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Deutschland. [

0 Wiesbaden, 16. Juni. Durch ein Inserat in der Num­mer 88 der Nassauischen Zeitung wird von dem Herrn Landes- abgeordneten Dr. Leisler ein abgeänderter Plan zu einer Nassauischen Bank angekündigt.

Als wesentliche Abänderungen sind angegeben:

1) die Herabsetzung der Summe des papiernen Bankfonds von vier auf zwei Millionen;

2) die Erhöhung der hypothekarischen Sicherheit von dem Zweifachen auf das Dreifache des Bankfonds, also auf sechs Millionen;

3) die Werthung der Banknoten sowohl im Gulden- als im Thalerfuße.

Nach dem Vorgänge in der letzten Sitzung der Landesab- geordneten darf erwartet werden, daß die Regierung auch die­sem Plane entgegentreten wird; alles, was solche gegen die vier Millionen eingewendet hat, gilt auch für die zwei Millionen. Nachdem sich dieselbe aber bis jetzt darauf beschränkt hat, den Vorschlag von der Seite des Papiergeldes zu beleuchten, wird sie nun auch die andere Seite, die Verpfändung von sechs Mil­lionen Grundeigenthum (Domänen), in den Kreis der Erörte­rungen ziehen müssen, und hier tritt als erste Frage auf, ob die Landesabgeordneten ihre Wirksamkeit in Beziehung auf das Eigenthum des Landes damit beginnen wollen, daß sie die Ver­pfändung eines Fünftheils oder Sechstheils desselben zu Gunsten eines Papier-Erperimcntes aussprechen, dessen Mißlingen unter allen Umständen wahrscheinlicher ist, als das Gelingen, und das Pfand der Gefahr des Verlustes blos stellt.

Die Angabe, daß einzelne Personen große Summen, eine sogar 70,000 fl., gegen vollständige Sicherheit nehmen wollen, mga als wahr gelten; man wird aber fragen dürfen, ob alle, welche sich angemeldet haben und anmelden, auch vollständige Sicherheit stellen können, und ob wirklich zu einem Gewerbe­betriebe im Lande auf einmal 70,000 fl. nothwendig seyn sollten? Ein früher in Silber vielleicht jenseits der Gränzen des Herzogthums angeliehenes Kapital kann man aber nicht mit Papiergeld zurückzahlen.

Durch die Absicht, die Banknoten auch im Thalerfuße zu werthen, wird das Projekt nicht besser; ist damit auf den Kours derselben im Preußischen spekulirt, so hat man wieder nicht die Erfahrung zu Rathe gezogen, nach welcher die jetzigen Ländeskreditkasfenscheine nicht in erheblicher Menge in den Nachbarländern des Guldenfußes umlaufen. Auch bei dem Vorschläge, Vierthalerscheine zu machen, ist die Erfahrung nicht beachtet, daß man nicht Papiere von so verschiedenem Kaliber machen darf, wenn man den Geldverkehr nicht erschweren will.

A Ueber die Fortschritte des nassauischen Seiden­baues finden wir in dem Schreiben eines Seidenzüchters im Schaumburgischen Amts Diez an den Vorstand der Gesellschaft für Förderung der Seidenzucht Folgendes gesagt:

Wenn die Seidenraupen sich so fortentwickeln, wie seither, dann werden wir diesmal schon eine größere Quantität Kokons in die Filanda schicken können. Die Theilnahme für die Seiden zücht nimmt in hiesiger Gegend bedeu­tend zu. Wer jetzt schon Blätter von feinen Maulbeerstämm­chen beziehen kann, bedauert, daß er nicht einen ganzen Wald dieser Bäume besitze und von Andern hört man vielseitig die Aeußerung, sie wollten nicht mehr anstehen, sich Maulbeerbäume zu pflanzen. Kein Jahrzehnt wird mehr nöthig seyn, um die­sen Erwerbszweig gehörig zu benutzen, und dankbar wird man den beharrlichen Vorstand verehren."

Mainz, 15. Juni. (Köln. Z.) Die diesjährigen hiesigen Konskriptionspflichtigen, welche sich verabredet haben, sich nicht zur Musterung zu stellen, sondern von der Regierung eine Verschiebung der Truppen-Aushebung zu verlangen, bis das neue deutsche Wehrgesetz gegeben ist, diese Leute haben sich nicht wenig gewundert über die energische Antwort, welche das vor­gestern erschienene hessische Regierungsblatt bringt. Die Regie­rung droht denjenigen, welche ihre Konskriptionspflicht hintan- setzen, mit der ganzen Strenge der Gesetze.

Frankfurt a. M., 13. Juni. (A. Z.) Jm Landsberg war gestern Vormittag die vorbereitende Versammlung von Gelehrten in Betreff der Gründung einer deutschen Akademie der freien Künste und Wissenschaften. Es soll eine Siebenerkommission (deren Vorstand Dr. Nauwerk aus Berlin sey) gewählt und bestimmt worden seyn, aus den 15. Aug. d. J. eine konstituirende Generalversammlung hierher einzuberufen. Als Sitz der Akademie wurde Frankfurt gewählt.

Frankfurt, 16. Juni. Alles ist gespannt auf die Bera­thung und Entscheidung der täglich dringender werdenden provisorischen Zentralgewaltfrage. Der (bereits gedruckte) Antrag des betreffenden Ausschusses der National­versammlung lautet wie folgt:Die Nationalversammlung beschließt? 1) Bis zur definitiven Begründung einer obersten Regierungsgewalt für Deutschland soll ein Bundesdirekto­rium zur Ausübung dieser obersten Gewalt in allen gemein­samen Angelegenheiten der deutschen Regierungen bestellt wer­den. 2) Dasselbe soll aus drei Männern bestehen, welche vpn den deutschen Regierungen bezeichnet, und nachdem die Natio­nalversammlung ihre zustimmende Erklärung durch eine einfache Abstimmung ohne Diskussion abgegeben haben wird, von der­selben ernannt werden. 3) Das Bundesdirrktorium hat pro­visorisch: a) die vollziehende Gewalt zu üben in allen Angele­genheiten, welche die allgemeine Sicherheit und Wohlfahrt des deutschen Bundes betreffen; b) die Oberleitung des gesummten Heerwesens zu übernehmen und namentlich den Oberfeldherrn der Bundestruppen zu ernennen; c) die völkerrechtliche Vertre­tung Deutschlands auszuüben und zu diesem Ende Gesandte und Konsuln zu ernennen. 4) Ueber Krieg und Frieden und über Verträge mit auswärtigen Mächten beschließt das'Bun- desdirektorium im Einverständnisse mit der Nationalversamm­lung. 5) Das Bundesdirektorium übt seine Gewalt durch von ihm ernannte Minister aus. Alle Anordnungen desselben be­dürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung wenigstens eines verantwortlichen Ministers. 6) Das Bundesdirektorium er­nennt zu diesem Ende die erforderlichen Minister. 7) Die Minister haben das Recht, den Berathungen der Nationalver­sammlung beizuwohnen und von derselben jederzeit gehört zu werden; sie haben jedoch das Stimmrecht in der Nationalver­sammlung nur dann, wenn sie als Mitglieder derselben gewählt sind. Dagegen ist die Stellung eines Mitgliedes des Bundes- direktoriums mit jener eines Abgeordneten zur Nationalver­sammlung unvereinbar. 8) Sobald das Verfassungswerk für Deutschland vollendet und in Ausführung gebracht ist, hört die Thätigkeit des Direktoriums und seiner Minister auf.

Darmstadt, 16. Juni, 4 Uhr Nachmittags. Se. Königl. Hoheit Ludwig der Zweite, Großherzog von Hessen und bei Rhein re., ist heute Nachmittag um 3 Uhr an Entkräftung ver­schieden. Er war am 26. Dezember 1777 geboren und hatte am 6. April 1830 die Regierung angetreten.

Eisenach, 14. Juni. (D.A.Z.) Nachdem, wie zu erwar- ; ten war, die letzter» Punkte der Tagesordnung theils ohne lange Debatte angenommen, theils dem heute Nachmittag 2 Uhr zusammentretenden Parlamente (Lang aus München Präsident, v. Salis aus Berlin Vizepräsident) zur Henauern Besprechung überwiesen worden, war die Aufgabe der allge­meinen Studenten Versammlung erfüllt Und der Vor­sitzende schloß sie mit einer kurzen Rede. Aus den Protokollen ging hervor, daß im Ganzen folgende Universitäten vertreten waren: Wien, Breslau, Berlin, Jena, Halle, Leipzig, Göttin­gen, Marburg, Würzburg, Erlangen, München, Bonn, Greifs­wald, Gießen, Tübingen, Königsberg.

Dresden, 12. Juni. (K. Z.) Vorgestern ist in der Ober- Lausitz die Eisenbahn von Löbau nach Zittau in ganzer Länge befahren worden. Dieselbe eröffnet den Reiselustigen das sehr romantische Gebirgsland, welches die Grenze zwischen Sachseih Böhmen und Schlesien bildet. Liebwerda, Hirschfeld, die Klosterruinen des Oybia und Friedland mit seinen Erinnerungen an Wallenstein verdienen mehr bekannt zu werden, als sie bis jetzt waren. Es steht zu erwarten, daß die Fortsetzung der Bahn von Zittau nach Reichenberg, dem böhmischen Manchester, nunmehr zu Stande kommen werde.

Leipzig, 15. Juni. (D. A. Z.) Von einem sehr Mver- lässigen Reffenden erhalten wir eben noch Nachrichten aus Prag, welche bis zum 14. Juni früh um 3 Uhr reichen und woraus > wir für heute nur die Hauptdata geben. Am 13. Juni waren | alle Hauptstraßen und Plätze der bessern Stadttheile in der CK walt der Truppen. Der Sitz der Insurgenten war im linenthal. Am Nachmittag erschien ein Parlementär von diesen. Fürst Windisch-Grätz verlangte Einreißung der Barrikade- wpgegen den Aufständischen die Waffen bleiben sollten. ® schlugen aber das Erstere ab, woraus der Kampf, jedoch »» sehr vereinzelt, wieder begann und die Nacht durch waprw. Das Landvolk hat wenig Antheil gezeigt. Das MUlta unh die deutsche Sache haben gesiegt. Der Slave ' kongreß ist auseinandergegangen, seine Thellne^ mer aus der Stadt und über die Grenze gssbraa- worden. Das czechische Militär hat sich gegen die Ezechom- nen mit größter Erbitterung geschlagen.