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Spiel zu früh verrieth uitb nicht nur dadurch ihre Gegner be­waffnete, sondern auch die Sympathieen eines großen Theiles der Bevölkerung Berlins erkaltete. Das Ministerium Kamp­hausen hat einen ziemlich vollständigen Sieg davon getragen. Es hat der Demonstration nicht gewillfahrt und hat zugleich gestern eine Erklärung gegeben, welche den großen Theil der Berliner Bevölkerung zufrieden stellt. Der Prinz von Preußen kommt zurück, aber erst nach dem Zusammentritte der konstitui- renden Versammlung, und nicht ohne vorher öffentlich seine Zu­stimmung zu der neuen konstitutionellen Bahn der Staatsdinge Preußens erklärt zu haben.

Die Ruhe ist gestern, trotz der vorgestrigen Drohung des Hrn. Held, nicht gestört worden. Dazu kommt, daß die bis­herigen entschiedensten und begabtesten Führer der radikalen Partei aus verschiedenen Gründen eine rückgängige Bewegung machen. Hr. Jung hat seit dem 13. sich an keiner Volksver­sammlung und auch bei der Demonstration vom 14. nicht mehr betheiligt, da er seine Stellung als Deputirter der Berliner konstituirenden Versammlung nicht kompromittiern will. Hr. Eich­ler geht nach Frankfurt, wohin er in irgend einer kleinen Stadt gewählt ist. Bleibt allein Hr. Held übrig, den setzt das Mini­sterium leicht wegen seiner Aufforderung zur bewaffneten Volks­versammlung in Anklagestand versetzen könnte, wenn es nicht vorzöge, dem geschlagenen Feinde lieber eine Brücke zu bauen. So weit ist nun Alles gut, und dieser Ausgang kann so weit , für den Freund gesetzlicher Ordnung nur erwünscht seyn. Aber die Sache hat auch noch eine andere Seite, von der aus man sagen kann: Noch ein solcher Sieg, und das Ministerium oder die Sache der Freiheit ist verloren.

Heute in den Frühstunden wurden verschiedene verdächtige > Personen, deren einige bewaffnet waren, im Schloßhofe verhaf­tet. ES sollen Emissäre aus Polen fehlt. Ein junger Mann, Zögling eines öffentlichen Instituts, welcher gestern Arbeiter aufregen wollte, wurde von diesen selbst festgchalten und zur ! Wache geliefert, wo er, nachdem einer seiner Lehrer ein Pro­tokoll ausgenommen, alsbald entlassen wurde. Der junge Mann führte eine Waffe bei sich, diese mußte er indeß auf der Stelle abgeben.

Berlin, 16. Mai. (Köln. Z.) Gut unterrichtete Per- - sonen versichern , daß Dänemark im Laufe der Unterhandlun- i gen sich schon bereit gezeigt habe, Schleswig zu entsagen, daß es aber den durch sein Embargo verursachten Schaden nicht ' erstatten wolle. Preußen bestand hierauf, und die Feindselig­keiten begannen auf's Neue. Ob vom Sundzoll die Rede war, haben wir nicht gehört, doch steht zu erwarten, daß es geschehen.

Bekanntlich'sind die österreichischen Finanzen in einer eige­nen Klemme: die Völker fallen ab oder emanzipiren sich und wollen hinterdrein von den österreichischen Schulden nichts wissen, die denn zuletzt, wer weiß, auf welchem Theile, hängen bleiben werden. Diese Finanzlage hat denn ihre Wir­kung bereits bis in den Marstall des Kaisers erstreckt! von den s 300 Pferden sind 200 verkauft, oder wie es auf Oester- i reichisch heißt entlassen; die Hof-Equipagen können des- - halb nicht mehr durch Hofbeamte benutzt werden. Auch sind viele Hofdiener verabschiedet worden. Mit Metternich's Familie will die Aristokratie nichts mehr zu schaffen haben. So vergehen des Lebens Herrlichkeiten.

Krotoschin,, 11. Mai. (Voss. Z.) Sämmtliche politische Gefangene sind heute früh unter sehr starker militärischer Be- I deckung von hier nach Glogau abgeführt worden. In einem Schreiben von gestern aus dem Dorfe Robokow an der pol­nischen Gränze wird berichtet, daß die ganze polnische Gränze entlang, besonders aber bei Peisern, täglich immer mehr russische Truppen anrücken.

Wien, 14. Mai. Während unsere offiziellen Zeitungen » in der letzten Zeit oft die possirlichsten Wendungen versuchten, um die erfolglosen Manöver des F.-M. Radetzky in Italien ihren Lesern aufs sanfteste beizubringen, sprachen sich wenig­stens alle bisherigen Berichte einstimmig lobend über den Muth und den guten Geist aus, welcher unsere italienische Armee beseelt. Die neuesten Briefe aus Verona jedoch melden uns, daß sämmtliche Offiziere dieses unseres bedeutendsten Platzes allmâhlig über das Unerträgliche ihrer Lage zu murren anfangen, daß sie entblößt von allem nöthigen Kriegsbedarf, ohne anständige Kleidung und Wäscheviele Offiziere gehen buchstäblich in Lumpen einher die Schuld aller Mühselig­keiten und eines so entehrenden Mangels auf das Ministerium des Krieges und der Finanzen werfen, und daß sie erklärt

haben, die Armee zu verlassen, wofern für die Verproviantirung derselben nicht besser gesorgt werde. Sie können (eießt denken, welche aufgeregte Stimmung durch solche Nachrichten hier her­vorgebracht worden, nachdem wir unsere Armee für eine der stärksten und bestversehenen Europas zu halten gewohnt waren.

S ch w e i z.

Die neueste Berner Post meldet, daß die Anträge zu Gunsten der Aufrechthaltung der Neutralität mit großer Mehr­heit von der Tagsatzung angenommen wurden. Großen Ein­fluß hatten darauf die Nachweisungen Ochsenbeins, daß Mai­land es mit seinen Versicherungen über gleiche republikanische Interessen mit der Schweiz durchaus nicht aufrichtig und ehr­lich meine.

Schweden.

Gothenburg, 30. April. (H.C.) Der Skandinavismus hat sich plötzlich in einer Heftigkeit entfaltet, wovon man vor zwei Monaten noch keine Ahnung hatte. Die Stimmung in ganz Schweden gegen Deutschland und die Deutschen ist seit den letzten Nachrichten aus Schleswig so aufgeregt, daß sie nahe an Haß gränzt, und es stehen persönliche Reibungen und vielleicht Schlimmeres in Aussicht. Die öffentliche Meinung wird durch die Zeitungen auf das eifrigste in Dänemarks Interesse bearbeitet, ohne daß irgend ein Widerspruch sich gel­tend machte. Schweden rüstet gewaltig.

Holland.

Vom Niederrhein, 14. Mai. (A.Z.) Was man erwar­tete, ist geschehen: Graf von Schimmelp enninck und Hr. Neppen haben ihre Entlassung eingegeben und auch bereits erhalten. Somit wird jetzt ein vollständiges Reform Mini­sterium zu Stande kommen.

I t a l i e n

In Rom, wo man, sagen die dortigen Blätter, besonders 'darum die Kriegserklärung wünschte, damit die römischen Frei­willigen im Krieg unter dem Schutze des Völkerrechtes stün­den, ist es für jetzt ruhig. Die Thore und das Castell sind von der Bürgergarde (5. Mai) geräumt. Der Befehlshaber der letztern hat (am 6. Mai) seine Stelle niedergelegt, und wird durch den Principe Aldobrandini ersetzt werden. Das neue Ministerium hat ein Programm erlassen. Es verspricht vor allem die Beförderung der heiligen Sache Italiens, geordnete und friedliche , aber offene und nicht langsame Entwickelung des constitutionellen Lebecks und Rücksicht auf das Loos beson­ders der untern Klassen: bei diesen soll soviel möglich der Ar­muth, Verworfenheit und Dummheit ein Ende gegeben wer­den; es fordert aber dabei : Gehorsam vor dem Gesetz, Einig­keit und bürgerlichen Muth bei allen Gutgesinnten.

Nachschrift

Paris, 17. Mai. Eine Nationalversammlung, bewacht von Geschützen und Bajonnetten; die Volköchefs in den Donjon von Vincennes gewor en; die Bahnhöfe der Nord- und Süd­linien mit Truppen besetzt; eine Patrouille nach der andern selbst bei Tage durch die Straßen ziehend; und doch alle Welt lustig und unbesorgt vor den Kaffee's sitzend. Das ist das heutige Bild von Paris. Wichtige Dinge müssen im Herzen des Volkes vorgehen, die solche Gegensätze Hervorrufen.

Die Vorbereitungsarbeiten zu dem berüchtigten Feste auf dem Marsfelde sind eingestellt. Paris hat keine Zeit zu Schmausereien.

Huber und Blaug ui, die beiden Hauptleiter des Staats­streichs vom 15. Mai, sind, heißt cs, entflohen.

Die Arrestationen dauern fort. In den Klubbs und Pri­vatwohnungen sind Nachforschungen und eine Menge Papiere und Waffen weggenommen worden.

Die Blätter füllen sich heute mit zahlreichen Details und Nachträgen über die Ereignisse vom 15. Mai. Wir geben hier nur das Erheblichste wieder:

Lamartine und Ledru-Rolliu bestiegen kurz nach dem Volkssturme im Vorhofe der Nationalversammlung zwei Pferde und ritten dem Stadthause zu, dessen Vorderseite sich bereits mit Nationalgardenlegionen und Linientruppen füllt. An der Wcch- selbrücke (pont au Change) angekommen, rief ihnen die Natio- nalgarde zu, sie sollten sich runs Himmelswillen nicht auf den