Deutschland.
Frankfurt, 7. Juni. Der Reichstag hat heute nach einer lângcrn, zunächst durch die veröffentlichten Vorlagen des prov. Zentralkomite in Prag an den Slavenkongreß veranlaßten Debatte beschlossen: einen besondern Ausschuß von 15 Mitgliedern zur Begutachtung der österreichisch-slavischen Frage, insoweit eS sich von deutschen Bundesländern handelt, niederzusetzen.
Berlin, 6. Juni. Auf den Wunsch der Studirenden dürfte der außerordentliche Professor Michel et, welcher bekanntlich im vorigen Jahre unter dem Eichhorn'schen Ministerium wegen seines Freimuths seinen Lehrstuhl aufgeben mußte, in Kurzem diesen, und zwar als ordentlicher Professor, wieder einnehmen.
Hr. Held fordert in einem Maueranschlage seine Berliner Mitbürger auf, ein großes Komite zu bilden, weches mit Unterstützung des Volks von Berlin, eine Verständigung der Hauptstadt mit den Provinzen herbeizuführen suchen soll. Der Vorschlag findet großen Anklang.
Gestern früh fand auf dem Molkenmarktc die öffentliche schimpfliche Ausstellung zweier Männer, die wegen vorsätzlichen Meineides zu dieser Strafe verurtheilt waren, statt.
Graudenz, (K. Z.) Die Festung wird eiligst armirt; bald werden auch die Anlagen auf dem Glacis verschwunden seyn. Man sieht den Grund dazu in dem Verhältnisse zu Rußland.
Posen, 31. Mai. (W. Z.) Immer mehr gewinnt nachgerade in unserer Stadt das deutsche Volksleben einen ausschließlichen Boden. Mehr und mehr sinken die Schranken, welche bisher die einzelnen Stände von einander trennten und nachgerade scheint es, als werde auch die Eifersucht, die sich unter den Bürgern gegen die Beamten gebildet hatte, mit der Zeit völlig schwinden. Wenigstens betheiligen sich diese in bester Eintracht mit jenen an der Bürgerwehr, am Freikorps; der konstitutionelle Klub führt zu einem Austausche der Ansichten und wenn erst die in der Ausführung begriffene große Bürger- rtffource, deren Centrum ein umfassendes ZeitungSlesczimmer seyn soll, inS Leben tritt, ist wohl mit Sicherheit auf ein sich immer mehr befestigendes Volksleben in dieser Stadt zu rechnen; das ceterurn censeo aller Weiterblickenden bleibt aber immer eine möglichst schleunige Durchführung der nationalen Reorganisation in den polnischen Gebieten. Wie viel Elend wäre diesem Lande erspart worden, hätte man vor mehr als 2 Monaten schon die Demarkationslinie gezogen, die jedenfalls durch die Lage der Dinge schon damals als nothwendig gefordert wurde, statt damals nur die Anbahnung einer nationalen Reorganisation zu versprechen!
Die Weser-Zeitung schreibt: Vom Kriegsschauplätze in Schleswig-Holstein waren gestern keine neuere Nachrichten in Hamburg mit dem Abendzuge eingetroffen.
Am Morgen des 3. Juni sind die Freischaaren aus Rendsburg unter den lebhaftesten Akklamationen der Bevölkerung wieder ausmarschirt. DaS einheitlich zu organisirendc Korps der Freiwilligen für Schleswig-Holstein soll bis zur Stärke von 1200 Mann gebracht werden; Major v. d. Tann übernimmt bekanntlich das Kommando. Am Abend vor dem Ausmarsch wurde demselben ein schöner Fackelzug dargebracht.
Die Verfügung der provisorischen Regierung über die Heranziehung der bisher vom Militärdienst befreiten 19- bis 25jährigen Mannschaft ist erschienen. Ueberhaupt wird an der Organisation einer durchgreifenden Volksbewaffnung in Schleswig-Holstein eifrig gearbeitet. — Die Proklamation des Königs von Dänemark an die schleswig-holsteinischen Soldaten ist nun auch in den Herzogthümern verbreitet und ein Muster des patriarchalisch-jesuitischen Styls. Auö den Verhören der Gefangenen gehe hervor, daß der größte Theil der schleswig-Holsteinischen Soldaten mehr aus Unwissenheit, als auö bösem Willen gegen den König die Waffen ergriffen hätte, indem sie der Versicherung, daß der König nicht frei sey, Glauben geschenkt und deshalb für seine Befreiung, für ihren alleinigen, rechtmäßigen Erb Herrn hätten kämpfen wollen. Denen, die nun noch ihre Fahne verlassen wollen, wird die königliche Gnade zugesichert. „Alle die, welche das Ohr der Stimme der Pflicht und des Gewissens verschließen, sind hier auf Erden von Unserer Gnade ausgeschlossen; — indessen dort oben, vor dem ewigen Richter, die des Herrn heiligen Namen gemißbraucht und verachtet haben, zur Verantwortung für ihren ver- rätherischen Meineid gezogen werden."
Die russische Flotte liegt in Reval und Helsingfors ausgerüstet und segelfertig. Man glaubt sich nicht zu täuschen, wenn man annimmt, daß dies eine besondere Beziehung für Deutschland habe, und daß sie von dieser Seite bald unverhofften Dingen cntgegensehen können.
AuS der neuesten Depesche des General-Lieu- tenants Halkett enthält die Hannov. Zeitung folgenden Auszug:
Hauptquartier Flensburg, den 2. Juni, Abends 10 Uhr. Die Division hat heute mit den preußischen Truppen die Quartiere gewechselt und steht jetzt in Flensburg und der Umgegend. Auf den Vorposten ist nichts von Bedeutung vorgefallen. Ich habe bei meinem Eintreffen hieselbst die Hospitäler besucht, und habe zu meiner Freude gefunden, daß für unsere Kranken und Verwundeten vortrefflich gesorgt wird. Da durch die Statt gefundenen Truppenbewegungen die Einsendung meines ausführlichen Berichtes über die Gefechte vom 28. und 29. v. M. verzögert wird, so erfolgt vorläufig nur die Verlustliste. Danach haben sämmtliche Kontingente der Division verloren: An Todten: 1 Offizier, 1 Unteroffizier, 18 Soldaten, 5 Pferde. An Verwundeten : 7 Offiziere, 10 Unteroffiziere, 134 Soldaten, 6 Pferde. An Vermißten: 3 Unteroffiziere , 37 Soldaten. Total: 8 Offiziere, 14 Unteroffiziere, 189 Soldaten — 211 Mann und 11 Pferde.
Wien, I.Juni. (D. Z.) Privatbriefe aus Prag bringen die, wenn sie sich bestätigen sollte, unschätzbare Nachricht, daß cs den Anschein habe, daß der Slaventag in deutscher Sprache abgehalten werden müsse, weil sich die slavischen Völkerschaften in ihren vielfach abweichenden Dialekten nicht unter einander zu verständigen vermögen. Eine slavische Berathung soll den Eindruck des babylonischen Thurmbaueö hervorbringen.
Die Attg. Zeitung schreibt: Die Post aus Wien vom 3. Juni trifft heute in später Stunde ein, so daß wir nur noch einige Zeilen davon geben können. Der erste Brief, den wir' erbrechen, beginnt mit den Worten: „Ich schreibe Ihnen unter dem größten Kanonendonner, den ich je gehört, indem hier aufö neue eine furchtbare Revolution auSgebrochen ist rc." Fünf andere Briefe aber, sowie die Wiener Blätter ergeben, daß jenes Schreiben bloß eine alarmirendc Nachricht in die Well werfen wollte.
Die Arbeiter zerstörten ein paar Wcrbhüttcn, die zur Einreihung von Freiwilligen in die Linienregimenter auf dem GlaciL ansgrschlagrn worden. Die Truppen und die Nationalgarven legten diesem Pöbelauflauf nichts in den Weg, und die Arbeiter und ihre Leiter sagten, die Reaktion habe einen neuen Schlag erhalten, da man durch jene Anwerbungen bloß die Barrikadenkämpfer aus der Stadt habe schaffen wollen. DaS Ministerium Pillersdorf vegctirt fort, während andere, Namenlose, die Herrschaft führen. ' Den übrigen Gesandten, die nach Innsbruck gegangen, hat sich Lord Ponsonby angeschlossen. Die Verhaftung des Fürsten Milosch in Agram und die freiwillige Unterwerfung des BanuS von Kraticn wird wiederholt versichert.
Wien, 3. Juni. Das Ministerium hat (der Wiener Ztg. zufolge) auf die erste Nachricht von Bildung einer provisorischen Negierung in Prag, dem Kaiser das Ungesetzliche dieses Schritts vorgestellt, und in einem Erlaß an den LandeS- chef in Böhmen sowohl als an die übrigen Länderchefs den ganzen Akt für null und nichtig erklärt.
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C. Draxler-Manfred.
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Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schell,nLerg'schcn Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.