Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^U Sâ Donnerstag den 25. Mai 1848.
Die Nass. Altg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden S ff., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Groß Herzog thu ms und KurfürstonthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt * fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes Ä fl. 40 fr. — Jnserate werden die drei- svaltige Petitzeile oder deren Raum mit S fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. «Lchelleuberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Dom Reichstage.
Rasch verheißen und langsam erfüllt.
Deutschland. Wiesbaden (Mainz auf's Reue gesperrt. Einzelnheiten).
Mannheim (Die Hetzereien). — Berlin (Der Kampf in Posen. Ein
druck der Wiener Nachrichten. Aus Warschau). — Posen (Heimliche
Mordthaten). — Hamburg (Die Friedensaussichten). — Prag (Die
Wahlen für Frankfurt). — Wien (Man will die Republikaner hängen).
Donanfürftenthümer. Hermanstadt (Die Ungarn und Kroaten).
Rußland. Von der Gränze (Baarvorräthe in Petersburg).
Frankreich. Straßburg (Das Nationalfest, ruhig abgelaufen).
Niederlande. Mastricht (Angebliche Proklamation in Betreff Limburgs). Nachschrift. Paris (Nationalversammlung. Das Nationalfest. Der Staatsprozeß. Die Garnison von Paris. Die Insel Korsika. Regent
schaft und „konstitutionelle" Republik).
Vom Reichstage
Frankfurt, 22. Mai. In der Sitzung der deutschen Nationalversammlung vom 19. Mai war beschlossen worden, den Naveaur'schen Antrag: daß denjenigen Mitgliedern der deutschen Nationalversammlung, welche zugleich für die preußische konstituirende Versammlung gewählt seyen, frei stehen solle, beide Wahlen allzunehmen, — auf die Tagesordnung der nächsten, also der heutigen Sitzung zu stellen. Demzufolge erhielt vor allein der Antragsteller das, Wort, nachdem vom Vorsitzenden das Vorliegen verschiedener Verbessernngsvorschläge und Unteranträge angezeigt worden war. Raveaur bemerkte, daß wenn tr die Stellung vom Amendement erwartet habe, daß er deßhalb eine anfangs beabsichtigte Modifikation seines Antrags unterlasse, da er voraussichtlich mit einem dieser Vorschläge sich werde ver- emtgen können. Die durch ihn angeregte Frage greife auf das llefste ein in die Rechte der einzelnen Ständeversammluugen; es handle sich um das Prinzip, ob neben der deutschen Nationalversammlung noch eine einzelne konstituirende Versammlung gleichzeitig verhandeln könne. Der Fünfzigerausschuß habe dies einstimmig verneint. Nicht ausgeschlossen sey übrigens nach leliier Ansicht, daß für innere Angelegenheiten, für die nöthigen Maßregeln zur Aufrechthaltung der Ordnung Versammlungen zusainmenträten und beschlösse». Was man aber wahrscheinlich «^schlagen werde, nämlich die einzelnen Ständeversammlungen mit Vorbehalt der, durch die Beschlüsse der Reichsversammlung
werdenden Aenderungen beschließen zu lassen, sey das gefährlichste. Eme solche Klausel entwürdige die Kammer, der llkstellt werde ,^ die übrigens ihre einmal gefaßten Beschlüsse so leicht nicht zurucknehmen werde. In Preußen kenne er viele, velche mdirettc Wahlen oder einen Zensus verlangen; sehr leicht könne hier anders beschlossen werden. Der gewählten Form werde er (der Redner) sich fügen, aber das Prinzip müsse gewahrt werden. r " 0
„ „Als Heckscher, sich berufend auf die provisorische Ge- lchaftsordnung (Abschn. V., 3.) verlangte, daß der Raveaur- >chc Antrag entweder an einen Ausschuß gewiesen oder für so dringend erklärt werde, daß eine sofortige Verhandlung statthabcn
' war für eine "Reihe von Rednern die Form gefunden, den Gegenstand der Tagesordnung nochmals vorläufig zu vertagen.
Eisenmann nannte es eine kurze Vertagung, im Interesse der Abkürzung und Beschleunigung, da es der Kommission wohl möglich werden könne, so manche von den vielen Verbesserungsund Unteranträgen zu vereinigen. — Man erwähnte wieder die Wichtigkeit der Sache, und daß es sich um ein großes Prinzip handle, welches mit aller Gründlichkeit erwogen werden müsse. (Biedermann.) Man fand in dem, was Raveaur gesprochen, eine Erweiterung und Veränderung seines ursprünglichen Antrags, worauf Raveaur sich veranlaßt sah, zu erklären, daß er bei seinem Anträge geblieben sey, daß er nur erklärt habe, einem Amendement sich anschließen zu wollen, welches denselben weiter ausdehne. Spreche man übrigens ein Prinzip gegen Preußen aus, so geschehe cs auch nach überall hin. Fürst Lich- nowsky machte geltend, daß, da die preußischen Abgeordneten bereits in Berlin versammelt seyen, ein Beschluß, der noch ein- wirken wolle, zu spät komme, daß also durch reifliche Ueber- legung nichts mehr versäumt werde. Der preußische Landtag sey der allgemeinen Reichsversammlung untergeordnet; wenn deren Beschlüsse den [einigen entgegenständen, so würde er diese aufheben. Auch sey nicht zu besorgen, daß beide so sehr weit auseinanderfielen, nachdem bereits viele Konstitutionen in Deutschland beständen. (Welcker.) — Diesen Argumenten wurde (von Eisenstuck, Cetto, Venedey rc. rc., insbesondere von Wesendonk) entgegengehalten, daß ein Beschluß schon vorliege, da der Antrag bereits auf die heutige Tagesordnung gesetzt sey. Wolle man einigen Paragraphen der in Bausch und Bogen angenommenen Geschäftsordnung zu Gefallen, wenn sie überhaupt im vorliegenden Falle noch zur Anwendung kommen könnten, die nothwendige Entscheidung darüber hinausschieben, ob die hiesige Versammlung der Reichstag sey, oder die Versammlung in Berlin ? Vor 3 Tagen habe man gesagt, es sey zu früh zur Berathung, fetzt habe man von der Tribüne sagen Hören, es sey zu spät. Man habe 3 Tage Zeit gehabt, sich eine Ansicht zu bilden; und wäre es nicht der Fall, so solle ja heute noch nicht beschlossen, es solle nur die Berathung begonnen werden. Was man im Interesse der Gründlichkeit spreche, sey nur ein Mittel, die Frage zu beseitigen. Man habe gesagt, daß die Beschlüsse der beiden Versammlungen wahrscheinlich nicht in großen Widerspruch treten würden, jey eine solche nur behauptete Wahrscheinlichkeit ein Grund, die Beseitigung der Gefahr zu unterlassen? Heckscher verwahrte sich am Schluffe der Debatte dagegen, als ob er eine Verzögerung beabsichtigt hätte. Er sey persönlich von der Dringlichkeit der Sache überzeugt; damit aber von der Regel abgegangen werden könne, müsse die Versammlung die Dringlichkeit der Sache aussprechen. — Die Mehrheit aber verneinte die vom Vorsitzenden gestellte Frage ob sie die durch den Ra- veaur'schen Antrag erregte Frage für so dringend erachte, daß ohne Verweisung an einen Ausschuß unmittelbar verhandelt werde. Der Ausschuß soll durch die Abtheilungen heute um 4 Uhr gewählt werden, und um 6 Uhr zusammentreten. Ein Vorschlag Mittermaiers, demselben die Berichterstattung für morgen aufzugeben, wurde abgelehnt. — Einen lebhaften Sturm erregte Eisen stuck, als er Angabe der Namen verlangte, damit das Volk die Männer kennen lerne die nicht alles in's Schleppschiff nehmen. Vom Präsidenten zur Ordnung gerufen, stellte er die Aufforderung an die Minorität, ihre Namen nach Abschnitt V1, 3 der Geschäftsordnung zu Protokoll zu geben. Pla thu er verwahrte die Mehrheit gegen Verdächtigungen; es würden Tage kommen, wo feder zeigen könne, wie werth ihm sein Vaterland sey. Schwctschke,