Kirche nicht ganz vom Staate los; er will einen Zusammenhang qk-wahrt wissen. Dem Staate wird das Recht und die Pflicht Weiten, die Kirche in ihrem äußeren Bestände zu schützen; er wird, da auf seine Beihülfe hier und da wird gerechnet werden, wenigstens darauf zu sehen haben, daß das Kirchenverinögen nicht geschmälert, oder gar durch schlechte oder unverständige Verwaltung verschleudert werde. Er wird überhaupt überall da sich mitbetheiligcn müssen, wo cs auf Handhabung äußerer Ordnung ankommt. Wollte z. B. eine Kirchengemeinde ihr Vermögen obne Weiteres theilen und ihren Geistlichen durch jährlich aufzubriugende freie Gaben besolden, so dürste der Staat dieß nicht zugeben, weil er die Verpflichtung hat, der Gemeinde als rein moralischer Person ihr Eigenthum zu wahren und den nachfolgenden Generationen einen Besitz zu überliefern, den die jekige zu vergeuden nicht berechtigt ist. Ist dies richtig, so folgt daraus das Recht des Staates, sich an der Verwaltung zu betheiligen , und die Zweckmäßigkeit unseres früher gemachten Vorschlags, der obersten Behörde immer ein juristisch gebildetes Glied beizugeben , dessen Anstellung vielleicht der Billigung der Generalsynode unterliegen dürfte, aber bleibend seyn müßte.
Zum Schlüsse nur noch die Bemerkung, daß die Grundzüge einer Presbyterial-Synodalverfaffung in dem Entwürfe des Hrn. F. richtig aufgefaßt sind und daß Ein Punkt in demselben einer besonderen Berücksichtigung verdient. Wir meinen den dort vor- gcschlagenen Modus der Pfarrwahl. Uns scheint dieser Weg wenigstens in der Hauptsache gar manche Bedenklichkeiten zu beseitigen, die sich gegen völlig freie Wahl der Gemeinden erheben lassen. Die Kirchengemeinde schlägt drei Kandidaten vor; die Kreissynode ist berechtigt, einmal diesen Vorschlag zurückzuweisen; sie scheidet von den dreien Einen aus und der Generalausschuß wählt aus den zwei übrigen Einen. Etwas weitläufig ist das Verfahren und ließe vielleicht Vereinfachung zu und eine Abänderung darin, daß nicht zwei Drittheile der Stimmen aller stimmberechtigten Gemeindeglieder zur gültigen Wahl nöthig wären, sondern die einfache Majorität.
D e u t f ch l a n d.
** Wiesbaden, 8. Juni. Von Homburger Kurgästen sind Privatbriefe hierhergekommen, laut welchen man sich dort befleißigt, die abenteuerlichsten Gerüchte über Wiesbaden auszustreuen. So war z. B. gestern das Gerücht in Homburg verbreitet, Wiesbaden stehe im vollen Aufruhr, sey in Belagerungszustand erklärt u. dgl. m. Es ist nicht schwer zu errathen, wer solche Mährchen fabrizirt, um das künstlich in Blüthe gebrachte Bad Homburg Wiesbaden gegenüber in um so günstigeres Licht zu setzen und Letzterem alle Hoffnung auf eine gute Kur abzuschneiden. Um so mehr soll man sich aber öffentlich gegen dergleichen niederträchtige Lügereien verwahren.
Frankfurt, 7. Juni. (13. Sitzung des Reichstags.) Glaß stellt, unter Hinweisung auf das heute vertheilte Programm zu dem Slave nkongreße in Prag den Antrag: den Ausschuß für die provis. Zentralgewalt zu schleuniger Berichterstattung aufzufordern. Durch jenes Programm sey der Einheit Deutschlands und den Beschlüssen dieser Versammlung der Fehdehandschuh hingeworfen worden. Es könne nöthig werden, einen Theil der an der Westgrenze aufgestellten Streitkräfte gegen Böhmen hin aufzustellen, um unseren Beschlüssen Kraft zu geben und den separatistischen Bestrebungen mit dem Schwert entgegen- zutreten.
Schilling und Wießner machen geltend, daß die Sache eine neue Gestalt gewonnen habe. „Gestern — sagt Wießner — wußten wir noch nicht, daß die Integrität Deutschlands gefährdet sey; daß man ein seit Jahrhunderten deutsches Land von Deutschland losreißen wolle. Man hat von der Majestät dieser Versammlung gesprochen; wohlan, zeigen wir uns majestätisch ; sprechen wir es aus, daß kein Fuß breit deutscher Erde verloren gehen darf. Unterstützen Sie die österreichische Re- giernng in ihrer bedrängten Lage. Die Polen in Posen berei- ten eine neue Schilderhebung; wenn wir auf der einen Seite keine Kraft zeigen, werden wir auf der andern Seite unsere Feinde ermuthigen. Reiter aus Prag kommt auf seinen früheren Antrag zurück, das deutsche Bundesgebiet für unverletzlich und jeden Angriff auf dasselbe für Lanvesverrath zu erklären. N a u w e r k: Man solle die österreichische Regierung unterstützen, aber auch gegen ihre auswärtigen Thorheiten prote- stiren. (Ruf zur Ordnung!) Präsident ermahnt, beleidigende Ausdrücke zu vermeiden. Nau werk: Der Ausdruck Thorheit sey nicht beleidigend; wäre er es, so würde er ihn zurücknehmen. Es sey eine Ungerechtigkeit, wenn Oesterreich Italien
bekriege. Die italienische Nation habe ein Recht, frei zu seyn. R u g e: die Territorial- und Nationalitätsfrage gehöre der despotischen Zeit an; alle Völker müßten sich möglichst frei konstituiren und unter sich Verbrüdern dürfen. Er stimmt für einen Ausschuß, aber um die Verbrüderung mit den Slaven einzuleiten. Deutschland könne sich nicht in Kriege stürzen, um andere Völker zu unterjochen; die Versammlung in der Paulskirche sey gekommen, um Freiheit zu gründen, nicht sie zu stürzen. Abg. v. Mühlfeld: Das Programm des provisorischen Konüteö in Prag sey noch nicht vom Kongresse angenommen. Hartmann: Deutschland habe die Pflicht, die Slaven nicht in Böhmen festen Fuß fassen zu lassen, es sey also eine Kriegs-, keine Nationalitätsfrage. Neuwald: Wenn Oesterreich eine freie Verfassung habe, würden alle Provinzen sich ihm gerne wieder anschließen; es werde auch mächtiger seyn in seiner freien Gestalt. Die österreichische Regierung meine es ehrlich; aber ein böser Dämon dränge sich zwischen Regierung und Volk; er habe den Kaiser zur Entfernung von Wien verleitet und suche die Provinzen zu entzweien. Wien habe der Reaktion im Lapidarstyl mit Pflastersteinen geantwortet. Das slavische Parlament sey übrigens nicht gewählt, sondern einzelne Leute seyen nach Gutdünken hingegangen. Eine direkte Antwort hält der Redner deßhalb mit der Würde der Nationalversammlung nicht verträglich; wohl aber möge der Ausschuß die nöthigen Einleitungen treffen. Ghiskra: Das Zentral-Komite sey der Ausfluß der Meinungen, die alle Slaven beseelten; die Bewegung sey bereits im März vorbereitet gewesen, und durch die Beschlüsse der deutschen Nationalversammlung zu Gunsten der Einheit Deutschlands nur zur Reife gebracht worden. Der Kongreß werde Das beschließen, was das Ko- mite vorgeschlagen habe. Die österreichische Negierung verdiene Unterstützung, weil sie die deutsche Bewegung endlich ergriffen habe. Das Ministerium habe Anfangs allerdings mit den Slaven geliebäugelt; jetzt aber erkenne es die Zeit, und sehe ein, daß das deutsche Element in Oesterreich verloren wäre, wenn das slavische Prinzip zur Herrschaft gelangte. Zeigen wir (äußert der Redner schließlich) dem deutschen wie dem slavischen Element, daß wir das deutsche Element nicht verkümmern lassen, und die czechische Bewegung wird vergehen. Zeigen wir gegenüber dem Protest der Slaven gegen die Wahlen zum deutschen Parlament, daß wir solchen Protesten nicht blos mit dem Wort, sondern auch mit dem Schwert entgegenzutreten bereit sind. Würth von Wien wünscht, daß in den Ausschuß nur Männer gewählt werden, die mit den Verhältnissen vertraut sind, und daß man alles Provozirende gegen die Slaven vermeide. Rei- ter's Antrag in Betreff der Unverletzlichkeit des Bundesgebiets wurde nicht zur Abstimmung gebracht, dagegen die Niedersetzung eines Ausschusses „zu Begutachtung der österreichisch-slavischen Frage, soweit es sich von deutschen Bundesländern handelt," beschlossen.
Aus dem Großherzogthum Baden, 2. Juni. (A. Z.) Wie leer an Fremden ist es jetzt noch in allen Orten des Groß- Herzogthums , wie voll war es sonst in andern Jahren schon um diese Zeit! Die letzten unruhigen Begebenheiten haben dem ganzen Lande, wie überhaupt in allen Beziehungen, so auch hinsichtlich des Fremdenbesuws ungemein Schaden gethan, ganze große Hotels, sonst im Junius schon fast überfüllt, stehen leer und außer einigen Engländern wird man fast nie einen fremden Vergnügungsreisenden hier finden. Es ist auch nicht zu lâugnen, Baden gewährt jetzt fast überall, trotz der Schönheit der Natur, einen unheimlichen Aufenthalt, wenn man auch augenblicklich gerade nichts für die Sicherheit seiner Person und seines Eigenthums zu fürchten hat.
Ueberall noch die Zuckungen des kaum beendeten Bürgerkrieges, der noch viel verborgen glimmende Funken zurückgelaffen hat. Parteileidenschaft, gehässige Verleumdungen und Lügen aller Art, kurz alle möglichen unsauberen Geister eines politisch aufgewühlten Zustandes begegnen auch dem Fremden überall jetzt in diesem sonst von der Natur so reich gesegneten- Lande, und machen ihm den Aufenthalt nichts weniger âls an genehm. Dazu wird fortwährend noch gewühlt und immer wieder gewühlt, die anarchische Partei hat ihr verlornes Spiel noch immer nicht aufgegeben, häufig begegnet man ihren Agenten und kann sich ihrer frechen Zudringlichkeit oder groben Anmaßung nur mit Mühe erwehren. Man muß im Eisenbahnwagen oder im Gasthanse schon sehr vorsichtig seinen Platz wählen, will man nicht die ekelhaftesten großsprecherischen Rodomon- taden mit anhören. Wahrlich, wenn das sortdauern sollte, was | hoffentlich nicht der Fall seyn wird, geht das Land einer trüben Zukunft entgegen.
Am meisten hat Heidelberg mit gelitten, statt sonst über 900 Studenten find jetzt kaum 430 daselbst. Besonders die vie-