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Böhmen und Sachsen zusammengefunden. Einstimmig und von ganzem Herzen sprach man sich für ein festes Zusammen­halten aller verwandten deutschen Stämme unter einander aus.

Wien, 4. Juni. (A. Z.) Die alten Zustände! Aufregung durch die Gerüchte, als zögen Truppen von Galizien her, als wollte der Kaiser a-danken, während andere Gerüchte wissen wollten, für des Kaisers Rückkehr sey bereits Quartier in Linz bestellt, wo er einige Zeit weilen wolle. Die Wahlen für den auf den 26. Juni nach Wien berufenen konstituirenden Reichs­tag sind ausgeschrieben. Indirekte Wahlen dabei. Das Mini­sterium sucht den Sicherheitsausschuß zu veranlassen, seine Wirk­samkeit zu Gunsten des Ministerium» niederzulegen. Man zwei­felte , daß er jetzt schon zu diesem vernünftigen Entschlusse, ohne den an einen Zusammentritt des Reichstags nicht zu denken wäre, kommen werde.

Kroatien hat sich wirklich unterworfen und der siebenbür- gische Landtag Anschluß an Ungarn beschlossen. Besorgnisse darüber unter den Sachsen. Die ersten Siegesberichte Radetzky's waren in Wien bekannt. Von der nach Innsbruck bestimmten großen Deputation war bereits ein Theil abgegangen.

Ob ersteh ermark, 3. Juni. (A. Z.) Eine Abtheilung des italienischen Infanterieregiments Ferdinand Este befand sich auf dem Durchmarsch heute Nacht zu Steinach, einem auf der Poststraße zwischen Grâtz und Salzburg gelegenen Märkte. Bei 60 Mann dieser Abtheilung machten ein Komplott, den Hauptmann zu ermorden, die Kompagnickasse zu rauben, und dann durch die Gebirge sich einen Heimweg zu suchen. Um Mitternacht ward auch wirklich der Angriff auf das Posthaus, wo der Hauptmann wohnte, versucht; da aber glücklicherweise der Anschlag kur; vor der Ausführung verrathen wurde, hatten sich die wackern steyrischen Schützen schon versammelt, und kamen eben im rechten Augenblick an, die Post zu vertheidigen. Die Italiener ergriffen die Flucht und zogen in südlicher,Rich­tung fort. Sturmglocken wurden geläutet, und heute ist die ganze Umgegend in Bewegung, um die Marodeurs einzusangen.

I t a l i c H

Von der venetianisch-tyrolischen Gränze. Ende Mai. (D.Z.) Die Gesinnung der höheren Stände des südlichen Tyrols ist durchaus italienisch, wie dieses z. B. eine Wahl zur Frank- surter Nationalversammlung in Levico (nah ebei Trient) beweist: 101*2 Signori haben hier ihren Abgeordneten nur gesandt, um ihren Zweck, die Lostrennung von Deutschland uNd An- schfnßan Italien leichter zu erreichen. Was die Masse des Volks betrifft, so sind ihr natürlich alle Beziehungen zu Deutsch­land völlig fremd; ebenso fremd aber auch jede Sympathie mit der italienischen Bewegung:Wir sind Tyroler und wollen es bleiben," ist die gewöhnliche Antwort, die man vom gemei­nen Manne empfängt, wenn man ihm über seine Gesinnung ein wenig den Puls sühlt.

Verona, 4. Juni. Peschiera wurde nicht verproviantirt, nicht entsetzt, wie ich neulich irrig meldete; es ward seinem Schicksal überlassen, und mußte sich aus Hunger ergeben! Ratten dienten schon als Nahrungsmittel! Wahrscheinlich wollte man sich bei der begonnenen Operation von Mantua aus mit der Festung in Verbindung setzen, allein dies gelang nicht schnell genug, um dem Fall zuvorzukommen. Mantua scheint bedroht, unter Wasser gesetzt zu werden, indem der Feind nur die Schleußen des in seinen Händen befindlichen Sees öffnen darf. Morgen erwartet man die Armee wieder zurück in Verona (?), da die feindliche Verbindungslinie durch den Fall von Peschiera völlig bergestellt ist, und die bei uns zurückgebliebene kleine Be­satzung bei einem Hauptangriff weder Verona halten, noch die Abschneidung der Verbindung mit Tyrol würde verhindern kön­nen. Die erlittenen Verluste des Heers find nun um so schmerz­licher, als sie erfolglos sind! Welch Unglück für das tapfere Heer, unter solchen Führern zu stehen!

Die heutige Tyroler Post bringt Radetzky's Bericht über das Treffen bei Goito, bei welchem sich die Italiener den Siec zuschreiben, so sehr, daß eines der wahrhcitliebendcn Mailäm dischen Bülletins 30,000 Oesterreicher von 15,000 Italienern in die Flucht schlagen läßt. Immerhin erscheint die Lage des österreichischen Heeres düster genug, und es zeigt sich jetzt wie wohlbegründet die schon vor Monaten wiederholten Warnungen waren in einem so aufreibenden Kampfe nicht einen 84jährigen Greise die oberste Führung zu überlassen.

K r a n k r e i ch.

Paris, 6. Juni. Der Moniteur zeigt an: Herr Cre-

mieur hat gestern Abend der Vollziehungsgewalt seine Ent- lassung als Justizminister eingesandt.

Derselbe Moniteur bringt den Wortlaut dreier Gesetzent­würfe, die gestern Abend der Minister des Innern (Recurt) der Nationalversammlung vorlegte:

a) Dekret, das die Gemeinderathswahlen in Städten und Dörfern republikanisirt, indem es im Gegensatze zünden Bestimmungen der Gesetze vom 21. März 1831 und 22. Juni 1833 jeden fünfundzwanzigjährigen Bewohner als wahlfähig erklärt.

b) Dekret, das die Volkszusammenrottungen verbietet. Dasselbe zerfällt in zehn Artikel. Wer sich nach der ersten Auf- 'orderung nicht entfernt, wird mit 6 Monaten bis 2 Jahren; nach der zweiten Aufforderung von 2 bis 5 Jahren und nach der dritten Aufforderung bis zu 10 Jahren Kerkerstrafe belegt. Jede Aufforderung heißt es im Art. 10 zu einer bewaff­neten oder unbewaffneten Volksrotte, geschehe sie durch Wort, Schrift, Druck, Plakat oder Lauszettel, ist, selbst wenn sie von einem Erfolg begleitet war, mit sechsmonatlicher bis einjähriger Gefangenschaft zu ahnen. Außer diesen harten Strafen spricht der Gesetzentwurf noch für alle Fälle den Verlust der Aktiv- rürgerrechte aus. Ein letzter Artikel endlich setzt die Geschwore- len des Seinedepartements als Spruchbehörde ein.

c) Dekret, das dem Minister des Innern die Bagatelle von 500,000 Frs. geheimer Polizeigelder behufs Ueber- wachung der Feinde der Republik wie es in den Erläute­rungen des Dekretsentwurfs heißt zuweist.

Paris, 6. Juni. Frankreich machte bereits sechs Male Bankerott; warum sollte es, frägt ein Abendblatt, vor einem siebenten Male zurückbeben? Der erste Staatsbankcrott geschah unter Sully, der sich gar nicht scheute, früher bezahlte Zinsen vom Kapitalstock abzuziehen. Z. B- A. schuldete dem B. 1000 Thlr. ä 5 Proz. seit 3 Jahren. B. empfing also 150 Thlr. Zinsen. Sully war so frei, diese 150 Thlr. vom Kapital ab­zuziehen. Der zweite Bankerott geschah unter Desmarest am Ende der Reglerungszeit Ludwigs XIV. Desmarest zahlte weder Kapital noch Zinsen. Der dritte Bankerott brach unter Lepellier nach Einführung des berüchtigten Law-Systems aus. Der vierte unter dem Abbe Terra:, der sogar das Tresorbuch angriff. Der fünfte 01794) und sechste (1797) endlich, die Ausflüsse der Assignaten, schweben wohl noch Jedermann lebendig genug vor Augen.

Der Sturz Cremieur's, der unter anderen selbst

noch vor acht Tagen, geräuschlos vorüber gegangen wäre, wird in dem gegenwärtigen Augenblick zu einer wahren Kabinetskrisis. Gott sey Dank, ruft die Volkspresse, daß das Reich dieses Halb­menschen zu Ende ist. Cremieur halte keinen festen Charakter; er war ein politischer Zwitter. Um 1 Uhr Mittags wollte er am 24. Februar noch die Herzogin von Orleans zur Regentin von Frankreich proklamiren und um 3 Uhr schrie er aus vollem Halse: Nieder mit dieser Fürstin! Es lebe die Republik! Cre­mieur hing den Mantel nach dein Winde und die Volksblätter haben Recht, wenn sie ansrufen: Dergleichen politische Wechsel­bälge können wir nicht brauchen. Sie schaden der Volkssache mehr, als sie ihr nützen. Fort mit ihnen vom Staatsruder! Cremieur unterstützte heimlich die Untersuchung gegen L. Blanc: das ist sicher. Portalis, Landrin und besonders Favre haben ihm dies in der gestrigen Nationalversammlung in's Gesicht ge­sagt, während er öffentlich gegen sie stimmte und sie also, wie Petrus am Kohlfeuer, verläugnete. Dem Doppelträger blieb also nichts übrig, als sein hohes Amt niederzulegen. Schon lassen die großen Journale durchblicken, daß auch die übrigen Minister dem Schritte Cremieur's bald nachfolgen würden. Eine vollständige Auflösung der ganzen Regierung wird von ihnen bereits in nahe Aussicht gestellt und es wird uns ihnen zufolge nichts Anderes übrig bleiben, als Hrn. v. Girardi» zum Dck- tator zu wählen oder wieder kaiserlich oder königlich zu werden.

Ium Westen der deutschen Flotte

ist in der V. Schellenberg'schen Hof- Buchhandlung in Wies­baden ist erschienen:

Predigt,

abgebalten am P« fach feste 1848 in der Synagoge zu Wiesbaden von S. Süskind, Rabbiner. Preis 6 kr.

Ueber die Art und Weise, wie die Freiheit auf der jüdischen Kanzel be­sprochen wird, gibt diese Predigt den besten Aufschluß und hoffen wir, da es zugleich die erste Predigt dieser Art ist, auf zahlreiche Bestellungen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Sch ellenbergffchen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,