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wenigstens de facto, abgetreten und hat seine Gewalt dem neuen Sicherheitsausschuß übertragen. Bis jetzt hat sich dieser allerdings mit Mäßigkeit benommen.

An eine feste Ordnung der Dinge ist wohl nicht zu denken, solange die Studenten sich als gesetzgebende und vollziehende Macht zugleich geriren. Man kann sich nicht darüber täuschen, es wäre dies das Wiederaufleben einer Prätorianergarde, wenn­gleich deren Wirksamkeit sich nicht über das Weichbild der Stadt erstrecken sollte.

Die Wiener Zeitung erscheint heute zum erstenmal ohne Adler und Beisatz des Privilegiums. Die Redaktoren derselben sind in Gesellschaft des Schriftstellers M. Koch in efsigie auf der Aula gehängt worden. Der Redakteur der konstitutionellen Donauzeitung, Dr. Hock, ist mit Pereira, Endlicher und Hye unter den Geflüchteten. Die Bildnisse Montecuccoli's und Bom- belles' wurden in den Straßen herumgetragen und dann eben­falls gehängt. ,

Frankreich.

Paris, 31. Mai. Wir wohnten gestern Abend einer Sitzung des Klubbs de la Revolution im Montesqieusaale bei. Der Saal war gedrängt voll, und ein Vorstandsglied legte im Laufe der Sitzung der Versammlung ein großes gelbes Plakat vor, das in großen Lettern begann:

Kandidatur des Bürgers Joinville zur Nationalversamm­lung." Dieses Machwerk rief einen unbeschreiblichen Lärmen hervor. Ein Klubbglied schwang sich auf die Tribüne, und rief in patriotischer Wuth : Brüder ! Wenn die Reaktion, welche hier Anarchie heißt, mit solcher Keckheit vorzuschreiten fort­fährt, dann ist es die Pflicht eines jeden wahren Republika­ners, sich bereit zu halten, den Barrikadenkampf wieder zu

beginnen."

Hilbay, der aus seinen Preßprozessen unter Louis Phi­lipp bekannte Schneidergeselle, gibt ein Journaldie wahren Sanscullotten" heraus.

Gestern Vormittags um 10 Uhr hat auf dem Vendome- Platz eineDamen-Demonstration" stattgefunden. Zwölf Da­men sonderten sich, auf dem Platze angekommen, von dem Zuge ab und begehrten an der Thüre des Justizministcrialge- baüdes Einlaß, der ihnen gewährt wurde. In das Kabinet des Justizministers geführt, las hier die Präsidentin der zwölf­köpfigen Damen-Deputation eine Beglückwünschungs-Adresse ab. Cremieur hörte dieselbe mit allem Ernste an, der für sein hohes Amt unerläßlich, und erklärte der Deputation, daß er ein nützliches und nöthiges Werk für die Menschheit verrichtet zu haben glaube, als er der Nat.-Versammlung den Ehescheidungs­gesetzentwurf vorlegte. Er danke der Deputation für ihren Schritt und sehe in ihm ein Zeichen der Anerkennung seiner wichtigen Maaßregel. Die Deputation rief: Es lebe der Mi­nister Cremieur! Es lebe das Ehescheidungsgesetz! und begab sich zum Zuge zurück! Einige vornehme Tagediebe, die auf ihrem Spaziergange den Zug bemerkten, hatten sich demselben mittlerweile genähert, und suchten die Deputation zu beunruhigen. Allein ihre Unverschämtheit wurde auf eine Weise erwiedert, daß sie selbige nicht zum zweitenmale wagen dürften.

Der Bruch im Lager unserer weiblichen Emanzipations­heldinnen scheint vollständig. Seit gestern veröffentlicht die kommunistische Fraktion derselben ein neues Blatt unter dem Titel:Apostel der Frauen."

Flotte, der gefürchtete Koch und Gefährte Blanqui's ist gestern von dem unermüdlichen Ploizeikommissär Bertoglio ar- retirt worden.

Nachschrift

* Wiesbaden, 3. Juni. (Ständeversammlung.) Ein An­trag des Abgeordneten Keim geht dahin, die Regierung zu ersuchen, daß die nassauischen Truppen bei ihrer Rückkehr aus Baden sofort in ihre Heimath entlassen werden möchten. Dieser Feldzug hat in gegenwärtiger geldarmer Zeit dem Lande bedeu­tende Kosten, verursacht; außerdem ist jetzt die Zeit, wo die Feld­arbeit viele Kräfte in Anspruch nimmt. Lang bemerkt hierzu: Vor einiger Zeit hat der Bundestag große Truppenmassen in Baden zusammengezogen angeblich zur Deckung gegen Frankreich hin. Es ist deshalb schon mehrfach aus Nassau petitionirt wor­den, worauf das Ministerium eine öffentliche Erklärung abgege­ben hat. Später ließ sich die Bundesbehörde selber einmal über den Zweck dieser Truppenzusammenziehungen vernehmen, welche zum Zweck der Herstellung der innern Ordnung in Baden ge­schehen sey. In dieser verschiedenartigen Angabe liegt ein offen­barer Widerspruch.

Regierungs-Komm. Vollpracht bemerkt, daß die Entsen­dung von Truppen nach Baden nicht von Nassau, sondern vom Bunde angeordnet worden sey. Der Kommandant habe die Truppen zu entlassen, man habe deshalb bereits Schritte gethan, wenn sie zurückkehrten, dann verstehe es sich von selbst, daß man sie in ihre Heimath entlasse. Die dringende Erinnerung der Negierung ist am 28. und 31. v. M. abgegangen.

Die'Versammlung erklärt sich mit dem Anträge Keim's einverstanden.

Die Tagesordnung führt zu einem Berichte v. Eck's über die Unterstützung armer Gemeinden durch Wegbauten.

Bei Obernhof, Amts Nassau, wird die Verwilligung von 1704 fl. für einen Wegbau nicht gegeben/ weil das technische Gutachten gegen eine sofortige Vornahme desselben spreche.

Gegen die Verwilligung von 200 fl. in derselben Gegend wird nichts bemerkt.

Die Fahrbarmachung des Weges von Weilburg nach Herborn und die dabei ausfallenden 600 fl. aus der Staats­kasse (wegen Armuth der Gemeinden Obershausen) wird gutgeheißen. Ebenso werden 1500 fl. für eine Wegstrecke bei Waldhausen bewilligt. Ein Zuschuß in gleichem Betreff bei Möttau zu 1000 fl. wird auf 500 fl. herabgesetzt. Bei einer Straße bei Reifenberg und Schmitten sind 1400, dann nochmals 800, dann noch 1000 fl. beantragt. Die Kom­mission beanstandet dieselben nicht.

Der Bericht über die Rheinuferbauten soll noch ausgesetzt werden.

Wenckenbach II. bemerkt, von dem technischen Gutachten hänge es lediglich ab, wann der Wegbau bei Obernhof vor- genommen werden müsse. Es handele sich also nur um eine spätere Verwilligung der Summe.

Wimpf fügt hinzu, auf eingezogene Erkundigung habe er erfahren, daß die Bergleute in Obernhof früher allerdings brod- los gewesen seyen, jetzt aber in besseren Zuständen seyen. Zwei andere Redner widersprechen dem.

Fr essen ins fragt, wie man denn Geld fordern könne, da die Baubehörde selber erklärt habe, daß es für den Wegbau noch zu früh sey. Reg. Komm. Giese gibt Aufklärung hier­über. Bertram schlägt eine Verwilligung von etwa700800 Gulden vor zur Unterstützung der Gemeinden. Ein anderer Redner bemerkt, daß eine solche Unterstützung bei Weitem nicht ausreichen würde. Die Versammlung beschließt, die Sache bis zum Eingänge näherer Aufklärungen auszusetzen.

Die übrigen Anträge des Ausschusses werden gleichfalls gut geheißen.

Bei dem Antrag in Betreff des OberShaUser Wegs ibe­merkt Wimpf, daß dieser Weg bald von großer Wichtigkeit seyn werde, als der Hauptverbinvungsweg dès Lahnthales mit dem Westerwald. Ebenso unterstützt derselbe Abgeordnete den Antrag in Betreff der Gemeinde Waldhausen. ' Müller 11. stimmt ihm darin bei.

Bei dem Antrag über den Weg bei Möttau (die sogen, alte Hessenstraße) werden nach kurzer Diskussion, wobei nament­lich das dort erhobene Weggelv zur Sprache kommt, die vom Ausschüsse beantragten 500 fl. genehmigt.

Der Abg. Leisler ergreift das Wort, um die Armuth der Gemeinden Reifenberg, Schmitten rc. rc. zu schildern. Der AusdruckNassauische Irländer" für diese Leute ist nicht über­trieben. Zwei Familien hausen oft in einer elenden Stube, wo sie nur Laub in den Betten haben. Ein anderer Redner macht daruf aufmerksam, daß dort bei dem Elend aber auch die größte Verschwendung stattfinde. Leisler widerspricht dem. Die Versammlung stimmt dem Anträge des Ausschusses bei.

Der Antrag in Betreff der Uferbauten wird genehmigt..

Es wird hierauf zur Wahl eines Ausschußes für die Domänenfrage geschritten.

Reg.-Komm. Vollpracht. Die Erklärung der Domänen zum Staatseigenthum ist bewilligt. Damit sie aber auch voll­zogen merben könne, bedarf es eines genauen Einsehens in die Verhältnisse des Domänialvermögenö. Zu dem Ende sollen die Akten dem Ausschüsse mitgetheilt werden. Es wird dieS der einfachste und offenste Weg seyn.

F r u ch t m a r k t.

Mainz, 2. Juni. Unser Fruchtingkt war heute ziemlich reich befett und da der eingefallene Regen jedenfalls höchst wohlthätig auf die im Fel" stehende Getralvesorteu eingewirkt, welche übrigens in ihrem Stande nichts zu wünschen übrig lassen, so haben die Preise sämmtlicher Cerealien etwaS nachqegeben. Waizen per 100 Kilo 10'/, fl., Korn per Mltr. 6'/, ff., Gerste 57. fl., Hafer 4'/. fl., Rüböl efektiv 377,Rthlr., per Oktober 387, Rthlr.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag der L. Schelleuberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.