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Was sagst Du da, Gontran?" rief die Frau in heftiger Bewegung.Diese Diamanten sind nicht mehr mein Eigen­thum, weil ich ein Kind habe. Sie sind das einzige Vermö­gen der kleinen Alice."

Beruhige Dich, sprach Herr von Favieres lächelnd.Ich will ja nur das Vermögen unserer Tochter verdreifachen und unser eigenes obendrein wieder herstellen. Dieser Schmuck soll unS zu einer Zauberruthe werden."

Aber ich kann Dir ihn nicht geben, Gontran," flüsterte Elisabeth.

Du kannst ihn mir nicht geben," wiederholte mit erstaun­ter und drohender Geberde der Emigrirte.Warum nicht? Mißtraust Du mir?"

Nein, wahrlich nein!" rief die junge Frau erschreckt.Aber eS ist unmöglich, durchaus unmöglich!"

Heraus mit der Sprache! Ich will die Diamanten haben! Wo sind sie?"

Begreifst Du es denn nicht, daß ich sie gar nicht mehr habe?" rief Elisabeth, während der Blick ihres Mannes wie ein Blitzstrahl auf sie fiel, in welchem das helle Feuer des Hasses leuchtete.

Es ist eine Lüge!" rief der Emigrirte und sprang vom Polster auf, und verlor ganz und gar den erkünstelten Gleich- muth.Treibe Dein Spiel nicht mit mir; bedenke, daß es sich um unsere Ehre, um unsere Existenz handelt; bedenke, daß ich ohne diesen letzten Rückhalt nicht Alles gewagt hätte. Wenn ich diese Diamanten nicht habe, dann muß ich ein Räuber werden, oder mir eine Kugel durch den Kopf jagen. Sprich! wo hast Du sie?"

Großer Gott! Er glaubt es mir nicht. Sprich doch nicht so hart, Gontran, sieh mich nicht so zornig an! Wenn ich den Schmuck noch hätte, würde ich dann den Muth haben, Dir ihn vorzuenthalten? "

Herr von Favieres fühlte, daß diese Worte wahr seyn wüßten; das aber vergrößerte noch seine Wuth. Er faßte seine Frau am Arm.

Du hast die Diamanten nicht?" rief er.Aber was hast Du denn damit gemacht, Elende?"

Ich habe dem Schlosser Mar den Schmuck gegeben, als ich ihm das Kind übergab!"

Dem Schlosser Mar!" wiederholte Gontran.Und Du lügst also nicht?" Im höchsten Zorn ergriff der herunterge­kommene Baron, den das Elend entmenscht hatte, die Geißel, mit welcher er sonst die Negersklaven peitschte und hob sie ge­gen das arme Weib,, indem er rief:

Wiederhole noch einmal, was Du gesprochen, wieder­hole noch einmal, daß wir nun ganz und gar ruinirt sind!"

In demselben Augenblicke aber faßte eine starke Hand von hinten den Arm, welcher die Peitsche über Elisabeth schwang.

(Fortsetzung folgt.)

Der Kampf in Prag.

Ueber die ersten Tage der Prager Vorgänge tragen wir als Ergänzung zu den Berichten des politischen Blattes fol­gende Einzelheiten nach.

Prag, 12. Juni. (D. A. Z.) Wir hatten heute einen der fürchterlichsten Tage. Um 11 Uhr war eine feierliche Messe auf dem Roßmarkt an der Statue des heil. Wenzel ab­gehalten, zu welcher sich zahllose Menschenmassen versammelt hatten. Der größte Theil derselben zog nach beendigtem Got­tesdienst nach halb 12 Uhr über den Graben nach dem Gene­ralkommando, um eine friedliche (?) Demonstration gegen den Generalk'ommandanten zu machen. Sobald die Menschenmasse, böhmische patriotische Lieder singend, ankam, stellte sich das Militär auf und gab, nachdem ein Schuß aus einem gegen­überstehenden Hause die Fürstin Windisch-Grätz getödtet, Feuer, wodurch einige; Leute mehr oder minder schwer verwundet wurden. In diesem Moment brach die Flamme des Aufruhrs los, eS war 11 % Uhr. Das Volk warf sich sturmschnell durch den Pulverthurm zurück nnd vertheilte sich, nach einem, fast will es scheinen, für jeden Inzidenzfall vorbereiteten Plan nach den wenigen Eingangsstraßen in die Altstadt und warf Barrikaden auf, wo sie nur irgend nöthig schienen. In einer Stunde zählte die Altstadt gegen 200 Barrikaden; auf dem Roßmarkte, Graben und Alleen standen einige 24, auf der Kleinseite wohl an 30; auf jeder wehte eine oder mehre große roth-weiße Fahnen, mehre mit dem Bildnisse des Kaisers geziert, zum Zeichen, daß man für ihn und zum Besten der Dynastie kämpfen wollte. Während dessen hatte das Militär seine Hauptwache auf dem Roßmarkte (etwa 35 M. stark mit zwei Kanonen) von dem Volke gedrängt verlassen und sich hoch oder blind schießend nach dem Roßthore zurückgezogen, um die­ses zu sperren und das Eindringen der Bauern vom Lande abzuwehren. Zu gleicher Zeit stürmt das Militär bereits die Zeltnergaffe und das Müller'sche Haus neben der kleinen Post, weil aus demselben viel geschossen worden, wurde hart mit­genommen; daselbst nahm man eine Anzahl Studenten gefan­gen. Von da stürmte eine andere Abtheilung Soldaten nach der Aula, wo ein Grenadier todt, mehre verwundet, zwei Studenten todt, acht mindestens verwundet worden, nach dem Bericht eines Augenzeugen. Was weiter in der innern Stadt geschieht, ist noch nicht zu erfahren. Sie ist von allen Seiten verbarrikadirt, und kein Mensch erhält gefahrlos Zulaß.

Offenbar waren die Soldaten auf diese Art des Straßen­kampfes sehr ungenügend vorbereitet und sie verloren zu An­fang bei jeder Barrikade viel Leute. Erst allmälig richteten sie ihren Angriffsplan zweckmäßiger ein. Zwei Kolonnen rück­ten auf den beiderseitigen Trottoirs mit angeschlagenem Ge­wehr vor und schossen auf Jeden, den sie an den Fenstern der andern Seite angriffdrohend gewahr wurden. Inzwischen schmetterten die Kanonen die vorliegende Barrikade nieder unb