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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 78. Montag den 89. Juni 1848.

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Bei dem Herannahen des neuen Quartals erlauben wir uns die Bitte, Bestellungen auf die Nassauische Allgemeine Zeitung möglichst frühzeitig machen zu wollen, indem später für die Nachlieferung vollständiger Exemplare nicht gewährleistet werden kann.

Die Erpe-ition -er N«^ ailg. M

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 3 fl., für W Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadr Frankfurt 9 A. 30 fl., in'den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarissche» Verwaltungsgebietes Ä fl. 40 fr.Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Rechcnexempel für Republikaner.

Der Aufstand in Berlin.

Deutschland, Wiesbaden (Rückkehr der Truppen). Frankfurt (Reichstagösitzung. Spektakel auch beim Reichstag Der Bundestag be­schließt eine provisorische Verwaltung des Herzogthums Lauenburg). Karlsruhe (Die Kammer über die Verhaftnahme Peters). Posen (Das russische Heer). Thoren (Armirung der Festung). Flens­burg (Wrangel soll vorrücken. Die Dänen. Die Tann'sche Freischaar).

Hadersleben (Gerücht von einem Gefecht). Triest (Die Stadt blokirt).

Frankreich. Straßburg (L. Bonaparte verzichtet auf seine Abgcord- uetenstelle).

Malien. Verona (Entscheidender Sieg bei Vicenza. Innsbruck

(Nähere Nachrichten darüber). >

Dänemark. Kopenha g e» (Friedliche Wendung. Die Russische Flotte).

* Rechenexempcl für Republikaner.

Bekanntlich weiß die republikanische Partei die große Summe der vielen fürstlichen Zivillisten Deutschlands als ein starkes Beweismittel für ihre Ansichten geltend zu machen und rechnet dem Volke vor, wie viele Millionen es durch Hinweg­fallen derselben gewinnen könnte. Die Sache hat allerdings etwas sehr Bestechendes. Allein man vergißt dabei, daß die Fürsten das Geld doch nicht essen, sondern es auch, wieder größtentheils unter die Leute bringen. sSo gewiß nun unverhältnißmäßig große Zivillisten nicht vorkommen dürfen und so gewiß die Fürsten eine moralische Verpflichtung haben müssen, ihr Geld nicht an müssige Schranzen und vornehme Tagediebe wegzuwerfen, so gewiß ist es auch, daß bei einer Republik die Zivillisten keineswegs gespart, daß vielmehr eben so große, wo nicht viel größere Summen durch die republi­kanische Regierungsform völlig a u ß e r Z i r k u l a t i o n gesetzt, dahcr also jedenfalls noch viel schlechter angewandt werden, als ein Fürst dieselben möglicherweise anwenden kann./ Ein Freund hat uns darüber folgende Berechnung vorgelegt, die wir zu prüfen bitten:

^â?Die Einkünfte der sämmtlichen in Deutschland regieren­den Fürsten und ihrer apanagirten Familienglieder betragen höchstens dreißig Millionen Gulden.

Daß ein großer Theil dieser Revenuen aus dem unbe­strittenen Privatvermögen hervorgeht, wird Niemand läugnen; wenn dem aber auch nicht so wäre, so ist es unzweifelhaft, daß diese Revenuen Don 30,000,00;) fl., da doch die Fürsten ) für sich und ihre Familien nicht mehr Nahrungsmittel bedür­fen, als andere Menschen, in der Form von Gehalten, Pensionen, Unterstützungen, Arbeitslöhnen, Al­mosen, Aufmunterung der Künste und Wissen­schaften, die in das Volk zurück kommen, dasselbe in der ' Totalität daher mindestens nicht ärmer machen.

Bekämen wir eine Republik, so hätten wir mindestens alle 4 Jahre einen Präsidenten zu wählen. In

Deutschland gibt es ungefähr 12,000,000 Wähler. Nach der Erfahrung von Amerika, erfordert die Wahl eines Präsidenten für jeden Wähler einen Aufwand von 4 Tagen zur Anmeldung, Abgabe der Stimmzettel, Eröffnung derselben, Anhörung dèr Wahlkandidaten, Festlichkeiten, Umzüge k. Rechnet man den durchschnittlichen Verdienst per Tag und Kopf auf mindestens 1 fl. 15 fr. (wie viele Geschäftsleute, Künstler, Meister ic be­finden sich unter den Wählern) und nimmt nur an, daß 10,000,000 Wähler an der Präsidentenwahl Theil nehmen, so kostet die jedesmalige Präsidentenwahl in Deutschland' wirklich 50,000,000 fl., und diese ungeheure Summe wird nicht, wie bei den Zivillisten, aus einer Hand in die andere gehen, son­dern sie würde nicht verdient, und also dem Nationalver­mögen gänzlich verloren gehen. Man wende gegen diese Rechnung ein, was man will, es würden nicht 10,000,000 Deutsche an der Präsidentenwahl sich betheiligen, der mittlere Arbeitsverdienst sey nicht 1 fl. 15 kr. per Tag in Deutschland, 4 Tage seyen nicht erforderlich zur Präsidentenwahl k. das bleibt dennoch unumstößlich wahr, die Wahl eines Präsidenten einer Republik ist unter allen Umständen außerordentlich kost­spielig. Welche außerordentliche Wunden würden nun aber überdies noch den Nationalreichthum, durch die mit der Prä­sidentenwahl verknüpfte, unvermeidliche, Aufregung geschlagen werden, bei der so dichten Bevölkerung, der eng ineinander greifenden Gewerbsthätigkeit, dem im Verhältniß zum Preise der Lebensmittel niedrig stehenden Tagelohn in Deutschland. (Beweis dafür sind die Zustände des jetzigen Augenblicks: sie würden sich mehr oder minder in kurzen Perioden wiederholen). In Amerika ist das ganz anders, wo im Verhältniß noch ge­ringe Gewerbthätigkeit, eine gar nicht dichte Bevölkerung, hoher Arbeitslohn, und niedrige Lebensmittelpreise sich vorfinden.

Ist nun in einer konstitutionellen Monarchie dieselbe Frei­heit zu erlangen, wie in einer Republik, kann die Staatsver­waltung dort eben so billig seyn, so ist gewiß die erste Form vorzuziehen, wo abgesehen von allen anderen Vortheilen alle 4 Jahre eine so enorme Summe erspart wird.

Der Aufstand in Berlin.

Die Deutsche Allg, Zeitung bringt über denselben folgenden Bericht:

Berlin, 15. Juni. Wir leben mitten in einer Emeute, und Jedermann erwartet hier, daß dieselbe sich zu einer Revo­lution gestalten werde. Die Müllärbesntzung im Zeughause hatte schon gestern den ganzen Tag über das Volk in Allarm gesetzt und in der Hingebung des Zeughauses gesammelt erhalten. Deputationen wurden an das Bürgerwebrkominando. und an den Kriegsminister geschickt, um das Zurückziehen des Militärs und die versprochene Waffenvertheiküng an die Arbeiter zu erwirken. Es hieß, die Sendungen seyen erfolglos geblieben, ja man be­hauptete sogar, daß einzelne Deputationen zurückgehalten wurden. Mit den massenhaft ausgestellten Bürgerwehrtrupps kam es schon gegen Abend zu' einem Zusammenstoß. In der Leipzig erstMe wurde von Seiten der Bürgerwehr von den Waffen Gebrauch