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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M SS. Mittwoch den 24. Mai 1848.

Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige PrânumerayönSPreiS ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des HerzoglhumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes Ä fl. 40 fr. Inserate werden die drei­spaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schc)lenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen. ' . .

Uebersicht.

Französische Zustande.

Deutschland. Wiesbaden (Eröffnung des Landtages.) Mainz

(Die Unruhen). Fran kfurt (Der Kaiser von Oesterreich hat Wien verlassen). Eisenach (Die Herzogin von Orleans). Bonn (Pro­fessor Walter). Stuttgart (Moriz Wohl). Berlin (Die Hand­werker. Die Dinge in Posen).

Frankreich. Paris (Vermischtes. Die Nationalversammlung). Nachschrift. Wiesbaden (Die erste Sitzung des Landtages).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Französische Zustände.

i Wiesbaden, 22. Mai. Einem Artikel des belgischen Blattes:rindegendanpe vom 20. d. M. entnehmen wie folgende sich auf die dermaligen französischen Zustande beziehende Bemerkungen:

Der 15. Mai ist nicht nur für die Ordnung im Innern, sondern auch für den allgemeinen Frieden von Vortheil gewesen. Das in vergangener Woche zu Paris verbreitete Gerücht, daß demnächst eine Aushebung von 200,000 Rekruten stattfinden würde, findet keinen Glauben mehr und es ist wahrscheinlich, daß, w(nn dieses Projekt wirklich eristirt hat, es jetzt vollständig aufgegeben ist.

Die National-Versammlung hat für ihre abgegangenen Vize­präsidenten, Recurt und Cavaignac, welche beide in's Mi­nisterium getreten sind, die Herren Mar rast und Bethmont erwählt.

Die Untersuchung bezüglich des Angriffs auf die National- Versammlung wird thätig fortgesetzt und gibt zu eigenthümlichen Zwischenfällen Veranlassung. Die Verhaftung oder die Nicht­verhaftung gewisser Personen, das mehr oder weniger von Andern unterstützte Entkommen, der auf vielen Beamten ruhende Verdacht, über welchen keine Aufklärung gegeben wird Alles dieses ist ein vielleicht nie vollständig zu lösendes Geheimniß. Eine ^batsache ist gewiß, daß nämlich der gefährlichste Verschworne, Blanqui, sich noch in Freiheit befindet und man seinen Auf­enthalt durchaus nicht weiß. Die offiziellen und halboffiziellen Organe sprechen nur dunkel und mit Zurückhaltung über die -Verschwörung, so wie über den größeren oder geringeren Antheil, den^Vlele an derselben genommen zu haben scheinen. Eine un­sichtbare Hand beschützt die Verschwörung, und wahrscheinlich wird noch in der National-Versammlung Auskunft über dieselbe verlangt und dadurch die schon in ihren Verhandlungen herr- lchende Aufregung vermehrt werden.

Nach dem Vorgefallenen zu urtheilen , scheint bei den ver- Ichiedenen Parteien der National-Versammlung die Intrigue eine Hauptrolle zu spielen und weniger die wahren Interessen Frank- Lreichs Man hätte wahrlich, von dieser unter solchen Umständen ^erwählten Versainmlung Anderes erwarten dürfen.

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Deutschland.

G Wiesbaden, 22. Mai. So eben hat Seine Hoheit der Herzog die neue Ständeversammlung- persönlich eröffnet. Die Wehrmänner unserer Stadt, mit Ausnahme derjenigen Staats­beamten, welche der Eröffnung nothwendig beiwohnen mußten, waren unter den Waffen und bildeten vom herzoglichen Palais bis zum Regierungsgebäude Spalier. Sie konnten nur die äußere Seite der Feierlichkeit beobachten, hatten aber schon dabei Gele­genheit genug, Betrachtungen über den Wechsel der Dinge und Vergleichungen zwischen Sonst und Jetzt anzustellen. Wäh­rend noch bei der vorigen Staude-Eröffnung auch nach dem 4. März die herzoglichen Säufer paradirten, waren solche heute nicht zu sehe», eben so wenig die vielen altfränkischen goldgestickten Uniformen, die damals noch in einem so auffallen­den Kontrast gegen die bürgerliche Kleidung der Wehrmannschaft standen. Hoffentlich find die Zivil-Uniformen alten Schnitts für immer mit allem Zopfe, der daran hing, verschwunden und werden äußere Abzeichen der Staatsdiener fortan nur da sichtbar w rden. wo sie zur Ausübung des Amtes nöthig sind. Der in Ruhestand versetzte ehrenwerthe Regierungspräsident M. zeigte sich während der Feierlichkeit mehrmals frei und offenen Visirs am Fenster seiner Wohnung, wogegen der ehemalige Polizei- Chef aus dem schräg gegenüberliegenden Kasino-Gebäude^ hinter den Fenstern hervorlugte Beides auch ein Anlaß zu mancher stillen und lauten vergleichenden Bemerkung unter den Wehr­männern.

T Mainz, 22. Mai. Die neuesten, höchst beklagenswcrthen Ereignisse hierselbst begannen gestern Abend in einem Bierhause mit Neckereien zwischen zurückgekehrten Schleswig-Holstein'schcn Freiwilligen und preußischen Soldaten. Man ging bald zu Thätlichkeiten über, und anwesende Turner sowie Preußen eilten hinaus, um Hülfe zu holen. Auf dem Gutenbergsplatze ent­spann sich alsbald ein förmlicher Kampf, in welchem elf Preußen auf der Stelle blieben und zwanzig verwundet wurden. Der große Verlust bei dem Militair erklärt sich durch die Ungleichheit der Waffen, indem die Soldaten nur ihre Säbel hatten, auf der andern Seite aber von vornherein die Muskete zum Schuß und Stich angewendet wurde. Auf einem andern Platze hatte das Militär Gewehre, schoß aber, wie es scheint, in die Luft, da nur zwei Bürger gefallen und nur einige unbedeutend ver­wundet sind.

Diesen Morgen soll noch ein Bürger erschossen worden seyn. Derselbe wollte sich so wird erzählt einem vom Militär besetzten Brunnen nähern, und als er sich, auf Abmahnen der Wache, entfernte, so that er das mit einer für das Militär so beleidigenden unanständigen Bewegung, daß einer der Soldaten ihn erschoß.

Die Entwaffnung der Bürger hat großentheils schon statt­gefunden, und werden, um sie vollständig zu machen, hier und da noch Haussuchungen vorgcnommen.

An den Straßenecken liest man vom Festungs-Kommando ausgehende und die Erhaltung der Ruhe betreffende Plakate.

Eine Proklamation des Festungskvinmandanten sagt, daß die Streitigkeiten zwischen Bürgern und Soldaten bereits zur Tödtung und Verwundung mehrerer Soldaten geführt hätten, demzufolge seit bereits gestern Abend vollständige Auslieferung aller Waffen verlangt worden. Dies sey jedoch nur theil- weise geschehen. Demzufolge habe man Schließung der