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Beilage zur Nassauischen i

Zeitung.

M «3.

Sonntag den Zi» Juni

1848.

Übersicht.

Der Rückzug aus Jütland.

Deutschland. Berlin (Unruhige Austritte). Wien (Sicherheits-

Ausschuß. Die Studenten. Mißliebige Journalisten im Bilde aufgehängt.) Frankreich. Paris (Das Treiben in den RevolutionSklubbS. Damen-

Demonstration).

Nachschrift. Wiesbaden (Landtag).

Der Nückzng ans Jütland.

Rendsburg, 29. Mai. (S.-H. Z.) Der gestrige Tag (Sonntag, den 28.) war zur Ablösung der vor Alsen auf den Vorposten stehenden Bundestruppen bestimmt. Davon müssen die Dänen, die überhaupt in dortiger Gegend durch ihre Spione gut bedient werden, Kunde erhalten haben. Bedeutend ver­stärkt durch Truppen, die in den letzten Tagen wieder von Fühnen nach Alsen übergeführt worden waren, unternahmen sie eine Landung auf dem diesseitigen Ufer, die man deutscher Seits nicht in ihrer ganzen Bedeutsamkeit bemerkt zu haben scheint, da die Aufmerksamkeit von ab- und zuziehenden eignen Truppen in Anspruch genommen war. Bald nach Aufstellung der neuen Pikets sah man sich plötzlich von einer großen däni­schen Uebermacht an Infanterie und Artillerie unter der Düppeler Höhe angegriffen, während gleichzeitig westlich von Erkensund (bei Alnoer und Treppe) eine Anzahl von Schiffen und Ka­nonenböten erschien, als solle auch hier eine Landung bewerk­stelligt werden. Offenbar wollten die Dänen dadurch die deut­schen Streitkräfte theilen, was ihnen jedoch nur im geringen Grade gelang. Auf den Düppeler Höhen entspann sich nun ein heißer Kampf, in welchem auf beiden Seiten durch Geschütz­feuer große Verluste an Verwundeten und auch an Todten (Zahlen lassen sich noch nicht angeben) herbeigeführt sind. Die Dänen haben ruhmvoll gefochten. ~ Ihre Anzahl wird auf 8000 Mann geschätzt, die unter dem Schutze der Schiffskanonen, so wie flankirt durch Geschütze auf dem Lande in den Kampf gestellt wurden, während die Unserigen kaum 7000 Mann stark gewesen seyn mögen. Die Entscheidung des Kampfes stand mehrere Stunden hin, bis endlich gegen 7 Uhr Abends die deutschen Truppen sich veranlaßt sahen, den Rückzug über Gravenstein und nördlich davon bis gegen Quars anzutreten, während die Dänen sich Gravenstein, wo unser Nachtrab stehen blieb, bis auf etwa eine Stunde näherten.

DasRendsburger Tageblatt" schreibt Folgendes: Im Sundewittschen ist ein bedeutendes Gefecht vorgefaßten. Die Mittheilungen darüber widersprechen sich; nach der einen sollen die Dänen mit Verlust zurückgezogen seyn, nach der an­dern 50 Gefangene gemacht und 6 Kanonen erbeutet haben. Einen offiziellen Bericht werden wir hoffentlich bald über Han­nover empfangen.

Von dem Waffenstillstand wissen die dänischen Blätter noch Nichts, obgleich sie den Rückzug der Preußen aus Jütland kennen. Aarhuus Flyvcblade bringt aus Veile diefür alle Jüten frohe Nachricht, daß die Feinde sich über Hals und Kopf aus dem Lande machen." Der Befehl zum Ausbruche sey sehr plötzlich gekommen. General Wrangel sey rasend gewesen bei Empfang der Depesche, und die Preußen betrachten sich als mit Schande bedeckt. Wenn auch das Gerücht, daß 200,000 Rus­sen in Preußen eingerückt, nicht wahr sey, so wäre doch ge­wiß, daß Rußland in einer energischen Note einen Termin festgesetzt hätte, binnen welchem Jütland geräumt seyn müsse, wenn Rußland nicht den Krieg erklären solle. Auch Dannevirke spricht von der russi­schen Note und von der großen Eile, mit der die Preußen sich zurückziehen; reitende Staffetten haben nach dem Eintreffen einer Depesche am 23. Mai Nachmittags die requirirten Ochsen und andere Lebensmittel abbestellt. Wrangel sey sehr ärgerlich über die unausgeführte Brandschatzung von 2 Millionen Spezies und hätte gesagt:Wir ziehen ab wie die Narren" Die Ber- lingsche Zeitung gibt diese Berichte ohne weitere Bemerkung.

Auf die Dänen hat der preußische Rückzug aus Jütland sehr ermuthigend gewirkt; sie sprechen jetzt in ihren Blättern nur von energischem Widerstände, und der Minister Orla-Leh- mann hat, wahrscheinlich als er von jenem Rückzüge schon wußte, ein Rundschreiben an die jütischen Amtleute gerichtet, mit der Aufforderung, sich durch alle Mittel der ausgeschriebe­nen Kontribution zu widersetzen; das schwedische Heer werde bald' zu Hülfe kommen; Dänemark könne an den deutschen Küsten Repressalien nehmen, und die deutschen Soldaten wür­den sich auch schwerlich zur Plünderung mißbrauchen lassen, mit Ausnahme der schleswig-holsteinischen Prinzen und Offi­ziere, welche freilich zu Allem fähig seyen.

Die Geldnoth hat in Dänemark einen erschreckenden Grad erreicht; der Finanzminister fordert dringend auf, alles verarbeitete Silber dem Staate darzubringen; es soll zum Sil­berfonds der Bank gelegt und nur im Nothfall gemünzt tver- ben; ist eS nicht binnen drei Jahren zurückerstattet, so erhal­ten die Eigenthümer 4 pCt. Zinsen vom Werthe.

Eine Proklamation des Königs an die treuen Jüten trö­stet sie damit, daß vor 40 Jahren Seeland die Noth des Krie­ges getragen, daß edle teilnehmende Nachbarn sich bereits zum kräftigen Beistand rüsteten, daß das eigene tapfere Heer bald wieder im Stande seyn werde, den Kampfplatz zu be­treten, und die Stunde der Rettung bald schlagen werde.

D e u t s ch l a n &.

Berlin, 1. Juni (Berl. Nach.) Gestern Vormittag hatten sich bei dem Zeughause große Massen versammelt, welche sich dem Einschiffen von Gewehren rc. widersetzten, das Einschiffen verhinderten und ein heranfahrendes Kanon sofort nach dem Schützenhause geleiteten. Wenn in früheren Jahren das Ver­schicken von Gewehren u. s. w. stets, ohne die geringste Auf­merksamkeit zu erregen, erfolgte, so hätte man, bei außeror­dentlicher Zeit und außergewöhnlicher Aufregung, doch we­nigstens eine amtliche Bekanntmachung erlassen können, welche das Publikum über die Wegschaffung von Waffen auf­klärte und somit jeden Schein des Mißtrauens und des Ver­dachts von vorn hrrein entfernte. Das freie, offene und wahre Wort verfehlt seinen Zweck niemals. Die Kisten rc. wurden wieder ausgeladen und vor das Zeughaus gestellt und in das letztere 12 Abgeornete der Bürger zur Untersu­chung der Geschütze gesandt. Die Abgeordneten fanden die Geschütze und Gewehre nicht geladen.

Die Menge bestand jetzt auf Entfernung des Militärs aus dem Zeughause und dessen Besetzung durch die Bürger­wehr. Diese erschien alsbald in zahlreichen Abtheilungen und sperrte von 12 V» Uhr ab zunächst alle Zugänge zu dem Zeug­hause ab. Eine auf das Neue entsandte Deputation berichtete, daß sie fünf Kanonen, neue Geschütze, und in den Protzkasten fünf Kartätschen- und eben so viel Kugelschuß vorgefunden, der Offizier jedoch sein Ehrenwort gegeben hätte, er habe den Vorrath am Freitag oder Sonnabend einschießen lassen wollen. Die zahlreiche Menschenmenge wogte fort, und die umliegen­den Straßen und Brücken waren den Tag hindurch von Grup­pen angefüllt. Gegen 3 Uhr Nachmittags wurden die zu Schießübungen benutzten Kanonen von dem Artillerie-Kasernen­hofe am Kupfergraben nach dem Zeughause unter kleiner Be­gleitung von Bürgerwehr befördert.

Wien, 29. Mai. (A. Z.) Die Straßen sind so ziemlich frei und die Wagen fahren fast ungehindert, die Läden sind durchgehends eröffnet und die Börse ist es auch, aber Bangigkeit wohnt dennoch in allen Gemüthern, und selbst der Abzug der Arbeiter aus der innern Stadt, der allmählich stattfindet, ver­mag noch nicht Beruhigung einzuflößen, wenngleich dieselben sich fortwährend gut und still benehmen. An der Aula herrscht Auf­regung , da die Ucbergabe der sechs Batterien, welche als schon erfolgt berichtet ward, noch nicht stattgesunden hat. Fast alle Gesandten und Ministerresidenten haben Wien verlassen. Man befürchtet hier noch mancherlei Unruhe und Aufregung, und wünscht mindestens die Seinigen vor neuen Schrecknissen zu wahren. Das Ministerium ist als interimistische Regierung,