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len reichen Preußen und Norddeutschen, die früher hier waren und artige Summen ausgaben, sind fast alle nach Bonn oder Göttingen gegangen. Auch Mannheim ist, abgesehen von den vielen bayerischen und nassauischen Soldaten, noch stiller als sonst. Alle Fremden die nur irgend es konnten sind fortge­zogen, wen sein Geschäft nicht herführt, der meidet diesen Ort, indem es gar zu arg zugegangen ist; der Häuserwerth fällt un­gemein hier, und viele wohlhabende Familien rüsten sich zur Auswanderung nach Nordamerika.

Posen, 4. Juni. (K. Z.) Eine Bekanntmachung des Generals v. Psuel ändert die bisher provisorisch festgesetzte Demarkationslinie in Folge der vielen eingegangenen Reklama­tionen und setzt die Gränzlinie vorbehaltlich der Genehmigung des Ministeriums als eine definitive fest. Eine sehr beträcht­liche Anzahl von Ortschaften, unter anderm auch der ganze Kreis Posen, wird dadurch von der Organisation ausgeschlossen.

Prag^ 3. Juni. (K. Z.) Der Slaven-Kongreß ward gestern eröffnet. Es wurde in der ersten Versammlung bestimmt ausgesprochen, daß Oesterreich ein slawisches Kaiserreich seyn müsse, da Slawen die Hauptbestandtheile desselben ausmachen. Die österreichische Monarchie ist zerrissen; aber der Kampf zwischen Germanen und Slawen wird beginnen: die Nationa­litäten werden furchtbar mit einander ringen. Rußland wird, wie bis jetzt im Geheimen, so bald offen zu den österreichischen Slawen stehen.

Wien, 2. Juni. (A. Z.) Die Mißstimmung über die verzögerte Rückkehr des Kaisers wächst in einem bedenklichen Grade. Heute Mittags wurde in der Sitzung des Sicherhcits- ausschusses beschlossen in der kürzesten Zeit eine neue Depu­tation an Se. Majestät abzusenden, und dergestalt aus allen Korporationen zu bilden daß die diesfällige Repräsentation der gestimmten Bevölkerung nicht in Zweifel gezogen werden könne.

Das Volk sträubt sich mit allen Kräften gegen Verfall und Anarchie, und die Unbehaglichkeit der jetzigen Zustände ist eine tief und allgemein gefühlte, aus welcher, wie jeder es einsieht, man herauskommen muß; aber die Wohlgesinnten aller Klassen halten fest zusammen um den unverfälschten Be­griff der konstitutionellen Monarchie durch keinen andern ver­drängen zu lassen. So mag zum Belege dienen, daß eine heute angekündigte Aufforderung zu einer Versammlung der liberal Gesinnten unter den Bürgern und Nationalgarden mit den großgedruckten Worten endigt:Tod den Republi­kanern !"

Wien, 3. Juni. (D. A. Z.) Die Deutschen (Sachsen) in Siebenbürgen haben einstimmig erklärt, nicht mit Ungarn, sondern mit Oesterreich vereint seyn zu wollen. Die Volkszahl dieses Stammes wird auf 800,000 angegeben.

Aus Tyrol, Ende Mai. (A. Z.) Schon findet es unsere Geistlichkeit für nothwendig, den Gefahren, welche dem guten katholischen Glauben durch die vom Kaiser gegebene Konstitution drohen, aus jedwede Weise entgegenzutreteu. Man predigte schon längere Zeit gegen die in der Konstitutionsurkunde ausge­sprochene Religionsfreiheit; um aber der Sache den gehörigen Nachdruck bei Sr. Maj. und den tyrolischen Ständen zu geben, lud man in den neuesten Tagen die Leute von der Kanzel aus ein, eine Petition zu unterzeichnen, welche ausdrückt:Tyrol wolle, daß die katholische Religion die alleinige im Lande bleibe, und es möge somit für unsern heiligen Boden eine Ausnahme Betreffs der Glaubens- und Religions­freiheit gegenüber den übrigen Provinzen des Staats gemacht werden."

Triest, 1. Juni. (A. Z.) Das feindliche Geschwader liegt wieder auf unserer Rhede und jetzt wird auch ein Geschwader wie es heißt, das von Malta erwartete englische signa- lisirt. Hier ist jetzt alle Besorgniß verschwunden; an einen feind- lichen Angriff denkt man nicht mehr. Die von dem englischen Admiral Parker an Albini ergangene Note soll sehr entschieden sich dahin aussprechen, daß jede Kugel, die auf Triest geschleu­dert würde, das so viel britisches Gut enthält, als das Signal zu einer Kriegserklärung an England betrachtet werden soll.

Altona, 5. Juni. (K. Z.) Die Preußen haben Flens­burg verlassen und sind nach Gravenstein und Sundewitt aus- Lerückt; die schleswig-Holsteinischen Truppen haben ihre Stellung bei Tinglev verlassen und sind nach Glücksburg verlegt. Die Unverschämtheit der Dänen wächst. Am 3. Juni, 8 Uhr Mor­gens, kam das Kriegsdampfschiff derGeiser" nach Flensburg und legte sich in die Kupfermühler Bucht; ein Boot brachte einen Parlamentär mit der weißen und dänischen Fahne ans Land, welcher nichts weniger als die Uebergabe Flensburgs bin­

nen 24 Stunden verlangte, widrigenfalls die Stadt tn Brand geschossen würde. Der Parlamentär verhandelte - mit dem kom- mandirenden General 67 Stunden. Gleich nach seiner Rück­kehr wurde eine Batterie vor dem Hasen und trotz des größten Regens errichtet, welche aus zwei 84pfündigen Bomben- Kanonen und zwei 24pfündigen Kugel-Kanonen besteht, und von wo aus die Kielsenger- und Ku'pfermühler-Bucht' beschossen werden kann.

Niederlande.

Haag, 5. Juni. (K. Z.) Gestern wurde das Standbild des Gründers der niederländischen Freiheit und Unabhängigkeit, des großen Wilhelmi, von Ora nie n, enthüllt. Die Gele­genheit war eine passende, um wichtige Worte zu sprechen. Der Minister des Innern hielt eine Anrede an den König, in welcher einige passende Ausdrücke in einem Schwulste unterthäniaer Krie­cherei verloren gingen. Die Koinmunal-Behörden wetteiferten in dieser Beziehung mit den Ministern.

Amsterdam, 6. Juni. Noch nie hat die Aernte in unserem Lande schönere Aussichten geboten. An den Kartoffeln ist bis jetzt keine Spur der Krankheit zu entdecken, welche diese Frucht seit drei Jahren verwüstete; man hat deren dreimal so viel ge­pflanzt, als in früheren Jahren. Auch wurden noch nie so früh neue Kartoffeln auf den Markt gebracht. Gestern kamen hier drei Schiffe aus dem Westlaude an, deren Ladung zu 67 Gul­den per Malter verkauft wurde.

Ital i e n.

Die Allgem. Ztg. schreibt: Aus Verona fehlt uns auch heute jede Nachricht, so daß uns nichts übrig bleibt, als die italienischen Siegesverkündigungen abzudrucken, mit widerstre­bendem Herzen; denn wie man auch den Nationalkampf Ita­liens beurtheilen möge, immer sind cs Söhne Deutschlands, die rort bluten, immer bleibt es ein deutsches Heer, an dessen Sieg oder Niederlage der Name des Vaterlands, sein Einfluß und seine Achtung bei den Völkern, die Möglichkeit oder Un­möglichkeit eines ehrenvollen Friedens geknüpft ist.

N a ch s ch r i f t

Paris, 6. Juni. National - Versammlung. Kriegsminister Cavaignac zeigte der Versammlung die Erstür­mung Pcschiera's an, wobei König Karl Albert und der Kron­prinz leicht beschädigt worden seyen. Ein Glied beschwerte sich demnächst, daß die Bollziehungsgewalt noch kein Plakaten- Berbot erlassen. Eremieur suchte dasselbe zu beruhigen.

Die Heftigkeit der Diskussion erreichte einen solchen Grad, daß Eremieur sein Amt als Iu stiz mi nister und Re­präsentant niederzulcgcu drohte. Wie erwähnt, wurde dieselbe von einem Gliede angeregt, das sich beschwerte, daß das Ministerium noch kein Verbot der öffentlichen Maueranschläge erlassen habe, welche namentlich in letzter Zeit gegen einen seiner Kollegen (Dupin) gerichtet gewesen. Diese Zögerung abseiten des Ministeriums wundere ihn um so mehr, als dasselbe in der L. Blanc'schen Angelegenheit so großen Eifer bewiesen.

Dieser Hieb veranlaßte Eremieur und Flocon auf die Tribüne zu steigen und ihr Votum vom Sonnabend zu recht­fertigen. Nach ihm erhoben sich PortaliS und Landry, die beiden Staatsanwälte, um dem Minister ihrerseits zu erklären, daß er inkonsequent gehandelt. Er habe ihre Anträge bezüg­lich der Anklage gegen Lonis Blanc zuerst gebilligt, und trotz­dem gegen sie gehandelt.

Eremieur auf diese Weise angegriffen erwiederte, daß das Gedächtniß dieser Herrn sehr geschwächt scheine; denn es sey ihm eine solche Zusage nicht im Traume eingefallen. Dieser Wider­spruch empörte den Berichterstatter Jules Favre dergestallt, daß er auf die Tribüne eilte und eine donnernde Philippika ge­gen den Minister hielt.

Die Versammlung unterbrach ihn mehrere Mal stürmisch. Eremieur, der Wortbrüchigkeit bezüchtigt und den tiefen Ein­druck sehend, den die Portalis'schen, Landri'schen und Favre'schon Dementis auf die Versammlung machten, bestieg wiederholt den Redestuhl, um zu erklären, daß er seine De­mission als Justizminister und Repräsentant eher geben wolle, als unter einer ähnlichen Anklage zu bleiben. Nach diesem Sturme theilte der Präsident eas Resultat der Präsidentenwahl mit. Dieselbe fiel auf Se- nard mit 593 Stimmen. Scnard führte seit längerer Zeit bekanntlich als Vizepräsident schon den Vorsitz.