Einzelbild herunterladen
 

gestellt und bis der Hofadel Geiseln gestellt haben werde, die mit ihrem Kopf für die Erfüllung der Bewilligungen vom 15. Mai haften sollen. In der That wurde auch gegen Abend Graf Hoyos auf die Universität abgeführt, und der stellvertretende Obersthofmeister Graf Dietrichstein wurde um Mitternacht in seinem Hause verhaftet und eben dahin gebracht. Graf Monte- cuculi und Graf Colloredo hatte sich noch bei Zeiten geflüchtet.

Um Mitternacht wurden plötzlich, auf das Gerücht, daß die Truppen herannahen, die Sturmglocken geläutet und General­marsch geschlagen. Es war aber ein blinder Lärm. Heute hat die Stadt ein ruhigeres Aussehen. Die Barrikaden werden von den Studenten und den Arbeitern bewacht; die Kaufläden sind geschlossen; man liest überall Aufschriften wieHeilig ist das Eigenthum";Achtung vor der Religion" (an den Kirchthüren); Nieder mit der Aristokratie!" u. s. w. Bis jetzt ist noch kein Erzeß geschehen; an den Barrikaden wird in Bezug auf den Durchgang eine musterhafte Ordnung aufrechterhalten; für die bedürftigen Arbeiter werden Unterstützungen gesammelt, welche auch reichlich fließen.

Ein Plakat deS Ministeriums verkündigt, daß es von den Anordnungen der gestrigen militärischen Maßregeln nichts ge­wußt, und daß gegen die Urheber eine Untersuchung eingelei- let werden soll. In der That hegt man auch hier das größte Zutrauen für Pillersdorf und Latour, und Viele lassen sich's nicht nehmen, daß die gestrigen Vorfälle durchaus ein Ausfluß der geheimen Intriguen der Kamarilla waren, welche mit Unterwerfung" der Stadt endigen sollten. Aber was werden, was können die Folgen des jetzigen Zustandes seyn? Wir sind in Revolution, in einer Revolution ohne bestimmten Zweck, ja was noch mehr, unsere Revolution hat kein Haupt, keine ihres Zieles sich klar bewußten Führer! Die Studenten, welche faktisch bis jetzt an der Spitze der Bewegung stehen, haben keine höher berufenen Leiter; sie folgen den Impulsen einiger Redner, welche aber nicht den Keim der Beherrschung so vie­ler widerstrebender Elemente in sich tragen.

Kundmachung. Das Militär erhält hiermit den Befehl, sogleich abzuziehen. Den Arbeitern wird zugleich fort­an Arbeit verschafft werden, wogegen sie zur Herstel­lung der Ruhe zu ihrer Arbeit zurückzukehren haben. Wien am 26. Mai 1848. Pillersdorf. Baumgartner. Krauß.

Wien, 28. Mai. Auf die gestern Abend erschienene Pro­klamation des Ministeriums über die Zurückziehung des Mili­tärs x. wurden heute tn der Nacht und Vormittags die mei­sten Barrikaden abgetragen, und die Stadt gewinnt wieder ein etwas friedlicheres Aussehen. Graf Dietrichstein und Hoyos wurden wieder entlassen, letzterer aber erhielt eine Ehren­wache vor seine Wohnung. An seine Stelle als Oberkomman- dant der Nationalgarde wurde der Oberstlieutenant Panasch er­wählt. Baron Wessenberg, der vorgestern hier angekommen, ist heute nach Innsbruck gereisk. Auch der Erzherzog-Palatin von Ungarn hat sich dieser Tage in Begleitung des ungarischen Kul­tusministers Baron Eötvös an das dermalige Hoflager Seiner Majestät verfügt, um dem Monarchen als Prinz des Hauses und als Reichspalatin von Ungarn zur Seite zu stehen, und als ein verfassungsmäßiger Rathgeber der Krone allen etwaigen in- konstitutionellcn Einflüssen in den Weg zu treten.

Stettin, 30. Mai. Nachdem die in dem Iustizgefängnisse in Mohnungen in Haft gewesenen Verbrecher nun zum sechsten Mal entsprungen war, rotteten sich 500 Bauern der Umgegend zusammen, um diese Bande, welche die ganze Gegend in Schrecken setzt und welche das Gericht doch nicht bestrafen werde, gänzlich auszurotten. So wurde ein förmliches Treibjagen veranstaltet, bei welchem vier der Verbrecher erschlagen und drei lebensge, fährlich verwundet wurden. Es wird nun eine große Unter­suchung eingeleitet, hoffentlich nicht allein gegen die Bauern- fondern auch gegen das saumselige Land- und Stadtgericht.

Flensburg, 27. Mai, Abends. Gestern sind unsere in Sunde wi t t liegenden Truppen wiederum mit den Dänen in Kollision gerathen, und zwar bei Düppel waren die Mecklen­burger heftig im Feuer. Es sind hier heute einige leicht Ver­wundete angekommen; es wird behauptet, daß auch der mecklen­burgische Kommandant leicht verwundet heute Abend hier ein- gebracht worden ist. Die Dänen wagen sich immer etwas weiter ins deutsche Gebiet hinein. Das Hauptquartier des Generals Wrangel wird nach Flensburg verlegt werden; der General wird schon morgen hier erwartet. Man will hier bestimmt wissen, daß die Preußen sich aus Jütland schon ent­fernen, um diesseits der Königsau den Feind zu beobachten; wogegen die Dänen die aufgetriebenen deutschen Schiffe frei geben werden.

Frankreich.

Paris, 29. Mai, Mittags. Seit 5 Uhr Morgens ruft die Trommel abermals die Bürgerwehr zu den Waffen. Die Arbeiter, hieß es, haben die Nationalwerkstätten in Masse verlassen und wollen gegen die Nationalversammlung marschiren. Diese Gerüchte sind übertrieben. Die Arbeiter haben sich ver­sammelt, um zwei Petitionen zu entwerfen, die sie der Voll­ziehungsgewalt und der Nationalversammlung überreichen wollen, und worin sie gegen die Aufhebung der Mehrzahl der National­werkstätten protestiren.

Vor dem Staatsbautenministerium und vor dem Luxemburg- schlosse, dem Sitze der Vollziehungsgewalt, sind bedeutende Truppenmassen aufgestellt. Die Nationalversammlung selbst gleicht einem Feldlager.

Der große Staats Prozeß in Vincennes schleppt sich mühsam fort. Barbös erhält häufige Besuche, besonders von Gliedern der Nationalversammlung. Blanqui soll bei seinem Eintritt in den Donjon von Vincennes geäußert haben: Sperrt mich wohin Ihr wollt, nur nicht in die Nähe des muthigen Dummkopfs Barbös.

Es verdient Erwähnung, daß Louis Blanc gegen die Verbannung Louis Philipps und seiner Familie stimmte. Eine Republik von Brüdern, soll er gesagt haben, darf sich vor Per­sonen, die ein gestürztes Prinzip vertreten, nicht fürchten.

Wie es heißt, wird demnächst der Nationalversammlung ein Dekretsentwurf vorgelegt werden, das auf Abschaffung der Pässe, dieser Polizeiplage für die ehrlichen Leute, anträgt. Warum sollte das Festland nicht wagen, was England längst einführte?

Paris, 30. Mai. Die Nationalarbeiter hatten die Bürgerwehr in den April geschickt: die Ruhe ist weder am ge­strigen Tage noch Abends gestört worden und die Bürgerwehr kehrte zu ihren Familien zurück.

Deutschland.

Berlin, 29. Mai. (D. A. Z.) Fast in allen den zahllo­sen Versammlungen, die hier täglich gehalten werden, ist von der Konzentration bedeutender Truppenmaffeu um Berlin die Rede In dem Schweigen der Behörden über diesen Gegen­stand findet man natürlich eine Bestätigung der darüber umlau­fenden Gerüchte. Nachdem heute bekannt geworden war, daß auch der Kriegsminister auf die an ihn durch Dr. Stein aus Breslau, wenngleich nur beiläufig in dieser Angelegenheit ge­richtete Interpellation zu antworten unterlassen habe, stieg die Besorgniß einer möglichen Ucberrumpelung der Stadt sichtlich.

Die Erdarbeiter, welche der Magistrat ihrer kostspieli­gen und wenig nutzenbringenden Beschäftigung enthoben hatte, veranlaßten heute früh wieder kleine Aufkäufe. Sie sammelten sich theils vor dem Nathhause, theils vor dem Gouvcrnements- gebäude, um Arbeit nach ihren Wünschen zu erzwingen. Aus dem letztern traten die Sprecher mit den Worten:Wir wollen Arbeit, und man will uns Geld zu Schnaps geben!"

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. Druck und Verlag

Sprechsaal für Stadt und Land.

Erwiederung.

Auf die im Sprechsaal von No. 62 dieses Blattes enthal­tene Besprechung des LiedesSchwarz, Noth, Gold" von Frei­ligrath, sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich aller­dings die Tendenz dieses Gedichts erwogen und deshalb nur den 1., 2., 3. und 11. Vers daraus für meine Komposition bestimmt und dieselbe in dieser Gestalt der Oeffentlichkeit über­geben habe.

Eduard Kunz.

89] Eine moblirte Sommerwohnung, ganz ober getrennt, ist zu ver- micthen Schwalbacher Chaussee Landhaus No. 11.

85] Eine Wohnung ist an eine stille Familie zu Vermiethen bei

L. Marburg, Neugaffe.

der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.