auf den neuen Landtag. Als eine seiner wichtigsten Arbeiten auf diesem Landtage ist sein 17 Druckbogen starker Bericht über die Verwaltungsbehörden zu bezeichnen. Er kämpfte für die größere Sicherung der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit des Richteramtes. Er nannte in einer Rede die Regierung „Partei," worunter er, wie er erklärte, nichts anders als das „Bekennen zu einer Meinung" verstand. Da die Kammer ihn nicht nach dem Wunsche des Regierungskommissärs zur Ordnung gerufen haben wollte, ward am andern Tage die Kammer aufgelöst. Im Jahr 1836 kämpfte er in der Kammer für Oeffentlichkeit, Mündlichkeit, Richterkollegien und Geschwornengerichte in trefflichen Reden und zog sich dann ganz aus sein Gut Monsheim bei Worms zurück, wo er sich nun mit allem Eifer der Landwirthschaft ergab.
Schon als er aus dem Staatsdienst getreten, hatte er bei einem Gutsbesitzer in Rheinhessen die Landwirthschaft theoretisch und praktisch erlernt und übernahm nun von seinem Vater das Gut zu Monsheim bei Worms.
In dieser Gegend, welche unsere Vorfahren mit Recht den „Wonnegau" nannten und wohin sie ihre schönsten Sagen vom Rosengarten und ihrem Helden Siegfried legten, ist es allerdings eine Freude, Landmann zu seyn. Mit Eifer widmete er sich der Landwirthschaft und bald konnte sein Gut für ein wahres Muster gelten, so daß die Bewohner Rheinhessens ihn zum Präsidenten ihres landwirthschaftlichen Vereins erwählen wollten. Die Regierungspartei wußte dieß für den Augenblick zu hintertreiben; aber 1845 erfolgte seine Wahl dennoch. Gagern hat sein ganzes Leben für die Freiheit und die Ehre seines Vaterlandes gekämpft, für freie Presse, Unabhängigkeit der Gerichte re. Indem er ein bürgerliches Weib »ahm, trat er dem Volke noch näher und gewann dessen Vertrauen immer mehr. Im Jahr 1846 leitete er in Alzei eine Volksversammlung, deren Zweck war, die nöthigen Schritte zu thun, um die bestehenden Gesetze Rheinhessens gegen die Einführung eines neuen Zivilgesetzbuches zu schützen, worüber man in Darmstadt sich sehr erzürnte. Wiederum in die Kammer gewählt, welche fast ganz aus Staatsdienern bestand und wegen ihrer allzu großen Vorliebe für das Wörtchen: „Ja" im Lande sehr beliebt war, brachte er ganz neues Leben in diese verstorbene Anstalt. Der Sturm der letzten Monate machte ihn zum Volksminister, zum Wohlthäter Hessens. Selbst dieser Posten, welcher in unsern Tagen mancher Volks- thümlichkeit zum Grab ward, hat diesem Manne nichts anhaben können, so sehr man sich von mancher Seite Mühe gab, dieses Verhältniß auszubeuten. Gagern hat sich bei seiner Wahl zum vorläufigen Vorsitzenden des verfassunggebenden Reichstags für die Machtvollkommenheit (Souveränität) des Volkes ausgesprochen. Hätten diejenigen, welche sich zu den entschiedensten Maßregeln bekennen, ihn früher näher gekannt, so wäre Gagern nach ihrer Aussage einstimmig gewählt worden. Er wird wohl
zunächst der Vorsitzende der Nationalversammlung bleiben uni dann wahrscheinlich der Vorsitzende unserer vollziehenden Behöch unserer Reichsregierungwerden. Seine stattliche, ritterliche K sönlichkeit, welche ihn zum Liebling der Frauenwelt machte, seit Kraft, seine Kenntnisse, seine Umsicht, sein staatsmännisch: Blick befähigen ihn vor Allen dazu. Wir haben uns ihn vor Pfluge her an die Spitze des Vaterlandes gerufen. Sein h^ bejahrter Vater, einst Minister und unter den Ersten Deich lands, jetzt ebenfalls Landmann, darf mit Freuden von da stillen Höhen des Taunus aus den trefflichen Sohn in der atz Kaiserstadt hinabschauen, wo er an der stolzen Zukunft des Vam landes baut."
Miszellen.
— Dr. Robert Prutz hat folgende Adresse von den westpreußm Bauern erhalten und veröffentlicht:
„Wir Bauern aus Westpreußen kündigen Euch Berlinern an, daß, k Ihr nun nicht bald Zucht und Ordnung in Eurem verfluchten Neste herfi. und unseren allgeliebten König in seine Rechte einsetzen werdet, wir B« zu Hülfe kommen werden, daß Euch Hören und Sehen vergehen soll, i Hunde habt die verrätherischen Polacken befreit und gegen uns angehetz: nun morden und sengen; Ihr habt unsere Söhne und Brüder, die Garde' verrathen und geschlachtet, das soll Euch gedacht werden, besonders da j noch das Maul voll nehmet und zu feige seyd, Euern Pöbel zu bândi« Ihr Hallunken habt den Staatsschatz geplündert und anderes Staats-G» thum, wozu wir Geld beigesteuert, muthwilltg zerstört. Das sollt ihr: ersetzen. Vor Euerer Ruchlosigkeit hat der Prinz von Preuße» fliehen mit und wenn ihr nicht dafür sorgt, daß der Prinz bis zum 24. Mai d. J. h>: in seinem Recht und im Lande ist, so sollt Ihr die Westpreußen kennen I«: Denn Cure Räuberhöhle soll an hundert Stellen zugleich brennen. : Bauern wollen Euch nicht ernähren, damit Eure Brut unS zu Grunde: te. Denkt an den 24. Mai, wir werden Euch das Nachäffen der Fra«; lehren."
— Die Dü sseldorfer Künstler sind, in Erwägung der bekiizn werthen Lage, in welche selbst ausgezeichnete deutsche Maler durch die)' umstände versetzt werden, indem setzt für Gemälde so gut als gar keine Ku ! da sind, zu folgender Maßregel geschritten. Sie haben sich an das W i Parlament nach Frankfurt a. M. gewandt, uud den Antrag gemacht: selbe möge die deutsche Kunst zur Nationalsache erheben,« zu diesem Zwecke jedem Bundesstaate die Pflicht auflegen, einen kleine»! hältnißmâßig zu bestimmenden Theil seines Einkommens, auf die Liln von Nationalgallerien und öffentlichen Kunstdenkmalen in seinem Bereit: verwenden. Zugleich haben die Düsseldorfer die Künstler in allen b<# Landen aufgefordert, ihren Ruf zu verstärken.
Theater zu Wiesbaden.
Samètag den 3. Juni: Belisar. Oper in 3 Akten. Mufil? Donizetti.
Sonntag den 4. Juni: Die Karlsschüler. Schauspiel in 5 9W von Laube.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.