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erschien alsbald am Fenster und sagte wiederholentlich, daß auch er nicht im Stande sey, Arbeit zu geben.

Da schlugen die zunächst der Thüre stehenden Arbeiter mit Brückenbohlen gegen die Thüren, die sich ihnen öffneten, und gingen so in die Wohnung des Ministers. Hier einigte man sich dahin, daß die Arbeiter bei Vorzeigung ihrer ArbeitS- scheine 10 Sgr. bekamen, welche ihnen jedoch bei dem in den nächsten Tagen erfolgenden Arbeits-Nachweis als Lohn in An­rechnung kommen werden. Hr. v. Patow hat übrigens selbst in der S tände-Ve rsam mlung sich heute über den Vorfall verbreitet

Berlin, 27. Mai. (K. Z.) Der bekannte Volksmann Peter Meyer aus dem Kreise Hagen in Westphalen war in diesen Tagen im Auftrage von vielen Tausenden der dor­tigen Eisenarbeiter hier und hat, wie es heißt, dem Hrn. v. Patow, unserm Arbeits-Minister, durch seine derbe Logik der Nothverhältmsse seiner Gegend sehr imponirt. Wenn man diese einfache, manneskräftige, für das Volkswohl begeisterte Natur unsern kritisirenden Radikalen gegenübersah, so mußte man vor dem uralten Volksstamme der Westphalen und vor der Thatkrâftigkeit des Volkes überhaupt, unwillkürlich Achtung bekommen.

Apenrade, 29. Mai, Morgens um 3 Uhr (also am Tage nach der früheren Schlacht). Es geht zur Schlacht. Von Alsen und von Kolding her rücken die Dänen vor; unsere Ko­lonnen treten ihren Marsch an, wo ich im Felde Platz finde, schreibe ich weiter. Nübel, bei Sonderburg , 2 Uhr Mit­tags. Ich befinde mich int Kanonendonner, die Dänen gehen dis jetzt zurück. Grave n st ein, 2 % Uhr. Das Gefecht entschied für uns; die Dänen zogen sich wie gewöhnlich vor den mecklenburgischen, oldenburgischen und hannoverschen Trup­pen zurück und wurden ziemlich rasch aus dem Felde und Dorfe geschlagen. Es waren viele Freiwillige unter ihnen. Nach dem Rückzüge wurde die Dislokation der Truppen be­stimmt. Diesen Augenblick gelten wir nach Flensburg.

(Rendsb. Tagbl.)

Die Angaben über die Stärke der beiden Heere und über die erlittenen Verluste lauten überall sehr unsicher und wider­sprechend. Alle aber stimmen darin überein, daß das Gefecht keine entscheidende Wichtigkeit hat, daß es mehr ein gelungener lieb er fall als eine bedeutende Schlacht gewesen ist; ohnehin ist nach dem Bericht aus Apenrade vorläufig anzunehmen, daß am folgenden Tage die Deutschen auf demselben Schlachtfelde gesiegt haben. Freilich bleibt es wahr, wir haben am 28. einen Verlust erlitten, und die Dänen triumphiren und ver­höhnen uns über unsere Unterhandlung, während welcher sie unsere Schiffe kondemniren. Deutschlands Ehre scheint bei einigen deutschen Kabinetten noch nicht in hohem Preise zu stehen.

Triest, 27. Mai. (A. Z.) So eben (Mittag) wird wie­der die feindliche Flotte vom Leuchtthurm signalisirt. Wir glauben jedoch, nach der energischen Protesteinlegung von Seite aller Konsuln, kein Bombardement auszustehen. Die Vorbe­reitungen zur Vertheidigung werden indeß mit aller Ruhe ge­troffen. Handel und Wandel sind nicht im geringsten gestört, und wenn man die vielen durch die Straßen wogenden heitern Spaziergänger erblickt, so sollte man kaum glauben, daß wir von einem feindlichen Einschreiten bedroht sind.

Triest, 28. Mai. (A. Z.) Gerstern Nachmittag erschien crn Parlamentär der feindlichen Flotte mit den Antworten auf die Proteste der hiesigen Konsuln, welche dahin lauten, daß man keinen Angriff gegen die Stadt beabsichtige. Während die Köllektivnote der Konsuln den angenehmsten Eindruck her­vorbrachte, und Triest mit Stolz auf diese ehrenwerthen Män­ner blickt, hat der Seperatprotest des französischen Agenten viel böses Blut gemacht. Derselbe erkennt Sardinien das Recht zu gegen Triest feindlich einzuschreiten, und warum? Weil der Hafen von Oesterreich in einen Kriegsplatz verwandelt worden jey!

Italien,

Die neuesten Zeitungen aus Italien bringen nichts Ent- scheldendes: in Neapel scheinen selbst in den Provinzen noch keine bedeutenden Unruhen vorgefallen zu seyn; General Pepe soll sich unter das Kommando Karl Alberts gestellt haben. Peschiera, aufgefordert sich zu ergeben (26.), forderte 24 Stun­den Bedenkzeit, und die Erlaubniß, einen Offizier nach Verona zu senden; das letzte schlug Karl Albert ab, gewährte aber einen Waffenstillstand bis 2 Uhr des 27. Auf den 29., wo

die Stimmregister in der Lombardei geschlossen werden, scheint man in einzelnen Orten Unruhen zu befürchten.

Nachschrift.

Paris, I. Juni.Louis Blanc in Anklagestand ver­setzt!.. . Prinz Joinville als Kandidat des Seinedepartemenis für die Nationalversammlung durch öffentlichen Anschlag em­pfohlen! .... Ein Pachthof N oth sch i ld s eingeäschert! ..."; so ichrieen die Zeitungsverkäufer gestern Abend durch alle Stra­ßen und wir hegen die Ueberzeugung, daß dieses Geschrei manchem alten und neuen Republikaner eiskalt durch Mark und Bein fuhr.

Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Kriminaluntersu­chung gegen LouiS Blanc stützt sich auf folgende Beweg­gründe:In Erwägung, daß aus der gegen die Urheber und Mitschuldigen des Attentats vom 15. Mai eingeleiteten Unter­suchung und namentlich aus dem Zeugenverhör Louis Blanc'è die ernste Vermuthung hervorgeht, daß besagter Louis Blanc an der Erstürmung und Unterdrückung der Nationalversamm­lung Theil genommen; in Erwägung, daß besagter Louis Blanc nach eigenem Geständniß zweimal zum Volk, das den ' Sitzungssaal erstürmte, gesprochen: einmal durch ein Fenster der Hauptfronte an der Seite von Barbès und Albert und das zweite Mal auf einem Stuhle im Saale der Pas-PerduS und daß er in Folge dieser Anreden vom Volke im Triumph in den Sitzungssaal getragen wurde; in Erwägung, daß LouiS Blanc in diesem Saale und während des Tumults das Wort ' von Neuem ergriffen und namentlich gesagt habe:Ich wünscht Euch Glück dazu, das Recht wieder erobert zu haben, Eure Bith schristen in Person vor die Kainmer zu bringen. Künftig wird man es euch nicht mehr bestreiten können...." eine Aussage, die durch die Aussage von vier Deputirten erhärtet wurde; in Erwägung anderer Umstände endlich, die hier speziell zu erör­tern unerheblich ic. ic., tragen Generalprokurator PortaliS und Prokurator Landri n bei der Nationalversammlung daraus an, zu gestatten, die Kriminaluntersuchung gegen den Deputirteu $ Louis Blanc einzuleiten."

In seiner gestrigen Vertheidigungsrede behauptete L. Blancs ' Ich verneine, am 15. Mai zu dem hereindrängenden Volk ge- sagt zu haben: Ich wünsche Euch Glück dazu, das Recht wieder a erobert zu haben, Euere Bittschriften in Person vor die Kain- e mer zu bringen... Ich sagte vielmehr:Wenn Ihr wollt, s daß das Petitionsrecht geheiligt sey, so achtetet doch Euere eigene ( Souveränetät re." Mehrere Mitglieder, unter Anderen Tessie- la-Motte, behaupteten das Gegentheil mit solcher Dreissig- ( keit, daß L. Blanc im Zorn und in höchster Bewegung von der 1 Bühne stieg und nur auf fast einstimmige Aufforderung wieder dahin zurückkehrte. ,

Von großer Bedeutung dürfte die Erklärung Buchez'S , seyn, der am 15. Mai präsidirte und gestern erklärte, daß er selbst Louis Blanc aufgesordert habe, eine Anrede an das Volk , zu halten.

Mittags 1 Uhr. Die Nachricht von den Anträgen der ' Staatsanwaltschaft gegen Louis Blanc auf Einleitung der Kriminaluntersuchung, hat sich wie ein Lauffeuer in aller , Werkstätten verbreitet.

Die Arbeiter sind wüthend. Es bilden sich starke Gruppen, in deren Mitte lebhaft diskutirt wird. Ständen wir am Vor­abend neuer wichtiger Ereignisse?

Napoleon Louis Bonaparte, von London nach Paris ge­kommen, um die Wirkung seiner jüngsten, nicht einmal zur Vorlesung gekommenen Petition an die Nationalversammlung , persönlich zu unterstützen, ist von der Polizei ausgewiesen worden.

Fruchtpreife.

Namen

Datum

Walzen

Korn

Gerste

Hafer

der

der

pr. Malter

W. Malter

vr. Malter

vr. Malter

Städte.

Preise.

W ff. Ifr.

Pfd! fl. ist.

WfblfL

Bingen ....

31. Mai

260

10

27

266

6

46

147

5

6

129

4

-

Dillenburg . . .

27. Mai

300

15

20

300

11

15

260

10

190

6

48

Friedberg . . .

2. Juni

215

9

49

196

6

40

75

5

4

136

4

2?

Hadamar ....

25. Mai

15

30

10

20

7

30

4

50

Herborn ....

21. Mai

320

16

30

360

12

260

9

200

8

Mainz.....

2. Juni

200

10

30

200

6

30

200

5

15

200

4

15

Wiesbaden . . .

31. Mai

170

9

160

5

144

4

25

96

3

40

Heute wird wegen des Sonntags keine Beilage zur Nass Allgem. Ztg ausgegeben

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schellenderg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.