Mitglied der Minderheit, erklärte sich gegen das Hervortreten als Dissenters ; man müsse sich der Mehrheit fügen. (Biele Stimmen: Das thun wir auch.) Die Sitzung wurde um 2 Uhr geschlossen, die nächste auf morgen früh 10 Uhr anberaumt.
CD. P. A. Ztg.)
* Nasch verhejsseu und langsam erfüllt.
Mau macht zwar oft viel Worte darüber, daß wir ein öffentliches politisches Leben in Nassau gewonnen hätten, wenn man'S aber bei'm Lichte besieht, dann ist von dieser Oeffentlichkeit zur Stunde noch blutwenig vorhanden. Wir haben eine freie Presse, wir haben eine öffentlich tagende Kammer, — also die Kontrolle, die Kritik der Staatsverwaltung ist eine öffentliche, aber das eigentliche Schaffen und Bilden im Schooße der Verwaltung selber, was geschieht, was nicht geschieht, wie etwas geschieht — das Alles ist noch eben so tief in das Dunkel der Kanzlei-Heimlichkeit gehüllt, wie irgendwann. Oder wer mich dessen Lügen strafen will, der Pebe auf und sage mir doch einmal, welchem Laien eigentlich ein Einblick vergönnt ist in das innere Getreide unseres Ver- waltnngswescns, unseres Finanzwesens rc.? Wo weiß man denn im Publikum etwas mehr als allgemeine, unbestimmte Thatsachen, allgemeine, runde Zahlen? Wer kann denn eigentlich heute mit Gewissenhaftigkeit eine Kritik unserer staatlichen Zustände schreiben? Keiner, als höchstens die, welche selber in ter Regierung, im Ministerium, in der Rechnungskammer sitzen; und die werden sich wohl hüten. Das Bedürfniß nach einer derartigen Kritik ist aber vorhanden, denn Jeder fühlt das Unbehagliche unserer alten Zustände, die immer noch nicht recht neu werden wollen. Weil es nun aber an Kenntniß der Thatsachen mangelt, darum wirft sich die Kritik auf Personen. Wenn dieses ewige Anfeinden der Persönlichkeiten, dieser unermüdliche Guerillaskrieg, den ein Theil unserer Zeitungöpresse gegen alle öffentlichen Charaktere unseres Landes von A—Z das ganze Alphabet hindurch führt, den Herren, die oben sitzen, nicht gefällt — (uns gefällt es übrigens, beiläufig gesagt, auch nicht) — dann haben sie sich's selber zuzuschreiben. Gäben sie uns die Thatsachen frei, dann würde sich kein Mensch darum kümmern, ob der Regierungsrath X oder I im Kollegium sitzt, dann wurde man sich nicht vor vetterschastlichcn Drei- und Vier- Männer-Herrschaften fürchten, nicht jeden volksthümlichen Mann sogleich gehässig ansehen, darum und weil er in ein öffentliches Amt eintritt u. s. w. u. s. w. — Ueberall hat man das dunkle Gefühl, daß noch Vieles mangele, Vieles nichts tauge in unserem Staatswesen, aber wo der Schaden nun im Einzelnen sitzt, das wissen wir Laien nicht, das wissen blos die Eingeweihten. Die Laien — d. i. aus deutsch das Volk — wollen es aber wissen und haben ein Recht, dies zu fordern, und es ist die heiligste Pflicht unserer Landstände, immer und überall auf die Nachweise im Einzelften zu dringen. Diese find bisher noch niemals gegeben worden, man hat immer nur in runden Bauschsummen mit der öffentlichen Meinung abgerechnet und über dieser runden Rechnung wäre in der Èchat die Sache beinahe zu rund und der Staat beinahe bankerott geworden.
Wir haben jetzt ein konstitutionelles Ministerium. Die eigentliche Lebenslust eines solchen aber ist überall die Oeffentlichkeit. Das Ministerium dürfte die in überreichem Maße gebotene Gelegenheit, durch die Presse dem Volke Rechnung abzulegen von seinem Thun und Lassen, nicht vorübergehen lassen. Allein in unserem Nassau, wo man bisher vor dem Zeitungswesen sich gefürchtet hat, wie die gebrannten Kinder vor dem Feuer, wo die Leute sogar „mißliebig" werden konnten, wenn sie die Regierung in Zeitungen lobten! — in unserem Nassau will man es der Presse noch immer nicht zugestehen, daß sie eine Macht sey, eine Macht, die so gewaltig seyn kann, wie die Macht der Regierung, und die, wenn man sie durch Mißachtung — welche zugleich eine Mißachtung der öffentlichen Meinung ist — zum Aeußersten treibt, der Regierung sogar über den Kopf wachsen kann. Wir halten das Letztere für einen verderblichen und gefährlichen Zustand — aber wie gesagt, die Regierung kann ihn herbeiführen durch fortdauerndes Mißachten und Ignoriren der Presse; sie ist es allein, welche eine liberale Presse radikal, eine radikale anarchistisch machen kann, und wenn dann den anarchistischen Aufstachelungen die Anarchie selber auf dem Fuße folgt und ihre Geißel über Volk und Land schwingt, dann würde der erste und ärgste Fluch nicht die Presse, sondern die Regierung treffen.
D c u t f ch l a it d.
* Wiesbaden, 23. Mai. Soeben erfahren wir, daß d« Festung Mainz aus's neue geschlossen ist. Die Frankfurter Na^ mittagspost mußte bereits ihren Weg von Hochheim direkt hm her nehmen. Dem Gerüchte nach soll H. von Gagern (gj in seiner Eigenschaft als Reichstagspräsident oder als hessische Minister?) sich in Mainz befinden, um zu vermitteln und bei Bürgern die Rückerstattung ihrer Waffen auszuwirken. Eii Bürger soll heute wieder auf der Straße getödtet worden seyn
In der O.P.A.Ztg. lesen wir aus Mainz vom 22.: A den Opfern von gestern sind heute noch zwei gekommen. Ei- Schreiner, Familienvater, wollte für seine kranke Frau eine! Krug Wasser holen; ein in der Nähe stehendes Piquet Preuße: rief ihn an, nicht weiter zu gehen, und kaum wollte der Arnit umwenden, als ihn auch schon die^Kugel in's Herz traf. Eik anderer, ein Tüncher, der an der Stadtmauer wohnt, ebenfalls Familienvater, wollte seine Wohnung zu erreichen suchen, unl auch dieser fiel, von einer preußischen Kugel getroffen; selbst eir junger Mann, der an einer preußischen Kaserne vorüberginz wurde durch einen Steinwurf am Kopse aus der Kaserne herauf verwundet. Ebenso fielen heute morgen aus preußischen Kasetz nen auf Vorübergehende Pistolenschüsse. Um 27, Uhr durstet die den ganzen Morgen festliegenden Boote abfahren, doch wurm noch keines zugelassen. Die Rheinbrücke ist auch wieder aufgu fahren und die Eisenbahn im Gange, sonst aber noch alle Koni- munikation gehemmt. .Die Waffen sind bis auf 90 Muskete: abgeliefert. Der Vizegouverneur war gestern in großer Gefahr,: eine Flintenkugel streifte seine Epaulette.
Mainz, 20. Mai. (D. Z.) Die Langmuth gegen bii verbrecherischen Angriffe auf die Schleppboote hat nun ein Ende Der Provinzialkommissär läßt so eben bekannt machen, daß bit Regierungen der Rheinuferstaaten sich entschlossen haben, den Dampfschleppschifffahrtsgesellschasten nicht nur den vollen Schutz zu gewähren, den sie überhaupt beanspruchen können, sondern auch die einzelnen Schleppboote mit Militär zu bemannen, welches beauftragt ist, gegen jedes Attentat auf die vorbeiziehenden Boote den vollen Gebrauch der Waffen zu wenden.
Zugleich aber ist dem Schifferstand in dieser Bekanntmachung eröffnet, daß seit gestern in Mainz Kommissäre der Rheinufer- staaten zusammengetreten sind, um die Interessen der rheinischen Segelschifffahrt mit den Bedürfnissen des Handels und den Rechten der Dampfschleppschifffahrtsnntcrnchmungen so schnell und so weit als möglich in Einklang zu bringen, und daß bereits Re verschiedenen Dampfschleppschiffsahrtsgesellschasten zur Erreichung dieses Zweckes anerkeuncnswerthe Erbietungen gemacht haben.
Mannheim, 15. Mai. (Quousque landein!) (Mannh I.) Es scheint, die Hetzereien in Baden, die schon so viel Unheil angestiftet, sollen noch nicht aufhören. Der jetzt unter Verantwortlichkeit des Herrn Gemeinderath Hoff erscheinend! „Deutsche Zuschauer" ist (No. 20) wieder voll Schmähungen gegen die „Halben", die „Maulhelden." Sie seyen es, welch die Freiheit „verrathen." Männer, wie Gagern, Welcker, Soiron, Mathy, Bassermann, seyen „in die Fußstapfen Metternich getreten." Angriffe auf Mathy füllen das halbe Blatt, dessen schönste Stelle wohl die Drohung mit einer Gewaltherrschaft der Guillotine ist, gegen welche das Jahr 1793 nur Kinderspiel seh — Hat Baden, namentlich Mannheim, ein solches Gehetze nich endlich satt? Wer in Frankfurt Gelegenheit hat, die Abgeordneten aus allen Theilen Deutschlands zu sprechen, der weiß, welch ein Widerwille überall gegen das Treiben in Baden besteht, der weiß, wie das, was in Offenburg, Freiburg, im Seekreis, in Mannheim vorgefallen, überall in Deutschland eine Reaktion i« den Gemüthern hervorgerufen, die der Freiheit gefährlicher werden wird, als alle Regierungsmaßregeln. Es scheint aber, Wel cker und Bassermann haben vergebens vor dieser Reaktion gewarnt Sie wird noch wachsen, wenn in Baden die Hetzereien »ich aufhöreu, über die sich Niemand freut, als die Feinde der Freiheit. So wie Metternich im Jahre 1833 prophetisch an seinen Freund schrieb, „das Hambacher Fest kann noch ein Fest der Guten werden," und wie auf jene Zeiten der Uebertreibung die traurigen Jahre der Blittersdorf'schen Reaktion folgten, so wird es auch jetzt wieder geschehen, wenn man nicht einsieht, daß an die Stelle des Verdächtigens und Zerfleischens ein festes Zusammenhalten treten sollte, wie dies so lange in Baden, und namentlich in Mannheim, bestanden, und wahrlich nicht zu unserem Ruhme bestanden hat.
Berlin, 20. Mai. (K. Z.) Die Hoffnung, daß der Kampf in der Provinz Posen mit den letzten hitzige» Gefechten, in welchen die Polen stets entschiedene Niederlage«