Nassauische
llgemcine Zeitung.
^N S !♦ Donnerstag den 22. Juni 1S4S»
Bei dem Herannahen des neuen Quartals erlauben wir uns die Bitte, Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung möglichst frühzeitig machen zu wollen, indem später für die Nachlieferung vollständiger Exemplare nicht gewährleistet werden kann.
Die Expedition der Nass. Illg. Ztg.
Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige PränumeratisnSpreis ist in Wiesbaden S fl., für b*'H Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfurstenthunis Hessen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stäbe Frankfurt Ä fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Berwaltungsgebietes S fL 40 fr. — Inserate werden die dreispaltige Petit;eile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Zur Zehntfrage.
Deutfchlmid. Wiesbaden (Lehrerversammlung. Landtag). — Fr ank- fu r t (Reichstagssitzung). — Stuttgart (Militärunruhen). —r Wien (Die italienische Frage. Hoffnung auf eine friedliche Lösung derselben. Nachricht eines Spions über die russischen Truppen). — Apenrade (Befestigung der Stadt). — Flensburg (Die Insel Alsen geräumt.
TLuppenmacht im Norden. Zustand der dänischen Armee).
Italien. Treviso (Die Stadt erobert). — Verona (Padua von den Oesterreichern genommen).
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** Zur Zohntfrage
^on der Dill. In der Zehntfrage scheint eben so viel Verwirrung zu herrschen, als in vielen andern Fragen des Ta gcs, und unsere junge Volkskammer hat sich offenbar durch das Geschrei der reichen Bauern, die die jetzige günstige Stimmung gerne benutzen möchten, um sich der sog. Feudallasten ohne Entschädigung zu entledigen, einschüchtern lassen. Die Schlauköpfe kennen indessen die Rechtsbeständigkeil des Zehnten recht gut, sie wollen eben in dem trüben Meinungsstrudel für sich einen guten Fischzug thun und denken wenig daran, daß sie ihre Mitbürger dadurch in großen Nachtheil bringen. Sie reiben sich vielmehr vergnügt die Hände und lachen heimlich über die guten Leute, die sich von ihnen Ängst machen lassen, ohne daß sie daran denken, die Drohungen auszuführen, die sie zur Unterstützung ihrer angeblichen Ansprüche ausgestoßen haben.
Ich will hier nicht auf die Entstehung der Zehnten rc. znrück- gehen, denn es wäre ganz unnütz, zu untersuchen, wie sie entstanden sind: ob nach unsern Begriffen mit Recht oder Unrecht. Sollte man sich auf solche Untersuchungen einlassen, so könnten ungerechte Erwerbungen und Lasten viel neueren Datums angefochten werden; aber ich selbst mit diesen ist nichts anzafangen. Auf diese Art ließe .ich aller rechtliche Besitz in Frage stellen Und wenn solche Sa. eier, die schwerlich auch nur eine der grössten Versprechungen, die sie auf anderer Leute Beutel so groß- stnuthig und uneigennützig gemacht haben, halten können, zu Ge- Ncht saßen, so wurden kaum die rechtlichst erworbenen Güter Gnade vor ihnen finden, da jeder Besitz in gewissen Händen s fin Verbrechen in ihren Augen ist. Aber gefegt auch, es ließe _ sich Nachweisen, daß die Feudallasten dem Grundeigenchume auf' eine unrechtmäßige Art aufgebürdet worden seyen; so haben den- noch die jetzigen Grundbesitzer nicht den mindesten Anspruch auf unentgeltlichen Erlaß derselben, da wohl nur wenige derselben im Stande seyn werden, es nachzuweisen, daß ihre unmit- telbaren Vorfahren es waren, denen diese Last ^ufgeladen worden ist; wohl aber läßt es sich leicht eriiiit« Rein, daß die zehntpflichtigen Grundstücke durch mittelbaren Ueber- Mg (Kauf) an sie gekommen sind. — und daß sie dafür 'uich't mehr bezahlten, als dieselben (nicht ohne, sondern mit der Zehntlast) wirklich werth waren.
Wenn solche Volksfreunde, die sich durch die Zehntfrage silberne Knöpfe und andere schöne Dinge in^ Parlament und die Kammer gebracht haben, näher erwogen hätten, welch schlechten Gefallen sie der großen Mehrzahl ihrer Kommittenten damit gethan, was ihnen sicher nicht ganz gut bekommen dürfte, wenn die Frage durch eine Rechtsverletzung erledigt wird: so würden sie doch wohl etwas vorsichtig'gewesen seyn; denn es konnte nicht die Absicht dieser betäubten verblendeten Mehrzahl seyn, den großen Gutsbesitzer und reichen Bauern (denn diese sind es allein, die den Nutzen der Zehntabschaffung schlucken werden) den Zehnten in Gestalt von Steuern zu bezahlen, was ihnen unfehlbar blüht, wenn derselbe ohne angemessene Entschädigung abgeschafft wird. Diejenigen aber, welche ihren Zehnten schon ab gelöst haben, werden ebenfalls den reichen Bauern den Zehnten noch bezahlen helfen müssen, ohne daß sie die Aussicht "haben, für die geschehene Ablösung nur die geringste Entschädigung zu erhalten. Unsere junge Kammer hat zwar, der Tagesmeinung übermäßig huldigend, schon in dein Jagdgesetze (wobei ich mich feierlichst dagegen verwahrt wissen will, als wolle ich dem bisher getriebenen Jagdunfuge das Wort reden) sich zu Rechtsverletzungen verleiten lassen, die sich sicher rächen und zu den bittersten Folgen und Konsequenzen führen müssen, wenn sie den b/raubten Privaten und Korporationen keine billige Entschädigung zuspricht; es muß aber in der Zentfrage und allen folgenden erwartet werden, daß sie zur Besonnenheit zurück kehrè und Gelüsten entgegen trete, die ihr allen Rechts boden unter den Füßen wegziehen werden.
Was würden die zehntpflichtigen Gutsbesitzer und reichen Bauern wohl sagen, wenn ihnen die Bürger der Städte zu- mutheten, ihnen ihre eben so alten und lästigen Kommunallasten wie Accise :c. zu bezahlen; oder wären dieselben wohl geneigt, mit ihren armen Schluckern von Mitbürgern und Nachbarn, die sich auf die noch älteren unveräußerlichen Menschenrechte und auf den Satz stützen, daß Armuth eine noch größere und unpopulärere Last, als der Zehnten ist, ihren Uebersluß an den eitlen Gütern dieser Erde ru theilen?
Und wenn es an's allgemeine Theilen geht, wer wird dann am übelsten von der Reise kommen? Sicher doch die reichen Grunobesitzer, denn sie allem sind nicht im Stande, ihr Vermögen zu vertheidigen und zu verbergen — und ihnen wird es an den Kragen gehen , während den Bürgern der Städte nichts anzuhabeu ist.
Wenn nun die errungenen Freiheiten so verstanden werden sollen, dann danke ich für dieselben, obgleich ich bei einer allge- meiiieu Theilung nichts vertieren kann. Ich will die Freiheit im edelitkn Sinne des Worts: nicht für mich, sondern für uns Alle! Es lebe die Freiheit mti Ordnung und Recht! Grdj.
D e u t f ch l a n d.
-r- Wiesbaden, 21. Juni. (Fortsetzung.) An die genannten Vorichnten ,ollen sich zunächst nach den in der Oranien-