linenthal 31t entfliehen. Es ist ein Jammer, zu sehen, welche Gräuel verübt wurden. So wurde ein Papierhändler, Wilhelm Weiß, in wahrem Sinne des Worts gekreuzigt. Er hatte als Nation,algardist zwei Studenten erschossen; darauf demolirte man ihm das Haus und nagelte ihn selbst an's Holz. Haben sich die fliehenden Deutschen aus der Stadt mit Lebensgefahr gerettet, so stoßen sie bis gegen 5—6 Stunden weit auf umherirrende Banden, die densesclbcn von Demjenigen, was sie etwa gerettet, ohne Umstände Alles rauben, was ihnen gefällt. Prag ist fürchterlich verwüstet, in manchen Straßen ist kaum ein Haus von dem Bombardement verschont verblieben.
Das böhmische Dampfschiff, welches gestern Abend in Dresden ankam, brachte wieder eine gute Zahl aus Prag ausgewiesener Polen und anderer Slawen; auch einige vom höhmischen Adel sollen flüchtend mitgekommen seyn. Die Thore Prags sind sämmtlich, mit Ausnahme des Borschilscher Thores, wo Nationalgarde steht, vom Militär besetzt; zum Theil soll die Nationalgarde sich dem Militär zugewendet haben. Ungefähr vier Straßen der innern winkelvollen Stadt um das Universitätsgebäude haben die Aufrührischen, Studenten, Svornost und Czechenpöbel, stark verbarrikadirt und halten sich darin. Es scheint, als wolle sie Fürst Windisch-Grätz nicht mit Waffengewalt zwingen, um die Stadt nicht zusammenzuschießen, vielleicht auch, um nicht noch mehr Blut zu vergießen, wenn es irgend möglich. Die Verhandlungen mit den Aufständischen ziehen sich jedoch in die Länge. Die große Brücke ist stark verbarrikadirt, die Kettenbrücken zu beiden Seiten abgetragen, so daß man nicht zum jenseits der Moldau liegenden Stadttheil, der Kleinseite, gelangen kann.
Man will den Zustand für das Militär nicht als so günstig ansehen, da dasselbe von der nicht mit hinter den Barrikaden stehenden Czechenpartei in der Stadt bedroht sey; doch wie hätten die Ausweisungen der Fremden so vollständig ausgesührt werden können, wenn die militärischen Behörden nicht Macht genug hätten? Allerdings ist es höchst merkwürdig, daß keine Posten abgehen können, da doch die Thore von Soldaten besetzt sind. Andere von Prag Kommende sagen dagegen, daß die Deutschen die Sache des Militärs als die ihrige ansähen und sich diesem anzuschließen begonnen hätten.
Triest, 13. Juni. (A. Z.) Die Blokade ist nun wirklich erklärt. Das betreffende Aktenstück wurde gestern Abends um 7 Uhr durch einen Parlamentär an die hiesige Regierung abgesendet. Es sucht auseinander zu setzen, wie man zu diesem Schritte dadurch berechtigt worden sey, daß man in Triest kriegerische Anstalten und Maßregeln getroffen und dem Krieg in Italien jeden Vorschub geleistet habe. Heute hat sich die Flotte vom Hafen zurückgezogen, wahrscheinlich um an der Küste zu kreuzen. Die neapolitanischen Dampfer hatten sich schon gestern von den übrigen Schiffen getrennt.
Belgien
cf Brüssel, 16. Juni. Was ich in meinen letzten Berichten hinsichtlich der Wahlen für den Senat und die Kammer, vorausgesehen hatte, ist durch den Erfolg derselben vollkommen bestätigt. Die Wahlen sind am 13. d. M. vorgenommen; die Regierung hat ihr Wort gehalten, indem sie sich durchaus von jederlei Einwirkung auf dieselben enthalten hat. In diesem Sinne hatte sich der Minister des Innern, Rogier, in einem Rundschreiben erklärt, wobei er freilich den Wunsch nicht unterdrückte, die liberale Majorität, wie sie aus den Wahlen vom 7. Juni 1847 hervorgegangen war, verstärkt zu sehen.
Das jetzt gewonnene Resultat ist kein geringes, und wird gewiß dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Nachbarländer, die sich um unsere innere politische Entwickelung kümmern, zu verstärken. Folgendes sind die Grundzüge der jetzigen Lage: die liberale Meinung unbestritten in einer überwiegenden Majorität und deshalb für die nächste Zeit allein verantwortlich für das Loos unseres Landes, — die ehemalige katholische Nückschrittspartei als solche so gut wie begraben, — zugleich, was noch nie bei uns vorgekommen: Anschluß vieler bisherigen Anhänger der letzteren an die Liberalen, um gemeinschaftlich gegen alle Diejenigen Front zu machen, welche auch nur in Verdacht standen, als gingen sie daraus aus, die Grundform unserer Verfassung umzustoßen. Kandidaten republikanischer Färbung, die offenbar dem Auslande, Frankreich, in die Hände spielen und uns das theuerste Gut: Unabhängigkeit und die dadurch bedingte, eigene, freie, innere politische Ausbildung, verkümmern möchten, wurden überall, wo sie aufzutreten wagten, schonungslos bekämpft und geschlagen, und wir sehen mit Stolz und Freude, bei unserer Bevölkerung, die diesmal in größerer Zahl als je am Wählen Theil hatte, einen Erweis dieser echten
Vaterlandsliebe, die, denke ich, darin besteht: das Gesetz und die gesetzliche Form über Alles zu achten, weil darin die Einheit, Kraft und Ehre des Vaterlandes liegt. Ganz unerhört und manche heitere Betrachtungen erweckend, war es bei uns, daß sogar das alte, erzjesuitische „Journal de Brurelles" die Kandidatur des Herrn V er ha egen, des bisher von jenem Blatt so verabscheuten Haupts der Brüsseler Liberalen, unterstützte. Herr Verhaegen war einer der Kandidaten der „konstitutionellen Assoziation" gegen die Kandidaten der „Alliance", die als republikanisch angesehen werden, obschon die meisten unter ihnen ein Glaubensbekenntniß im monarchischen Sinne öffentlich abgelegt haben. Man kennt aber auch hier diese Leute, die den Jesuiten unter vielem Anderen auch die so nützliche reservatio mentalis abgelernt haben. Von dieser „jungen Alliance" habe ich schon früher berichtet. Wir haben auch in diesen Tagen erfahren, wie die jungen Leute, die den Ton darin führen, und die sich desto lauter gebärden, je unerfahrener sie sind, für den Staat ganz untauglich, und bei ihrem jetzigen Trachten, sich emporzuwühlen, sogar des Muthes baar sind. In Brüssel ist diese „junge" Alliance völlig unterlegen, und sie hat nicht einmal den Trost, sich mit Ehren und Offenheit auf dem Kampfplatz gezeigt zrr haben. In Verviers ist Herr Lys, ehemaliger Abgeordneter, durchgefallen, weil er in dem Rufe stand, es mit eben so einer Wahlverbrüderung zu halten, in welcher einige junge Tollköpfe gescheit genug gewesen waren, die rothe Fahne aufzuhissen. In Lüttich ist die Fraktion dieser Farbe, im Gefühl ihrer Schwäche, kläglicher Weise gar nicht in die Schranken getreten. In Gend hat sie zwar in der Wahlgesellschast eine Demonstration versucht, wobei sie von der (unter französischer Redaktion stehenden) orangistischen Zeitung „Messager de Gand" unterstützt wurde, allein sie ist ebenso wie in Brüssel aus dem Felde geschlagen. Wir haben also in Belgien die Entscheidung erhalten: daß der Fortschritt unseres politischen Lebens eine Weiterentwicklung unserer gegenwärtigen Staatsfornr seyn muß.
Mit Vergnügen verweilen wir bei einem andern interessanten Zuge des letzten Wahlkampfes: daß nämlich die Ueberbleibsek der reaktionären katholischen Partei in den kleinern Orten, wo sie allein noch auftraten, und wo die Wahlen also den alten Charakter, wie früher im ganzen Lande trugen, diesesmal entschieden ausgestoßen sind. Dies gilt von Namür, Löwen, Ath, Maremme, Tongern, Huy, — Städte, in denen die Priesterpartei so fest eingenistet schien, schicken jetzt freisinnige Abgeordnete. In Ipern ist Herr Malou, ehemals Finanz- minister unter de Theur, wegen seiner erzpriesterlichen Gesinnungen auf dem Sande geblieben. Nur Herr de Merode, einer der begütertsten und kirchlichsten Männer, bisher Vorkämpfer der nun gescheiterten Gewalt, hat noch dem Zahn der Zer widerstanden, auch ist Herr Dumortier, der unter den Demokratisch-Katholischen figurirt, an zwei Orten erwählt.
Ungarn
Pesth, 12. Juni. Eine schreckliche Militärrevolte fan! in der verflossenen Nacht in der großen Jnvalidenkaserne statt Ein italienischer Soldat fing mit einem Freiwilligen Händel an stach zwei dazugekommenen Freiwilligen durch den Arm, un' alö er verhaftet in die Jnvalidcnkaserne eingebracht ward, stürz ten die Italiener über die Freiwilligen her und feuerten soga aus den Fenstern auf die wehrlose Volksmasse, welche vo der Kaserne zusammenströmte und vor Entsetzen wüthete. Untei dessen wurde der größere Theil des italienischen Regiment Ccccopieri, welches in der Ofener Kaserne lag, entwaffne Die ungarischen Regimenter Wasa und Turßky rückten aus d, Festung mit Kanonen gegen die Jnvalidcnkaserne. Vor de Hauptthore derselben stürzte ein Adjutant und noch 2 Mar todt nieder, von Kugeln durchbohrt, welche aus den Fenste, fielen. Das Thor war bald geöffnet und das ungarische Mi! tär Meister der Kaserne. Der Kriegsminister, L. Meßaro wäre beinahe von zwei Kugeln getroffen worden. Die Unte suchung nahm sofort ihren Anfang; die Hälfte der Italiener c gab sich augenblicklich, zwei Kompagnien wollen aber bis je (10 Uhr Morgens) die Waffen nicht abgeben, was sie ab thun müssen, wenn sie nicht über den Haufen geschossen werd wollen. Die Nationalgarde war aus verschiedenen Plätzen ai gestellt, die angrenzenden Straßen waren erleuchtet, das wüthen Volk wollte Barrikaden gegen die Jnvalidenkaserne auffuhn einige italienische Soldaten, welche ihm zufällig in die Hän fielen, wurden gräßlich zugerichtet. Gegen 1 Uhr in der Na waren indeß alle Straßen geräumt und das Militär was über die Ruhe der Stadt.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Niehl. — Druck und Verlag der 8. Schellen berg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.