Frankreich vereinigen würden. Bemerkenswerth erscheint es, daß unter den Gefangenen vom badischen Aufstand sich auch 69 Franzosen befinden sollen.
Freiburg, 27. Mai. (Freib. Z.) Dem Vernehmen nach wird die zur Untersuchung der politischen Vergehen ernannte Spezial-Koinmission bis Montag ihre Thätigkeit beginnen. Möchte ihre Arbeit raschen Fortgang nehmen, damit das Loos der in den Kerkern Schmachtenden wenigstens bald entschieden und die peinliche Untersuchungshaft nicht allzusehr verlängert werde. Eine ziemliche Anzahl der hier oder in näherer Umgegend seit dem 24. April Verhafteten ist bereits freigegeben worden, eine nicht unbedeutende Anzahl derselben befindet sich dagegen noch in den hiesigen Gefängnissen.
Köln, 29. Mai. (Köln. Z.) Heute haben mehrere österreichische Juristen den Grrichtsverhändlnngen beigewohnt, um sich mit dem reinischen Gerichtsverfahren durch den Augenschein : bekannt zu machen. Sic werden von hier aus auch Belgien und Frankreich besuchen.
Die Aachener Ztg. schreibt: Das Parlament zu Frankfurt hat eine Kommission nach Mainz geschickt, um die dortigen Vorfälle zu untersuchen. Sie ist zurückgekehrt, ihre Majorität hatte Partei gegen die preußische Garnison genommen, die Mehrheit der Versammlung hat jedoch erklärt, sie wollte sich nicht mit der Sache befassen, sondern zur Tagesordnung übergehen. Wir hätten gewünscht, die Sendung jener Kommission wäre ganz unterblieben, denn das Parlament ist dazu da, nicht in die Verwaltung einzugreifen, sondern eine Verfassung zu berathen, und erst von dieser wird es abhängen, was ein künftiger Reichstag etwa in einzelnen Konflikten für Befugnisse haben wird.
Leipzig, 29. Mai. (D. A. Z.) Die letzte Nacht ist, wie das nicht anders zu erwarten stand, völlig ruhig vergangen. Der Magistrat hat im Laufe des gestrigen Tages eine Bekanntmachung erlassen, in welcher polizeiliche Anordnungen getroffen werden, wie sie nach ähnlichen Skandalen gewöhnlich sind; zum Schluß heißt es aber: „Bei bewiesenem Ungehorsam oder Widersetzlichkeit gegen die Patrouillen hat sich Jedermann die Folgen selbst beizumessen, die aus dem vollen Gebrauche der Waffen für ihn entstehen"
Schleswig, 25. Mai. (W.-Z.) Heute ist hier die sichere Nachricht eingetroffen, daß die deutschen Truppen sich aus Jüt- ; laut zurückziehen werden, und zwar so, daß am 29. d. M. das Hauptquartier des Generals Wrangel in Flensburg seyn wird, das des Prinzen General zu Schleswig-Holstein in Tondern, das des Generals Bonin in Tinplev; General Halkett bleibt in Apenrade.
Worauf diese Translokation der Truppen hindeutet, in einem Augenblicke, wo die Zahlung der jütischen Kriegskontribution von 2 Millionen Spezies, und zwar zum 28. d. M., erfolgen sollte, ist schwer zu begreifen. Einige vermuthen, daß die Räumung Jütlands als Fricdensbcdin gung von lEngland verlangt sey; doch hört man dagegen nichts von einer E Herstellung des Status quo ante durch die Räumung von Alsen und Arröe von Seiten der Dänen, im Gegentheil haben sie erst kürzlich wieder von ersterer Insel 11 deutsch gesinnte Beamte und t Einwohner nach Kopenhagen abgeführt.
Andere glauben, es werde eine Landung und kriegerischer Ueberfall entweder von Alsen aus oder bei Eckernförde oder s Neustadt von den dänischen Schiffen versucht werden, weshalb das Aufgeben der ziemlich entfernten Positionen im Norden nothwendig geschienen. Ausfallend bleibt jedenfalls, daß Nordschleswig, namentlich Stadt und Amt Hadersleben, von deutschen Truppen unbesetzt bleiben wird. Man wird doch nicht das Herzogthum, um nur rasch den Frieden zu jedem Preise zu erlangen, auseinander reißen oder den nördlichen Theil den höchst unsicheren und unter jetzigen Verhältnissen für die deutsche Sache ganz unbilligen Eventualitäten einer Wahl der Nationalität unterwerfen wollen!
Posen, 25. Mai. Mit der Reorganisation des Großher- zogthums geht es sehr langsam vor sich. Es ist ziemlich gewiß, daß die gegenwärtig im preußischen Staatsdienste sich befindenden Polen nicht gesonnen sind, ohne Zwang, ihre gegenwärtigen Domizile zu verlassen und sich in die zu reorganisirenden Theile des Großherzogthums überzusiedeln. Obwohl "für den Augenblick die Fortsetzung der polnischen Insurrektion kaum denkbar ist, da mobile Kolonnen fortwährend das Land durchziehen und alle etwa noch versteckten Waffen durch Kundschafter aufsuchen und hierher transportiren (bei welcher Gelegenheit das Prügelsystem gegen die angewendet wird, welche die Herausgabe der Waffen ‘ verweigern), obwohl die meisten Führer der Insurrektion zur
Haft eingebracht worden sind, — so gibt doch unsere polnische Bevölkerung immer noch nicht die Hoffnung zur baldigen Wiederherstellung ihres historischen Rechtes auf.
Sie hoffen mit Gewißheit auf eine französische Intervention, welche Preußen nöthigen würde, Truppen von hier fortzuziehen; dann aber scheint ihnen der Zustand in Böhmen, wenn auch nicht gerade Herstellung eines polnischen, so doch eines großen Slawenreiches, in dem Polen auszugehen bereit ist, zu versprechen; endlich tritt jetzt wieder die Idee des Panslawismus lebhafter als je hervor, und es ist nichts Seltenes, eraltirte Polen in enthusiastische Lobeserhebungen über Rußland ausbrechen zu sehen. Letztere Idee scheint aber auch anderwärts nicht so ganz unberücksichtigt zu bleiben, da von unserer Fortifi- kation Alles gethan wird, um die Festung Posen in den Stand zu setzen, einer möglichst ernsthaften Belagerung zu widerstehen.
Stettin, 27. Mai (K. Z.) Die Reisenden aus Rußland treffen hier spärlich ein; so gestern die Fürsten Gagarin und Gallitzin mit ihren Familien. Sie wußten von gar nichts (?); sie, die hohen Aristokraten, bei deren privilegirter Stellung man wenigstens einige Kenntniß der deutschen' Umwälzungen hätte voraussetzen sollen, wenn sie auch in Rußland dem profanen Volke vorenthalten werden muß, sie erfuhren mit Erstaunen, daß Dänemark mit Deutschland in einem ernstlichen Kriege liege. Ich hörte, wie man dem Fürsten Gagarin in einem Zigarrenladen die berliner März-Revolution erzählte. Der Mann war wie aus den Wolken gefallen. So weit geht diese russische Kultur-Stauung.
Wien, 23. Mai. Noch immer sind unsere deutschen Provinzen erbost gegen die Wiener und vorzüglich gegen die Studenten; die Beamten und Pfaffen erzählen ja den Bauern, Die Studenten wären mit Zigarren im Munde in das Kabinet des Kaisers gedrungen und hätten ihn hier durch Drohungen zum Unterschreiben der geforderten Punkte gezwungen, siè hätten vor des Kaisers Augen die Gewehre geladen und ihm zugc- rufen: „Unterschreib, sonst schießen wir Dich nieder!" (Als neuen Beleg von den Künsten, womit die Hofkamarilla den Kaiser zu täuschenund zur Abreise zu bewegen gewußt habe, erzählt die Breslauer Zeitung folgendes Faktum, das aus bewährter Quelle mitgetheilt sei. Die Adelsvcrschwörung, Bom- belles an der Spitze, entfernte Abends unter einem Vorwande die Dienerschaft aus den Vorzimmern des Kaisers und erregte sodann ein schauerliches Waffengeklirre, und Gewehrkolben schlugen gegen die Flügelthüren, wodurch es ihnen leicht ward, dem Monarchen die Meinung,beizubringen, als sey sein Leben bedroht, zumal als er vom Fenster herab den Hof voll Ba- yonnette erblickte.)
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Paris, 28. Mai. (K. Z.) Paris war gestern Abend wieder aufgeregt; denn man sah das Palais Bourbon von einer ungewöhnlich starken Macht umgeben, und Abends schlug man sogar im ersten und zweiten Stadtbezirke den Rappell und rief in mehreren anderen Bezirken durch andere geräuschvolle Aufforderungen die Nationalgarde heraus. In der Ebene von Mon- ceau, wo die Nationalwerkstättcn sich befinden, machte ein Theil der Arbeiter Miene, nach der Stadt sich zu bewegen, und gebärdete sich sehr unwillig, als man ihnen einen neuen Direktor in Hrn. Lalanne, Ingenieur, mit dem Auftrage sandte, durch eine neue Organisation den Unterschüssen und den Mißbräuchen aller Art, die bisher in diesen Werkstätten geherrscht, Schranken zu setzen. Hrn. Lalanne gelang es nicht, den Tumult zu beherrschen, und der Minister der öffentlichen Bauten, den er zu Hülfe rief, hatte Anfangs keinen besseren Erfolg.
Herr Trelat war, wie man versichert, so zu sagen einige Stunden lang der Gefangene der Arbeiter, und erst, als sie merkten, daß Anstalten getroffen wurden, um die Wühlerei und den Tumult zu bewältigen, ward die Ruhe wieder hergeftellt,' und die Nationalgarde konnte, ohne eingeschritten zu seyn, wieder nach Hause gehen. Ueber den Zusammenhang der sogenannten Sendung des bisherigen Direktors der Werkstätten nach Bordeaux mit den Ursachen der Aufregung unter den Arbeitern, oder vielmehr mit den Mißbräuchen und Unterschleifen, denen sein Nachfolger steuern soll, „liegt ein durchsichtiger Schleier" wie sich ein Franzose, den ich um Aufklärung anging, sehr bezeichnend ausdrückte. Wenn ich diese Worte recht verstehen und mit der Proklamation des Ministers an die Arbeiter und mit dem Umstande, daß Emil Thomas wirklich 13 Stunden lang verhaftet war, ehe man ihm mit oder ohne bewaffnete Bcdeüuung nach Bordeaux, ich weiß nicht, welche diplomatische Mission gab, wenn ich alles das zusammenreimen darf, waren gegen den ehemaligen
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