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bezahle« müssen. Das war also kein vortheilhafter Handel. Jetzt rechnet es immerhin aus, wem die nutzlose Verschwendung von Menschenleben aufzuschreiben sey , den Soldaten oder den Diplomaten , Ihr werdet damit keinen Tropfen erstarrten Blutes wieder flüssig machen, und je tiefer die Freiheit und Menschlich­keit die Völker durchdringt, um so höher steigt der Preis eines geopferten Menschenlebens.

Schweden und Norwegen sind aber nicht allzu hitzig in ihrer Kriegshülfc für Dänemark. Schweden will es mit den Hansestädten nicht verderben, und Norwegen sagt seine Unter­stützung zu wie ein gezwungener Freiwilliger. Und dennoch lauert ein skandinavischer Krieg im Hintergründe.

Die Sachlage des nordischen Krieges ist noch zu einfach, als daß sich Rußland einmischen möchte. Laßt erst die Fäden verworrener werden, dann wird das Geheimniß enthüllt seyn, in welches sich die russische Politik so meisterlich zu ver­stecken weiß.

Mir däucht, der Kaiser von Rußland kann noch immer nicht recht glauben, daß es so ernstlich stehe mit der deutschen Revolution, ja daß seine vielen fürstlichen Schwäger und Bet­tern selbst so plötzlich allesammt Demagogen geworden seyen. Der Despotismus glaubt so wenig an den dauernden Bestand der Freiheit, wie die Freiheit an den Bestand des Despotismus glauben kann. Es fragt sich nur, auf welcher Seite diesmal der Köhlerglaube ist. Nichts ist wahrscheinlicher, als daß man in Petersburg der Ueberzeugung lebt, die Sache werde sich dies­mal wieder verlausen wie Anno 30. Und wäre es, dies vorausgesetzt, nicht eine Thorheit von Rußland, in Deutschland interveniren zu wollen, wohl gar durch einen äußeren Krieg? durch einen Krieg, der den furchtbarsten Nationalhaß wach riefe, erst den rechten Kitt zu bringen, der das freundliche Verhältniß der Fürsten zu ihren auferstandenen Völkern vollends unlösbar machte? Nein! der Zaar ist ein gescheiter Mann. So lange die deutschen Fürsten mit ihren Völkern Hand in Hand gehen, wird er blos den unsichtbaren Beobachter spielen, der uns in's Haus hineinschaut, während wir ihm freilich nicht wieder durch die Fenster sehen können. Sollte aber eine Anarchie hereinbrechen, oder sollte die Republik proklamirt werden, dann wird Rußland sofort interveniren mit den Waffen; sollte die Reaktion siegen, dann wird es gleichfalls interveniren diplomatisch. Wehe uns in beiden Fällen!

Deutschland.

* Wiesbaden, 9. Juni. (Ständeversammlung. Forts.) Großmann ersucht die Kammer, wenigstens den 2. Theil des Antrages der Regierung zu empfehlen.

Siebert. Der Hr. Abg. Müller L hat gesagt, eS seyen bedeutende Kapitalien von der Landeskreditkasse ausge­liehen worden, womit gewuchert würde, dann wollen wir die Landeskreditkasse sofort ersuchen, diese Kapitalien zurückzuziehen.

Müller I. sagt, daß in ganz Wiesbaden die Rede davon gehe, und verspricht, auf das nächste Mal nähere Thatsachen anzugeben.

Reg.-Komm. Scholz bemerkt, daß durch Kreditinstitute dem Kredit nicht aufgeholfen werde. Kredit herrscht nur, wo Ordnung und Ruhe ist, und wir müssen uns vorläufig der Wiederkehr derselben vertrösten. Papiergeld ist kein Geld, Geld schaffen können wir nicht. 4 Millionen Papiergeld auf 400,000 Seelen machen auf jede Seele 4 fl. Wenn man von einer so großen Masse Papiergeld für ein kleines Land spricht, dann erscheint dieses schon bedenklich. Die preuß. und sächs. Kassenscheine sind auch im Monat März in Mißkredit gewesen. Es werden sich Manche der Assignaten, Andere des nordameri­kanischen Papiergeldes erinnern, ebenso sind die neuesten Er­fahrungen in Frankreich und Oesterreich ein warnendes Bei­spiel. Unsere Landeskreditkassenscheine sind freilich bis jetzt nicht gefährdet gewesen. Allein sie betragen auch nur eine halbe Mill, und werden jederzeit eingewechselt. Die nassauischen Ctaatspapiere, verzinslich und hypothezirt, stehen jetzt 73%, wie kann also ein Papiergeld im Werth bleiben, wenn nicht der Baarvorrath dessen Werth aufwiegt? Allein auch ein verzinsliches Papiergeld hält die Regierung nicht für gefahr­los. Aus diesen Gründen hat die Regierung ihren Gesetzes­entwurf bearbeitet. Hiernach ist eS die Absicht der Regierung, zu dieser Geldangelegenheit eine von den Ständen mitgewählte Kommission niederzusetzen, so daß die Landeskreditkasse-Direktion fast nur noch das Rechnungswesen und die Kontrolle hat. 250,000 fl. Scheine sollen emittirt werden. Sie hält dies zwar nicht für unbedenklich, allein sie hat auch nichts dagegen,

noch 250,000 fl. in Aussicht zu nehmen. Von dem erst aus­zugebenden Viertel will sie aber die Ausgabe des zweiten ab­hängig machen.

Großmann sucht die vom Reg.-Komm, vorgebrachten Einwendungen im Einzelnen zu widerlegen, indem er nament­lich die Vergleichung mit den Assignaten, Landbanknoten Ame­rikas rc. zurückweist.

Lang. Es ist vorhin gesagt worden, die Landeskreditkasse hätte Kapitalien zum Wucher hergegeben. Sie hat folgende bedeutende Darlehen gegeben an die Hrn. Reuter, Vollpracht, Bismark, Rettberg, Frau v. Nauendorfs Schulinspektor Ebenau, Fr. Bertram, Jakob Bertram; man glaubt nun, cs wären viele der hier Genannten hier nicht in der Lage, die Sicher­heit zu leisten, und sieht überhaupt aus diesem Verzeichnis das die Beamtenaristokratie und der Adel, nicht aber der Gewerb- stand vorzugsweise durch Darlehen begünstigt war.

Markus Berle hat im vorigen Monat 12,000 fl. bekommen, ohne Hypothek zu machen, nachdem es Vielen abgeschlagen worden war.

Es ist jetzt noch keine Sicherheit bestellt für diese 12,000 fi. Man erklärt eben, daß hier in dem Namen Berle mehr Ga­rantie läge, als in den reellen Sicherheiten vieler Gewerbtrei- benden.

Müller II. verweist auf den im Edikt ausgesprochener Zweck der Landeskreditkasse und glaubt, daß das von dem Ab- Lang mitgetheilte Sündenregister noch vermehrt werden könne Beim Budget werde sich noch Weiteres herausstellen.

Gergens. Die Kreditkasse ist eher eine Mißkreditkassen- anstalt zu nennen, so wenig hat sie ihren Zweck im Laâ erfüllt.

Leisler. Das Geld ist leider verschwunden, leider auch der Muth. Ich will keine Schilderung von unserer traurige» Lage machen. Das Schlimmste wird erst kommen. Es gehör! ein standhafter Mann dazu, um sich in dieser Zeit aufrecht zu erhalten, und es schmerzt mich, daß uns von Seiten der Re­gierung kein Vorschlag gemacht worden ist, sondern daß fit uns noch mehr entmuthigt. Andere Regierungen sind jüngst noch darin ihren Ständen vorangegangen. Die Domäne» müssen uns aus der Noth helfen; nur eine tüchtige Hypothel darauf gemacht, das wird helfen. Ich fordere die Stände ganz besonders auf, durch Benutzung des Domänialvermögens dar Land aus der Noth zu retten. Der alte Baron Rothschild b« sich dahin geäußert, daß wirsehr gut noch 2 Millionen Papier­geld machen könnten. Ein großer Mainzer Kapitalist hat sich in ähnlichem Sinne ausgesprochen. Die Kammer soll nur eint Kommission wählen, welche während der 8 Tage Ferien in bei größeren Nachbarstädten Erkundigungen einziehen möge.

Bertram spricht sich gegen Lang aus, als ob die Senk, welche er genannt und unter denen auch sein und seines Vaters Name sich befinde, Geld zu wucherlichen Zwecken entließ hätten. I

Neg.-Komm. Scholz. Man sagte, man solle nicht mch Papiergeld emittiren, als der Kredit vertragen könne. We« dem so ist, dann dürfen wir jetzt kein Papiergeld mehr ausgb ben, weil kein Kredit da ist.' Rothschild soll gesagt habe« Nassau könne 2 Millionen ertragen, aber es fragt sich, ti Rothschild Silber gegen dieses Papier geben würde. Die K gierung spricht nur aus Vorsicht gegen das Papiergeld, nicht B Eigensinn, sondern lediglich im Interesse des Landes,

Wimpf. Es muß Geld herbeigeschafft werden und blÄ uns kein anderer Weg übrig, als Papiergeld zu machen. U® nun schnell zu helfens soll man zu den 250,000 Gulden wi 250,000 machen und den Arbeitgebern vornehmlich gegen g» gende Sicherheit überweisen. Will, dieses Geld nicht N kursiren, dann sind wir genöthigt, zu dem Leisler'schen AM zurückzugreifen. Dieses Papiergeld versieht die Stelle der W kaffen, ist Staatspapier und baares Geld zugleich. Der W ordnete schlägt daher vor, daß die zur Arbeitschaffung Geldbe­dürftigen sich in der Zwischenzeit anmelden sollten und über W Sicherheit ausweisen.

Leisler. Der Herr Reg.-Kom. hat erwidert, RothW würde unser Papiergeld nicht einlösen. Wenn wir aber in w nem Gesetze sagen, daß dieses Geld bei allen Zahlungen voll­gültig ist, so wird ihm dies Kredit schaffen. Keine Einlösung- aber das Gesetz der Vollgültigkeit wollen wir.

Reg.-Kom. Scholz. Der Redner verlangt also Zwangs kurs? Das gerade ist cs, wozu die Regierung sich nicht bereu erklären kann.

v. Schütz. Ich bin der Ansicht Wenckenbach's dahin einver­standen, daß wir alle nicht Nationalökonomen genug sind, um p fort zu einem definitiven Entschluß zu kommen. Ich habe vo"