Einige Heiterkeit erregte es, als hierbei sogar der Name des Herrn Held genannt wurde.
Die Katzenmusiken sind wie durch Zauber verschwunden, ebenso die Landwehrmänner, welche durch das Aufstecken der Kreuze sich vorige Woche als Werkzeuge der Reaktion verdächtig gemacht hatten. Der Oberst v. Webern scheint nun die Opposition der Massen um jeden Preis provoziren zu wollen; durch einen Maueranschlag erklärt er: es werde den „demagogischen Jesuiten" nicht gelingen, die Landwehr von ihrem alten Wahlsprüche: Mit Gott für König und Vaterland ! abwendig zu machen.
Zur Widerlegung eines Gerüchts von Konzentrirungen von Trupe nm assen in der Umgebung von Berlin hat der Mini« sterpräsident Camphausen einer an ihn gesendeten Deputation in . einem Schreiben mitgetheilt: „daß das Gerücht gänzlich unbegründet sey. Es hätten bis in den letzten 14 Tagen nur Ver- . Minderungen der bis dahin in der Nähe von Berlin gestandenen Truppen stattgefunden und sey somit für jene durchaus unbegründeten Gerüchte keine Veranlassung vorhanden."
Da jetzt so häufig ganz unbegründete, beunruhigende Gerüchte verbreitet werden, wird eine eigene Kommission zur Untersuchung derselben und zur amtlichen Widerlegung des unwahr Befundenen zusammeutreten. (Eine eigene Kommisfion Z für falsche Gerüchte ist zwar eine etwas spaßhafte Erscheinung, Z man könnte sie doch aber auch in Wiesbaden recht gut brauchen.
i r Posen, 28. Mai. (K. Z.) Von den Bewegungen, welche - vom 15. bis 18. in Paris, Frankfurt, Wien, Berlin stattge- i funden haben, hatte man nicht bloß in Krakau und Tarnow, ) sondern auch in Posen im Voraus Kunde. (Auch aus Wien - versichern zahlreiche Berichte, daß das mehrmalige auffallende , Zusammentreffen revolutionärer Bewegungen an den verschieden-
6 sten Punkten durchaus kein zufälliges ist.) Die heiteren Gesich- 3 ter der Polen an jenen Tagen waren schon dem gewöhnlichen ! Beobachter ein deutliches Zeichen, daß irgend Etwas im Werke sey. -
ii Räthselhaft ist uns auch der Zusammenhang all dieser Bell wegungen nicht; denn man weiß genau, daß die hiesigen polni- >, schèn Hauptführer und Literaten nach ihrem Verschwinden aus ß der Provinz in Krakau, Prag, Dresden, Frankfurt, Paris 3 aufgetaucht sind, und man kennt zum Theil ihre Verbindungen.
Was aber räthselhaft ist — daü ist die unversiegbar scheinende Geldquelle, die Mehreren der Führerund auch ü der gefangenen Insurgenten zu Gebote steht. Da man nun k. weiß, in welcher Geldnoth selbst die Reichsten der polnischen le Gutsbesitzer schon im April waren, so führt der Gedanke auf - -die Jesuiten (?), von denen wir' einzelne Glieder in unserer 0 Mitte allerdings gesehen haben. Der Jesuitismus in der Poleu- PUfrage scheint uns keine hohle Phrase und nicht bloß in den po- 11 litischen Manipulationen zu liegen.
" - Prag, 26. Mai. (A. Z.) Gestern wurde als Lohn da- für, daß die deutschgesinnnten Bewohner Prags zum Frank- -9 furter Parlament nicht gewählt hatten, ein großartiges Ver- einigungsfest der Tschechen und Deutschen im Baumgarten gefeiert, dem eine unzählbare Volksmenge beiwohnte.
® Wien, 28. Mai. (A. Z.) Aus sicherer Quelle kann ich u Ihnen die erfreuliche Nachricht melden, daß mit Grund zu $ .Hoffen ist, daß die bedauerlichen Differenzen zwischen der un- ' garischen Regierung und dem Banus von Croatien demnächst v auf friedlichem Wege gelöst seyn werden.*) Das ungarische Finanzministerium will für 5 Millionen Schatzkammerscheine $ zu 5 Proz. ausgeben, und für die darauf eingehenden bauten Fonds oder österreichischen Banknoten ein Papiergeld von K 22 V, Millionen Gulden emittuen.
2 Wien, 28. Mai. (A. Z.) Bevor die Arbeiter gestern ( . Abend Hand an's Werk legten, um die Barrikaden zu ent- w fernen, versammelten sie sich mit Abtheilungen von der Natio- ‘ I nalgarde und der akademischen Legion vor der Wohnung des Ministers Pillersdorf, brachten ihm eine Serenade, bei , welcher nebst Arndts: „Was ist des Deutschen Vaterland?" it die österreichische Volkshymne und das ungarische National- ch lieb abgesungen und dem Kaiser und dem Minister ein tausend- n stimmiges Lebehoch gebracht wurde. Ein zu Ehren PillerS- j- dorff's projektirter Fackelzug mußte der Barrikaden wegen un- lu terbleiben. Heute ist die Durchfahrt schon in den meisten ii. Straßen hergestellt, die Theater wieder zum erstenmal geöffnet, t' auch wurden an der heutigen Sonntagsbörse bereits wieder nl Aktiengeschäfte gemacht, und wie ich höre waren die Kurse ziemlich fest. Gestern Nachts sind auch die Olmützer Studen- H ten hier eingetroffen und in der Aula mit Jubel empfangen r---
>f. *) Ein ungarisches Blatt melbet bereits, der Banus habe sich unterworfen.
worden. Die Grätzer Studenten waren bereits früher hier angelangt. Die spätern Adressen aus den Provinzen lauten viel freundlicher.
Wies, 28. Mai. (B. N.) Der vorgestrige, für die Kaiserstadt so entscheidende Tag hat die Gräßlichkeit der Folgen des Systems des Fürsten Metternich in seiner ganzen Große enthüllt. Zwei Generationen, wovon die jüngere jetzt ihre ältere Schwester an Intelligenz und Muth überragt, waren unter dem scheußlichsten Druck herangewachsen, und diese haben sich jetzt furchtbar dafür gerächt. Sie haben hier die Massen heraufbeschworen, und so sind wir in einem Stadium, das außer aller menschlichen Berechnung liegt.
Wien, 28. Mai. (D. A.Z.) Ehre der Bevölkerung Wiens, vor Allem dem proletarischen Theile derselben. Alle Klassen haben aber gewetteifert, den glücklich über die Reaktion erlangten Sieg zu einem vollständigen und nachhaltigen durch edles und kluges Maßhalten zu machen. Kein Erzeß wurde begangen, nirgend wurde irgend Jemand an seiner Person oder seinem Eigenthume verletzt. Ruhe und Ordnung kehren zurück, die Barrikaden werden bereits seit gestern Abend abgetragen, und die Besorgnisse sowohl vor Anarchie als vor abermaligen lieb ergriffen von Seiten der Reaktion schwinden ganz. In letzterer Beziehung sollen die bündigsten Zusicherungen von Seiten der Generalität und des Kriegsminesteriums selbst ertheilt worden seyn. Der neue Sicherheitsaus- schuß hielt seine erste Sitzung gestern um 4 Uhr Nachmittags, und in derselben wurde beschlossen, daß 1) die Barrikaden noch in der Nacht von den Arbeitern abgetragen werden sollen, 2) von dem Kriegsminister sechs Batterien verlangt werden sollen, die statt der Barrikaden auf den Basteien ausgestellt und von den Bürgern und der Nationalgarde bedient werden sollen. Was. aber das Erfreulichste bei diesen Beschlüssen ist, stellt sich darin heraus, daß ihnen von unten wie von oben pünktliche Folge geleistet ward.
Wohl 40,000 Nationalgarden und Arbeiter trugen gestern über ihren Käppchen die Inschrift: „Wir bitten um das Fortbestehen der akademischen Legion in Wien nach dem kaiserlichen Erlaß vom Monat April." An den Barrikaden halfen anständig gekleidete Damen, Dandies in Glacehandschuhen und Kinder mit. Man trug die schweren Granitsteine in die Häuser, vornehmlich in die ersten Stockwerke derselben. Nachts wurden Wachtfeuer angezündet und die Arbeiter verzehrten ihr Abeudbrod dabei und lagerten sich aus den Barrikaden. Von vielen Seiten wurde ihnen Wein and Bier, von allen Geld verabreicht. Sie beim* gen sich durchgehends höflich und bescheiden.
Eine ganze Kompagnie weiblicher Arbeiterinnen hatte sich beim Barrikadenbau sehr thätig betheiligt, und vor der Universitätshalle hielt eine höchst anständig gekleidete Dame Wache mit gezogenem Säbel.
Viele Studirende führten auf ihren Kopfbedeckungen kleine metallene Schildchen mit dem Emblem eines TodtenkopfeS. Von den Arbeitern, unter denen sich gestern die Maschinenfabrikarbeiter besonders hervorgethan, die förmlich in Zügen organisirt mit eigens improvisirten langen Spießen und eisernen Brechstangen in die Stadt kamen, wären folgende von Augenzeugen verbürgte Notizen zu geben, die allerdings erfreulich sind. Schon als es nach dem 15. Mai hieß, viele Studirende wollten die Universität verlassen, sendeten sie Deputationen an dieselben, um, wenn eS nur wegen Dürftigkeit geschehe, dieselben zu unterstützen; es wolle Jeder von ihnen regelmäßig mehrere Kreuzer von seinem Taglohne täglich für die braven Studirenden abgeben.
Gestern hörten wir selbst mehrere der sogenannten Proletarier ihre Kameraden vor Rausch und Unordnung warnen. „Brüder, trinkt nicht zu viel," sagte Einer, „denn die Menschheit weiß dann nicht, was sie thut." Einen Mann, der ihnen eine 5-Fl. -Banknote unter der Bedingung gab, daß sie die Barrikaden wegräumen und zu Gleichem alle Arbeiter bewegen möchten, wiesen sie scharf mit seinem Geschenk ab. Die so häufig auf den Thüren getroffene Inschrift: Heilig ist jedes Eigenthum ! rührt größtentheils von ihnen her. In den Kasematten, wo eine Durchsuchung gehalten wurde, nahm ein Bursche ein auf dem Boden liegendes unbedeutendes Bild, welches sich auf der Wand befand, herab, wurde aber von einem nebenstehenden Arbeiter sogleich mit den Worten angefahren: Wir sind keine Diebe und Räuber; laß es liegen.
Hamburg, 29. Mai. (W.-Z.) Die Kommerz-Deputation hat die verschiedenen Zweige deö hiesigen Handelsstandeö aufgefordert, sich darüber auszusprechen, ob Hamburgs Fortbestehen als Freihafen (etwa mit Hinzufügung Altona's) oder ob Eintritt in den künftigen deutschen Zo llv erba nv mit wohlgeordnetem Entrepotsystem nach ihrer Ansicht