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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

Ji SS» Montag den 2S Mai I8L8.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem beiletriiiischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige PräuumerationSpreiS ist in Wiesbaden 8 fl., für W Umfang des HerzoglhumS Nassau, des GrvßherjsgthumS uub Kurfurstenthums Hessen, der Vandgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarissch-n Berwaltungsgedieles « fl. ^O fr. Inserate werden die drei­spaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch ell enbe rg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

U e b e r s i ch t.

3ir Abwehr.

Der Reichstag über die Mainzer Vorgänge.

D.ulsch'and. Aus dem Dillthale (Die protestantischen Synoden. Auf­ruf zu einer Vorberathung in Weilburg). Vom Westerwald (Er­widerung). 9Lu6 Thüringen (Die Vereinbarung der thüringischen Fürsten gescheiter!). Dresden (Wichtiger Say aus der sächsischen^ Thronrede). Görlitz (Anarchie in Böhmen). Berlin (Friedens- Unterhandlungen mit Dänemark). Posen (Die polnische» Gefangenen nur mit Oelfarbe angestrichen). Hamburg (Die schwedischen See- rüstungen. Oesterreichs Flagge als neutral respektirt.) Wien (Brand­stiftung).

Schwedcn. Stock Holm (VerfassungSreform).

Frankreich. Paris (Beschluß in Betreff Polens. Kredit für die StaatS- bauten. Die Söhne Ludwigs Philipps. Diplomatisches. Unruhen in Lille. Geistlicher Jugendunterricht. Geheime Gesellschaften. Die Aue- länder. Heinrich V. Geldverlegenheit. Pauperismus.

Spanien. Madrid (Die Ruhe wiederhergestellt).

Großbritannien. London (Die Abberufung des Madrider Gesandten). Sprechsaal für Statt und Land.

* Zur Abwe h r.

Wie ich höre, Hat mein Artikelwider den reaktionären Reichstag" in No. 55 allerlei Mißverständnisse veranlaßt. Biele Leute schlugen die Hände übèr'm Kopf zusammen und nahmen den Spott für bauten Ernst! Ich meine aber doch, der Spott wäre dort dick genug, er wäre so recht mit dem Weißbinderpinsel aufgetragcn, und das ist, so viel ich weiß, die dickste und gröbste Gattung.

Aber so wenden Einige ein die Leute lesen so etwas nur drüber hin, sie lesen es nicht bis an's Ende, sie versteh'ns nicht, sie halten's für baare Münze und es verwirrt ihren Sinn. Aber damit sprecht Ihr ein furchtbares Ur- lheil aus! Al,o diese Leute, die sich selbst durch einen blo­ßen Zeitungsartikel, weil sie ihn mit so geringem Maße von Gründlichkeit leien und prüfen, irre machen lassen, diese selben Leute sollen doch wieder in den verworrensten und schwierigsten Staatsangelegenheiten das einzig maßgebende, einzig richtige Urtheil besitzen?! Es liegt ein fürchterlich tiefer Sinn in die­sem Widerspruch!

2hr weilt, daß man für das Volk, für das souveräne Volk, für das Volk, welches in letzter Instanz über die Welt­geschichte zu Gericht sitzt, wie für Kinder schreibt? steht geschrieben: Wehe dem Lande, deß König ein Kind ist!

Ei, ich denke aber, das Volk würde uns des Teufels Dank geben für eine solche Kinderfreundlichkeit. Oder wäre das nicht wäre ihm eine solche diätetische Bevormundung genehm, die neben jedem erhitzenden Trunk sogleich die nieder-schlagenden Tropfen in Bereitschaft hält - daun müßte Alles, was seit dem Februar und März geschehen, ein eitel Fastnachtsspiel gewesen seyn. Und bei Gott, das war es doch nicht!

Ihr wollt also doch wieder, daß der Schriftsteller, wie vor. dem auf Eiern tanze, um der zarten Seelchen willen und damit Keuer und Licht bewahrt werde und der Stadt kein Schaden geschieht? Ei dann führt nur flugs die Zensur wieder ein, die hatte ja gerade den nämlichen Zweck, die war ja gerade die r^hte Danzmeisterin, die solchen Eiertanz gar meisterlich lehrte!

Es ist übrigens manchmal gut, wenn man die Leute aupS Eis führt. Warum? Dao bleibt mein Geheimniß.

Wenn wir noch einige Wochen weiter gelebt haben, dann werden wir finden, daß ein Spott über die, welche auch schon wieder im Reichstage die Reaktion riechen, sehr zeitgemäß ge- wesen ist. Denn die Begriffe der Dolksfonveränttät und der kvustituirenden Gewalt des Reichstages werden von gar vielen politischen Kannegießern just eben so scharfsinnig am gefasst, wie die Domänensrage von unsern Bauern. Jene Herren bringen sich auch bereits das bewußte Säckelchen mit, um die 50 fl., 'die es auf den Mann macht, zu erheben.

Mit der Sache verhält es sich in Wahrheit aber also: Das Volk hat kraft seiner Souveränität den Reichstag frei ge­wählt und ihm die Ausübung der Volkssouveränitälsrechte über­tragen. Nicht alw dieser oder jener beliebige Schwätzer, nicht die Massen, nicht die Krakeeler, nicht die Staatsfaullenzer, nicht die Reattionoriecher sind das souveräne Volk, sondern der Reichstag und allein der Reichstag ist das souveräne Volk! Und wer an diesen Satz tastet, der ist ein Hochver- räther an der Volkssouveränität. Und wie wir auf der Wacht stehen wollen, daß die Regierungen nichts abzwacknr von der schaffenden Gewalt und Selbstherrlichkeit des Reichs­tages, so sehen wir auch zu, daß ehrgeizige Demagogen dem Reichstage nicht zu nahe treten.

Am 18. Mai haben wir Frendenfeuer angezündet, weil die Anarchie und die Herrschaft der Schreier mit diesem Tage ihre Eiidschaft erreicht hat. Das schmeckt jetzt Manchem schlecht, weil er sich unter dem Reichstage nichts weiter gedacht hatte, als den allergrößten Sch eier. Diesen Leuten sind wir im Spott begegnet; wir werden ihnen auch im E nst begegnen; denn in ihnen steckt die eigentliche Reaktion.

Der Reichstag über die Mainzer Vorgänge.

In der Sitzung des Reichstages vom 26. erstattete Her­genhahn im Namen des nach Mainz gesandten Ausschusses Bericht über die dortigen Vorgänge. Der Bericht stützt sich theils auf die Mittheilungen Mr Militär- und Zivilbehörben, theils auf mehr als 200 schriftliche und mündliche 'Aussagen dortiger Bürger. Die Kommission bemerkt indessen, daß ein großer Theil der Angaben nur als unbeglaubigt anzufeben, zumal es ihr nicht möglich gewesen sey, auch einzelne Soldaten mit ihren Aussagen zu vernehmen. Nach einer bis zum Mo- W März zurückgehenben Darstellung der zwischen Mainzer- Bürgern und Preuß. Soldaten vorgefaUenen Reibungen geht die Kommission zu den Vorfällen vom letzten Sonntag und zu den durch sie herbeigeführten Maßregeln des Festt.ngS Gouver­nements über. Sie findet diese Maßregeln formell gerechtfertigt, weil Mainz als der Schlüssel Deutschlands niemals der Gefahr ausgesetzt werden dürfe, einer Partei oder einem auswärtigen Feind in die Hände zu fallen. Sie bemerkt, daß der Gouverneur nach feiner Versicherung eine Beschießung nur angedroht habe, um einen blutigen Siraßen- kampfzu vermeiden, und daß eine Versündung des Belagerungs­standes eben so wenig, als eine Androhung des E^wies-ens (gegen Solche, die ihre Waffen nicht ausliefern würden) statt gefunden habe.

Die Kommission erkennt es aber gleichwohl als wünschens-