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wegung in St. Petersburg. Alles ist auf den Beinen, Alles trägt zur Erfüllung der Wünsche Ihrer Majestät bei. Zahl­reiche Couriere sprengen verhängten Zügels fort, um den pomphaften Ukas bis an die entferntesten Gränzen des Reiches zu bringen. Nach Archangel wird Befehl geschickt, daß man unverzüglich Materialien und Arbeiter mit ihren Werkzeugen schicken solle. Den nämlichen Befehl erhalten Reval und Riga. Es handelt sich um nichts Geringeres, als mehr denn hundert Galeeren, welche zwei bis drei hundert bewaffnete Soldaten aufnehmen können, neu aufzubauen. Für alle Hülfsquellen Rußlands wäre eine solche Aufgabe in einer so kurzen Zeit nun gerade nichts Uebermäßiges. Die Leute kommen an, ar­beiten Tag und Nacht, sie sterben an Erschöpfung und Müdig­keit; allein das Werk geht vorwärts. Dennoch kann es bis zur festgesetzten Zeit nicht fertig werden, weil alle Seemächte der Welt, zu diesem Zwecke vereinigt, es nicht zu Stande ge­bracht haben würden; aber Das, was man that, war schon wunderbar genug, und jedenfalls hatte man der Kaiserin gehorcht.

Dem Kaiser Paul kommt es eines Tages in den Sinn, zwei prächtige Alleen in der Perspektive von Newski pflanzen zu lassen. Man war gerade im stärksten Winter, mitten in der größten Kälte; der Boden war mit Schnee bedeckt und mehrere Fuß dick gefroren. Der Autokrat will eine Allee, er will sie augenblicklich, das heißt: in einigen Tagen, damit die Bäume mit den ersten Strahlen der Frühlingssonne, wenn sie bis dahin nicht abgestorben sind, Blätter treiben können. Die Allee soll doppelt werden, und vier Reihen Bäume sollen eine Ausdehnung von zwei Wersten bekommen und mit buntfarbigen -Schranken eingeschlossen werden. Die zu pflanzenden Bäume müssen fünfzehn bis zwanzig Fuß groß seyn. Dies Alles muß geschehen, weil Paul I den Willen eines Tyrannen und die grillenhafte Heftigkeit eines Narren hat. Es zeigen sich einige Unternehmer, vorausgesetzt, daß man ihnen die verlangte Summe bezahle.

Nun ging es ans Werk. Dreißig Tage lang wurden zehn Tausend Arbeiter zu diesem narrenhaften Geschäft verwendet. Die Bäume wurden ausgerissen und mit ihren Wurzeln aus dem Boden, in welchem sie früher gestanden, verpflanzt. Ob­gleich die zu ihrer Aufnahme bestimmten Gräben sehr tief ge­macht wurden, so konnte man den gefronten Boden doch nur durch Beilhiebe aufhacken. Nachdem der Umfang der Gräben bezeichnet war, häufte man in der Mitte derselben Holz auf und zündete es an, um den Boden aufzuthauen und zu er­weichen. Der großfürstliche Thronfolger Alexander beaufsich­tigte die Arbeiten und feuerte den Eifer der Arbeiter an. Er wußte, daß der Zorn seines reizbaren Vaters zuerst auf ihn fallen würde, wenn zur bestimmten Zeit nicht Alles fertig wäre. Kurz, die Bäume wurden ausgegraben und verpflanzt, die Spazierwege mit Sand bestreut und mit Rasen eingefaßt, welche man unter dem Schnee hervorgeholt hatte; die Schran­

ken und Bänke aufgestellt und angemalt, und zwar Alles zur festgesetzten Zeit. Jeder dieser Bäume kostete siebzig Franken, und die Unternehmer leisteten nun auf drei Jahre Gewähr, wie bei einer verdächtigen Uhr. Die Hauptsache war für den Kaiser, daß die Bäume im nächsten Frühjahre Knospen trie­ben, und als ausgelernte Höflinge hüteten sie sich auch wohl, vorher abzusterben.

Der Kaiser Nikolaus hat aber noch Außerordentlicheres gethan. Er wollte, daß sein vor einigen Jahren abgebrannter Winterpalast in einem Jahre wieder aufgebaut werde. Dieses Gewaltwcrk wurde auch ausgeführt; allein wie viele von den sechs Tausend Arbeitern, welche im strengsten Winter daran arbeiten mußten, sind nicht der übermäßigen Anstrengung und Kälte unterlegen?

Der dänische Krieg und seine Vortheile.

Es hat ganz den Anschein, als ob der dänische Krieg sich in die Länge ziehen werde. Dies würde für die festere Einigung der Gesammtinteressen Deutschlands, für die Erstarkung seines Gesammtbewußtseyns von unermeßlicher Bedeutung seyn; ja man kann sogar behaupten: je länger der Krieg dauert, desto größer werden die materiellen Vortheile für D eutschland werden.

Deutschland trägt nicht Schuld an diesem Kriege. Däne­mark ist durch das Rechtsbewußtseyn der Herzogthümer, durch die abmahnende Stimme des Bundestags und der deutschen Fürsten, seit Jahren genügend gewarnt werden; dennoch hat es sich keck, übermüthig, herausfordernd in den ungleichen Kampf gestürzt. Nichts ist billiger, als - es jetzt auch die Folgen davon trage.

Die augenblicklichen nachtheiligen Folgen des Krieges für Deutschland sind größtentheils bereits überstanden. Unser Verlust besteht, wenn es hoch kommt, in der Aufbringung von etwa 100 deutschen Schiffen, die deßhalb noch nicht dau­ernd verloren sind. Natürlich ist die dadurch veranlaßte au­genblickliche Stockung eines Theils unseres Handelsverkehrs schmerzlich und drückend; indeß trifft sie zumeist große Häuser, die schon einen Stoß vertragen können. Fortan sind die deut­schen Schiffe gewarnt und laufen den Dänen nicht mehr in die Hände. Ueberdieß gleicht sich der Verlust, durch die noch größern Nachtheile deS dänischen Handels aus. Nicht allein sind ihm jetzt die deutschen Häfen gesperrt, aus denen er vor­zugsweise seine Nahrung zog, sondern der schwachen Kopen­hagener Börse, die größtentheils mit deutschen Krediten ope- rirte, sind auch diese Kredite entzogen worden, und je länger dieser Zustand dauert, desto mehr wird aller bisherige Zwi­schenhandel Kopenhagens aufhören, und sich direkt den deut­schen Häfen und Handelsplätzen zuwenden. Mit Einem Worte: