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Man darf aber diese Bestimmung nicht mit deutschen Verhält­nissen in Vergleich bringen. Denn bei uns sind eine Menge angesehener Beamtungen vom Staat unabhängig, so daß die Zahl der Ausgeschlossenen viel geringer ist, als es auf den ersten Blick scheinen könnte, denn unser Staat greift nicht so tief in die einzelnen Zweige der gesellschaftlichen Thätigkeit hinein. Ob das eine Unvollkommenheit sey , mögen die deutschen Staatsdiener beurtheilen.

Trotz des Abgangs des Finanzministers Weydt, der vor­läufig durch Lehon ersetzt wird, erwartet unser Ministerium mit Zuversicht die nächsten Wahleii.

D e u t s ch l a n d.

$ Vom Taunus, 1. Juni. Einige der letzthin in Frank­furt Ausgewiesenen, darunter auch E. Pelz, waren nach Höchst a. M. gekommen und mehrmals im dortigen Arbeiter- Vereine redend aufgetreten. Zur allgemeinen Verwunderung er­hielten sie plötzlich die Weisung, die Stadt zu verlassen, ohne daß man für diese Maßregel einen genügenden Grund zu finden vermochte. Als die Sache im Leseverein verhandelt wurde, gab der Amtmann die Erklärung, daß ihn (den Amtmann) kein Vor­wurf treffen könne. Er habe, sobald er von der Ankunft der Fremden gehört, bei Herzoglicher Landesregierung um Verhal­tungsbefehle gebeten und die Antwort erhalten, den Fremden zu bedeuten, binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen. Er fügte ferner hinzu, daß die Fremden bei ihrem Aufenthalte in Höchst keinen Anlaß zu der über sie verhängten Maßregel gegeben hätten. Wir fragen nun: Wie kann die Regierung jetzt noch, auf den Grund bloßer Mißliebigkeit hin und ohne vorausgegangene Unter­suchung, die Ausweisung Fremder verfügen? Das ist schwer zu begreifen. Will man etwa die Frankfurter Justiz auch bei uns noch nachahmen ? Oder hat der Amtmann, was wir nach seiner Erklärung kaum glauben können, die betreffenden Personen für die Ruhe von Höchst für gefährlich gehalten und nur deßhalb oben ungefragt, um zu der Ausweisung eine höhere Ermächtigung zu erhalten? Eine nach Wiesbaden gesandte Deputation hat nun allerdings die Zurücknahme des Ausweisungsbefehls bei dem Staatsministerium erwirkt, nachdem jedoch die Reisenden bereits abgereist waren.

Der ganze Vorfall ist übrigens wieder ein Beweis, wie eine Umgestaltung unserer Verwaltung, namentlich auch der Beamten- verhältnisse, nicht länger verschoben werden kann. Sämmtliche Beamten des Landes müssen aus die Verfassung vereidigt, mehr selbstständig und zugleich für Alles, was sie thun, verantwort­lich gemacht werden. Dadurch wird, indem die beständigen Anfragen bei den höher» und höchsten Behörden wegfallen, unendlich viel Zeit gewonnen, und, was die Hauptsache ist, die Unterbeamten werden bei größerer Selbstständigkeit einer­seits mit mehr Lust, andererseits aber auch mit mehr Umsicht arbeiten, weil sie die Schuld eines Fehlgriffs nicht mehr auf Andere schieben können.

Frankfurt, 1. Juni. Gestern erhielten in der konstitui- renden Nationalversammlung nachstehende Herren die Stimmeu- majorität zu Schriftführern der Versammlung: Dr. Jucho in Frankfurt 445, Heinrich Simon ans Breslau 356, Bieder­mann aus Leipzig 289, Riehl aus Zwattl in Oesterreich 288, Simson aus Königsberg 284, Schüler aus Innsbruck 284, Rubwandl aus München 264 und Fetzer aus Stuttgart 253,

Baden. Die Karlsruher Zeitung berichtet: Ob 'eine in Aussicht stehende länger dauernde Besetzung des SeekreiseS auch nöthig sey? hört man oft fragen. Wir glauben, nach den Nachrichten, die man über die Aeußerungen und Hoffnungen der politischen Flüchtlinge hört und liest, die Frage unbedingt bejahen zu dürfen. Wie Anfangs Mai das Gerücht den 15. als den Tag eines großen Schlages bezeichnete der denn auch wirklich in Berlin, Wien, Paris und Neapel ver­sucht wurde so werden jetzt die Pfingsttage wieder roth an­gezeichnet. Braucht sich die Regierung auch nicht zu fürchten vor solchen Drohungen, die ihr nicht verborgen bleiben können, so ziemt es ihr doch, zu zeigen, daß sie bereit sey und gerüstet.

Freiburg, 26. Mai. (D. Z.) Die Zeitungen meldeten, daß auch ein Konstantinopolitaner für die Hecker'sche Freiheit in Baden mitgezogen sey. Aber auch Rußland hat sein Kontingent gestellt. Es befindet sich nämlich im Freiburger- akademischen Hospital ein verwundeter Russe, seines Zeichens ein Schneider, welcher als Freischärler von Paris mit Georg Herwegh ausgezogen war, dem Rufe deSbadischen Volkes" zu folgen. Dieser Mensch spricht nur ganz gebrochen deutsch

und war lediglich ein mißleitetes Werkzeug wie so viele Andere.

3 Köln, 2. Juni. Das Gerücht verbreitet sich hier, die Armirung der Nheiiifestungen Seitens der Preußen seyen nur Finten, man wolle die Furcht vor den Franzosen als Popanz hinstellcn, um unter diesem Titel eine Masse Truppen am Rhein zusammen- zuziehen aus den altpreußischen Provinzen, damit die hie und da cingcleitete Reaktion sich durch Gewalt des Rheinlandes ver­sichert halten könne, allenfalls und höchst wahrscheinlich stehe dann der Prinz von Preußen mit den Russen im Hintergründe (?). Was Wahres an der Sache ist, kann bis jetzt freilich nicht ent­schieden werden; doch das Mißtrauen gegen die bekanntenpreu­ßischen Pfiffe" ist wieder rege geworben,

Hannover, 30. Mai. (W-Z.) Die Mißbilligung, welche die Politik des Ministeriums Stüve sowohl in Betreff der allge­mein deutschen Verhältnisse, als auch vielfach in Bezug auf die Verfassungsangelegenheiten in der öffentlichen Meinung gefunden, und die daher im Volk wurzelnde Unzufriedenheit hat gestern zu einem sehr beklagenswerthen Ausbruch geführt. Die Gewerbe­ordnung, welche Stüve bekanntlich so entschieden mißbilligte unh die dennoch, seiner Abmahnung ungeachtet, in den Kammern durch­gehen zu wollen scheint, mußte die Waffe hergeben, die man gegen das Ministerium zu kehren suchte Seitens einer in der Eile berufenen Volksversammlung, welcher sich nur sehr wenige Bürger anschloffen, ließ man durch eine Deputation von dem Ministerio vortragen, die Gewerbeordnung für die zu suspendi- ren. Diese Deputation, welche sich gestern Abend 7 Uhr in Bewegung setzte, wurde von etwa 600 Menschen begleitet, denen sich später noch einige Hundert angeschlossen haben mögen. Zuerst zog dieselbe vor Stüve's Haus. Als dieser erklärte, er könne nicht einseitig ohne seine Kollegen über diese Angelegenheit ent­scheiden, zwang ihn die Menge, sie nach dem Hause des Grase» Bennigsen, dem Vorstand des Gesammtministeriums, zu be­gleiten.

Vergebens wurde von beiden Ministern der Einwand ver­sucht, daß eine Entscheidung des Gegenstandes ihnen nicht ohne Mitwirkung der Stände zustehe. Man verlangte Entscheidung, und als diese nicht zu erlangen war und die aufgeregte Maffd mit jedem Augenblick mehr und mehr anwuchs und sich durch Exzesse an den Gebäuden, namentlich an den Fenstern der Mini­ster Stüve, Bennigsen, des Stadtdirektors Cocks und einiger anderer erging; da blieb nichts übrig, als daß die Bür­gergarde einschritt? Indeß war diese mit Schießbedarf nicht ver­sehen und befand sich deshalb gegen die Tumultuanten im Nach­theil , die mit Pflastersteinen so nachdrückliche Angriffe auf die Bürger machten, daß wohl 4050 mehr oder weniger starke Verwundungen unter den Bürgergardisten vorgefallen seyn möge», während man von Beschädigungen der Tumultuanten bis jetzt wenig gehört hat.

Altenburg, 29. Mai. (D. Ztg.) Unsere gesammten Mi­nister erklären öffentlich, daß es für die erfolgreiche Wirksam­keit eines jeden Ministeriums wesentliche Bedingung sey, daß es das Vertrauen der Bewohner des Landes, dessen Verwal­tung seiner Leitung anvertraut sey, besitze; der Mangel an die­sem Vertrauen entziehe seinen Beschlüssen und Verfügungen den Erfolg, benehme seiner Thätigkeit die Kraft und lähme die Aus­übung der Regierungsgewalt nach allen Richtungen hin. Die Mitglieder des Herzogs. Ministeriums hätten die Ueberzeugung gewonnen, daß sie jenes Vertrauen nicht besäßen, und cs sey somit ihre Pflicht, den Landesherrn um Entlassung ans ihrer Stellung zu bitten. Dieses Gesuch sey dem Herzoge bereit« überreicht worden und sie würden nur noch bis dahin, wo der Herzog über anderweite Bildung des Ministeriums Entschließung gefaßt haben werde, sich der fernern Leitung der Landeöverwal- tung unterziehen.

* Die Wahl des Prinzen von Preußen in den Land­tag ist von demselben genehmigt worden. Der Prinz will enu# gen Sitzungen in seiner Eigenschaft als Abgeordneter berwoh- nen und dann seinen Stellvertreter eintreten lassen.

Berlin, 31. Mai. (K. Z.) Seit Anfang dieser Woche sind sehr viele Arbeiter bei den großen öffentlichen Bauten ent­lassen worden, da man sich über die sogenannte Slkkordarbtlt nicht einigen konnte. Dies gab denn zu vielfachen beunruhigen­den Auflaufen (namentlich vor dem Rathhause) Anlaß,

Magistrat suchte so viel wie möglich den Ansprüchen der Arbi­ter zu genügen; da er dazu jedoch gestern Nachmittag nicht mehr im Stande war, so zogen die Arbeiter in großer Menge vor das in der Wilhelmstraße belegene Hotel des MinlsterS

Handels und der öffentlichen Arbeiten, Hrn. v. Patow. Bleser