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Vom Taunus, 30. Juni. Deutschland, unterrichtet und wissenschaftlich gebildet wie kein Land, welches erst dann seine politische Laufbahn begonnen, als es von philosophischen Theo­rien übersättigt war, ist in kurzer Zeit in seinen 30 und mehr Einzelstaaten in jedem besonders so gründlich durch und durch revolutionirt worden, daß der schnelle Verlauf der Gährung durchaus keine Besorgnisse für die Haltbarkeit der neuen Umge­staltung im Reiche der Formen und Anschauung erregen kann. So röte Alles, worauf man in Folge von mathematischer Berech­nung kommt, sich als Nothwendigkeit und unumstößlicher Grund­satz darstellt, so ist auch die Ueberzeugung von der Unhaltbarkeit des Gewesenen, und die unerschütterliche Grundidee eines neuen Systems in das Mark der Nation gedrungen und mit Leiden­schaft und kaltem Verstände wird die gegenwärtige Generation dafür aus Leben und Tod kämpfen, darin besteht für jetzt die Einheit Deutschlands, und erst wenn dieser Grundgedanke sich der materiellen Entwicklung durch und durch bemächtigt hat, werden wir auch ein Deutschland haben.

Ewigen Dank dem versöhnlichen Geiste, welcher in der ersten Nationalversammlung die Parteien vereint und den heu­tigen für jeden deutschen Bürger heiligen Beschluß hervorgerufen hat. Es ist ein Sieg eines Jeden, denn keine Partei hat den Lorbeerkranz auf ihr Haupt gesetzt. Alle haben in redlicher Absicht gerungen und gehandelt, und Alle haben mit Herz und Verstand am Altare des Vaterlandes den Bruderbund ge­schlossen. (?) Mit Stolz kann der Deutsche sagen, für uns ist es ein Tag gewesen wie noch keiner, und als' Nation zu den Nationen ein Volk wie noch keines. Und die Nation, welche durch Herz und That bewies, daß sie frei und einig sey, was konnte sie Edleres thun, als den zum Führer wählen, der schon vor Jahren als freier Mann und würdiger Träger heiliger Erinnerungen zuerst der deutschen Einheit ein furchtloser Herold geworden! Sich ehrt das deutsche Volk in ihm, und ihm ertheilt das Vaterland die Ehre, weil er als würdiger Sohn für das verwaiste kräftig das Wort geführt.

G Weilburg, 29. Juni. Eine große Zahl der achtbarsten hiesigen Bürger ist zusammengetreten und hat folgende Einladung ausgehen lassen:

Liebe Mitbürger! Ohne Ordnung und Gesetzlichkeit keine Freiheit. Um diese Freiheit, Gesetzlichkeit und Ordnung zu er­streben, haben wir einen Verein gebildet und hoffen, daß unsere Bestrebungen von unseren Mitbürgern der Stadt- und Land­gemeinden gebilligt werden.

Es ist hohe Zeit, zu zeigen, baß unser bekannter Sinn für Ordnung und Gesetz in unserer Stadt und Umgegend nicht er­loschen ist. .

Wenn wir die Rechte unseres Volkes zu begründen suchen, so wollen wir aber auch beweisen, daß wir Jedes Recht zu achten wissen. Ein Volk ohne Sinn für Ordnung und Gesetz­lichkeit verfällt der Anarchie und zuletzt dem Despotismus. Aus diesen Gründen sind wir zusammengetreten und haben unten­stehendes Programm entworfen, um auf dessen Grund dieGe­sellschaft für Freiheit, Gesetz und Ordnung" zu kon- stituiren."

Das Programm ist auf die Grundlage des von der Wies­badener Gesellschaft ausgegangenen gestellt, mit größtentheils wörtlicher Beibehaltung desselben. Sodann hat die Gesellschaft ihren Anschluß an die zu Wiesbaden bestehende ausgesprochen und wird nicht blos in hiesiger Stadt, sondern auch in der Um­gegend für ihre Zwecke zu wirken suchen. Mehr als hundert der tüchtigsten Männer sind bereits dem Verein beigetreten. Denn der Sinn unseres Volkes ist gesund, sein Rechtsgefühl lebendig und in dem grundgediegenen Bürgerstande unserer Ge­genden wohnt eine gewaltige Kraft, die nur der Anregung be­darf, um für die wahre Freiheit, welche eins mit Gesetz und Recht, nicht aber mit der Willkür ist, überall siegreich in die Schranken zu treten.

Frankfurt. (67. Sitzung der deutschen Bundesversamm­lung am 29. Juni 1848.) In Folge der heute von der Natio­nalversammlung vorgenommenen Wahl eines Neichsverwesers faßte die Bundesversammlung einstimmig den Beschluß, folgen­des Schreiben an Seine Kaiserliche Hoheit den Erzherzog Jo­hann von Oesterreich zu richten:

Durchlauchtigster Erzherzog!

In würdigem feierlichem Akte wurden so eben Eure Kaiser- ltcke Hoheit von der deutschen Nationalversammlung zum Reichs- Verweser unseres großen Vaterlandes erwählt.

Die Bundesversammlung theilt mit der ganzen Nation die ^".hrung für Eure Kaiserliche Hoheit, und die erhebenden patriotischen Gefühle, die sich an dieses große Ereigniß knüpfen,

sowie das feste Vertrauen, daß diese Wahl heilverkündend, und die beste Bürgschaft für die Einheit und Kraft, für die Ehre und Freiheit unseres Gesammtvaterlandes sey.

Sie beeilt sich, Eurer kaiscrl. Hoheit diese Ueberzeugungen und Gesinnungen Glück wünschend auszudrücken.

Ganz besonders aber gereicht es den in der Bundesver­sammlung vereinigten Bevollmächtigten der deutschen Regie­rungen zur höchsten Genugthuung, Eurer kaiserl. Hoheit die Versicherung ausdrücken zu dürfen, daß sie schon vor dem Schluffe der Berathungen über die Bildung einer provisorischen Zentral­gewalt von ihren Regierungen ermächtigt waren, für eine Wahl Eurer kaiserlichen Hoheit zu so hohem Berufe sich zu erklären.

Die deutsche Bundesversammlung ist in dieser eben so großen als ernsten Zeit von dem wärmsten Wunsche belebt, Euer kaiserl. Hoheit möge dem allseitigen Vertrauen und der Berufung zu der erhabenen Würde baldmöglichst entsprechen, und dadurch unsere Hoffnungen bestärken, die Vorsehung werde die große deutsche Nation zu neuen Zeiten des Heils und der Größe hinführen.

Frankfurt, den 29. Juni 1848.

Die deutsche Bundesversammlung, und in deren Namen:

der Präsidirende: Ritter v. Schmerling.

Frankfurt, 29. Juni, Abends 5% Uhr. (27. Sitzung der deutschen Nationalversammlung.) Die Sitzung wurde durch den Präsidenten von Gagern nach 57« Uhr wieder eröffnet. Die von dem Bureau bezeichneten Mitglieder der an den Erzherzog Johann zu sendenden Deputation'sind: v. Andri an aus Wien, Jucho von Frankfurt, Raveaur von Köln, Franke von Schleswig, v. Saucken von Tarputschen, Rotenhahn von München und Heckscher von Hamburg. Nach dem Vorschlag des Präsidenten wird die Eröffnung an den Erzherzog Johann durch Mittheilung des gestern beschlossenen Gesetzes und des Protokolls der heutigen Sitzung erfolgen.

Darmstadt, 27. Juni. (Rh. Z.) Das Gesetz über Krei- rung von 2 Millionen Papiergeld in fundirten Scheinen ist von der zweiten Kammer in ihrer heutigen Sitzung fast einstimmig angenommen worden.

Köln, 29. Juni. (K. Z.) Gestern Abend hatten wir hier einen Straßen-Krawall. Am Morgen fand sich an allen Ecken ein Plakat angeheftet, durch welches in der eindringlichsten Weise zu einer großen Versammlung im Harff'schen Saale auf dem Domhofe eingeladen wurde. EineLebensfrage Deutschlands", so hieß es, solle verhandelt werden:vielen Gewerben drohe ein vernichtender Schlag." Wirklich hatte sich eine übergroße Anzahl hiesiger Gewerbtreibender Abends im bezeichneten Saale eingefunden; doch waren auch Viele aus den arbeitenden Klaffen erschienen, die da glaubten, daß sie Betreffendes zur Sprache komme. Vor dem Hause standen Unzählige, die keinen Eintritt finden konnten. Nachdem einige Personen über Eisenbahn- und Dampfschifffahrtsgesellschaft u. dgl. gesprochen, wollte einer der Arbeiter das Wort nehmen, um die Verbesserung ihrer Lage in Anregung zu bringen. Bald darauf entstand in Folge des Zu- sammenbrechens eines Stuhles ein Lärm, der rasch in argen Tumult ausartete, wobei einige Tische, Stühle, Flaschen, Scheiben u. s. w. namentlich dadurch zertrümmert wurden, daß Alles in wilder Hast den Saal verließ. Aus dem Platze draußen kam nun aber einem Theile der aufgeregten Menge der Gedanke, vor die Wohnung des ehemaligen Ministerpräsidenten Camphau­sen zu ziehen und ihm eine Katzenmusik zu bringen. Wirklich zog ein großer Haufe dahin und warf unter Lärmen und To­ben mit Ziegelsteinen, die man von einer nahegelegenen Mauer nahm, etwa zwanzig Fensterscheiben ein. In zwei benachbar­ten Straßen errichteten Einzelne, meist Gassenbuben, mit dort vorfindlichen Fahrkarren eine Art von Barrikaden, wohl mehr aus Nachäfferei, als in der Absicht, das Heranziehen der Bür­gerwehr zu verhindern. Diese war alsbald durch das Alarm­zeichen unter die Waffen gerufen worden und eilte in großer Zahl herbei. Mehrere Kompagnien zogen zur Rheinaustraße, und sahen sich zum Theil genöthigt, die durch viele Neugierige sehr angewachsene Mentchenmaffe unter Trommelwirbel mit ge­fälltem Bajonnet zu vertreiben, da den gütlichen Aufforderungen keine Folge geleistet, sie vielmehr mit Steinwürfen erwiedert wurden.

Mehrere Personen (man sagt, etwa fünfzehn) wurden ver­haftet. Der Krawall hatte gegen etwa 10 Uhr begonnen und allenthalben in der Stadt Besorgniß erregt; bald nach Sutter* nacht war die Ruhe wieder hergestellt.