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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

M 48. Freitag den IS. Mai 1848.

Uebersicht.

Die Pflicht des Volks gegenüber dem Parlament. Deutschland. Vom Taunus (Waldbrand). (Verschiedene Parla- mentswahlen). Berl in (Ultimatum der Minister. Die Demonstra­tion ruhig abgelaufen). Posen (Vermischtes). Hannover (Be­richt des General Halkett. Hamburg (Die schwedische Hülfe). Kiel (Die Einmischung Schwedens als Frucht der russiischen Politik). Schleswig (Nachrichten vom Kriegsschauplätze. Kostspielige Kriegsfüh­rung der Dänen).

Frankreich. Paris (Die Hetzer. Unzufriedenheit. Die Klubbs.

Die Pflicht des Volks gegenüber dem Parlament.

In Mannheim hat sich ein Verein von Vaterlandsfreunden gebildet. Er läßt ein Programm ausgehen, in welchem sich fol­gender Ausspruch über das deutsche Parlament findet, der auch uns so ganz aus der Seele gesprochen ist, daß wir wohl wün­schen, er möge in ganz Deutschland Wiederhall und Beher­zigung finden:

Wir hoffen unerschütterlich fest auf eine große, glückliche und ruhmreiche Zukunft des deutschen Volkes! Eine schöne und herrliche Zukunft wird unserem edlen Volke von nahe an 50 Millionen zusammenwohnenden Angehörigen mit dem Tage an­gebrochen seyn, an welchem neben der deutschen Freiheit auch die deutsche Einheit fest begründet ist. Zur Gründung dieser deut­schen Einheit und Freiheit ist der erste und wesentlichste Schritt geschehen durch den Zusammentritt der in allen deutschen Gauen vom Volke frei gewählten Vertreter zur deutschen Volkskammer in Frankfurt am Main. Um die deutsche Freiheit für immer zu sichern, um die durch den Zusammentritt der deutschen Volks­kammer begonnene Vereinigung aller deutschen Volksstämme zu einem mächtigen Reiche zu vollenden, ist fortan Nichts weiter nöthig, als daß das Volk seiner Kammer Vertrauen und Unterstützung gewähre, daß es den Beschlüssen der Mehr­heit seiner Vertreter Nachdruck gebe und für ihre Vollzie­hung Sorge trage; daß an seinem festen Willen die Hinder­nisse ohnmächtig scheitern, welche der Vollziehung jener Beschlüsse, sey es von verblendeten Monarchen und ihren Dienern, sey cs von irregeleiteten Massen und ihren sie mißbrauchenden Schmeich­lern, entgegengesetzt werden mögen. Was die Mehrheit der von Deutschland freigewählten Vertreter im Interesse der deutschen Freiheit und einheitlichen Macht beschließt, ob es den Erwar­tungen und Wünschen der Einzelnen mehr oder weniger ent­spreche oder nicht es ist der ausgesprochene Wille der Mehr­heit der Nation, es muß um der deutschen Einheit, um des deut­schen Friedens und um der Freiheit willen jedem Einzelnen oberstes Gesetz sein. Nur der Beschluß dieser Mehrheit und seine Vollziehung kann für die Gesammtheit von Heil seyn; alles Andere kann nur Uneinigkeit, Zwiespalt, Bürgerkrieg und Un­glück über das schöne Vaterland bringen. Wer immer den Ent­schluß mit uns theilt, den Beschlüssen der Mehrheit der deutschen freigewählten Reichsversammlung zur Seite zu stehen, ihre Durch­führung in diesem Momente der Wiedergeburt eines einigen, mächtigen und freien deutschen Reiches mit allen ihm zu Gebot stehenden Mitteln zu fördern und zu unterstützen, der ist brüder­lich in unseren Bund ausgenommen."

D e n t s ch l a n d.

Vom Taunus, 15. Mai. (F. I.) Gestern (Sonntag) waren die Abgeordneten der bassenheimischen Orte Reifenberg, Seelenberg, Schmitten, Arnoldshain zu Usingen, um mit den Abgeordneten des Grafen, gestützt auf das Sicherheitskomite zu Wiesbaden, ihre Verträge abzuschließen. Dies ist nur theilweise gelungen, und am selben Tage sind 15 Morgen baffcnheimische

Waldungen niedergebrannt worden. Das ist die Anarchie, das ist der Bundschuh und arme Konrad des 19. Jahrhunderts.

* In Rastatt ist Mittermaier, in Heidelberg Soiron, in Pforzheim Jtzstein, in Karlsruhe Zittel zum Parlaments­abgeordneten gewählt worden; in Umstadt Jaup, in Lauenburg Gabriel Rieß er.

Berlin, 15. Mai. Die Minister haben ihr letztes Wort in der Zurückberufungs-Sache gesprochen. Es lautet folgender­maßen :

Der mitunterzeichnete Vorsitzende des Staats-Ministeriums hat schon gestern in einer Antwort an den Kommandeur der Bürgerwehr die irrigen Gerüchte über den Zeitpunkt der Rückkehr des Prinzen von Preußen Königl. Hoheit wider­legt.

Dessen ungeachtet ist hierüber:am gestrigen Abende durch eine Deputation einer Volksversammlung eine neue Erklärung begehrt worden.

Zur allgemeinen Beruhigung erklären wir demnach:

Se. König!. Hoheit kann und wird frühestens in vierzehn Tagen, also jedenfalls nach der auf den 22. d. M. unwiderruflich festgesetzten Eröffnung der Ver­sammlung der Volksvertreter, in das Vaterland zurück­kehren.

Vorher wird der Prinz wie es nie anders die Absicht war Seine volle Zustimmung zu der betretenen neuen konstitutionellen Bahn öffentlich kund geben.

Jene Deputation hat gleichzeitig einen Mangel an Ver­trauen zu den Mitgliedern des Staats-Ministeriums ausge­sprochen.

Wenngleich wir dies bedauern; so können wir doch darum unsere Stellung nicht verlassen, am wenigsten jetzt, wenige Tage vor dem Zusammentritte der neuen Volksvertretung.

Wir sind dies dem ganzen Volke auch mit Rücksicht auf die aus der Hauptstadt wie aus den Provinzen uns zugegange- nen zahlreichen Adressen im entgegengesetzten Sinne schuldig. Wir sind es der Versammlung der Volksvertreter selbst schuldig, welcher wir Rechenschaft über unsere Amtshandlungen abzulegen haben.

Nach dieser nochmaligen öffentlichen Erklärung erwarten wir mit Zuversicht, daß nicht durch wiederholte Demonstrationen die Vorbereitung der Vorlagen für die Volksvertretung, insbe­sondere des Verfassungsentwurfes, ferner gehemmt werde.

Berlin, 15. Mai 1848.

Das Staatsministerium.

Camphausen. Graf v. Schwerin, v. Auerswald. Bornemann, v. Arnim. Hansemann. Graf v. Canitz, v. Patow.

Berlin, 16. Mai. (B. N.) Die Besorgnisse, welche man am 13. wegen Störung des Stadtsriedens hegte, haben sich glücklicher Weise nickt erfüllt: die Stadt blieb am Abend ganz ruhig und um Mitternacht wurde die zahlreich aufgebotene Bürger­garde entlassen.

Berlin, 16. Mai, 1 % Uhr Nachmittags. (Telegrapische Depesche des Ministerpräsidenten Camphausen an den Regie­rungspräsidenten zu Köln.) Die neuen D e m o n st r a t i o n s- versuche sind gescheitert.

Posen, 14. Mai. (Pos. Z.) Nach der dienstlichen Mel­dung des Major Jaschinski fahren die Gutsbesitzer v. Kalk­stein und v. Taczanowski fort, in den Dörfern Golluchowo und Kuczkow die Deutschen und Juden unter der Drohung: sie zu erschießen" zu zwingen, Lensen zu schmieden, und mit ihnen nach Pleschen zu marschiren.

So eben erfahren wir, daß der ehemalige Justiz-Kommissa- rius Krauthofer-KrotowSki in der Nacht vom 2. zum 3. Mai in Mofchin den Gensd'armen Malewski in Begleitung von zirka 150 Mann zur Herausgabe seines Dienstpferdes mit gejammter Equipirung unter den fürchterlichsten Drohungen, gegen seine Frau Gelvait zu gebrauchen, gezwungen hat.

Daß nicht alle Einwohner der Provinz Polnischer Natio­nalität sich nach einer Polnischen Regierung sehnen, haben Wirthe aus Szeligewo bei Krotoschin bewiesen, indem sie auS ihrer Mitte Deputirte nach Berlin schicken wollen, um zum Deutschen Bunde geschlagen zu werden, obwohl ihnen der