Wir wollen keine indirekte Wahlen bei Beschickung des Parlaments und der Landeskammer. Das Institut der Wahl- mänuer hat sich bei seiner ersten Anwendung nicht bewährt und glauben wir fest, daß der Bolkswille in Ausstellung seiner Ver- treter durch Urwablcn größere Verbürgung hat, als wenn Einzelne ihn repräsenti.en.
Endlich schei it uns durch die in dem Entwurf angenommene Stimmenzahl die Gültigkeit eines für 40 Millionen bindenden Beschlusses zu wenig gesichert und müssen nach unserer Ueberzeugung wenigstens zwei Drittel der Gesammtstimmen sich dafür" entscheiden.
Was wir für die Zukunft unseres deutschen Vaterlandes Großes und Glückliches hoffen, ist, hochgeehrtester Herr, nach unserem wohlerwogenen Ermessen an die Verwirklichung dieser Wünsche geknüpft, die wir darum vertrauensvoll dem Manne unserer Wahl hiermit aussprecheu und seiner wärmsten Vertretung empfehlen.
Hochachtungsvoll verharren die Wahlmänner deS nassauischen Wahlbezirks Hadamar, Rennerod rc.
Z- Hadamar, 20. Mai. In Nro. 42 der Nass. Allg, Ztz. vom 13. Mai tritt unter dem ominösen Zeichen von doppeltgewundenen Widderhörnern gegen gewisse Zustande unseres öffentlichen Vebenè ein Ritter aus, der gerade die schwarze Maske, die ihn verhüllen soll, bemerklich macht und dessen Patriotismus eben so neu und berechnet ist, wie seine Hingebung für Herrn v. Gagern und seine Beamtenpietät für den Lan- dessürsten. Die Feinde, gegen die er seine Lanze einlegt, sind Windmuhleufiügel, wie weiland bei Sancho Pansa.
Wie das Erscheinen des Landesherrn auf dem Wester- waldc, das, beiläufig gesagt, nicht ohne Grund herangezogen sein mag, die aus dem tiefen Bewußtsein der Westcrwälder hervorgegangene Wahl des Herrn v. Gagern zum Vertreter bei dem deutschen Parlamente bekunden soll, ist nicht ganz klar. Doch lassen wir dem Ritter seine Logik. Auch wir sind mit der Wahl einverstanden , wenn wir auch als nähere Zeugen an das tiefere Bewußtsein nicht so ganz glauben können und verehren die Ge- siunungstüchtigkeit des Herrn von Gagern, ohne deshalb mit seinen Ansichten über den Reichsgrundgesetz-Entwurf im besonderen einverstanden zu seyn. Die eigenthümliche Geltendmachung unseres Schweigens über diesen letzten Punkt, bei Gelegenheit der beregien Gagern'schen Erläuterung und die darin beabsichtigte Verdächtigung von hiesigen Ehrenmännern, hat zunächst hier empört und soll durch diese Zeilen auf den wahren Sachverhalt zurnckgeführt werden.
Mit mehreren Punkten des im Entwurf bekannt gewordenen Rcichsgrundgesktzes war man auch hier bereits vor der Ankunft des Herrn von Gagern nicht einverstanden, und weder die von diesem nachher gegebenen Erläuterungen in der Kirche noch die Ansprache des badischen Deputirten Hrn. Buhl konnte uns hierin anderen Sinnes machen. Namentlich konnten wir uns nimmer überzeugen von der Nothwendigkeit ja Uugefährlich- keit eines Kaisers als erbliches Reichsoberhaupt; wir konnten kein Heil erblicken in dem proponirten Zweikammersystem und fühlten uns in dieser Ansicht noch mevr bestärkt durch die traurige Stellung, die Hr. Buhl der Volkskammer im Gegensatze gegen das Oberhaus angewiesen hat; wir wollen keine indirekte Wahlen, da wir deren unselige Folgen in niederen Bereichen dahier vollkommen erlebt haben; wir halten die Bestimmung, daß nur V, der Parlamentsglieder zur Fassung eines giltigen Beschlusses erforderlich sey, für gefährlich und wollen, daß die Mitglieder des Reichsgerichtes durch das Parlament auf Lebenszeit ernannt und in ihrer Stellung durchaus unabhängig seyen.
Haben wir diese Bedenken nicht geltend gemacht bei Anwesenheit unseres Vertreters und der allerdings geschehenen Aufforderung i i der Kirche, unsere Gegenansicht öffentlich vorzubringen , nicht entsprochen, so hatten wir hiezu edlere Motive, als der angezogene Artikel uns unterlegen will. Vorerst theilen wir mit seinem Konzipienten nicht das Streben, durch unberufenes und nnzeitigeS Vordrängen auf die Rednerbühne uns eine politische Wichtigkeit zu curangireu, die das Ergebniß reellerer Verdienste seyn muß. Auch wollten wir in dem Vortrage des Herrn M. v. Gagern nur sein politisches Glaubensbefenntniß trkennen, und glaubten den Zweck seines Auftretens in der Kirche darauf beschränken zu müssen, erkannten darum auch die Aufforderung zur Gegenrede als bloße Form, da hier weder Ort noch Zeit eine allseitige Ausgleichung unserer divergirenden Ansichten, die das Wohl und Wehe von 40 Millionen Deutschen betreffen, erlaubten. Zudem waren wir über eine geeignete Form, unser Bedenken geltend zu machen, bereits im Reinen, wir wollten sie in einer schriftlichen Erklärung an den verehrten Vertreter
zusammenstellen und zur ruhigeren Erwägung und Berathung ihm übermitteln.
Ob wir bei solchem Vorbehalte des Berufes und dw Kra^t mit der Gegenansicht in die Schranken zu treten, ermangelten und in unedler Weise die Abreise der Gewählten erwa f teu, um als- Redner leichteres eviel zu haben, daS überlassen wir getrost dem kompetenteren Urtheile , das uns jener Korrespondent, der nach seinem persönlichen Maßstabe Andere, wie gewöhnlich, bemißt, nicht vertritt. Und warum hat derselbe Mann dieses leichte Spiel nicht zum schwereren gemacht und offen und ehrlich die Ansicht bekämpft? Das wäre doch wenigstens eine ehrliche Gelegenheit gewesen, die auf so manchen Winkelzügen erstrebte Volksthümlichkeit zu bewähren.
Am Schlüsse seines Artikels läßt endlich der Volksmann die armen Westerwälder vor einer Sense erschrecken, die ein spekulativer Schloffermeister des Orts zur Kriegswaffe nmformte, um ihr dadurch den Absatz, den sie als friedliches Ackerbauwerkzeug nicht gewinnen konnte, zu verschaffen. Hier hat ihn aber seine bekannte Spürgabe irregeführt.- die Sense war und blieb ein Gegenstand deö Lachens und konnte nur zum Punkt des Entsetzens werden in der Phantasie eines fahrenden Ritters, der mit stumpfer Lanze gegen Windflügel stürmt.
Frankfurt, 23. Mai. (F.J.) Unter den in der heutigen Sitzung der konstituirenven Versammlung verkündigten Eingaben befanden sich mehrere, welche die Beschleunigung des Ver- faffungswerkes für Deutschland, und zu diesem Ende die Ein- setzung von Kommissionen, Permanenz-Erklärung der Versamm-- lung u. f. w. bezwecken. Behr beantragt die Theilnahme der deutschen Fürsten an den Berathungen durch Absendung von Stellvertretern. Ein Antrag von Reh bezweckt die Unverletzlichkeit der Mitglieder der National-Versammlung, andere beste, hen sich auf Handels- und ZoUfragen, Marinesteuer, Postwesen, Polenfrage re. In Folge der Bemerkungen mehrerer Mitglieder über das Zeitraubende des Verlesens sämmtlicher Anträge wird beschlossen, künftig nur die Namen der Antragsteller und den Betreff der Anträge anzuführen. Das Präsidium zeigt- an, daß der Vorstand des Zentralausschusses für die Wahlen aus den HH. v. Lindenau, Mittermaier und Andri an bestehe.
Hierauf erbittet sich Hr. Zitz das Wort, um in Betreff der neuesten Vorgänge in Mainz einen Antrag zu stellen. Nach einer ausführlichen Darstellung der letzten Vorgänge, in welcher der Redner nachzuweisen sucht, daß die Schuld der jüngsten Exzesse keineswegs den Mainzer Bürgern, sondern dem Benehmen der Preuß. Soldaten zuzuschreiben sey, kommt derselbe auf die von dem Festungsgouvernement getroffenen Maßregeln (Belagerungsstand, Entwaffnung der Bürgerwehr, Verbot der Vereinigungen, Absperrung der Stadt) zu sprechen, bezeichnet dieselben als die bürgerliche und politische Freiheit der Bürger von Mainz aufhebend und beantragt schließlich, daß 1) die Ausnahmsmaßregeln zurückgenommen und der frühere Zustand hergestellt, 2) den Unteroffizieren und Soldaten das Tragen der Waffen außer Dienst verboten, 3) die Preuß. Besatzung bis zu erfolgter Ablösung durch andere Regimenter außerhalb der Stadt verlegt werde.
Während seines Vortrags ging Hrn. Zitz eine Mittheilung zu, daß heute neuerdings die Stadt gesperrt und die Eisenbahn- züge eingestellt worden seyen. (Nach einer späteren Mittheilung des Hrn. Schlöffet wären heute abermals Menschen umgekommen.) Ueber den Antrag des Hrn. Zitz entspann sich eine lebhafte Debatte. Nachdem zuerst Hr. Bassermann den (später zurückgenommenen) Antrag auf Tagesordnung gestellt, schlug Hr. Vogt die Absendung einer Deputation nach Mainz vor, welche über den wahren Thatbestand Erkundigung einzustebeu und schon morgen Bericht zu erstatten habe. Von anderer Seite wurde Verweisung an einen Ausschuß beantragt. Zuletzt beschloß die Versammlung, den Zitz'schen Antrag einem Ausschuß zuzuweisen, welchem die Pflicht auserlegt werde, durch Absendung einer Deputation den Thatbestand zu ermitteln. Der Ausschich erbrüt die Vollmacht, Zeugen zu vernehmen. Die Wahl desselben wurde alsbald nach der öffentlichen Sitzung in der Art vorgenommen, daß jede der 15 Abtheilungen ein Mitglied zu demselben ernannte. Die tot dem Ausschuß erwählte Deputation (HH. Hergenhahn, R. Blum, Meyern, Möhring und v. Lindenau) trat diesen Nachmittag, mit einer Legitimation von Seite des Direktoriums der Nationalversammlung versehen, die Reise nach Mainz an.
Lübeck, 18. Mai. (Lüb. K.) Wie schon gemeldet, ist unsere rasch improvisirte Artillerie mit den für die G l bütz- röhren hier angefertigleu Laffeteu dem Gros deö Konnng ntS