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mittels ergriffen und dasselbe könne vorgelegt werden. Der Richter verlangte dieses Zaubermittel zu sehen, und es wurde ihm übergeben. Es war ein schmutziger, mit Bindfaden um­wundener Ball von Lumpen. Die Lumpen wurden sorgfältig weggenommen und zuletzt kam ein Stückchen Pergament zum Vorschein, in welchem Holt sogleich sein Fabrikat erkannte. Einige Augenblicke schwieg er, dann redete er die Geschwornen mit den Worten an.Ich sehe mich genöthigt, etwas auS meinem Leben zu berichten, was sich freilich für meine jetzige Stellung wenig ziemt: wenn ich es aber verschweigen wollte, würde ich den thörichten Streich, den ich in meiner Jugend begangen, nur verschlimmern, die Unschuld gefährden und den Aberglauben stützen. Dieses Pergament, welches Macht über Leben und Tod haben soll, ist zum Scherz von mir beschrieben und der Frau gegeben worden, die deshalb als Zauberin an­geklagt ist." Er erzählte dann den ganzen Vorfall, und seine Rede machte einen so tiefen Eindruck auf die Leute, daß jene Wirthin die letzte war, welche der Zauberei angeklagt wurde.

Briefe eines deutschen Auswanderers aus Texas.

(Fortsetzung.)

Wir kamen am 1. Juli in Galveston an, Herff erwartete uns dort und hatte Vorkehrungen zu unserm dortigen Aufent­halt getroffen. Glücklicherweise war, trotz der heißen Jahres­zeit, der Gesundheitszustand in Galveston der befriedigendste, so daß während unseres etwa ^tägigen Dortseyns kein Einzi­ger auch nur unwohl wurde. Die Anfechtungen der blutsau­genden Spekulanten in ihren verschiedenartigen Marken blieben nicht aus, wurden aber von uns Allen bald zurückgewiesen. Unsere Fahrt von Galveston nach Indian-Point geschah aus einem der erbärmlichsten aller Schooner. Diese Schooner, mit ihrer Bemannung und die Bevölkerung der dortigen Küste, welche alle zusammen aus Strandraub eine gewöhnliche Be­schäftigung machten, absichtlich Schiffbruch zu diesem Zweck herbeiführen, waren noch bis vor Kurzem ein Ueberbleibsel aus der gesetzlosen Zeit, der Republik Teras, jetzt sind auch chiese Schandflecken ausgemerzt und eine vernünftige Verbindung ist von Galveston mit der Matagordabay durch Dampsboote und Landpost hergestellt.

Die Landreise von Indian-Point aus nach Braunfels, obgleich während der heißesten Jahreszeit zurückgelegt, lief in Folge davon, daß hauptsächlich Nachts marschirt und während der Hitze geruht und dabei die größtmögliche diätetische Vor­sicht beobachtet wurde, glücklicher ab, als wir Anfangs dach­ten, und nur Fritz Schenk und Reinhardt wurden gegen Ende der Reise bedenklich krank. Wie aber bei der Ankunft bei Neu-Braunfels der Anblick der bewaldeten Berge, der schönen Thäler, der krystallklaren Wellen des Kanals von Guadalupe

uns Alle neu belebte, und uns einen angenehmen Kontrast des Hochlandes von Teras gegen die endlosen Prairien mit Wasserpfützen und trüben Flüsse zeigte, so wirkte auch die reine Luft, das herrliche Klima belebend auf unsere Kran- ken, die von da an sich rasch erholten. Eine große Plage der Seeküste und des untern Landes von Teras, die Mosquitos, verliert sich schon etwa 50 engl. Meilen von der Küste entfernt, hier im oberen Lande ist nicht daran zu denken. Du hast in Deinem Briefe eine Besorgniß geäußert wegen dieser kleinen Plagegeister, die uns in Galveston jämmerlich zerarbeiteten, deshalb obiger Trost. Eine andere Frage Deines Briefes, die Landreise betreffend, sey hier noch durch einige Worte über das Reisen hier zu Lande beantwortet. Auch Du hast noch den rauhen Begriff von dem amerikanischen Leben, in den der Kul­tur erst eröffneten Ländern, wie ich ihn hatte, doch man täuscht sich ganz gewaltig. Du weißt, daß vor der Entstehung der amerikanischen Kolonien bis jetzt eine beständige kleine Völker­wanderung nach dem Westen eristirt hat, daß fast die ganze Population der neuen Staaten aus Leuten besteht, die immer oft mehr aus Lebensgewohnheit, als Nothwendigkeit von einem Landestheil nach einem andern ziehen und diesen wieder ver­lassen, wenn sie von einem schöneren und fruchtbareren Lande hören. Du kannst Dir daher denken, daß diese Leute, die oft wohlhabend und gebildet sind, eine ziemliche Praris des Wild­nißlebens erworben haben und einen gewissen Komfort, wie er in diesen Verhältnissen möglich ist, eingeführt haben. Dazu kommt die eigenthümliche Sucht des Amerikaners, möglichst als Gentleman aufzutreten. So ist das Blockhaus eines Hin­terwäldlers noch nicht im Entferntesten mit einer Bauernwoh­nung bei uns zu vergleichen. Die größte Reinlichkeit, das anständigste Benehmen der Insassen und ein gewisser Anstrich von Kultur und Behaglichkeit fällt dem Neuling auf, der nach dem äußern Anschein Halbwilde in einem solchen Holzstoß er­wartet hätte. So sieht man denn auch in dem fernsten Westen, an der Jndianergrenze oft den Reisenden in einem eleganten Gig von wunderbarer Nettigkeit und Leichtigkeit mit einem stolzen Pferde und glänzendem Geschirr, oder eine Gesellschaft in größeren bequemen Reisewagen über die Prairien und über die steinigen Schlossen fahren. Auch Postwagen gehen jetzt in verschiedenen Richtungen durch das Land. Häufiger ist das Reisen zu Pferd. Das Nachtquartier ist dann entweder eine Farm, denn in jeder solchen findet man Aufnahme und Be- wirthung, oder es ist ein Platz an irgend einem Bache oder Flusse. Mit sehr praktischen Kochgeschirren, mit Kaffee, Zucker und sonstigen Lebensmitteln ist man versehen, Wild liefert der Wald und die Prairie. Eben so hat man Teppiche, oft auch ein Zelt, das schnell aufgeschlagen wird, und auf diese Art wird ein solches Kamp bei den über alle Beschreibung schönen Nächten des hiesigen Himmelsstriches zu dem angenehmsten Aufenthalte. Man sitzt um's Feuer, die Pferde sind ringsum im Grase angebunden, mit Erzählungen, Liedern, mit der Be-