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So liegen in unserem Lande gewiß enorme Summen brach, die /eben Augenblick bereit sind, wieder pro­duktiv zu werden, wenn unsere Ständcversammlung das Zauber­wort ausspricht:daß keinerlei Rechtsverletzungen stattfindcn und die unzeitgemäßen Lasten auf dem Wege der strengen Gesetzlichkeit abgelöst, so wie daß Ordnung unb Rech t strengstens gehandhabt werden sollen."

Ick halte dieses nicht allein zur Emporbringung des öffent­lichen Kredits für nothwendig, sondern es ist auch ein Akt voll­kommener Gerechtigkeit und zumal in unserem Lande, wenn die Domänen, deren Ertrag zum großen Theil aus solchen Lasten besteht, zu Staatseigentbum erklärt werden.

Durch unbedingte Abschaffung oder nach einem zu geringen Maßstabe erfolgende Ablösung der Grundlasten würde nämlich offenbar der grundbesitzende Theil der Bevölkerung, der ohnehin jetzt gegen den Grwerbstand in großem Vortheil ist, auf Kosten des nichtbcsitzenden Theils begünstigt werden; da der letztere den Ausfall in den Staatseinnahmen mittragen helfen müßte, der durck Abschaffung oder zu billige Ablösung dieser Lasten ent- sicheu würde.

Ebenso würde der Theil der ackerbauenden Bevölkerung, der die Grundlasten schon abgelöst hat, hierdurch in großen Nach­theil kommen, da er zu dem Schaden, den er durch zu frühe Ablösung erlitten, auch noch in der Gestalt von Steuern dazu beitragen müßte, die Verluste zu decken, die den Staatsfinanzen erwachsen.

Sodann wäre unvcrweilt eine öffentliche Bank zu er­richten, die alle Einnahmen und Ausgaben des Staats besorgte und mittelst Garantie des Landes gegen Schuldverschreibungen auf die Staatsgüter von 25 fl. Minimum zu 5 Proz. Verzin­sung baare Darlehen annimmt.

Dieser Landesbank, die aus den Elementen unserer Staats­und Landeskreditkasse zu bilden wäre, müßte die Befugniß zu- steheu, Papiergeld in Umlauf zu setzen, das bis zu einer gewissen Summe etwa "1 bis 2 Millionen Gulden ausgegeben werden könnte. Aus Staatsgeldern und den so gebildeten Baarfonds wird dann der Baukstock gebiidct, der dem von Landeswegen und zum Vortheile unserer Industrie zu betreibenden Bankgeschäfte zur Grundlage dienen muß, das gegen gute Wechsel, Hypothe­ken auf dingliche Obsekte, auf Produkte, wie z. B. Roheisen und sonstige werthvolle und leicht zu berücksichtigende Depositen, Vor­schüsse auf bestimmte Zeit mit etwa 6 Prozent Verzinsung an die Industriellen unseres Landes leistete.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß unter den ausge­sprochenen Bedingungen unb besonders dann, wenn unsere Politische Entwicklung eine friedliche Richtung nimmt, diesem neuen Institute sehr reichliche baare Mittel zufließen werden, die es in den Stand setzen, nicht allein die laufenden Bedürfnisse ohne Störung zu befriedigen, sondern auch ohne Nachtheil für die Staatsinteressen der Landesindustrie in Zeiten, wo die Produkte derselben nicht gut zu verwerthen sind, zu Hülfe zu kommen.

Die Operationen einer solchen Landesbank würden vorzüg­lich unseren Bergbau und Hüttenbetrieb, aus denen fast allein unsere größere Industrie besteht, zu Gute kommen müssen. Diese Industrie verdient es aber auch, daß sie vom Staate gepflegt und nach Kräften gestärkt werde; denn sie ist eine naturwüchsige und besitzt bei den unermeßlichen unterirdischen Schätzen und den herrlichen Wäldern des Herzogthums, eine Produktivität für alle Klassen unserer Bevölkerung, die verhältnißmäßig ihres Gleichen nicht hat. Sie vermehrt gegenwärtig schon unseren Nativnal- wohlstand um drei Millionen Gulden jährlich, und ist noch einer großen Ausdehnung fähig; zumal es als ausgemacht betrachtet werden kann, daß auch unsere Braunkohlen, die bis­her nur einen beschränkten Bergbau gestatteten , deren Lagerstät­ten aber sonst als unerschöpflich anzusehen sind, in den verschie- nen Zweigen der Hüttenindustrie produktive Anwendung finden können, wodurch wir uns nicht mehr allein auf den Zuwachs unserer Wälder zu beschränken brauchen.

Die Bergwerks-Industrie ist es auch, die eine wohlthätige und nachhaltige Organisation der Arbeit am ersten gestattet, da diese schon in dem Wesen des deutschen Bergbaues liegt und der Staat als der eigentliche Eigenthümer desselben zur Ausbildung eines kräftigen patriotischen Arbeiterstandes und Handhabung eines rationellen und nachhaltigen Betriebs ohnehin eher sein Aufsichtsrecht auf denselben erweitern als einschranken muß.

Bisher ist von unserer stockjuristischen Verwaltung für die Entwickelung des Bergbaues der auch in wissenschaftlich- technischer Beziehung angemessener Pflege von Seiten des Staates bedarf wenig geschehen und es ist nicht allein eine

vollständigere und bessere Verwaltungs-Ordnung, sondern auch eine Abzweigung der obersten Bergverwaltung von der Regst, rung nothwendig geworden, da die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen und Observanzen jetzt viel mehr als früher in ein erschöpfendes Gesetz zur Kenntniß der Bergbau-Treibenden verarbeitet werden müssen, sondern der Bergbau eine eigne Zentralbehörde haben muß, die selbstständig den Bedürfnissen des Bergbaues Rechnung tragen und seiner freudigen Fori- entwickelung zur Basis dienen kann. Diese Zentral-Behörde, der jedenfalls auch eine Bergschule zur Seite stehen miss' wenn sic intellektuell auf denselben wirken soll, wird bei guter Organisation beut Lande im Verhältniß ihrer Leistungen für das Gemeinwohl weniger kosten, als dieses bisher mit der Bergverwaltung der Fall gewesen ist; es müssen dann na- türlich aber auch diejenigen Verwaltungs-Elemente ausgeschiedei werden, die bisher den Bergverwaltungs - Interessen in wissen­schaftlicher, wie in technischer Beziehung schloss entgegen stand« und keinerlei wahrhafte Verbesserungen und durchgreifend Reformen aufkommen ließen.

Hätte unser Bergbau nicht zu gesunde Wurzeln, er wâP sicher ganz verkümmert, wie dieses mit dem Braunkohlenberz bau, der so enorm wichtig für unser Land ist, wirklich geschai und man kann mit Wahrheit sagen, daß unser Bergbau it neuerer Zeit sich nicht durch sondern trotz der obersten V« Wallung zu einer produktiven Entwickelung hingeneigt hat.

__________ (Schluß folgt.) I

Deutschland.

G, Wiesbaden, 31. Mai. Als wir in der heutige! Sitzung unserer Ständekammer den vortrefflichen Entwurf m Herren Leisl er, Gergens und Jung zur Gründung eines nassauischen Hypothekenbank*) vortragen hörten, klangen mj die darin entwickelten Thatsachen und Folgerungen bereits zier lich bekannt, und bei genauerem Nachsinnen fanden wir, bei der Plan seinem Wesen nach, wie in den einzelnen Theile eigentlich dem Herrn Hofrath Henoch angchöre, der bitt Vorschläge vor etwa sechs Wochen in einem engeren Kreise m getragen und zur Besprechung gebracht hatte und damals auf de Wunsch der Gesellschaft das Manuskript überdrucken ließ, jedsj ausdrücklich mit dem Vorbehalt, daß die also vervielfältigten Em plare in den Händen der Mitglieder bleiben und blos als Ma« fkript, nicht aber als veröffentlicht angesehen werden so liier Der ursprüngliche Verfasser hatte also gewiß noch ein geisti gcs Eigenthumsrecht an dem vielleicht hier und da ck klein wenig modifizirten Entwürfe. Es ist vorauszusehen, daß derselbe Epoche im Lande und auswärts machen und woj auch zu wichtigen praktischen Ereignissen führen wird. WM es darum aber nicht um so mehr am Orte gewesen, b en ursprünglichen Schöpfer offen tli ch zu nennet

cf Frankfurt, 31. Mai. Aus der heutigen definitiv«« Präsidentenwahl ging hervor: Heinrich Gagern mit 45/ Stimmen, Bluin mit 12, Mar Gagern mit 1, Zitz« 1, Soiron mit 9 Stimmen.

Vizepräsident: Soiron mit 408, Blu m mit W STnbrian mit 8 und Mathy mit 1 Stimme.

Zum dritten Präsidenten wurde Andri an s wählt.

Neustadt an der Haardt, 28. Mai. (F. I.) Nach feil zehn vollen Jahren war es endlich wieder vergönnt, des Ha»' bacher Festes in öffentlicher Weise zu gedenken. Nur jenes Fest noch im Gedächtnisse hat, vermag dieses mit der P tigen Feier in eine Vergleichung zu bringen, und er wird st gestehen müssen, diese habe dem Hambacher Feste in einer H" würdigen Weise entsprochen, daß man versucht wurde, zu glaub« nur eine Fortsetzung desselben zu begehen. Uebrigens hat de heutige Tag keine Wiederholung jenes weltgeschichtlichen Feftè fonbern nur eine Erinnerung an dasselbe bringen sollen, i* in diesem Sinne waren denn auch die Einleitungen getrosf« Die Versammlung mochte wohl aus 5- bis 6000 Menschen st standen haben, worunter namentlich viele Badenser.

Ein Bericht der Karlsruher Zeitung aus dem Klettgs spricht von einem Plane der badischen Republikaner, weW' abenteuerlich genug klingt, um wahrscheinlich zu seyn, nämlich das Parlament die Republik nicht proklamire, soll Bad« sich von Deutschland losreißen und an bie Schweiz anschließe» wogegen die Kantone Waadt, Genf und Neuenburg sich

*) Wir wünschten sehr, daß dieser höchst wichtige Entwurf von alle- Seiten beleuchtet würde, und werden in einer unsern nächsten N»^ mern eine Kritik desselben aus der Feder eines praktischen Fina»! Mannes bringen. Die Red.