$ Die Klubs haben sämmtlich den Verfassungsentwurs auf M ihre Tagesordnung gesetzt. Im demokratischen (politischen) : I Klub, welcher gestern mit nahe an 3000 Zuhörern eine Sitzung 11 hielt, sprach sich die allgemeinste Unzufriedenheit aus, und selbst bi in dem konstitutionellen Klub mußte der Entwurf die schärfste Kritik erfahren.
Ä Die Straßenecken starren noch immer von Plakaten für >w und wider den Prinzen von Preußen. Das 'einzig Interessante Ute andiesen ist die kategorische Fassung der Ueberschristen, z. B A „Der Prinz von Preußen muß zurückkehren!" „Der Prinz von k Preußen unschuldig!" „Hoch der Prinz von Preußen, nieder z» die Auswiegler!" u. m. a.
ei- Schleswig-Holstein. Eine Proklamation des Generals v. Wrangel an die Jütländer lautet:
„Bewohner Jütlands!
I Seit 14 Tagen befindet sich ein großer Theil meiner Armee auf Mändischem Boden; ich habe genau Das gehalten, was meine Proklamation vom 1. Mai Euch versprochen und habe nicht einmal alle Bedürfnisse für mein Heer gefordert, eben so wenig, wie ich Euch die Widersetzlichkeit und Abgeneigtheit, welche ■r, ich in dieser Hinsicht bei mehreren von Euren Behörden gefun- den, vergolten habe. Eure Negierung fährt aber fort, deutsches j Eigenthum mit Beschlag zu belegen und die deutschen Schiffe aufzubringen. Durch diese Handlungsweise zwingt mich Eure M Negierung, meine Uebermacht anzuwenden, von dem Rechte des । . Krieges Gebrauch zu machen und in Jütland Schadenersatz 3 * für allen Schaden, welchen verdeutsche Handel, die deutsche in Schifffahrt und deutsches Eigenthum anderweitig leiden, zu suchen. Jütländer! Eure Regierung zwingt mich, Euch eine Kon- L tribution von zwei Millionen Spezies aufzulegen. Diese Kontribution soll indessen nur ein Pfand seyn für den J Schaden, den Eure Regierung dem deutschen Handel undEigen- thum zugefügt hat.
x Im Falle Eure Regierung das unter Beschlag liegende jü deutsche Eigenthum freigibt und Ersatz für den Deutschland Mf zugefügten Schaden leistet, sollen Euch die Kontribution sgelder wieder zurückgezahlt werden.
■ Mit Hülfe Eurer Behörden beabsichtige ich, diese Kontri- Button unter die verschiedenen Aemter gleichmäßig zu vertheilen, wobei ich die neuesten Steuerregister zu Grunde legen und ferner l die Bestimmung gelten lassen werde, daß das freie Hartkorn f doppelt so viel wie das unfreie zahlt, und daß das Eigenthum y milder Stiftungen und Schulen von dem Beitrage zur Kontri- bulion frei bleiben soll.
U ; Wenn der Betrag dieser Kontribution bis zum 28. d. M. u - nicht eingezahlt ist, wird die Eintreibung ihren Anfang nehmen. £ Sollten nun wider Erwarten Eure Behörden sich weigern, J ' Euch diese Kriegslast durch gerechte und billige Repartition zu ? ; erleichtern, so werde ich diesen Auftrag anderen zuverlässigen 2 Männern übertragen, und wären solche auch nicht zu finden, H I oder solltet Ihr selbst sogar die Zahlung verweigern, so lasse ich durch meine Truppen Alles uns Nöthige nehmen, wo es t gefunden wird.
Ich hoffe zu Gott, daß die Behörden und das Volk selbst J Einsicht genug haben werden, mich nicht zu diesem letzten Mittel L I zu zwingen; geschieht dies doch, dann muß das Volk selbst die J j Berantworlichkeit für all das Elend und Unglück, welches bei J einem solchen Verfahren unvermeidlich ist, auf sich nehmen. M Kolding, den 18. Mai 1848.
Der Ober-Befehlshaber der Armee:
" Wrangel,
königl. preuß. General der Kavallerie." Eckernförde, 16. Mai. Verfügung, betreffend die von ' der schleswig-holsteinischen Handelsflotte zu füh- rende Flagge; vom 20. Mai. Die provisorische Regierung verfügt hierdurch, daß von der Handelsflotte der Herzogthümer , Schleswig-Holstein die deutschen Farben als Flagge zu führen . sind, und zwar dergestalt, daß die Farben schwarz, roth, gelb in B i ^^ angegebenen Reihefolge horizontal aufgezogen werden. Wo- I nach Alle und Jede, die solches angeht, sich zu achten haben.
lä Kiel, 20» Mai. (H. K.) Ein wohlgekleidetes Individuum, M welches sich den bei der Wilhelminenhöhe postirten hannoverschen M Infanteristen durch mehrere Fragen über Stärke und Stellung uni der Truppen u. s. w. der Spionage verdächtig gezeigt hatte, H wurde gestern Nachmittag hier eingebracht. Es ergab sich, daß M dies ein Herr v. Landy war, dessen Eigenschaft als Offizier bei den dänisch-westindischen Truppen nicht eben geeignet war, den hi^ | Verdacht abzuwälzen. Derselbe wurde noch gestern Abend nach , 1 1 Rendsburg gebracht, um vor dein Kriegsdepartement vernommen rkH zu werden.
— König Ludwig von Bayern, der von allen Für
sten Deutschlands sich der Sache Schleswig-Holsteins stets besonders angenommen, hat auch der provisorischen Regierung sein Wohlwollen bethätigen wollen, indem er jedem Mitgliede ein ausgezeichnet schön gearbeitetes Jagdgewehr zum Geschenk übersandt hat. Sicher haben Se. Maj. damit irgend einen poetischen Gedanken verbunden, den wir vielleicht ehestens lesen werden.
Wien, 20. Mai. (D. A. Z.) Wie man jetzt hört, hat die Hofkamarilla alle Federn springen lassen, um die Dynastie in die Flucht der Aristokratie am 15. und 16. Mai hineinzureißen, und es sollen zu diesem Behufe sogar falsche Drohbriefe geschmiedet worden seyn, worin dem Kaiser gedroht ward, binnen drei Tagen die Franzensstatue am Burgplatz zu zertrümmern und an deren Stelle eine Guillotine aufzurichten. Durch derlei Schreckbilder wurde der Monarch zur Flucht bewogen, und die Aristokratie, deren Macht am 15. Mai gründlich zerstört worden, setzte dadurch der Volksrevolution eine Hofrevolution entgegen, durch die sie in den Schooß der Hauptstadt die Fackel des Bürgerkrieges zu schleudern hoffte, um sich so für ihre Niederlage zu rächen und zugleich in der blutigen Anarchie ihre Vorrechte zurückzuerobern.
Wien, 21. Mai. Es kommt uns die Nachricht zu, daß der Fürst-Erzbischof von Salzburg in einer deshalb berufenen Volksversammlung die Niederösterreicher und Wiener für Rebellen erklärte und darauf antrug, den Reichstag nach Linz oder Salzburg einzuberufen.
Wien, 20. Mai. (A. Z.) Wien ist vollkommen ruhig und geordnet. Die Abreise des Kaisers hat vollständig. gewirkt: sie hat aller Welt die Augen geöffnet, daß man in einen ziellosen Taumel gerathen war, welcher das Reich und wahrscheinlich auch die errungene Freiheit zu Grunde gerichtet hätte.
Der Andrang an der Sparkasse und der Bank ist heute wieder auf furchtbare Weise vermehrt, und wiewohl die Mittel noch ziemlich reichlich vorhanden seyn dürften, und die Aussicht auf Verstärkung keineswegs abgeschnitten scheint: so kann in ah doch mit Gewißheit annehmen, daß einem in diesem Grade sich erhaltenden Mißtrauen unmöglich zu entsprechen sey. Schon die Ansammlung so bedeutender Volksmassen in der Nähe der Bank ist bedenklich, und doch sind derartige Zusammenrottungen nicht zu wehren, und es erscheint als eine unselige Nothwendigkeit, blinkendes Eisen vorzuhalten, wo mit vollem Recht blinkendes Silber cingefordert wird.
Wien, 21. Mai, (A. Z.) Es herrscht heute eine sehr niedergeschlagene Stimmung. Schon die gestern Abend aus Italien bekannt gewordenen Nachrichten trugen hiezu bei. Dazu kommen nun die Nachrichten aus Böhmen vom 19. Deutsche und Tschechen hatten sich in ein „freies Böhmen" vereint, direkte Depeschen zwischen dem Hof und dem Gubernium waren gewechselt und dem Ministerium in Wien „Abschriften" geschickt worden. Heute früh verlautete, daß 10,000, nach andern 20,000 Arbeiter vorbätten,' in die Stadt zu kommen und mit Fahnen und Musik ihren Umzug zu halten , um sich für die ihnen zugewandte Arbeit zu bedanken. Man bedeutete sie, diese Demonstration bis zur Rückkehr des Kaisers auszuschieben, schien aber dem Landfrieden nicht recht zu trauen, denn ein Theil der Nationalgarde ward — in der Stille beordert, die Thore besetzt zu halten.
' Man ist nun selbst im größeren Publikum mehr und^nehr überzeugt, daß fremde Emissäre (vor allen Polen und Franzosen, deren so viele in Wien als bei den Unruhen in Berlin bemerkt wurden) ihre Hand im Spiele haben. Briefe und Zeitungen aus Paris vom 15. sollen eine Wiener Demonstration für diesen Tag bereits angezeigt haben, und daß am gleichen Tage Bewegungen in Paris und Berlin vorfielen, wird wohl niemand als Spiel des Zufalls erklären. Daß aber, wie aus guter Quelle versichert wird, man in Krakau am 15. gleiches vorhersagte, überhebt uns weiterer Andeutungen.
Inzwischen werden außerordentliche Demonstrationen vorbereitet, um die Rückkehr des Kaisers herbeizuführen. Der Schriftstellerverein kündigt eine Riesenpetition dazu an, und fordert die gesammte Bevölkerung Wiens auf, sich ihr anzuschließen.
Von den letzten Vorgängen in Wien berichtet die D. Ztg. folgende bezeichnende Einzelheiten: Einzelne Kompagnien der Bürger- und Nationalgarde waren ausgerückt, ohne zu wissen, um was es sich eigentlich handelte. Nur jene Kompagnien, welche ihre Abgeordneten im Komite des Zentralvereins hatten, nahmen gleich im Anfang Theil an der bekannten Petition. So war z. B. auf dem Josephsplatz (zunächst der Burg) eine Kom- pagnie Bürgergarve ausgestellt, der man gesagt hatte (w^