steiner Lehrerversammlung geltend gemachten Ansichten die mittleren Volksschulen anschließen und zwar in der Art, daß für das gewöhnliche Bedürfniß auf dem Lande, sowie für das besondere Bedürfniß in größeren Gemeinden (Flecken u. Städten) gleicherweise Sorge getragen werde. Dieses sollte dadurch geschehen, daß zwei Abtheilungen errichtet würden, von denen die eine mehr für die Bedürfnisse des Landes, die zweite mehr die der Flecken und Städte berechnet wäre. In Abtheilung 2 (sonst auch gehobene Bürgerschüler genannt) lollte, wo es die Umstände federten, außer Mathematik, Geschäftsanfsätze rc. auch das Französische als Unterrichtsgegenstand ausgenommen werden. Die Versammlung trat ferner der Ansicht, welche sich unter dem Volksschullehrerstande gebildet hatte, in ihrer Mehrzahl bei, daß nämlich es zweckdienlich sey, bei verminderter Stundenzahl das schulpflichtige Alter bis zum 16. Jahre auszudehnen, weil die Erfahrung gelehrt habe, daß mit dem Austritt aus der Schule im 14. Jahre der Nachtheil verbunden sey, daß die Heranwachsende männliche Jugend (denn nur auf diese sollte die obige Forderung Anwendung finden) nur allzuschnell der Früchte des Schulunterrichtes verlustig gehe, ein Nachtheil, dem durch die eingerichteten Sonntags- und Abendschulen nur sehr mangelhaft abgeholfen werde. — Obgleich nun durch die f. g. zweite Abtheilung der Volksschulen ein Theil der bisherbestandenen Realschulen überflüssig erschien, so verbarg man sich doch nicht die Nothwendigkeit, daß je nach lokalen Bedürfnissen in einzelnen Städten des Landes noch Anstalten errichtet oder erhalten werden müßten, die höhere Anforderungen befriedigten, als jene zweite Abtheilung. Die Majorität entschied sich demnach für Pädagogien, welche für das real- und humanistische Gymnasium vorbereiteten, und als Staatsanstalten an die Stelle der meisten bisherigen Realschulen träten. — Soweit die öffentlichen Verhandlungen des ersten Tages.
Nach einem gemeinsamen Mittagsmahle beschloß die Gesellschaft ihre Bespreebungen in freier Unterhaltung auf einem gemeinschaftlichen Ausfluge fortzusetzen um dadurch die Diskussion für den folgenden Tag vorzubereiten und zu fördern. Eine Anzahl Lehrer des Realschulwesens sonderte sich jedoch zu einer Privatberathung ab, um über ihre Interessen, die sie durch die Beschlüsse über die Errichtung von Pädagogien und Erweiterung der Volksschulen in Abtheilung 2 beeinträchtigt glaubten, sich zu verständigen und in einem Separatvotum ihre Ansichten nie: derzulegen. Zu bedauern ist es , daß diese Ansichten nicht in der allgemeinen Sitzung laut geworden waren, weil die Tagesordnung eine spätere Berücksichtigung derselben nicht mehr zuließ, und die einzige Gelegenheit, dieselben zur Sprache zu bringen, durch den Wunsch der Mehrheit von dem Antrag „über Einrichtung niederer Gewerbschulen" abzusehen, abgeschnitten wurde.
Sitzung am 15. Juni.
Zur Besprechung kamen die Gymnasien. Da in Beziehung auf das Realgymnasium kein Antrag vorlag, welcher in die allgemeine Versammlung gehörte, so ging man alsbald zu den humanistischen Gymnasien über. In der geselligen Zusammenkunft am vorhergehenden Nachmittage hatte die Mehrheit schon entschieden ihre Ansicht über die Zahl und die konfessionelle Trennung der humanistischen Gymnasien ausgesprochen. In ersterer Beziehung war man daher der Ansicht, daß die Aushebung eines Gymnasiums weder rathsam, noch auch zu fürchten sey, dafür bürge die Frequenz der drei Anstalten, der Hinblick auf andere Länder, gegen die nach den mitgetheilten statistischen Notizen Nassau zurückstehe, so wie namentlich der Sinn -der Regierung und Stände, welche die Mittel zur Hebung der Bildung sicherlich nicht mindern würden. — Ueber konfessionelle Trennung hatte sich eine lebhafte Debatte erhoben und war von der Minderheit mit großer Entschiedenheit die Nothwendigkeit einer solchen im Widersprüche mit der Mehrheit behauptet worden; die Versammlung erklärte nun in der öffentlichen Sitzung zu Protokoll: „Eine kanfessionelle Trennung kann prinzipiell, als widersprechend dem Zwecke des Staats und dem Geiste der Zeit nicht ausgesprochen werden; übrigens vertraut man der Regierung, sie werde bei Besetzung der Lehrerstellen auf die obwaltenden und lokalen Verhältnisse gebührende Rücksicht nehmen." (Fortsetzung folgt.)
* Wiesbaden, 20. Juni. (Ständeversammlung.) Reg. Komm. Ler legt einen Gesetzentwurf vor über die Ablösung derZehnten, sodann über die Einführung einer K a p i t a l i e n- und progressiven Einkommen st euer. Außerdem wird die Bewilligung eines Simplums Gewerb-, Grund - und Häuser- ficuer in Anforderung gebracht. Die Kaffe ist in dem Zustande, daß wieder Gelder zufließen müssen, wenn nicht eine Stockung eintreten soll, weshalb die Bewilligung dieses Simplums noch
vor Prüfung des Erigenzetats gefordert wird. Bis zum Schluß des Monats Juni sind 1 Million 581,656 ff. zu decken, namentlich veranlaßt durch die vermehrten Ausgaben für die Truppen re. Zur Deckung des ganzen Bedarfs fehlen über 600,000 fl. Die Landeskreditkasse kann höchstens noch 300,000 fl. zeitweise vor- schießen. Da die Vorbereitungen zur Erhebung der Kapital« und Einkommesteuer noch nicht so schnell getroffen werden können, so soll der fehlende Rest auf dem oben bezeichneten Wege erhoben wreren. A '
Wen kenbach I. vermißt die Erwähnung des Domänialver- mögens bei den Mitteln zur augenblicklichen Aus hülfe.
Reg. Komm. Scholz erklärt, daß auch in der Domänial- kasse große Ausfälle seyen.
v. Schütz fragt, wie derZehnten vor Erlassung des neuen Gesetzes erhoben werden soll, indem die Beamten in großer Verlegenheit seyen.
Reg. Komm. Ler erklärt, daß die Regierung noch nicht in Kenntniß gesetzt worden sey von dergleichen Verlegenheiten.
Müller IL fragt, ob bereits Schritte gethan seyen, die Gelder für die nassauischen Truppen von Baden zurückzuerhalten.
Reg. Komm. Ler. Dieß ist bereits geschehen, allein, da alle Bundesstaaten ihre Truppen mobil gemacht haben, so wird es am Ende wenig fruchten, auf die Bundeskasse zurückzugreifen. Ferner berichtet derselbe, daß er wegen zwei im Militärdienst stehender Seminaristen die Beurlaubung beim Generalkommando beantragt habe.
Reg.-Komm. Scholz trägt einen Regierungsbericht über die Bankfrage vor. Die Regierung glaubt, daß eS wohl an der Zeit fey, die Landeskreditkasse weiter auszubilden, nicht aber ein ähnliches konkurrirendes Institut neben derselben zu errichten.
Sie will also die Landeskreditkassen- und Steuerkassendirektion in der Weise verbinden, daß die Geschäfte beider Anstalten rascher erledigt werden. Außerdem soll die Landeskreditkasse zugleich die Diskontobank des Landes werden. Sie wird auf diese Weise zur Landesbank ausgebildet werden. Die Mittel der Landeskreditkasse sollen in angemessener Weise vermehrt werden. Ein weiteres unverzinsliches Papier auszugeben hält die Regierung nicht für praktisch, dagegen ist sie mit der Ausgabe eines neuen verzinslichen Papieres (Darlehensscheine) einverstanden. Sie stellt deshalb den Antrag:
Die Landeskreditkasse solle als Diskontobank für die Lan- desangehörigen durch bas ganze Land Wechsel auf das Inland oder die nahen größeren Handelsplätze, Wechsel, auf welchen drei solide Häuser unterzeichnet sind, und die in der Regel nicht über drei Monate zu laufen haben, so wie andere sichere Papiere diskontiren.
Leisler. Wenn der Antrag der Regierung vor einigen Jahren gekommen wäre, würde ich ihn mit Freuden begrüßen, aber in dieser außerordentlichen Zeit ist er ein sehr schwaches Auskunftsmittel. Von der Hypothez irung des Domänial- vermögens ist darin gar nichts bemerkt. Statt einer neuen großartigen Landesbank verspricht man eine kleine Erweiterung der Landeskreditkasse. Dieselbe hat bis jetzt sehr wenig gethan, und meistens nur reichen Leuten ihre aus der Zehentablösung gezogenen Kapitalien verzinslich gemacht, dem kleineren Gewerb- stand aber nichts genützt. Ich war während der Ferien nicht müssig, mein Projekt zu prüfen und urtheilsfähige Stimmen zu vernehmen. Ich wurde dadurch nur in meinen Ansichten bestärkt. In den Nachbarstaaten hat man bereits die Probe gemacht und ist in viel kürzerer Zeit zum Ziele gekommen. Unser Geld wird jedenfalls fortgehen. Holland nimmt z. B. jetzt Gulden zu vor- theilhaftem Preise an, und der Abfluß des baaren Geldes ist unvermeidlich. Wir haben einen Kommissionsantrag, des Inhalts, daß die Regierung ersucht werde, nach unseren Anträgen mit den Abänderungen einen Gesetzesentwurf vorzulegen und ich bitte darüber abstimmen zu lassen.
Zollmann. Der Handelsstand von Limburg und Dieß hat seine Ansicht über das Bankprojekt ausgesprochen. Er findet 2 Millionen Gulden noch zu hoch gegriffen. Eine solche Finanzoperation kann dem Gewerbstande nicht aushelfen. Der Mangel an Geld ist hauptsächlich durch die politischen Konjunkturen hervorgerufen und wird erst mit der wiedergekehrten Ruhe und Ordnung schwinden. Nassau hat keinen Großhandel, hat fast nur an's Ausland zu bezahlen, also fällt der Vergleich mit den preußischen Scheinen weg. Den Handwerkern fehlt die Arbeit, mehr als ein Darlehen. Die Kaufleute erklären sich dagegen für eine Erweiterung und volksthümlichere Beaufsichtigung der Landeskreditkasse.
Schmidt. Man hat behauptet, dieses Papiergeld würde