Einzelbild herunterladen
 

überzeugt hat, daß Dasjenige, waS an seine Stelle treten soll, auch das Bessere ist. Die Folgen einer auch nur momentanen Störung dieser Versammlung wären: Einsetzung einer provi­sorischen Negierung, Einführung der Republik, Spaltung Deutschlands in zwei zum Glück sehr ungleiche Theile, innerer und äußerer Krieg.

Der Redner erneuert hierauf seinen schon früher gestellten Antrag: eine Kommission zu ernennen, welche von den Behör­den der Stadt Frankfurt über die getroffenen Sicherheitsmaßre- geln Auskunft verlange, und falls diese nicht genügt, sich mit den benachbarten Regierungen in Vernehmen setze, damit diese die nöthigen Streitkräfte in Bereitschaft, halten, sie jedoch nicht eher in Bewegung setzen, als bis die Nationalversammlung selbst durch ihren Präsidenten oder ihren Ausschuß darauf anträgt. Grumprecht: Bei dem Antrag auf Ernennung einer Kommis­sion habe der Prioritätsausschnß nicht blos die Anträge ich Be­treff der äußeren Sicherheit, sondern auch jene in Betreff der Wirksamkeit der Versammlung im Auge gehabt; hinsichtlich der letzteren sey die Mehrheit des Prioritätsauoschuffes für die Ta­gesordnung bestimmt gewesen, und diese könne auch der zu er­nennende Ausschuß beantragen, falls er fände, daß nichts zu thun sey. Plathner: Die Versammlung darf keine Initiative ergreifen. Glaubt die Stadt Frankfurt uns nicht schützen zu können, wird sie die nöthigen Maßregeln ergreifen; bedarf sie unseres Schutzes, wird sie sich an uns wenden. Wir wollen keine Furcht zeigen. Lassen Sie die demokratischen Vereine hier­her kommen und thun, was sie wollen; wir werden thun, was Deutschland will, und was Deutschland will, Das wird gesche­hen. Vogt: Zur Zeit des Vorparlaments war hier eine unge­heure Menschenmenge versammelt, und die Aufregung weit grö­ßer, als jetzt. Man pflanzte Kanonen ans, stellte» ganze Batail­lone an die Eisenbahnen, und nahm 5 6 Säbel und 34 Pistolen weg! Es sind in Deutschland 6070 demokratische Vereine; jeder von diesen hat höchstens 5 Mitglieder hierher zu senden; was haben wir von einer solchen Versammlung zu fürchten? Raveanx: Es sey ein großer Mißgriff der demo- kratischdn Vereine, daß sie die Versammlung nach Frankfurt ausgeschrieben; der Kölner Verein habe bereits dagegen prote- stirt, weil es den Anschein habe, als solle dadurch auf die Na­tionalversammlung cingewirkt werden. Uebrigens sey die Ver- snmmlung stark und mächtig genug, um jeder anarchischen so­wohl als reaktionären Bewegung die Spitze zu bieten. Man möge nur nicht zu leicht mit den Worten Anarchie und Reaktion spielen; es sey nicht genug, Verdächtigungen hinzuwerfen, man müsse auch Beweise dafür haben. Venedey: Wenn man der Versuche seit 1790 gedenke, müsse man auch des Versuchs vom 15. Mai d. J. in Neapel gedenken; solche Versuche wolle die Versammlung nicht. Er stimmt für einen Ausschuß, der in Kürze berichten solle, und gegen Versammlungen, die auf die Nationalversammlung einwirken könnten, v. Meyern erklärt: er hege keine Lesorguiß, und wolle auch keine Waffen, weder Bajonette, noch Sensen. Nur zur Beruhigung der Bewohner Frankfurts möge die Versammlung beschließen, daß während ihres Zusammenseyns keine andere große Versammlung im Um* kreis von drei Meilen stattfinden dürfe, und die betreffenden Regierungen jeden bewaffneten Zuzug zu verhindern hätten. Als Militär aber sey er für den Nothfall aus einen Rückzugs- Punkt bedacht, und schlage daher vor, daß die Versammlung im Fall einer Störung in Frankfurt binnen 8 Tagen in Regens­burg oder Wien wieder zusammentrete. Edel: es werde Miß­vergnügen gegen die Nationalversammlung verbreitet, großar­tige Demonstrationen verkündigt, sogar der Tag werde schon bestimmt. Man kann uns auseinanderjagen oder tobten (ruft der Redner aus); aber die Ideen, welche die Mehrheit von uns beseelen, kann man nicht tödten. Allein ein Attentat gegen diese Versammlung wäre ein Attentat gegen die Ehre Deutsch­lands, gegen die Volkssouveränität. Wir wollen uns nicht auf Bajonette stützen, sondern auf einen großen moralischen Akt. Die Versammlung möge erklären, daß keine Gewalt sie ein- schüchtern soll, und daß sie im Fall einer Störung sich als­bald an einem dazu geeigneten Orte wieder versammeln wird. Simon aus Trier verwahrt sich entschieden dagegen: daß die Nationalversammlung jetzt anfange Polizei zu spielen. In der Mainzer Sache und bei den Ausweisungen sey sie zur Tagesordnung geschritten, weil Dies nicht zu ihren Ressort gehöre; warum solle sie jetzt Polizei spielen? Man möge Das den Regierungen überlassen. Man spreche ja sonst immer von Vertrauen, und daß man erwarte, voraussetze u. s. w. So möge man jetzt auch vertrauen, erwarten, voraussetzen, freu­dige Zuversicht hegen. WaS die demokratischen Vereine betreffe, so müsse man die Theorien, die sie mitbringen, ertragen kön­

nen, vor Bayonnetten aber so wenig wie vor andern Waffen sich fürchten.

Der Präsident bemerkt, es seyen noch 15 Redner einge­schrieben. Die Versammlung erklärt sich jedoch für den Schluß der Berathung. Wipppermann bemerkt, er habe keinen eigentlichen Antrag gestellt, sondern nur die Ansicht geäußert, man solle den Behörden von Frankfurt das Geeignete überlassen, ©ie. Versammlung beschließt hinsichtlich der angeblich bedrohten Sicherheit der Versammlung und der deßhalb zu ergreifenden Maßregeln zur Tagesordnung überzugehen, die Anträge in Be­treff der Wirksamkeit der Versammlung aber zur nochmaligen Prüfung an den Prioritätsausschuß zu verweisen. Jahn erzählt ein Mährchen von zwei Frauen, die vor Tagesanbruch onsgehen, in einem Hohlweg zusammentreffen, und als es hell wird, brum­mend auseinandergehen. Das sey die Revolution und die Reaktion.

Kassel, 1. Juni. sWes.-Z.) Auch hier hat es wieder un­ruhige Auftritte und sogenannte Katzenmusiken vor den Fenstern einiger bei dem untern Volke mißliebigen Personen gegeben. Es ist wahrhaft traurig, daß diese planlose Aufregung noch immer nicht ihr Ende erreicht. Diese Tumultuanten, von selbstsüchtigen Agitatoren aufgestachelt, erwarten von Frankfurt und von un- serm neuen Ministerium Wunderdinge, ohne zu wissen, um was es sich eigentlich handelt.

Auch zu Kirchhain in Kurhessen gab es Aufwiegelungen und Exzesse. Professor Vayrhoffer aus Marburg der doch besser wissen sollte, was uns noth thut und ein gewisser Ludolph aus Marburg hatten eine mit Pistolen und Sensen be­waffnete Schaar gebildet, welche nach Ludolphs Vorschläge den unsinnigen Zweck haben sollte, das Parlament in Frankfurt zu beschützen. Bayrhoffer wollte eine Rede an die Menge richten. Aber der gesunde Sinn des Volks behielt die Oberhand. In wildem Getümmel wurde die Gesellschaft zum Thore hinaus­geworfen. Freilich zeigte sich die Bayrhoffcr'schc Partei höchst erbittert; es gab einen furchtbaren Lärm, doch stellte sich die Ruhe gegen Mitternacht wieder her; die Bauern waren schon im Anzuge gewesen, um den Bürgern gegen die Aufwiegler ihre Fäuste zu leihen. Diese sinnlosen Griffe sind ein trauriges Zeichen für die vielgetühmte politische Reife unseres Volks.

Berlin, 6. Juni. (K. Z.) Heute Vormittags sammelten sich viele Arbeiter unter Führung von Genossen, vor dem Sitzungs­saale der Ständeversammlung, um Einlaß zu begehren. Die Thür des Hinteren Einganges ward, verschlossen; doch kam es nicht einmal zu einem Lärm, da die Arbeiter ruhig abzogen.

Obwohl der Finanzminister Hansemann heute in der Natio­nalversammlung angekündigt hat, daß, da die freiwillige Anleihe bis gegen den Schluß des vorigen Monats kaum eine Million Thaler eingebracht er nächstens einen Gesetzent­wurf Betreffs einer Zwangsanleihe vorlegen werde, so sind doch die Kurse höher gegangen. Der Minister fügt hin­zu, daß die Bedingungen dabei nicht so günstig, wie bei der frei­willigen Staatsanleihe seyn werden und eine Anleihe außer­halb Landes jetzt mit zu großen Opfern verknüpft seyn würde. Die Erklärung des Ministerpräsidenten Camphausen in Be­treff der Gründe, welche den Prinzen vvn Preußen aus dem Vaterlande entfernt gehalten, hat wegen ihrer Offenheit und Rückhaltlosigkeit einen günstigen Eindruck hervorgebracht. Das Land weiß nun, daß der Prinz aus eine schriftliche Weisung des Königs und den Wunsch der damaligen Minister nach England gegangen sey und eineMission" nicht gehabt habe.

Von der sächsischchöhmischen Gränze, 5. Juni. (K. Z.) Die böhmische Frage ist um so verwickelter, als außer den of­fenbaren Uebertreibungen der czechischen Nationalität sich da­hinter auch eine politische Reaktion verbirgt. Es ist der große Segen unserer Zeit, daß die öffentliche Meinung auch das Geheimste an das Tageslicht zieht. Dieprovisori­sche Regierung" in Prag hat verkündet, daß sie diesen Schritt zum Schutze des Kaisers und seiner Herrscherrechte ge­than habe; die böhmische Deputation, welche in Innsbruck dem geflüchteten Kaiser aufwartete, rieth ihm geradezu, die Rettung seinergöttlichen Herrscherrechte" in der Annahme der slawischen Krone zu finden. An dieser Wendung der Sachen haben sich aber weniger die czechischen Eraltirten, als die Partei des hohen Adels, welcher zumal in Böh­men seinen Sitz hat, betheiligt. Dieser Adel, dessen Feudal­gewalt auf seine großen Güter und dessen fast aus­schließlicher Anspruch auf die höchsten und einträglich­ste» Staatsämter in der Zivilverwaltung, so wie bei der Armee den Privilegien der französischen Aristokratie zur Zeit der ersten Revolution so ziemlich gleichkommt, erkennt, daß auch