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erhaltenes Kommando von den Schußwaffen Gebrauch gemacht, weil sie angegriffen zu werden befürchteten.

Mannheim, 11. Juni. Der deutschen Zeitung wird geschrie­ben: Aus guter Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß die in der Abendzeitung enthaltene Angabe, als habe unser jetziger Bundestagsgesandter Welcker für die Kosten der ersten Ein­richtung 4000 fl. aus der Staatskasse erhalten, unrichtig ist. Ihm wurde allerdings jene Summe angeboten, er hat sie aber abgelehnt und sämmtliche Kosten des Ueberzugs wie der ersten Einrichtung aus eigenem Beutel bestritten. Dies zur Steuer der Wahrheit.

Aus dem Hegau wird der Karlsr. Ztg. geschrieben: Es ist etwas im Werke; seit zwei Tagen herrscht von Muttenz bis an die Thore von Konstanz eine erstaunliche Rührigkeit. Sigel ist rheinaufwärts gegangen, wahrscheinlich um sein Hauptquartier in die Nähe von Konstanz zu verlegen. Für den Hegau ist Stein am Rhein der Ort, wo die Verhaltungs­befehle abgeholt werden. Dort zeigte sich gestern einer der kecksten Häuptlinge, Kaiser aus Konstanz. An Waffen fehlt es den Flüchtlingen durchaus nicht; in neuerer Zeit sind beson­ders viele gezogene Gewehre in aller Stille beigeschafft worden, so viel ich unterscheiden kann, Lütticher Fabrikat. In Wien, in Berlin, im Hessischen und Fränkischen, in den sächsischen Ländern, in den preußischen Rheinlanden soll es losgehen. In Frankreich bereitet sich offenbar ein Schlag gegen^daö System Lamartine's vor, und wenn der Telegraph dessen Sturz in das Departement des Jura und Oberrheins meldet, so wer­den neue Schaaren über die Gränze brechen.

Stuttgart, 13. Juni. (F. I.) Vormittags 9 Uhr. Die Nacht verlief ohne Störung, doch schrie man bis zum lichten MorgenEs lebe Hecker!"Es lebe die Republik!" Was übrigens vorauszusehen war, ist geschehen. In Cannstadt sind Unordnungen ausgebrochen. Die auf heute festgesetzte Ent­hauptung zweier Verurtheilten hatte die erhitzten Gemüther noch mehr aufgeregt, während die anscheinende Nichtberücksichtigung der Petition um Aufhebung des Tvdeöurtheils die Gährung steigerte. Heute morgen 5 Uhr sammelten sich nun grosse Massen Volkes am Richtplatz, und bald war das Schaffet zertrümmert und schwamm in einzelnen Balken und Brettern auf den Fluchen des Neckars hinab. Jetzt kam auch die Begnadigung. Allein die Menschen und die Aufregung sind da. So eben rückt ein Bataillon des 4. Regiments nach Cannstadt aus und die Bür­ger treten unter die Waffen. Was geschehen wird, kann kein Mensch wissen.

Berlin, 11. Juni. (D. A. Z.) Gestern wurden in allen Clubbs und in allen Straßen wiederum neue Ministerlisten vertheilt.

Der große Handwerkerverein (in der Johannisstraße), der in den Bewegungen der letzten Wochen von der Tüchtig­keit und Nothwendigkeit seines Strebens mannichfache Proben gegeben, hat auf den 18. Juni einen Kongreß aller verwand­ten Vereine Deutschlands ausgeschrieben.

Posen, 9. Juni. (D. A. Z.) Die Agitatoren unter den Polen treiben nur ein Spiel mit dem leichtgläubigen Volke, denn sie wissen recht gut, daß jetzt 2 0 0,000 Russen in Polen bereit stehen, nicht um das Banner des Panslawismus durch Europa zu tragen, sondern um beim ersten Uebergriff der Polen in Galizien und Posen die Pazifikation auf russische Weise zu übernehmen, die wahrscheinlich mit nichts Geringerm .endigen dürste, als Rußlands Grenzen bis dahin hinaus- zurücken, wo man ansängt Polnisch zu sprechen. Und das würden dann so wenig Hr. Lamartine als Hr. Pal­merston hindern können!

Altona, 10. Juni. (Alt. Merk.) Die muthige That des Tann'schen Korps brachte bei der aus Kavallerie und einer ziemlich bedeutenden Infanterie-Stärke bestehenden dänischen Be­satzung von Hadersleben große Bewegung hervor. Durch die ungeordnete Rückkehr der dänischen Truppen war in Haderöleben Pas Gerücht entstanden, die Deutschen zögen in großer Stärke gegen Haderöleben. Es veranlaßte dieses nicht allein, daß theil- weise die dänisch gesinnten Beamten auf's Neue flüchteten, son­dern daß auch die Besatzung nach dem Norden aufbrach, nach­dem sie anfänglich beabsichtigt hatte, sich zu vertheidigen und mit zwei neben einem Düngerhaufen postirten Kanonen die nach Haderöleben führende Brücke zu bestreichen, unter welcher seuer- sangende Gegenstände, namentlich Theertonnen, angebracht waren, um den Feind am weitern Vordringen zu hindern.

Wie hoch der Fanatismus der Dänen gegen Alles, was deutsch heißt, sich gesteigert hat, ersieht man ausFädrelandet" vom 6., wonach mehrere deutsche Handwerksgesellen zu einem

bis in die Nacht währenden, von der Polizei nicht zu hemmen­den Tumult Anlaß gaben. Die Anwesenheit eines Deutschen in der Nähe von Kallundborg brachte in dieser Stadt große Bewe­gung des Volkes hervor, das denselben vor seinen Richterstuhl stellen wollte. Die Behandlung der Kriegsgefangenen ist in keiner Weise zufriedenstellend.

Schleswig, 8. Juni. (H. C.) Die Lazarethe in Flensburg mehren sich so, daß bei den Einwohnern Ver­wundete untergebracht werden. Von hier aus sind seit drei Tagen täglich viele genesende Kranke nach Rendsburg tranö- portirt. Dieser Zustand, wo so viele deutsche Brüder für un­sere Sache ihr Leben opfern müssen, ohne daß dem Erzfeinde des deutschen Vaterlandes auf seinen Schiffen beizukommen, ist ungemein drückend, denn das vergossene Blut führt zu keinem Resultate. Die Stimmung im ganzen Land wird immer feind­licher gegen Dänemark, und die Fortdauer der Personialunion eine moralische Unmöglichkeit. Denn zwänge die Diplomatie das schleswig-holsteinische Volk auch dazu, so würde doch kein Friedensband uns mit dem dänischen Volke mehr einen. Zwei Frauen in Hadersleben, die für die deutsche Flotte gesammelt, sind mit fortgeschleppt. NS. Das Kaiser Franz-Grenadier- Regiment marschirt nach dem Norden. Man will heute Kano­nendonner gehört haben.

Schleswig, 7. Juni. Wir vernehmen, daß unsere schles­wig-holsteinischen Truppen durch Deputationen den Obergeneral dringend ersucht haben, gegen den Feind geführt zu werden; sie sollen dabei erklärt haben, daß sie sich beschämt und gedrückt fühlten, an keinem der bedeutenden Gefechte Theil genommen zu haben, und daß sie, nach solcher geringen Theilnahme an dem heiligen Kampfe für die Freiheit, die Ehre und das Recht des geliebten Vaterlandes, sich schämen müßten, nach einem von ihren deutschen Brüdern erfochtenen ehrenvollen Frieden wieder in ihre Heimath und zu den Ihrigen zurückzukehren. Der Ober­general soll ihnen bemerkbar gemacht haben, daß er die schles­wig-holsteinischen Truppen deßhalb nicht selbstständig verwenden könne, weil sie gar zu schwach mit Offizieren besetzt wären, und daher leicht in Unordnung gerathen könnten; auch erfordere der Umstand, daß sie mit dem Feinde gleich gekleidet wären, hier und da Berücksichtigung, und ließe zuweilen ihre Verwendung nicht zu.

Sehr wacker und mannhaft soll die Gegenrede gewesen seyn: Wenn die Negierung es versäumt habe, für die gehörige Anzahl tüchtiger Offiziere zu sorgen, so wollten sie sich deßhalb doch nicht im Genuß der Kampfesehre verkürzt und beeinträch­tigt sehen. Der General möge sie da hinführen, wo es am heißesten hergehe, auch die Wenigen würden zeigen, daß sie die Gerechtigkeit'der schleswig-Holsteinischen Sache im vollsten Um­fange erkennten und nicht weniger von Muth und edler Kampfes­lust beseelt wären, als die deutschen Kameraden, von denen eine Großthat nach der andern ihnen in's Ohr schalle. Die Solda­ten hätten immer gezeigt, daß sie, gut geführt, tapfer föchten und besonders jetzt würden sie mit treuester Hingebung und Begeisterung fechten, da sie sähen, wie ihre Väter und Ver­wandten mit Freudigkeit die größten Opfer brächten für den Kampf um ihre heiligsten Güter. (S.-H. Ztg.)

Wien, 9. Juni. (A. Z.) Wie man hört, soll der Kaiser und die Kaiserin am 18. d. wieder hier eintreffen. Der Erz­herzog Franz Karl und die Erzherzogin Sophie werden jedoch sicherem Vernehmen nach jetzt noch nicht nach Wien zurückkehren, sondern einige Zeit in Ischl verweilen.

Aus Prag, 7. Mai, schreibt das Konst. Blatt aus Böhmen: Die einzelnen Sektionen und der große Ausschuß des Slavenkongreffes halten fortwährend Sitzungen. Die Zeit unserer Gäste ist gemessen und ein jeder von ihnen sehnt sich wieder nach der Heimath zurück, wo in jedem Augen­blick entscheidende Ereignisse eintreten können. Daher können aber auch nur die wichtigsten Angelegenheiten und Verhältnisse der Slaven besprochen werden, und dem nächsten Kongreß bleibt eine nicht minder schwere Aufgabe zu lösen als dem gegenwärti­gen. Man hat bereits die Frage über die fernere Abhaltung von Slavenkongressen in Anregung gebracht, und vorgeschlage«, daß jährlich wenigstens einer, nach Umständen auch zwei zusam­mentreten sollen. Die fortlaufenden Geschäfte wird ein Ausschuß zu leiten haben. Ueber die parlamentarischen Verhandlungen und die bisherigen Resultate derselben verlautet noch wenig; es wäre zu wünschen, daß auch Nichtmitglieder Zutritt zu den Be­rathungen hätten, oder daß wenigstens recht bald wieder eine öffentliche Plenarversammlung stattfände, damit das Interesse an den Kongreßverhandlungen desto lebhafter werde. Der Kongreß wird ein Manifest an die Völker Europa's erlassen, mrd