Gott, sie wollen vielmehr des ganzen Vaterlandes Schulmeister seyn. Und ihre politische Bildung leiten sie dabei vermuthlich aus demselben Urquell ab, woraus die Fürsten ihre absolute Machtvollkommenheit; sie sind Staatsmänner — von Gottes Gnade n.! Bei einem Stümpfchen Licht kann man das Weberschiff führen lernen, in einer Viertelstunde lernt man Chausseesteiue klopfen, aber gelernt will es doch seyn, weil alles Ding auf der Welt gelernt seyn will — und da wird mir's nun und nimmermehr Einer weiß machen, daß die Polilik das einzige Ding auf Gottes Erdboden, welches nicht gelernt zu werden braucht.
Ich möchte den Arbeitern einen guten Rath geben, der zwar etwas hausbacken klingt, aber gerade darum sehr praktisch ist. Statt, wie man vielfach klagen hört, die ohnedies knappe Arbeit halb zu thun, unwillig zu thun, gar nicht zu thun, mögen sie doppelt und dreifach ihre Kräfte anspannen in dieser schweren Zeit, und nicht auf die Quacksalber und Marktschreier hören, welche von einer Arbeiter-Glückseligkeit faseln, worüber der arme Bethörte das Restchen Glück, welches ihm verblieben, noch vollends verliert. Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brod essen — so steht es in der alten Bibel, und so wird eS auch ewiglich bleiben. Es ist auch sehr gesund, wenn man tüchtig schwitzt, und viele reiche Leute gäben schweres Geld darum, wenn sie das so könnten, wie ein rechtschaffener Ar- kreiter. Kommt aber die Feierstunde, dann sollt Ihr auch Po- Utik treiben, nämlich um Euch über das zu belehren, was Ihr noch nicht gehörig wißt, und zu ergründen, was Ihr noch nicht versteht.
Rückblick auf die Thätigkeit des deutschen Reichstags.
Frankfurt, Pfingsten. (D. Z.) Die Paulskirche steht leer, die meisten Abgeordneten erholen sich auf kleinen Ausflügen, ein erster Abschnitt ist in der Thätigkeit der Nationalversammlung eingetreten.
Dieser erste Abschnitt war eine Zeit der Vorbereitung, aber der Vorbereitung zu den größten Dingen. Man muß von der Art, wie allein eine große Versammlung thätig sein kann, man muß von parlamentarischen Geschäften überhaupt keinen Begriff haben, wenn man, wie dies von mancher Seite so geflissentlich geschieht, der Nationalversammlung einen zu langsamen Gang vorwirft. Dinge, wie eine künftige,deutsche Reichsverfassung, wie die Errichtung einer Centralgewalt, eines Bundesministeriums, bedürfen einer anderen Vorbereitung, als sich diejenigen, welche alle Weisheit fertig aus dem Aermel schütteln, träumen lassen.
Aber beide Gegenstände sind vorbereitet, Stedtmann und Bassermann, die beiden Vorstände der betreffenden Ausschüsse, verkündeten in der letzten Sitzung, gleichsam wie Pfingstgaben an das deutsche Volk, daß gleich nach den kurzen Ferien die Nationalversammlung zu berathen haben werde über das erste deutsche Ministerium und über die deutsche magna Charta. Dies möglich zu machen, war die größte Anstrengung der Ausschüsse nöthig, bis in die Nacht gingen die Berathungen, auch während der Festtage haben die Berichterstatter zu arbeiten, und wir hören, daß die Gesundheit einzelner Mitglieder unter der Größe der Arbeit leidet.
Blicken wir in der Pause, in welcher wir jetzt stehen, zurück auf die Früchte des ersten vorbereitenden Abschnitts, so können wir uns nur Glück wünschen zu einem solchen An- fange deutscher Parlamentspolitik. Sie bezeichnet sich durch Beseitigung alles dessen, was unwesentlich (Annahme der Geschäftsordnung in Bausch und Bogen) und durch Widerstand gegen die Verlockung zum Selbstregieren, wodurch das Vertrauen in die bestehenden gesetzlichen Gewalten nur noch mehr erschüttert würde (Beschluß in der Mainzer- Sache) ; sie bezeichnet sich aber auch durch die größte Entschiedenheit da, wo es gilt, ihre eigentliche Aufgabe durchzuführen (Beschluß über den Raveaur'schen Antrag). Takt- und würdevoll sind die Beschlüsse, welche die Sonderungsbestrebungen der Slaven, der Triestiner, 3(Frier und der Luxemburger versöhnen sollen, und den Berathungen darüber konnte man abmerken, daß, wo die versöhnende Hand zurückgewiesen wurde, die zwingende (durch die nun zu schaffende Zentralgewalt) wohl nicht ausbleiben möchte. Vor Allem aber belebt das wärmste Gefühl für deutsche Nationalität die ganzen Versammlung. Nach der Sitzung über die schleswig-holstein'sche Frage hörten wir in einem Gast-
Hofe Engländer sich erstaunend fragen, woher die Deutschen die Fähigkeiten zu solchen Parlamentsverhandlungen erlangt? Und in der That zeigte diese großartige Sitzung mehr noch als die vorhergegangenen, welchen Reichthum von parlamentarischen und politischen Talenten und Charakteren das erste deutsche Parlament in seinem Schooße birgt. Die Redner, welche im Vorparlament und in den ersten Tagen der Nationalversammlung mit stürmischer Hast die Rednerbühne in Beschlag genommen, verschwinden immer mehr, und an ihrer Stelle tauchen Gestalten hervor, die durch Geist und Kenntnisse, durch edle Form der Sprache, durch die Verbindung der Entschiedenheit mit dem ruhigen Bewußtseyn der Kraft der ganzen großen Versammlung eine Stimmung verleihen, eine Haltung gewähren, wie sie erhabener bei dem Parlament irgend eines anderen Volkes schwerlich zu finden ist.
D e u t s ch l a n d.
* Wiesbaden, 14. Zuni. Die sämmtlichen nassauischen Truppen, welche noch in Baden stehen, werden zu Ende dieser Woche wieder bei uns einrücken.
Mainz, 10. Zuni. Die „Darmstädter Zeitung", in Erwiderung auf die in der „Rhein. Zeitung" ausgesprochene Ansicht von der Nothwendigkeit einer Solidar-Garantie einer com- pacteren Staatenmasse für jedes zu emittirende Papiergeld, enthält folgende interessante Notiz: „Eine solche gemeinschaftliche Garantie mehrerer süddeutschen Staaten allerdings sehr wünscheiiS- werth, ist keineswegcs ausgeschlossen, sondern könnte eventue! einen sehr annehmbaren Anhang dazu bilden, wozu auch Hoffnung vorhanden ist, indem sich bereits eine benachbarte Regierung mit Anträgen dieser Art an die großh hessische gewendet hat.
Mainz, 12. Juni. (K. Z.) Gestern Morgens wurde in dem Akademie-Saale des hiesigen kurfürstlichen Schlosses b« erste deutsche National - Buchdrucker - Versammlung eröffnet Gegen 9 Uhr zogen die sämmtlichen Deputaten, das frankfurtei Buchdrucker-Banner an der Spitze, dem Schlosse zu, wo ast bald die Verhandlungen ihren Anfang nahmen. Das ganzk deutsche Vaterland, hat Abgeordnete hieher gesandt, und die fettigen Städte, welche das nicht gethan haben, doch größw theils Zuschriften mit ihren Ansichten eingeschickt über die Mittel zur geistigen und materiellen Hebung und Förderung bei Gehülfen -Standes, so wie überhaupt der ganzen Buchdrucki- Kunst.
0 Frankfurt, 13. Juni. Es hat sich das Gerede verbreitet, als ob Rußland den Krieg an Deutschland erklärt habt. Irgend eine authentische Nachricht darüber liegt jedoch in seiner Weise vor, und obgleich ein Krieg mit jener nordischen Mach! in naher Zukunft keineswegs zu den Unwahrscheinlichkeiten gehört, und wir uns aus ein solches Ereigniß gerüstet halten müssen, gehört doch eine ziemlich kindliche Politik dazu, wenn man an- nimmt, die Kriegserklärung sey nun sofort vom Zaune gebroW worden.
Dagegen ist man hier in diplomatischen und politischen Km sen, deren Urtheil wir wohl einige Geltung beimeffen dürft«, der Ansicht, der König von Dänemark dürfe in nach- fier Zeit den Großfürsten Konstantin adoptiren und so den Knoten der Erbfolgefrage zerhauen und zwar in einer Weise, welche dem Phantasiegebilde des „dänischen Gesammtstaa- tes" einige Aussicht auf reelle Verwirklichung sichern könnte- Denn alsdann erst würden die russischen und dänischen Interest sen solidarisch verschmolzen seyn, und ein europäischer Krieg, welchem England nach der neuesten Sachlage leicht auf DeuO lands Seite treten könnte, wäre unvermeidlich,
Darmstadt, 13. Juni. (Darmst. Z.) Ein vorgestern in Offenbach vorgefallener Kasernenkrawall und die für gestern dort vorbereitete Volksversammlung machten die Vorsicht von hier aus nöthig, ein Detaschement Kavallerie mit Geschütze' in der Nähe bivouakiren zu lassen. Die Versammlung giss! friedlich vorüber und unsere Cheveaurlegers sammt Artillerie rückten heute Nacht in Darmstadt wieder ein. Die Kasernen unruhen, über welche wir noch keine ganz verläßlichen Nach richten haben, datiren von dienstlicher Arretirung zweier Sol daten, welche durch unbefugte Einmischung des Straßenpöbell befreit werden sollten. Bei den zu vorschnell ergriffenen stren gen Maßregeln gegen das anbrängende Publikum soll, naö Berichten von einer Seite, ein höherer Offizier kompromittir seyn, nach andern Mittheilungen aber hätten die aus der zwei ten Kaserne herbeirückenden Soldaten eigenmächtig und ohn