24
43'/ 45
5
18
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Niehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.