W Beiblätter
jur Nassauischen Allgemeinen Leitung
für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.
«^. 57» Sonntag den 28. Mai 18^S»
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Eine Erzählung von W. G Simms.
(Fortsetzung.)
„Wir brachten eine schreckliche Nacht zu. Bon Zeit zu Zeit ertönte das Kriegsgeschrei der Indianer, und durch die Schießscharten sahen wir, daß sie auf drei verschiedenen Seiten Wachtfeuer entzündet, um uns von den übrigen Nicderlassun- den und jede Hülfe unmöglich zu machen."
„Ich gab mich aber nicht der Verzweiflung hin, sondern arbeitete die ganze Nacht, und obgleich Lenatewa mir nicht half, so saß er doch ganz ruhig, oder streckte sich neben dem Feuer aus, als ginge ihn die ganze Sache durchaus nichts an. Mit Tagesanbruch aber hatte er jene blutigen Kleider angelegt, worin ich ihn gefunden. Alles, was ich ihm gegeben, hatte er bei Seite gethan, und obgleich sein Jagd kleid und die Beinkleider, welche er jetzt trug, mit Blut und Schmutz befleckt waren, schienen sie doch jetzt mit einer Nettigkeit und Zierlichkeit geordnet, als habe er sich bereitet, Gesellschaft zu empfangen. Ich muß hierbei erwähnen, daß ein Indianer höherer Abkunft stets eine natürliche Würde und Grazie hat, wie ich sie nie bei einem Weißen gefunden."
„Er war eifrig damit beschäftigt, durch eins der Schieß, lbcher zu schauen, und wenn ich auch nicht wußte wodurch, so merkte ich doch bald, daß seine Aufmerksamkeit auf eine ganz besondere Weise in Anspruch genommen wurde. Ich entdeckte nun auch, daß er trotz meiner Aufmerksamkeit Gelegenheit gefunden, sich mit denen draußen in Verbindung zu setzen- Anfangs begriff ich nicht, auf welche Art ihm dieß möglich gewesen, ich hatte aber seinen Bogen und Pfeile vergessen. Von Letzteren mußte er einen durch die Schießscharte abgeschossen und daran ein Büschel seines Haupthaars befestigt haben. Die dadurch hervorgebrachte Wirkung war außerordentlich, und wir sahen während einiger Stunden keinen einzigen Indianer. Was sie während dieser Zeit thaten, ließ sich nur vermuthen, daß sic nämlich Rath mit einander pflogen, daß aber das Resultat dieser Berathschlagung der Tod eines
ihrer Genossen anstatt des unsrigen seyn würde, konnten wir nicht wissen,"
„Als sich die Feinde wieder zeigten, kamen sic in zwei Abtheilungen aus dem Walde hervor, sie hatten sich gerade nicht völlig getrennt, bewegten sich aber doch nicht zusammen, es schien, als ob sie uneinig geworden seyen. Ihre ganze Anzahl betrug etwa vierzig, von denen acht oder zehn, unter der Führung eines kräftigen, finster aussehenden Häuptlings, etwas abgesondert gingen; dieser hatte sein halbes Gesicht schwarz gefärbt und trug einen rothen Kreis um beide Augen. Die andern folgten einem alten weißhaarigen Häuptling, der mindestens sechszig Winter zählen mußte. Während ich vor einer Schießscharte kniete, um sie zu beobachten, kam Senateiva zu mir, berührte meinen Arm und sagte: — „Micco Lenatewâ Glucco,". — woraus ich errieth , daß dies der Vater oder Großvater des Knaben sey."
„Gut," antwortete ich! indem ich bedachte, das Beste sey, wo möglich ihr Vertrauen und ihre Freundschaft zu erlangen, „gut, Senateiva, gehe zu Deinem Vater, erzähle ihm was Daniel Nelson für Dich gethan, und laß uns Frieden schließen. Du sichst Knabe, daß wir wohl kämpfen können, wir haben Waffen und Lebensmittel genug; und mit dieser Büchse könnte ich den. König, Deinen Vater, und jenen andern Häuptling, der sich so entsetzlich bemalt hat, nieder schießen,"
„Schieße nur," sagte er schnell, indem er nach dem Häicht- ling zeigte, von dem ich zuletzt gesprochen.
„Ach, so ist der Dein Feind?"
Der Knabe nickte mit dem Haupte, und wies nach hM Wunden an seinen Schläfen und in seiner Seite. Jetzt wurds mir die Sache klar.
„Nein," sagte ich, „nein, Senaten^, ich will keinen erschießen. Ich wünsche Frieden. Ich möchte den Indianern nur Gutes erweisen und ihr Freund seyn. Gehe zu Deinem Vater und sage ihm daS, gehe und mache ihn zu meinem Freunde."
„Der Jüngling ergriff meine Hand, legte sie mir auf's