sichern, das nothwendig folgen mußte. Es würde zu weit führen, zu erzählen, wie dieser Mensch die ganze Bevölkerung der Stadt, etwa 200 Seelen, zu seinen Kreaturen knechtete, wie er bald dem, den seine Ungnade traf, die Nahrung entzog, denn er war unbeschränkt, bald mit Banketten die Folgsamen belohnte. Sein Stolz war es, auszusprechen, daß das Volk dort ihm aus der Hand fressen müsse. Während der Zeit war auch in Braunfels Manches unangenehm geworden. Die Population, an die Fütterung, für die der technische Ausdruck „fassen" eristirte, gewöhnt, hatte natürlich nichts gearbeitet; die Zeit der Fütterung hörte «ach und nach auf; da hieß es wieder, der Verein habe sie in's Land gebracht, ihnen goldene Berge vorgespiegelt :c., er solle jetzt auch für sie sorgen, d. h. sie immer ernähren. Zu den maßlosen Geldausgebungen standen die Geldsendungen in gar keinem Verhältniß; so kam es, daß auch die gerechtesten, dringendsten Forderungen oft nicht gedeckt wurden. Die Unzufriedenheit, angkstachelt durch persönliche Feinde des Generalkommissairs, von Feinden des Vereins, von Vagabunden, ja selbst von Dereinsbeamten, nahm überhand. Am 1. Januar 1847 entstand eine Art von Revolution, d. h. die Emigranten, wie sie sagten, des Wartens müde, schickten eine Deputation in das Haus des Herrn von Meusebach mit verschiedenen Desiderien, um ihm Zusagen aus diese Weise abzunöthigen. So wurde auch ihm die Stellung verleidet; die Vereinsaussichten wurden trüber und trüber; daß es noch zur Ansiedelung des eigentlichen Grants kommen würde, dachte hier kein Mensch mehr.
Um diese Zeit ungefähr wurde in Deutschland der Vertrag mit unserer Gesellschaft abgeschlossen, welchen Du kennst. Wir übernahmen es, die erste Kolonie auf dem Gebiete des Grant- landes anzulegen, dasselbe faktisch für den Verein in Besitz zu nehmen. Spieß und Herff gingen voraus, um unsere Ankunft vorzubereiten. Sie kamen auf dem Wege durch die vereinigten Staaten nach Galveston und hörten schon von ferne von dem schwankenden Stand des Vereins. Spieß begab sich sofort nach Neu-Braunfels, um mit eigenen Augen zu sehen; er fand Hr. von Meusebach im Begriff, seine Stelle niederzulegen. Bei der fast unbeschrankten Stellung des Generalkommissärs, von dessen richtigem Blicke, Eifer und uneigennütziger Rechtlichkeit der Erfolg des ganzen Unternehmens abhängig ist, ist es von der allergrößten Wichtigkeit, welchen Händen dieses umfassende Amt, wovon eine Sache so vieler Tausende abhängt, anvertraut ist. Spieß sah wohl die Anzahl von Schwierigkeiten, denen er entgegengehen würde, er kannte die Masse von Wirren, in die das Unternehmen verflochten worden war und deren undankbare, ja gefährliche Lösung ihm bevorstehen würde, doch viel zu wichtig war ihm die Sache, in die nun auch wir verwebt waren, viel zu groß die Aussicht, nach Ueberstehung der ersten großen Zeit Schönes und Großes leisten zu können, als daß er es dem unbestimmten Zufall über-
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lassen wollte, wem die Ausführung der Sache, die Führung aus diesem Dilemma anheim gegeben würde, kurz, er entschloß sich, die bevorstehenden Mühsale nicht zu scheuen und übernahm mit Ermächtigung der Direktion in Deutschland selbst den Posten als Geueralkommissär. Wie vorauszusehen war, erhol sich gegen ihn der Haß in allen Gestalten. Genöthigt gegen die Population entschieden aufzutreten, die ihre Ansprüche in's Unendliche trieb, genöthigt, gegen die Wucherer zu Felde znl ziehen, die sich wie die Geier sammelten, um den schwankenden Vereinskredit durch alle möglichen Mittel zum Falle zu bringen, um für Spottgcld die Förderungen aufzukaufen, genöthigt, wegen Unzulänglichkeit der Mittel auch die Armen zu verletzen, deren geringe Habe in Forderungen der gerechtesten Art an f den Verein bestand, genöthigt, selbst zum Theil die Beamten zu bewachen, die bei dem, wie sie glaubten, bevorstehenden ß Schiffbruch mit der Loosung: „Sauvc qui pent“ theils M e Freunde machten mit dem ungerechten Mammon, theils ihr eigenes Schäflein vor dem cinbrechenden Unwetter unter sich- 6 res Dach zu bringen suchten, sah er Feinde rings umher, um r nur allmälig bildete sich die Schaar der Redlichen, die dmH Anschauung der unerschütterlichen Verfolgung des Weges da^ Gerechtigkeit gewonnen wurden.
Miszellen.
— ch Wiesbaden. Einsender dieses wohnte am Abend des 14. Ml einer Versammlung der hiesigen Sänger in rer Rose an, bei welcher GM legenheit Rücksprache über die, am zweiten Pfingsttage abzuhallenden Fein- lichkeiten bei Gelegenheit der lieb ergäbe der Fähnen durch hiesige Frau- an die Nationalgarte, genommen wurde. Unter Anderm wurde auch ein nw Quartett, „Schwarz, Roth, Gold" Gedicht von Frei! i g rath, « Musik gesetzt von Hr. Eduard Kunz, einem Wiesbadener, in Vorschlag zu bracht und sogleich von mehreren Sängern, unter persönlicher Leitung M Komponisten, ausgefuhrt. Dasselbe erhielt stürmischen Beifall und all« Anwesenden beschlossen dasselbe bei der Fahnenweihe zu singen. HerM i freute mich diese Anerkennung für den talentvollen jungen Komponisten, dejsa » bescheidenen Wirken die Musikwelt schon mehrere höchst gelungene, ausgr zeichnete Kompositionen verdankt. Als Mann vom Fache muß ich gesteh» ! daß mich noch nie eine Gesangskomposition so überrascht hat wie dieses Quartett I Dasselbe ist originell, die Melodie lebendig und dabei karakteristisch, ter iiI Refrain folgende zweiviertel Takt „Schwarz, Roth, Gold" feurig| begeisternd. Beim Anhören dieser Komposition muß der Kenner Hrn. KM 8 als ein höchst begabtes Kvmpositionstalent bezeichnen, dem die Kritik iii« ehrendste Anerkennung schuldig ist. Da Hr. Kunz dieses Quartett Zweifel- : ohne dem Druck übergeben wird, so machen wir zunächst alle Gesaugsvereti- k des Herzogthums auf diese höchst gelungene Coinposition aufmerksam, so w« wir es auch als Pflicht erkennen, das musikalische Publikum auf dieses k- achtenswertste Kompvsitionstalent aufmerksam zu machen. Jedenfalls fa wir überzeugt, daß das Quartett „Schwarz, Roth, Gold" von Eduard JM H in Bälde die Runde bei allen deutschen Liedertafeln machen wird. —r.
der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbadeu.