reichische Regieru ng habe über weilrg Truppen zu verfügen; auch an ihrer Geneigtheit sey nach Kuranda's Aeußerung stark ju zweifeln. Ve nedey giebt zu bedenken, daß die Czechen Angehörige eines deutschen Staats, also der Krieg ein Bürgerkrieg sey. Man solle die Deutschen belehren, daß sie sich zwar bis zum letzten Blutstropfen vertheidigen , aber Wehrlose verschonen möchten. Er beantragt 3 Proklamationen an die Deutschen, die Czechen und das Heer. Besel er warnt vor einem improvi- sirten Beschluß in einer so wichtigen Sache, und beantragt Zuweisung der Anträge an den slavischen Ausschuß. Beitels meint, Oesterreich sey kräftig genug, in Böhmen Ruhe zu schaffen. (Forts, folgt.)
Stuttgart, 17. Juni. (Ä. Z.) Vorgestern erhielt man hier zuerst Nachricht von einer Militärmeuterei in Heilbronn, wegen welcher gestern Abend um 9 Uhr Truppen von hier dorthin auf der Eisenbahn abgingen (viertes Regiment). Nach den hier verbreiteten Angaben ist der Vorfall folgender: die Unordnungen begannen in einer Schenke und veranlaßten einige Verhaftungen; die Soldaten des in Heilbronn garnisonirenden und meist aus Hohenlohern zusammengesetzten achten Regiments verlangten die Freigebung der Arrestanten, und kamen zugleich, besonders durch Anregung eines Obermannes, über eine Petition überein, worin sie in Betreff ihrer Behandlung mehrere Forderungen stellten (z. B. der Anrede mit Sie), zugleich aber auch die Absetzung des Kriegsministers verlangten. Als der erwähnte Obermann verhaftet wurde, brachen sie tumultuarisch auf und verlangten die Freigebung desselben, sowie ihrer wegen Wirths- Hanserzeffe verhafteten Kameraden. Die Behörden entboten die Bürgerwehr, indeß diese verweigerte ihre Mitwirkung unter dem Vorwande, daß sie sich bei der Erhaltung der militärischen Disziplin nicht betheiligen könne und nur dann einschreiten werde, wenn Verletzungen des Eigenthums einträten. Hierauf wurde die Freigebung der Verhafteten erzwungen; die Soldaten zogen unter Geschrei, mit Arbeitern untermischt, in den Straßen umher, betranken sich u. s. w., verübten jedoch keine Gewaltthätigkeiten gegen Eigenthum. Die militärische Ordnung war für den Augenblick aufgelöst, etwa 20 Mann entfernten' sich aus der Stadt, wahrscheinlich um sich in ihre Heimath zu begeben. Nach heute eingegangenen Berichten war die Ruhe nach Ankunft der dorthin gesandten Truppen übrigens wieder hergestellt, und das achte Regiment abmärschlrt, um sich in eine andere Garnison zu begeben, nachdem die geeigneten Verhaftungen ausgeführt waren.
Wien, 15. Juni, Abends. (A. Z.) Aus sicherer Quelle kann ich Ihnen berichten, daß in Bezug aus die italienische 8rage von unserm Kabmet die angebotene Vermittelung Englands angenommen worden ist, und daß zunächst mit dem sardinischen Hofe Friedensunterhandlungen angeknüpft werden sollen auf die Grundlagen einer Freigebung- der lombardischen und theilweise der venezianischen Provinzen gegen Uebernahme eines Theiles der österreichischen Staatsschulden.
Von der Armee lauten die Nachrichten trotz der jüngsten Erfolge von Vicenza und der bald zu hoffenden Einnahme von Treviso sehr traurig. Täglich desertiren die italienischen Tuppen in.Schaaren; die Spitäler sind überfüllt; es mangelt an allem Nöthigen sogar an Aerzten. Kann die Armee unter solchen Umständen den sichern Muth behalten, den sie bisher unter allen Umständen bewiesen? Auch in Istrien fürchtet man einen Ausbruch und selbst in Triest ist nicht mehr zuverlässig. Auf den Bericht des Grafen Gyulai wurde Triest in Belagerungsstand erklärt, während es auf der Seeseite von der feindlichen Flotte strenge blokirt ist.
Wien, 16. Juni, Abends 4Vt Uhr. (A. I.) Es bestätigt sich, daß der Reichstag erst am 6. Juli eröffnet wird. Die Prager Ereignisse, sowie die Ueberzeugung, daß die Wahlen bis zum 26. unmöglich beendet seyn können, bestimmten die Regierung zu diesem Entschlusse. Der französische Gesandte wird erst morgen hier zurückrrwartet. Soviel wir vernehmen, ist man in Innsbruck mit der Haltung des französischen Kabi- nets den italienischen Angelegenheiten gegenüber sehr zufrieden. Es steht eine friedliche Lösung in Aussicht. Graf Colloredo-Waldsee soll zu diesem Zweck nach Mailand geschickt werden.
Wien, 16. Juni. (A. Z.) In aller Erle theile ich Ihnen mit, daß gestern eine Estaffette vom Gouverneur in Klausenburg hier durch nach Innsbruck abgegangen ist, welche die wich-
Vera'utwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Lerlag
tige Nachricht überbringt, daß man in Siebenbürgen einen russischen Spion aufgegriffen und durch ihn erfahren habe, daß an der Grenze der Moldau 60,000 Mann russische Truppen bereit stehen, jeden Augenblick dort einzurücken, und daß sowobl im Banat als in Serbien und in der dortigen Gegend überhaupt russische Emissäre ausgeschickt seyen, um die dort befindlichen Ruthenen zu einem Aufstand vorzuberciten, der in dem Augenblick ausbrechen soll, als die Russen die moldauische Grenze überschritten haben würden. Bestätigt sich die hier verbreitete Nachricht von dem Einfall der Serben und Tschaikisten in der Gegend von Pancsowa, so gewinnt die erstere Mittheilung um so mehr an Wichtigkeit, und man müßte wahrscheinlich mit unheilbarer Blindheit geschlagen seyn , wenn man das Vorhanden- seyii von feindseligen fremden Propaganden, die uns ausstacheln, selbst in unsern Eingeweiden zu wühlen, noch immer verstockt läugnen wollte. Oder wird man diese Nachrichten und die neuesten Vorgänge in Prag auch wieder mit den hier so beliebt gewordenen Stichwörtern von „Reaktion" und „Schwarzgelb" bezeichnen wollen?
Apenrade, 15. Juni. (B. H.) Die preuß. Vorposten stehen eine halbe Stunde von hier. Hier hat man au einigen Stellen der Straßen das Pflaster aufgerissen und aus Bauholz Steinen, Wagen :c. Barrikaden gemacht; ebenso an den verschiedenen Ausgängen der Stadt. Einige Zugänge hat man ganz verrammelt. Es werden überhaupt alle Vorkehrungen zur Vertheidigung der Stadt gegen etwaige Angriffe der Dänen getroffen.
Flensburg, 16. Juni. (B. H.) Die Insel Alsen soll fast gänzlich von dem dänischen Militär geräumt seyn, welches nördlich nach dem Festlande geschifft zu seyn scheint.
ES scheint nun doch wieder im Norden sich eine Truppenmacht zusammenzuziehen und vielleicht die Aussicht auf eine entscheidende Schlacht vorzuberciten.
Von zwei bei Nübel gefangenen Dänen erfahren wir, dass der moralische Zustand der dänischen Armee sehr schlecht ist. Es fehlt das Vertrauen zu den Offizieren, welche sie mit fortwährenden Lügen hintergehen, die denn nach und nach au den Tag kommen.
Ika l ien.
Treviso hat sich am 14. Juni nach zwölfstündiger Beschießung unterworfen.
Aus Verona vom 16. Juni erhalten wir die Bestätigung der Nachricht, daß Padua ohne Schwertstreich sich unterworfen, und bereits die Brigade des Fürsten Friedrich v. Liechtenstein dort eingerückt sey. Es befanden sich folglich von den venetianischen Provinzen alle bedeutende Städte, mit Ausnahme der Lagunenstadt selbst, in den Händen der kaiserlichen Truppen.
Venedig, 13. Juni. (A. Z.) Die Regierung von Venedig hat sich an die französische Republik gewendet, und um beten. Einschreiten in dem Kampfe mit Oesterreich nachgesucht.
Bekanntmachungen.
In der L Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden ist zu haben:
Portrait des Herrn Ministerpräsidenten Hergenhahn, entworfen und lithographirt von Schapper. Preis eines EremplarS auf gewöhnlich Papier 36 fr., auf chinesisch Papier 48 kr.
Dieses, von allen gelungenste, Portrait empfiehlt sich sowohl durch seine sprechende Ähnlichkeit als durch den im Vergleich zu der schönen Ausführung, ungemein billigen Preis, so daß jede weitere Anpreisung desselben überflüssig erscheint.
Die Anämie in ihren Beziehungen zu den Mineralquellen Schwalbach's.
Von Dr. Genth, praktischem Arzte zu Schwalbach. Preis 1 fl.
140] Am 27. dieses Monats und an den darauf, folgenden Tagen, wird in dem v. Bismark'schen Wohnhause zu Schierstein eine bedeutende Partie von Möbeln aller Gattungen zur Versteigerung kommen.
der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.